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Zeitschrift-Artikel: Streiflichter aus Honduras

Zeitschrift: 158 (zur Zeitschrift)
Titel: Streiflichter aus Honduras
Typ: Artikel
Autor: Oscar Zavala
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 96

Titel

Streiflichter aus Honduras

Vortext

Seit 1993 besuchen wir jährlich mit einem Team das kleine, materiell arme und äußerst kriminelle Land Honduras in Mittelamerika. Immer wieder haben wir in „Fest und Treu“ davon berichtet. Auch in diesem Jahr waren wir dort und konnten viele Gemeinden besuchen, neue Kontakte knüpfen, viel Literatur verbreiten und eine große Familien-Konferenz mit über 350 Besuchern durchführen. Hier trafen wir auch – wie in den letzten Jahren – die junge Schwester Ricci, deren bewegende Geschichte wir in den vergangenen Ausgaben berichtet haben und auch den Evangelisten Oscar Zavala, der diesmal auch seine Frau Mary mitgebracht hatte. In der Mittagspause erzählte er uns seine interessante Lebensgeschichte, die wir hier sinngemäß wiedergeben. Oscar ist ein Evangelist wie aus dem Bilderbuch: Eine massive Gestalt, ein überaus lautes Organ, das vom vielen Predigen rauh und kratzig klingt und dazu eine Portion Humor und Schlagfertigkeit. Hier seine Geschichte:

Text

› Der Ruf am Sterbebett! In einer armen Familie in Honduras aufgewachsen und stockungläubig begann ich nach meiner Schulzeit mit vierzehn Jahren eine Ausbildung zum Automechaniker. Dort lernte ich einen Jugendlichen kennen – der glaubte tatsächlich an Jesus Christus und war durch sein gottgeweihtes Leben ganz anders als alle anderen, die ich kannte. Drei Jahre lang predigte er mir das Evangelium, aber die ganze Zeit über wollte ich es nie hören. Als Antwort darauf lachte ich ihn aus und tat ihm Dinge an, deren ich mich heute nur schämen kann. Aber er ertrug es all die Jahre. Eines Tages kam ein Unwetter und auf dem Meer bildeten sich Tornados. Während meine Freunde und ich im Bus saßen und uns belustigten, war der junge Christ draußen und neigte seinen Kopf zu Boden. Ich fragte ihn, was er zu dem Unwetter sage, dass auf dem Meer zu sehen war. Er antwortete mir, dass das bloß ein Teil von Gottes Macht sei und dass Gott eines Tages die ganze Welt richten würde und noch viel größere Dinge tun könnte. Dann erzählte er mir vom Opfer Christi am Kreuz und von dem Ende, das Menschen nach einem Leben ohne Christus nehmen würden. Er sagte mir, dass es einen Weg gäbe, wie man dem Gericht Gottes entgehen könne: Ich müsste mein Leben dem Herrn übergeben und meine Sünden bekennen. Ich antwortete ihm daraufhin: „Ich brauche Deinen Gott!“ Einige Tage später, im Mai 1994, übergab ich mein Leben dem Herrn Jesus und erlebte meine Bekehrung. Von diesem Moment an spürte ich einen Frieden in meinem Inneren und dachte über meine Entscheidung nach, mein unordentliches Leben und meinen dreckigen Wortschatz zu beenden und bat Gott, mich zu verändern. So begann mein Leben mit dem Herrn und in mir wuchs der Wunsch, die Bibel zu lesen und das Wort Gottes kennen zu lernen. › Der Ruf in den Dienst Es vergingen viele Jahre als Christ mit viel Wissen aber wenig Nachfolge. Es fehlte an Brüdern, die mir ein dem Herrn hingegebenes Leben vorlebten. So führte ich ein bequemes Leben, interessierte mich ausschließlich für materielle Dinge und mein Wunsch, geistlich zu wachsen, starb, weil ich meine bisherige Arbeit als wichtiger erachtete. Denn ohne Geld konnte ich nicht leben und so begann ich mir ein Haus zu bauen und verschwendete mein Geld in materielle Dinge, die dem Herrn keine Ehre gaben. Um mir dies alles leisten zu können, wurde ich technischer Mechaniker und arbeitete in einem Busunternehmen. Doch dort erlebte ich einen Unfall und war ein Jahr lang an den Rollstuhl gebunden. Ich erholte mich wieder, aber es diente mir nicht zur Umkehr und Hingabe an den Herrn. In dieser Zeit machte ich mich selbstständig, gründete meine eigene Werkstatt und reparierte auch Boote am Hafen. Ich war erfolgreich, verdiente immer mehr Geld und konnte sogar Arbeiter einstellen. Der Materialismus packte mich voll und ganz und meine Arbeit war mir wichtiger als die Gemeindeversammlungen. In dieser Zeit lernte ich auch meine Frau Mary kennen und wir heirateten im Jahr 2002. Einige Zeit später zog der Bruder Mariano Ávila mit seiner Frau Lilian und seinen Kindern aus Roatán nach Ceiba und schloss sich derselben Gemeinde an, zu der auch wir gehörten. Mariano und ich wurden gute Freunde. Doch schon nach kurzer Zeit erkrankte seine Frau schwer an Krebs. Eines Tages, als sie im Krankenhaus lag, rief mich Mariano an und bat mich, einen Moment bei seiner Frau im Krankenhaus zu bleiben, damit er zu Hause nach den Kindern sehen konnte. Er sagte mir, dass seine Frau sehr schlecht dran war und nicht zu einem Gespräch in der Lage sei. Ich besuchte sie in ihrem Zimmer und als sie mich sah, begann sie zu weinen. Ich hatte einen Kloß im Hals und konnte kein tröstliches Wort sagen. Ich stotterte nur: „Schwester, ich verstehe Gott nicht.“ Darauf antwortete sie mir unter Tränen: „Ich weine nicht über Dich. Ich weine, weil ich sterben werde. Ich weine, weil ich dann vor Gott stehen werde und weiß, dass ich nichts für ihn getan habe und ihm mit leeren Händen begegnen werde!“ Sie war eine Frau, die dem Herrn immer treu gedient hatte und ihre Worte erschütterten mich, als sie mir sagte: „Du bist ein Bruder voller Lebensfreude. Aber investiere Dich doch ganz in das Reich Gottes, damit Du nicht traurig sein musst, wenn Du auf dem Sterbebett liegst.“ In diesem ernsten Moment sagte ich ihr: „Schwester, ich verspreche Dir, dass ich aufgebraucht im Dienst für den Herrn sterben werde, um das zu tun, was Du glaubst nicht getan zu haben.“ Von diesem Augenblick an nahmen mein Leben und meine Gedanken eine Wende. Wenige Tage später ging Schwester Lilian heim, um beim Herrn zu sein. Ich werde ihre Worte nie mehr vergessen, weil sie das Mittel waren, das der Herr nutzte, um mich aufzuwecken, das Werk Christi neu wert zu schätzen und den Zweck zu verstehen, zu dem wir berufen sind. › Auf der Suche nach Vorbildern Nun begann ich nach Brüdern zu suchen, die mir beibringen konnten, wie man die Bibel studiert und begann,mein Geld in den Kauf von Studienbüchern und Bibeln zu investieren. Noch im selben Jahr wurde bei Eliseo López, einem hingegebenen Bruder aus unserem Land, Krebs festgestellt. Ich betete, dass Gott ihn noch wenigstens ein Jahr am Leben halten möge, damit ich von ihm lernen und so meinen Dienst im Werk des Herrn anfangen könnte. So lernte ich von ihm, indem ich von Ceiba aus zwei Stunden im Auto fuhr. Jeden Sonntag fuhr ich um fünf Uhr nachmittags los und kam um ein Uhr nachts wieder nach Hause – und das drei Jahre lang. Dann entschied ich mich ein Fortbildungsjahr zu machen, um besser die Bibel studieren zu können und mit Gottes Hilfe veränderte sich mein geistliches Leben. In meiner Ortsgemeinde begann ich das Evangelium zu predigen und die Geschwister bemerkten meine radikale Veränderung und dass ich zu einem aktiven Mitarbeiter geworden war. So begann unsere Arbeit. Meine erste Schülerin war meine eigene Frau und dann begann ich auch eine Gruppe von Jugendlichen aus unse- rer Ortsgemeinde zu unterrichten. Mit ihnen fuhren wir auf’s Land und predigten in den Dörfern das Evangelium. Dort in Rio de Piedra versammeln sich mittlerweile schon einige Geschwister. So setzten wir unsere Arbeit im Werk fort, doch ich behielt weiterhin noch meine Werkstatt. › Allein aus Glauben leben Ich arbeitete immer drei Wochen in der Werkstatt und dann fuhr ich eine Woche auf‘s Land und predigte das Evangelium. Aber in dieser Zeit bekam ich Probleme mit meinen Kunden in der Werkstatt, weil ich eine Woche im Monat fehlte und sie mich fragten, ob ich durch das Predigen des Evangeliums mehr Geld verdienen würde. Sie haben mich dafür ausgelacht, dass ich so unvernünftig war und mehr Zeit in die Arbeit am Reich Gottes investierte als für meine Arbeit in der Werkstatt. Mir wurde bewusst, dass ich auf die Dauer nicht mehr beides machen konnte. Und so besprach ich mit meiner Frau, dass wir lernen wollten, allein aus Glauben zu leben und darum die Werkstatt zu schließen. Es kamen schwierige Situationen und uns begegneten neue Probleme, weil der Feind unseren Dienst zerstören wollte. Aber Gott stützte uns und wir konnten weiter auf ihn vertrauen und ihm in seinem Werk dienen. Die Ältesten unserer Gemeinde waren aufmerksam, beteten für uns und luden mich ein, um mit mir darüber zu sprechen, ob ich of ziell und vollzeitig im Werk des Herrn arbeiten wollte. Aber ich erbat mir zuerst Rat von Missionaren und die sagten mir, dass ich besser im Stillen arbeiten sollte, um nicht stolz zu werden und um zu lernen, allein vom Herrn abhängig zu leben. Zu gegebener Zeit würde sich das durch den Dienst zeigen und die Ältesten waren damit einverstanden. So haben wir dann unsere Werkstatt geschlossen, um nun allein im Evangelium zu arbeiten und waren abhängig von etwas Erspartem, das wir besaßen. Wir hatten ein Fahrzeug, das nicht mehr funktionsfähig war. Ich ging zu den Ältesten-Seminaren und kaufte Biogra en von Männern und Frauen, die ihr Leben dem Herrn widmeten, damit meine Frau sie las. Eines Tages kam ich vom Predigen in einem Bezirk von Olancho zurück. Meine Frau erwartete mich schon und sagte mir, dass wir bisher von unserem Ersparten abhängig waren. Wenn wir aber vom Herrn abhängig sein wollten, dann sollten wir nun unser Erspartes nehmen und ein stabiles Auto kaufen, das nützlich sein könnte für den Dienst des Herrn. So begannen wir, alle unsere Zeit und unser Geld im Reich des Herrn anzulegen. Zu dieser Zeit waren meine Frau und ich schon über zehn Jahre verheiratet, konnten keine Kinder bekommen und nahmen das als Gottes Willen an. Die Ärzte empfahlen uns zwar Kinder zu adoptieren, aber meine Frau und ich hielten daran fest, dass es so der Wille des Herrn war. › Gott segnet Als ich aber zwei Jahre Bibelstudium mit den Brüdern in Tegucigalpa abgeschlossen hatte, segnete uns Gott und meine Frau wurde schwanger mit unserem Sohn Oscar Eli, der 2012 geboren wurde. Durch ihn und jede andere Segnung konnten wir in unserem Leben über die Macht Gottes staunen. Wir widmeten weiter unser Leben Gott, um Geschwister anzuleiten und mitzunehmen, die dem Herrn dienen wollten. Dazu gehört auch Ricci und ihre Schwester Sylvia, in deren Dorf wir nun schon einige Jahre jeden Samstag Kinderstunden machen und das Evangelium verkündigen. Ihre Geschichte habt ihr ja schon in eurer Zeitschrift berichtet. Obwohl wir bisher noch keine Frucht ernten durften machen wir weiter – bis sich alle im Dorf bekehrt haben, oder der Herr kommt. Bisher haben wir Gottes Treue in allen Lebensbereichen erfahren. Es ist uns eine große Freude Ihm zu dienen!

Nachtext

Quellenangaben