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Zeitschrift-Artikel: IN’S KALTE WASSER - Wie man das Schwimmen lernt

Zeitschrift: 99 (zur Zeitschrift)
Titel: IN’S KALTE WASSER - Wie man das Schwimmen lernt
Typ: Artikel
Autor: C.H. Spurgeon
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 34

Titel

IN’S KALTE WASSER - Wie man das Schwimmen lernt

Vortext

Text

Ich erinnere mich noch sehr gut an den ersten Ort, an dem ich zu einer Versammlung Erwachsener sprach. Es war zwar nicht meine erste öffentliche An- sprache, denn verschiedentlich hatte ich schon Sonntagsschulstunden gehalten. Die Geschichte ist zwar nicht mehr neu, aber sie ist es doch wert, noch einmal erzählt zu werden. In Cambridge gibt es eine Prediger-Vereinigung. Einige würdige Brüder verkündigen das Evangelium in den umliegenden Dörfern, eingeteilt nach einem Predigtplan. Zu meiner Zeit führte der ehrenwerte James Vinter den Vorsitz. Wir nannten ihn gewöhnlich „Bischof Vinter“. Seine gütige Seele und freundliche Art stärkten die Bruderschaft in der Liebe. Eines Samstagmorgens, die Schule war gerade aus und die Jungen gingen nach Hause in ihren freien Nachmittag, kam der „Bischof“ herein. Er bat mich, am nächsten Abend mit nach Teversham zu gehen, denn ein junger Mann, der das Predigen noch nicht gewohnt sei, würde dort predigen müssen, und er sei sicher froh über Gesellschaft. (Hätte er mich gebeten, hinzugehen und zu predigen, hätte ich sicher mit einem eindeutigen „Nein“ geantwortet...) Aber einfach als Begleiter mit einem jungen Mann mitzugehen, der nicht gerne allein sein wollte, war keine schwierige Sache. Also stimmte ich der Bitte gerne zu. Soviel wie der Knabe davon wusste, was Jonathan und David taten, als er nach dem Pfeil laufen sollte, genauso wenig wusste ich, als ich mich überreden ließ, nach Teversham zu gehen. Meine Sonntagsschule war vorüber, Tee hatte ich auch getrunken, und los ging es durch Barnwell und entlang der Newmarket-Straße, zusammen mit einem jungen Mann, der nur wenig älter war als ich. Wir sprachen über manche guten Dinge, und schließlich drückte ich meine Hoffnung aus, dass er die Gegenwart Gottes fühlen möge, wenn er predigte. Er schien überrascht und erklärte mir, dass er noch nie gepredigt habe und das sicher auch nicht könne. Vielmehr denke er, dass sein junger Freund Spurgeon, dies tun werde... So hatte ich die ganze Sache noch nicht gesehen. Ich konnte lediglich antworten, dass ich kein Prediger sei und dass – wenn ich es wäre – ich völlig unvorbereitet sei. Mein Begleiter erwiderte, diesmal in noch bestimmterem Ton, dass er jedenfalls nicht der Prediger sei, und er mir in jedem anderen Teil des Gottesdienstes gerne helfen werde, dass es aber keine Predigt gäbe, wenn ich sie nicht hielte. Dann schlug er vor, ich müsse einfach nur eine Sonntagsschul-Lektion wiederholen. Dies würde den einfachen Leuten wahrscheinlich mehr geben und für sie besser zugeschnitten sein als die gelehrte Predigt eines ausgebildeten Pastors. Ich fühlte, dass mir nichts anderes übrig blieb, als mein Bestes zu tun. Während ich still weiterging, erhob ich meine Seele zu Gott, und mir schien, ich könne ein paar einfachen Dorfbewohnern sicher etwas von der Größe und Liebe Jesu weitergeben, denn ich fühlte sie in meiner Seele. Ich betete um göttliche Hilfe, dann entschloss ich mich, den Versuch zu wagen. Mein Text sollte sein: „Für euch aber, die ihr glaubt, ist er köstlich.“ Ich wollte dem Herrn vertrauen, dass er mir meinen Mund öffnete, wenn ich seinen lieben Sohn verherrlichen würde. Es schien mir ein großes Wagnis und eine ernste Prüfung zu sein, aber in der Abhängigkeit vom Heiligen Geist würde ich zumindest die Geschichte des Kreuzes erzählen. Ich würde es nicht zulassen, dass die Leute ohne ein Wort Gottes nach Hause gingen. Wir kamen in den niedrigen Raum des strohgedeckten Landhauses, wo sich einige Bauern und ihre Frauen versammelt hatten. Wir sangen und beteten und lasen die Heilige Schrift. Dann kam meine erste Predigt. Wie lang oder wie kurz sie war, kann ich heute nicht mehr sagen. Zu meiner eigenen Freude hatte ich nicht abbrechen oder mitten in der Predigt aufhören müssen, auch waren mir nicht die Gedanken ausgegangen, und nun war der ersehnte Hafen da. Ich schloss ab und nahm das Liederbuch, aber zu meinem eigenen Erstaunen rief eine ältere Frau: „Gott segne dich, lieber Junge. Wie alt bist du?“ Ich antwortete sehr ernst: „Sie müssen bis nach dem Gottesdienst warten, bevor Sie solche Fragen stellen können. Lasst uns nun singen.“ Wir sangen, und der junge Prediger sprach den Segen; dann begann in diesem Raum ein Gespräch, das warm und freundlich geführt wurde und an dem jeder teilzunehmen schien. „Wie alt bist du?“ war die erste Frage, die gestellt wurde. „Ich bin unter 60“, war meine Antwort. „Jawohl, und auch unter 16“, war die Erwiderung der alten Dame. Ich versprach, wiederzukommen, falls die Brüder mich dazu für geeignet hielten. Gibt es nicht noch viele andere junge Männer, die in einer ebenso einfachen Art anfangen könnten, von Jesus zu reden? Junge Männer, die bisher so stumm wie Fische waren?

Nachtext

Quellenangaben

Aus C. H. Spurgeon (Biographie): Alles zur Ehre Gottes, CLV