Später Besuch
Text
Später Besuch
Der Fremde an der Tür versucht vergebens,
des Hauses Herrn in ein Gespräch zu ziehen.
Beim Thema GOTTES WORT und SINN DES LEBENS
winkt dieser ab, er solle sich nicht mühen:
Er lehne ab, die Frage zu bedenken,
woher er kommt, wohin er gehen wird,
erklärt er dem Besucher unbeirrt
(und fügt hinzu, er wolle ihn nicht kränken).
Gott gebe es nicht, könne es nicht geben,
zumindest so nicht, wie die Bibel lehrt.
Im andern Falle lebe er verkehrt,
gewiß; und müßte für sein falsches Leben
er einst am Ende Rechenschaft ablegen
vor jenem Weltenrichter namens "Gott" (den er verneint)
- so wäre er bankrott.
Nein, der Gedanke sei ihm zu verwegen.
Der andre nickt nur stumm.
- Indes er geht, sagt er ein Wort noch:
"Freund, es ist schon spät."
Und dieses Wort, das scheinbar obenhin gesprochen,
hatte einen Doppelsinn.
Es zeigte sich am Morgen nach der Nacht,
aus der der Gottesleugner nicht mehr ist erwacht.