Ronald J. Sider: "Der Weg durchs Nadelöhr" Reiche Christen und Welthunger
Text
Zunächst kann man nur für jedes Buch dankbar sein, das den Mut hat, unser Wohlstands-Christentum anhand der Bibel und angesichts Millionen hungernder Menschen in aller Deutlichkeit zu brandmarken.
Der Verfasser zieht in dem ersten Teil des Buches eine erschreckende Bilanz: Etwa eine Milliarde Menschen in der Dritten und Vierten Welt vor dem Hungertod!
Im zweiten Teil des Buches versucht Sider, Armut und Wohlstand aus der Sicht der Bibel zu beurteilen. In vielen Punkten ist diese Beurteilung ausgewogen und biblisch. Allerdings in der grundsätzlichen Beurteilung des Wohlstandes geht m.E. der Verfasser zu sehr vom AT aus und übersieht etwas die neutestamentliche Stellung des Christen zum Besitz und zur Welt. Von dieser etwas calvinistisch geprägten Vorstellung her, bleibt seine Beurteilung des Wohlstandes zu milde.
Wenn es aber im letzten Teil um die "Anleitung zu einer neuen Praxis geht", erschrickt man.
Neben manchem, was man nur unterstreichen kann, kommen dann Vorschläge wie: "Haben Sie ein oder zwei Kinder 'aus eigener Produktion'. Aber dann adoptieren Sie! (S. 169)". Hier wird die Bibel offensichtlich nicht mehr befragt.
Ausdrücklich warnen muß man vor seinen Vorschlägen auf den letzten Seiten, die Gesellschaft politisch zu verändern! Hier verläßt der Verfasser ganz offensichtlich neutestamentliche Grundsätze und kann seine Vorschläge - wenn überhaupt - nur noch mit Zitaten aus dem AT stützen. Es wird für die Evangelikalen verhängnisvoll sein, wenn sie die Folgenschwere dieser Aufforderung nach Strukturveränderung nicht durchschauen.
Quellenangaben
Aussaat-Tabu, 208 S., DM 8.95