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Zeitschrift-Artikel: Stimmen der Väter: Georg Müller

Zeitschrift: 34 (zur Zeitschrift)
Titel: Stimmen der Väter: Georg Müller
Typ: Artikel
Autor: Georg Müller
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 201

Titel

Stimmen der Väter: Georg Müller

Vortext

Text

Georg Müller (1805 — 1898)

in Halberstadt geboren, wurde schon als junger Mann Dieb und Trinker und landete wegen Zechprel­lerei im Gefängnis.
Nach seinem Abitur entschloß er sich Theologie zu studieren, weil er glaubte, als Pfarrer ein sehr angenehmes und gesichertes Leben führen zu können. In Halle geriet er durch einen Freund in einen schlichten Erbauungskreis, in welchem auf Knien gebetet wurde. "Dieses Niederknien machte großen Eindruck auf mich. Ich hatte noch niemand auf Knien gesehen, auch selber niemals kniend gebetet." Gott benutzte diese Begegnung, um ihn von seiner Sünde zu überführen und zur Bekehrung zu bringen.

Nach seinem Studium zog er nach England und begann 1833 in Bristol arme Kinder zu versorgen und zu unterrichten. Das war der Anfang der Arbeit an den Waisen die dahin führte, daß er 2000 Waisen aufnahm und versorgte. Alle finanziellen Mittel wurden nur von Gott erbeten.
Die Motivation zu diesem Glaubenswerk entnehmen wir der Biographie von F.G. Warne: Georg Müller, die 1898 erschien:

"Durch meine seelsorgerische Arbeit in Bristol, meinen ausgedehnten Briefwechsel und den Um­gang mit Brüdern, welche mich besuchten, wurde ich bald davon überzeugt, daß die Kinder Gottes unserer Tage nichts dringender bedurften, als einer Stärkung ihres persönlichen Glaubensle­bens.
Einmal besuchte ich einen Bruder, der in seinem irdischen Beruf nicht weniger als 14-16 Stunden täglich arbeitete. Die unausbleibliche Folge hiervon war, daß nicht nur sein Körper durch die Überanstrengung litt, sondern auch seine Seele Schaden nahm, da er ja keine Zeit fand, sich mit himmlischen Dingen zu beschäf­tigen. Ich schlug ihm vor, er solle etwas weniger arbeiten, seinem Leibe mehr Ruhe gönnen und seine Seele nähren durch Gebet und nachdenken­des Lesen des Wortes Gottes. Die Antwort war, wie so oft in ähnlichen Fällen: "Wenn ich weniger arbeite, so erwerbe ich nicht genug zum Unterhalt meiner Familie; selbst jetzt habe ich kaum das Nötigste, da die Löhne so niedrig sind." Da war also kein Vertrauen auf Gott, kein williger Glaube an die Wahrheit des Wortes: "Trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerech­tigkeit, so wird euch solches alles zufallen."
Ich erwiderte in solchen Fällen etwa folgendes: "Lieber Bruder, es ist nicht deine Arbeit, welche deine Familie ernährt, sondern der Segen des Herrn. ER, der dich und die Deinen speiste, wenn du wegen Krankheit gar nicht arbeiten konntest, wird gewiß auch für dich sorgen, wenn du um deiner Seele willen etwas weniger arbeitest, um Zeit zum Bibellesen und Beten zu finden." Ein solcher Bruder mußte dann wohl zugeben, daß der Rat, den ich ihm erteilte, ein guter sei, aber sehr häufig konnte ich auf seinem Angesichte lesen: "Wie sollte ich wohl bestehen, wenn ich deinen Rat befolgen wollte."

Ich verlangte deshalb etwas zu haben, wo­rauf ich solche Christen hinweisen könnte, als auf einen sichtbaren Beweis, daß unser Gott und Vater noch derselbe treue Gott ist, wie ehemals; daß er, wie in den Tagen seiner früheren Offenbarungen, so auch in unseren Tagen willig sei, sich allen denen, die ihre Zuversicht auf ihn setzen, als den lebendigen Gott zu erweisen.

 

Zuweilen fand ich Kinder Gottes schwer im Gemüte gedrückt durch die Aussicht ihrer alten Tage, wo die Unfähigkeit zu arbeiten sie ins Armenhaus führen müsse. Hielt ich ihnen vor, wie der himmlische Vater immer noch denen geholfen habe, die auf ihn getraut, so sagten sie zuweilen, die Zeiten hätten sich geändert. Sie sahen nicht auf den Herrn als den lebendigen Gott. Meine Seele wurde oft dadurch niederge­beugt und das Verlangen wuchs, solche zweifeln­de Gemüter durch Tatsachen überzeugen zu kön­nen, daß der Herr auch in unseren Tagen die Seelen nicht verlasse, welche auf ihn trauen.
Manche ¸tristen  litten als Geschäftsleute Schaden an ihren Seelen, weil sie ihre Geschäfte beinahe auf dieselbe Weise führten, wie es unbe­kehrte Leute tun. Die Konkurrenz, die schlechten Zeiten, die Übervölkerung und vieles andere mehr wurden als Gründe angeführt, um zu be­weisen, daß man ein Geschäft nicht streng nach dem Worte Gottes führen könne. Wohl äußerte hier und da ein Bruder den schwachen Wunsch, er wäre wohl gerne in einer anderen Lage, aber sehr selten fand ich den heiligen Entschluß, zu trauen auf den lebendigen Gott und sich auf ihn zu verlassen, um ein gutes Gewissen zu be­wahren. Mich verlangte, auch diese Klasse von Christen mit sichtbaren Beweisen zu überzeugen, daß Gott unveränderlich derselbe sei.
Dann gab es solche, deren Beruf sich nicht mit ihrem Gewissen vertrug, oder die doch in einer falschen Stellung in Bezug auf die göttlichen Dinge sich befanden. Aber die einen wollten ihren Beruf, in dem sie doch nicht mit gutem Gewissen bleiben konnten, um der Folgen willen nicht aufgeben, andere wollten ihre Stellung nicht ändern, um nicht Beschäftigung und Ein­kommen zu verlieren.

Ich wußte wohl, daß das Wort Gottes für alle genügen müsse, wie es mir genügt hatte. Den­noch war ich der Überzeugung, ich müsse meinen Brüdern eine hilfreiche Hand leihen, um durch einen sichtbaren Beweis von der Unveränderlich­keit und Treue des Herrn ihre Hände in Gott zu stärken. Ich war mir bewußt, welch einen Segen meine eigene Seele empfangen hatte durch die Führungen des Gottesmannes A.H. Francke, dessen allein im Vertrauen auf den lebendigen Gott erbautes großes Waisenhaus ich oft mit Augen gesehen hatte.

 

Ich hielt mich daher verbunden, der Diener der Gemeinde Christi zu sein in dem besonderen Punkte, worin ich Gnade empfangen hatte, näm­lich darin, Gott bei seinem Worte zu nehmen und mich darauf zu verlassen. Alle Betrübnisse meiner Seele, die daraus entsprangen, daß so viele Gläubige, mit denen ich bekannt geworden war, im Gemüte gedrückt und unruhig waren oder Schuld auf ihr Gewissen luden aus Mangel an Vertrauen auf Gott, wurden Mittel in Gottes Hand, um in mir das Verlangen zu wecken, derganzen Gemeinde Gottes und der Welt den Tatbeweis zu liefern, daß Gott nicht im geringsten verändert sei. Dies schien mir aber am besten

zu geschehen durch die Errichtung eines Waisen­hauses.
Es mußte etwas sein, was man auch mit
natürlichen Augen sehen konnte. Wenn nun ein armer Mann, bloß durch Gebet und Glauben, ohne einen einzigen Menschen darum anzuspre­chen, die Mittel erhielte, ein Waisenhaus zu grün­den, so würde das etwas sein, was unter Gottes Segen dazu dienen könnte, den Glauben der Kinder Gottes zu stärken, würde aber auch dem Gewis­sen der Unbekehrten die Wirklichkeit der Dinge

Gottes bezeugen. Dies war der hauptsächliche Grund, weshalb ich ein Waisenhaus errichten wollte.

Ich begehrte aber auch von Herzen, von Gott dazu gebraucht zu werden, um arme Kinder, welche beider Eltern beraubt waren, leiblich zu versorgen und ihnen für dieses Leben in jeder Hinsicht Gutes zu erweisen. Besonders verlangte mich dann auch, die lieben Waisen in der Furcht Gottes erziehen zu helfen. Aber dennoch war und ist der wichtigste Zweck die Verherrlichung Gottes. Er selbst sollte auf unser gläubiges Gebet hin die Waisen samt uns versorgen mit allem, dessen wir bedürfen würden.

Zum Beweis, daß Gott treu sei und Gebete erhöre, sollte kein Mensch von mir oder irgendeinem meiner Mitarbeiter jemals um eine Gabe angesprochen werden. Dieser Beweis ist nun erbracht. Jedermann, und wäre er noch so blind, kann sich davon überzeugen, daß Gott Gebete erhört. - So sind denn auch durch das Lesen unserer Berichte viele Sünder bekehrt und eine große Zahl von Gottes Kindern zu einem fröh­lichen Vertrauen auf den lebendigen Gott geführt worden. Unser Ziel ist also erreicht und eine reiche Frucht des Glaubens in den Herzen der Gläubigen gezeitigt worden. Für dies alles danke ich aus innerster Seele dem Gott, dem allein Ehre und Preis gebührt."

Mit folgenden Grundsätzen lebte und arbeitet er:
1.   Wir halten dafür, daß jeder Gläubige ver­bunden ist, auf die eine oder andere Weise die Sache Christi zu unterstützen, und wir haben Schriftgrund dafür, des Herrn Segen zu erwarten über unsere Arbeit des Glaubens und in der Liebe. Obwohl, gemäß Matth. 8, 24-43; 2. Tim. 3, 1-13, und manchen anderen Stellen, die Welt nicht bekehrt werden wird vor der Wiederkunft des Herrn, so müssen doch, so lange er verzieht, alle schriftgemäßen Mittel zur Einsammlung der Erwählten Gottes angewandt werden.
2.   Mit des Herrn Hilfe gedenken wir nicht die Gunst der Welt zu suchen. Daher for­dern wir keine unbekehrten Personen von Rang oder Reichtum auf, diese Arbeit zu unterstützen. Dies würde Gott zur Unehre gereichen. Im Namen unseres Gottes werfen wir Panier auf Ps. 20,6. Er allein soll unser Schutz sein, und wenn er uns hilft, so wer­den wir Gedeihen haben; ist er nicht auf unserer Seite, so wird es auch nicht ge­lingen.
3.   Wir werden Ungläubige nicht um Geld ansprechen (2. Kor. 6,14-18), obgleich wir uns nicht für berechtigt halten, ihre Beiträge zurückzuweisen, wenn sie uns dieselben freiwillig anbieten (Apg. 28,2-10).
4.   Wir weisen die Beteiligung der Nichtglau­benden von der Leitung und Führung der Angelegenheiten dieser Anstalt durch­aus zurück (2. Kor. 6,14-18).
5.   Wir gedenken niemals unser Arbeitsfeld dadurch zu erweitern, daß wir Schulden machen (Röm. 13,8) und nachher die Gemeinde Gottes um Hilfe ansprechen. Das widerspricht sowohl dem Geist, als dem Buchstaben des Neuen Testamentes. Wir wollen mit Gottes Hilfe die Bedürf­nisse der Anstalt im verborgenen Gebet vor Gott bringen und alsdann tun, je nach den Mitteln, die er verleiht.
6.   Wir meinen nicht, die Erfolge der Arbeit nach den aufgewandten Geldsummen oder nach der Zahl der verteilten Bibeln be­rechnen zu können, sondern nach des Herrn Segen über das Werk (Sach. 4,6), und diesen Segen erwarten wir nach dem Maße, als er uns beisteht, im Gebet auf ihn zu harren.
7.   Ohne nach unnötiger Absonderlichkeit zu trachten, begehren wir, einfach nach der Schrift zu Werke zu gehen, und nehmen jede Belehrung mit Dank an, welche uns erfahrene Gläubige auf Grund der Heiligen Schrift inbetreff der Anstalt zukommen lassen.

 

Am Ende seines Lebens sagte er rückblickend:
"Siebenzig Jahre lang versuchte ich, der Ge­meinde vor Augen zu stellen, daß ein Mensch sich nichts nehmen kann, es werde ihm denn von oben gegeben, und daß daher der große Geber und nicht der arme Empfänger zu verherrlichen ist."

Nachtext

Quellenangaben