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Zeitschrift-Artikel: Der schmale Weg

Zeitschrift: 128 (zur Zeitschrift)
Titel: Der schmale Weg
Typ: Artikel
Autor: Friedemann Wunderlich
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 3180

Titel

Der schmale Weg

Vortext

Text

„Sterben für Jesus“ – und noch viel mehr …

Plötzlich werden wir Christen unsanft aus einem süßen Traum geweckt. Das Erschrecken ist groß. Wir Evangelikale stehen am Pranger, werden diffamiert und auf eine Stufe mit Extremisten und Taliban gestellt. Danke an die Medien, dass sie uns aus den Träumen aufgeweckt haben! Es ist eine gute Gelegenheit und endlich Zeit für Nachfolger Jesu, den eigenen Auftrag und das eigene Profil von Mission neu zu klären. Nicht überall wo Mission drauf steht, ist auch Mission drin. Vielen Dank den Journalisten, die eine wichtige interne Diskussion unter uns ausgelöst haben. Warum auch nicht? Ist die Kritik von Journalisten an Evangelikalen wirklich so schlimm? Und was ist daran falsch?

Der evangelikale Traum

Über viele Jahre ist uns in unseren westlichen Ländern ein Christsein gepredigt worden, das sich Schritt für Schritt von den Vorgaben Jesu entfernt hat. Wir haben geglaubt und geträumt, dass Christen und Nichtchristen kaum etwas im Leben unterscheidet. „Christen sind nicht besser, sie sind nur besser dran!“, heißt eine überhebliche Redewendung, die zum Träumen einlädt. „Möge der Wind immer von hinten kommen!“, ist ein weit verbreiteter Segensspruch, der uns in einen gemütlichen, aber lebensgefährlichen Schlaf wiegt. Es gibt nicht nur amerikanische Träume. Unser normaler, evangelikaler Lebenstraum besteht darin, einen guten Beruf, eine nette Familie, ein Haus, ein Hobby und ein Auto zu besitzen. Jedes Jahr ein bisschen mehr. Und natürlich gesund bleiben – „Hauptsache gesund!“ Sterben? Wenn schon, dann „plötzlich und unerwartet“ mit 95 Jahren, als aktives Mitglied im christlichen Sportverein und mit der Müslischale in der Hand. Man träumt von einer großen Gemeinde, in der man sich mit Gleichgesinnten zu bestimmten Zeiten, vorrangig am Sonntag, treffen kann. Das Programm sollte interessant sein, möglichst nicht weltfremd und die Predigt kurz und knackig, so dass man seine nicht christlichen Freunde gut mitbringen kann, ohne dass es hinterher Krach gibt. Und bitte nicht zu viele Ausländer in der Gemeinde! Und keine „Zigeuner“! Und keine Asylanten! Und keine Hartz IV-Empfänger! Und keine Behinderten! Und keine Drogenabhängigen! Und keine … Evangelisation und Mission? Ja, aber bitte als Freundschaftstreffen, als Plausch über Gott und die Welt, als Diskussion über den Sinn des Lebens, als Lösungsangebot für Lebensfragen und eingepackt in soziale und humanitäre Aktionen, am besten in Übereinstimmung mit den Millenniumszielen der Vereinten Nationen, die in ihrer evangelikalen Verpackung als „Micha- Initiative“ bezeichnet werden. So weit, so gut. Aber ist das alles wirklich unsere Botschaft? Haben wir Evangelikale vergessen ehrlich zu sein? Haben uns einige Journalisten auf ihre Art entlarvt? Unsere evangelikalen Träume passen nur sehr schwer zu den Worten des Herrn, nach dessen Namen wir uns benennen und zu dessen Bewegung wir uns zählen. Jesus Christus hat vor fast 2000 Jahren seinen Nachfolgern für alle Zeiten ein eindeutiges Programm für ihr Leben mit auf den Weg gegeben.

Das Programm

Die Anmoderation Jesu an seine Nachfolger ist an Deutlichkeit und Schärfe nicht zu überbieten: „Geht hin! Siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter Wölfe!“ (Lk 10,3). Dagegen klingen die einleitenden Worte kritischer Journalisten, wie am 4.8.09 im ZDF, direkt soft. Dort wurde u.a. gesagt: „Missionare – es gibt sie wirklich noch. Angeworben von evangelikalen Missionswerken wollen sie den rechten Glauben vor allem in solchen Weltgegenden verbreiten, die sie als ‚unerreicht’ bezeichnen … Willkommen sind die Verkünder des Gotteswortes dort nicht: Manche bezahlen ihr Missionsabenteuer mit dem Leben. Und sind dazu auch bereit.“ Was Jesus einer kleinen Gruppe von zwölf Personen mit auf den Weg gibt (Mt 10,16ff ), wird nun auch zu dem Programm der 70 Gesandten (Lk 10,1-12). Mit diesen 70 wird der Weg der Nachfolger Jesu für alle Zeiten vorgezeichnet. Es beginnt mit dem Bild eines Hirten, der seine Schafe zu den Wölfen schickt. Was für ein Hirte! Kein Schaf macht das freiwillig! Jesus Christus erwartet von seinen Nachfolgern nichts Schweres – er erwartet menschlich Unmögliches! Aber Jesus Christus ist unser Hirte und er verlangt von seinen Nachfolgern, dass sie ihr eigenes Leben völlig dem Reich Gottes unterordnen. Seine Worte reißen uns Evangelikale aus allen Träumen!

Leiden ist Teil der Nachfolge

Wir folgen einem Herrn, der nichts Irdisches besaß, der Einsamkeit, Hunger und Schmerzen erlebt hat. Er wurde andauernd missverstanden. Er wurde selbst von seinen eigenen Leuten in der Krise alleine gelassen. Er tat das alles freiwillig. Er verzichtete auf Anerkennung und Herrlichkeit. Er gab sein Leben freiwillig, weil er den Willen seines Vaters erfüllen wollte. Wer Leiden als Verlust des Segens Gottes empfindet und sich einredet, dass der Segen Gottes in Wohlstand, Gesundheit und Anerkennung besteht, der gerät in die Krise, wenn Jesus ihn anders führt. Vielleicht ist das eins der schwerwiegendsten Missverständnisse. Wir denken viel zu häufig, dass es um uns gehen würde, um unser eigenes Wohlergehen. Aber Jesus folgen heißt, sich selbst vergessen und Gott ehren. „Ihr werdet von allen gehasst werden!“ (Mt 10,22). Wir haben uns viel zu lange einreden lassen, dass die Menschen eigentlich gerne mit Jesus leben möchten und sich – wenn wir es nur richtig einstielen – freuen, wenn sie sich mit uns zu einem Plausch treffen können. Mission ist aber die Verkündigung eines für die meisten Menschen dummen Geschwätzes (1Kor 1,18.22- 25)! Mission zeigt die Absolutheit und Einseitigkeit des Wortes Gottes auf. Wer Freund der Welt sein will, der hat die Freundschaft mit Gott verloren (1Joh 2,15-17). Hier zeigt uns die Bibel die Grenzen der Freundschaftsevangelisation auf.

Flucht und Vertreibung gehören zur Biographie

Wir beschäftigen uns mit dem Ausbau unserer irdischen Besitztümer und mit einem schönen Altersruhesitz. Jesus jedoch hat all seinen Nachfolgern angekündigt, dass sie ihren Besitz verlieren und zu Flüchtlingen werden – und wie Menschen umherirren, „die der Welt nicht wert waren“ (Hebr 11,38). Wo gibt es Seminare und Kongresse, die Nachfolger Jesu auf solche Zeiten vorbereiten? Das ist das Ende eines Schafes, das vom Hirten bewusst zu den Wölfen geschickt wird: Es wird gefressen. Allein die Vorstellung löst bei mir Schmerzen aus. Aber Jesus Christus hat gesagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ (Joh 12,24). Unser Herr, dem wir folgen, wurde nie wegen begangenem Unrecht und schlechten Dingen angeklagt, sondern er litt, weil er Recht tat und es ihm als Unrecht ausgelegt wurde. „Nicht das, was wir mit der Welt gemeinsam haben, gibt uns Einfluss, sondern nur das, was uns von ihr trennt. Wir sind der Welt Jesus schuldig. Das ist unsere Verantwortung!“ (Paul LeSeur)

Journalistische Fehler

Aufgrund der Berichterstattung mancher Medien kann der Eindruck entstehen, dass ja die Missionare selbst schuld sind, wenn sie um ihres Glaubens willen sterben. Hier muss man fair bleiben: schuldig sind ihre Mörder. Außerdem gibt es eine weitere fatale Fehleinschätzung der Journalisten, die das Leben und die Worte der Evangelikalen beobachtet haben. Das Sterben hat in den beiden genannten Gruppen der Evangelikalen und der Extremisten eine völlig andere Bedeutung! Fanatische Muslime sterben als Selbstmordattentäter, um selbst ins Paradies zu kommen und die anderen in die Hölle zu schicken. Nachfolger Jesu sind bereit zu sterben, damit Menschen in den Himmel kommen!

Tote können nicht sterben

Christen sind schon mit ihrem Leben gestorben, als sie sich zu Jesus Christus bekehrten und von ihm neues und ewiges Leben geschenkt bekamen. Jesus Christus kann sie jeden Weg führen, damit andere Menschen das Evangelium von Jesus Christus annehmen und Gott geehrt wird. Im Glauben an Jesus Christus sind Christen schon der Welt gestorben (Röm 6,8; Gal 6,14). Das leibliche Abschiednehmen um ihres Zeugnisses willen dürfte Christen nicht überraschen, weil sie Jesus Christus die Blankovollmacht über ihr Leben gegeben haben.

Nachtext

Nachfolger Jesu geben Jesus Christus viel mehr als ihren Tod – sie geben ihm ihr Leben!

Quellenangaben

Mit freundlicher Genehmigung aus „Gottes Wort den Völkern“,
Okt/Nov 2009, Mission für Süd-Ost-Europa