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Zeitschrift-Artikel: Biblisch begründete Seelsorge?

Zeitschrift: 38 (zur Zeitschrift)
Titel: Biblisch begründete Seelsorge?
Typ: Artikel
Autor: Gerrit Alberts
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 202

Titel

Biblisch begründete Seelsorge?

Vortext

Text

...zu Recht: "Hat die evangelische Theologie ihr Erstgeburtsrecht für eine psychologische Wasser­suppe verkauft?" (Mowrer, The Crisis in Psychia­try and Religion, Princeton, S. 60)

Bei aller Sympathie für diese Sichtweise möchte ich im Folgenden auf einige grundlegende Punkte hinweisen, die nach meinem Bibelverständ­nis nicht mit dem Wort Gottes übereinstimmen.

Einige kritische Anmerkungen zu dem Buch von

Wolfhard Margies: Heilung durch sein Wort

-       Der Verzicht auf Psychotherapie (Bd.l)

-       Die geistliche Behandlung seelischer und körperlicher Krankheiten (Bd.2) (Urbach, 1980)

Die beiden Bände von Margies stellen einen Ver­such dar, biblische Seelsorge systematisch zu be­schreiben. In einer Zeit, in der seelische "Krankheiten" und Probleme auch unter Christen überhand nehmen, in der zudem manche die Lösung ihrer psychischen Probleme von psychotherapeu­tischen Behandlungen erhoffen, ist diese Absicht anerkennenswert.
Der amerikanische Psychologie-Professor Ken­neth Gergen hat das Verhältnis zwischen Religion und Psychologie mit folgenden Worten beschrieben: "Heute . . . wird die Religion von vielen als Lieferant für die Regeln des menschlichen Verhal­tens abgelehnt, die Psychologen haben in vielem die Rolle als säkulare Priester eingenommen." (in: Psychologie heute, Okt. 1981, S. 62)
Die Christen, an die Petrus schrieb, hatten ihre Seelen gereinigt durch den Gehorsam gegen die Wahrheit (1. Petr. 1,22). Heute wird die See­lenreinigung (Kartharsis) vielfach erwartet von der Psycho (= Seelen) -Therapie, so daß also Got­tes Wort und psychotherapeutische Theorien sich wie These und Antithese gegenüberstehen und letz­tere zu einer Art Ersatzreligion geworden sind.
Es ist einer von mehreren positiven Aspekten der beiden Bände, daß die Unvereinbarkeit der gängigen Psychotherapien, wie die tiefenpsycholo­gischen Verfahren von Freud und Jung und die non-direktive Gesprächstherapie von Rogers mit den in der Bibel beschriebenen Lösungen für un­sere seelischen Probleme klar herausgestellt wird. Margies, der selber eine Zeit lang als Arzt in der Psychotherapie tätig gewesen ist, sucht die Hilfe für alle seelischen "Krankheiten" in Gottes Wort und verneint die Existenzberechtigung der ungöttlichen Psychotherapien für einen Chri­sten. Diese Psychotherapien beruhen auf unbibli­schen Vorstellungen vom Menschen. Die Notwendig­keit der göttlichen Vergebung wird geleugnet. Die Probleme, die aus der Trennung von Gott und aus dem Ungehorsam gegen sein Wort resultieren, wer­den uminterpretiert. Angesichts der Tatsache, daß auch manche Christen Heilung von solchen Methoden erwarten, fragt der ungläubige Psychologe Mowrer
 
1. Das Menschenbild
Margies versucht in Anlehnung an Watchman Nee (den ich ansonsten sehr schätze) ein Menschenbild zu entfalten, das von einem "dreiteiligen Aufbau der menschlichen Person" (Bd. 1, S. 27) durch Geist, Seele und Leib ausgeht, wobei dann den einzelnen Bestandteilen bestimmte Funktionen zu­geordnet werden. Die Seele hat nach Watchman Nee und in seinem Gefolge auch nach Margies die Funk­tionen des Verstandes, des Gefühls und des Wil­lens. Margies geht davon aus, daß diese Bezeich­nungen in der Bibel "exakt definierte Begriffe" darstellen und einheitlich verwendet werden.
Die Dreiteilung des Menschen in Geist, Seele
und Leib wird mit 1. Thess. 5,23 begründet ("Euer ganzer Geist und Seele und Leib werde tadellos bewahrt ..."). Mit derselben Logik könnte man je­doch beispielsweise nach Mark. 12,30 behaupten, daß der Mensch mindestens aus vier Teilen besteht (Herz, Seele, Verstand, Kraft). Weiterhin müßte man fragen, warum Seele und Verstand dort ge­trennt aufgezählt werden, wenn doch der Verstand nur Bestandteil der Seele ist. Auf ähnliche Weise könnte man viele Bibelstellen anführen, die die Ausführungen von Watchman Nee und Margies in Frage stellen.
Auf die zahlreichen Einzelfragen im Zusammen­hang mit dem Menschenbild kann ich hier nicht eingehen. (Solchen, die sich näher mit dem bibli­schen Menschenbild und den Bedeutungen der Be­griffe wie Geist und Seele beschäftigen möchten und der holländischen Sprache mächtig sind, sei die scharfsinnige Analyse von Ouweneel in 'Bijbel und Wetenschap', Nr. 39, S. 34-38 empfohlen.) Vielmehr möchte ich den methodischen Ausgangs­punkt problematisieren. Wenn wir die Bedeutung der Begriffe wie Geist, Seele und Leib in der Bi­bel herausfinden wollen, müssen wir wohl beden­ken, daß in der Bibel keine wissenschaftliche Sprache verwendet wird, in der die Begriffe genau definiert und einheitlich gebraucht werden. Die Sprache der Bibel ist in dieser Hinsicht mehr zu vergleichen mit der Alltagssprache, in der Be­griffe eine größere Formbarkeit und eine durch den Sprachzusammenhang bestimmte Bedeutung haben. So hat beispielsweise der Begriff "Fleisch" eine Reihe von unterschiedlichen Bedeutungsnuancen. Wenn Paulus sagt: "Ich weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt" (Röm. 7,18), ist damit etwas wesentlich anderes gemeint als in Joh. 1,14: "Und das Wort ward Fleisch ...". So könnte man fortfahren: In den Schriften
von Petrus wird der Begriff Seele als Ausdruck für die ganze Persönlichkeit einschließlich der "geistlichen" Aspekte verwandt (1. Petr. 1,9 u. 22; 2,11; 4,19; 2. Petr. 2,8 u. 14), während Pau­lus Geist und Seele schärfer trennt und in dem Begriff "Geist" mehr das auf Gott Bezogene un­seres Wesens sieht. (Siehe Röm. 8,16) Deswegen schreibt Paulus in Gal. 5,17, daß das Fleisch wi­der den Geist gelüstet (dort ist sicherlich in erster Linie der Heilige Geist gemeint, der mit unserem Geiste zeugt); während im Sprachgebrauch von Petrus die fleischlichen Lüste gegen die See­le streiten (1. Petr. 2,11).
Wenn man jedoch wie Margies davon ausgeht, daß diese Begriffe überall dasselbe bedeuten, kommt man zu den merkwürdigsten Schlußfolgerun­gen: "... der Körper als die Quelle der energie­reichen Dränge und Antriebe" übt nach Margies "nur einen negativen Einfluß auf die Seele" aus (Bd. 1, S. 63). Kol. 2,23 hingegen macht deut­lich, daß dem Leib "eine gewisse Ehre" zukommt. Weiterhin meint Margies: "Es ist ausdrücklich neutestamentliche Aussage, daß Seele und Körper durch die Bekehrung selbst nicht verändert wer­den" (Bd. 1, S. 63). Demgegenüber weisen Bibel­stellen wie 1. Petr. 1,22; Hebr. 10,39 und Apg. 2,41 - was die Seele angeht - in eine andere Richtung.
Noch problematischer und gefährlicher wird es, wenn Margies Schlußfolgerungen aus seinem Mo­dell zieht für die Geistesgaben. Da die Geistes­gaben sich eben auf den Geist beziehen, sollen seelische Komponenten, wozu nach Margies auch der Verstand gehört, weitgehend unbeteiligt bleiben: "Die Charismen lassen jedoch die Verstandeskompo­nente im Handlungsablauf aus. Die Weissagung, ..., ist ebenso irrational wie die Gabe der Weis­heit, der Zungen und ihrer Auslegung, der Wunder, der Heilung und der Geisterunterscheidung. Jede Gabe kann, wenn sie keusch angewendet wird, gro­ßen Nutzen bringen, und doch ist sie dabei frei von einer psychischen Leistung" (Bd. 1, S. 71). Diese Aussage ist grob unbiblisch. In 1. Kor. 14,20, wo es um die Ausübung von Geistesgaben geht, ermahnt Paulus: "Brüder, werdet nicht Kin­der am Verstand, sondern an der Bosheit werdet Unmündige, am Verstand aber werdet Erwachsene."
Aus diesen und vielen anderen Stellen wird deutlich, daß durch das klare Schema, das Margies zu entwerfen versucht, eine Reihe von Verwirrun­gen entstehen.

2. Dämonenaustreibung
In Bezug auf die Dämonologie gibt es viele unterschiedliche Auffassungen und viel Verwirrung innerhalb der Christenheit. Ich möchte ganz be­stimmt nicht den Anspruch erheben, darin der Weisheit letzten Schluß gefunden zu haben. Gerade bei diesem Thema ist es sehr wichtig, die Bibel genau zu untersuchen. Die Berufung auf irgend­welche noch so eindrücklichen Erfahrungen kann uns keine Sicherheit über die tatsächlichen Sach­verhalte geben. Der Teufel ist ein Lügner und der Vater derselben (Joh. 8,44). Er kann uns tausend und eine schöne Erfahrung vorgaukeln, um uns letztlich von der zuverlässigen Grundlage des Wortes Gottes wegzuführen.
Margies räumt den dämonischen Mächten bei der Entstehung von seelischen und einigen körperli­chen Störungen ein große Rolle ein. Obwohl es auch zu diesen Ausführungen manche Anmerkung zu machen gäbe, ist dieser Grundsatz zweifellos richtig. Ich finde es jedoch wichtig, hinter je­der Sünde den Teufel zu sehen. "Jeder, der sün­digt, ist aus dem Teufel." (1. Joh. 3,8)
Jede Sünde hat eine zerstörerische Wirkung auf unsere Persönlichkeit und manifestiert den Einfluß des Teufels auf uns. "Jeder, der gegen mich sündigt, tut seiner Seele Gewalt an" wird von der Weisheit Gottes gesagt (Spr. 8,36). Die prinzipielle Trennung in sogenannte Okkultsünden und andere Sünden habe ich in der Bibel nicht nachvollziehen können. Sie kann leicht zu Verein­seitigungen führen. Damit will ich okkulte Prak­tiken nicht verharmlosen: Die direkte Inanspruch­nahme dämonischer Kräfte - ob bewußt oder unbe­wußt - hat sicherlich schwerwiegende Folgen für den ganzen Menschen..

In der Frage, wie man frei wird von dämo­nischen Einflüssen, betont Margies die Bedeutung der Buße. Dieser Tatbestand ist deutlich wieder­zufinden in der Bibel (z.B. 2. Tim. 2,25- 26). Andererseits spielen in seinen Vorstellungen von Seelsorge Dämonenaustreibungen eine wichtige Rol­le. Dabei stellt sich die Frage: Welche Bibel­stelle legitimiert uns dazu, Dämonenaustreibungen zu praktizieren? Ich habe bislang weder in der Bibel noch in den verschiedenen Büchern über Seelsorge eine überzeugende Begründung dafür ge­funden. Margies spricht in dem Zusammenhang von "Binden" und "Lösen" in Anlehnung an Matth. 18,18: "Was irgend ihr auf der Erde binden wer­det, wird im Himmel gebunden sein, und was irgend ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel ge­löst sein." Jedoch bezieht sich weder diese Bi­belstelle noch die in Matth. 16,19 auf Dämonen­austreibungen. In Matth. 18,18 geht es um die Au­torität der Versammlung des lebendigen Gottes in der Gemeindezucht. Daraus eine Lehre über Dämo­nenaustreibung zu konstruieren, ist eine krasse Verbiegung des Textes.
Weiterhin nehmen Margies und mit ihm viele andere die Dämonenaustreibungen des Herrn Jesus und der Jünger, die in den Evangelien und in der Apostelgeschichte berichtet werden, als Legitima­tion für die eigene Praxis. Auch das scheint mir sehr problematisch zu sein: In Mark. 16,17 nennt der Herr die Austreibung der Dämonen in seinem Namen unter den Zeichen. Jedes Mal, wenn in der Apostelgeschichte von Dämonenaustreibungen be­richtet wird, werden sie ausdrücklich als Zeichen

und Wunder charakterisiert (Siehe Apg. 5,12 u. 16,8, 6 u. 7, 19,11 u. 12). Eine Ausnahme bildet Apg. 16,16ff., wo Paulus den Pythons-Geist von der Magd austreibt. Auch dort hat die Handlung jedoch ganz deutlich den Charakter eines Zei­chens.
Wenn nun das Wirken göttlicher Zeichen und Wunder durch Menschen ein Kennzeichen des Beginns einer neuen Heilsperiode ist, wofür es in der Bi­bel eine Reihe von Hinweisen gibt (siehe dazu die Artikelserie von Benedikt Peters über 'Die Bedeu­tung der Zeichen und Wunder in der Bibel' in 'FeSt und treu'), dann müssen wir - gelinde ge­sagt - sehr vorsichtig sein, der Dämonenaustrei­bung in unserer Zeit, die ja das Ende einer Heilsperiode ist, eine Rolle beizumessen.
Wie wird man auf eine biblische Weise frei von dämonischen Bindungen und okkulten Sünden? Einige Grundsätze, die ich dazu in der Bibel ge­funden habe:

-  Paulus wurde von dem Herrn zu dem Volk Israel und zu den Nationen gesandt, "ihre Augen aufzu­tun, daß sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und der Gewalt des Satans zu Gott . .

" (Apg. 26,18).

-   Timotheus sollte solche, die von dem Teufel gefangen waren, mit Sanftmut zurechtweisen, "ob Gott ihnen nicht etwa Buße gebe zur Erkenntnis der Wahrheit, daß sie wieder nüchtern werden aus den Fallstricken des Teufels, die von ihm gefangen sind für seinen Willen" (2. Tim. 2,25 u. 26).

-  "Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit" (2. Joh. 7,9).

 

3. Krankenheilungen
Margies meint: "Gott haßt Krankheit und will Heilung. Krankheit ist kein primäres Erziehungs­mittel Gottes. Es ist mit der Liebe Gottes nicht vereinbar; Krankheit wird von Gott nicht bejaht" (Bd. 2, S. 75). Er schlußfolgert, daß wir demnach "körperliche Gesundheit beanspruchen können" (Bd. 2, S. 77). Wohl ist es richtig, daß der Herr Jesus das Lamm geworden ist, "welches die Sünde der Welt wegnimmt" (Joh. 1,29). Am Kreuz hat er die Grundlage dafür geschaffen, daß einmal der gesamte Kosmos von der Sünde und ihren Folgen (z.B. Krankheit, Tod) frei wird. Diese Zeit ist allerdings noch zukünftig. Noch ist die Schöpfung der Nichtigkeit (Hinfälligkeit) und der Knecht­schaft der Vergänglichkeit unterworfen (Röm. 8,20 u. 21). "... auch wir selbst, die wir die Erst­linge des Geistes haben, auch wir selbst seufzen in uns selbst, erwartend die Sohnschaft: die Er­lösung des Leibes" (Röm. 8,23). Unser Leib ist also Bestandteil dieser Schöpfung und damit noch der Nichtigkeit einschließlich Krankheit und Tod unterworfen. Die Erlösung unseres Leibes ist zu­künftig. (Ausführlicher dazu siehe Heijkoop; Ge­betsheilungen, Zungenreden und Wunder im Lichte der Schrift, S. 38-44.)
An manchen anderen fragwürdigen Punkten lie­ßen sich ebenfalls ungesunde Tendenzen der Lehren Margies aufzeigen: Das "nicht lauthafte Sprachen-gebet" (?) als Therapeutikum (Bd. 2, S. 26), die

Nachtext

Quellenangaben