"Was haben sie in deinem Hause gesehen ?"
Typ: Artikel
Autor: Paul Humburg
Anmerkung: 1878 - 1945
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Vortext
"Und er (Jesaja) sprach: Was haben sie in deinem Hause gesehen? Und Hiskia sprach: Sie haben alles gesehen, was in meinem Hause ist; es gibt nichts in meinen Schätzen, das ich ihnen nicht gezeigt hätte." (Jes. 39,4)
Text
Ein Mann, der von seinen Schätzen geblendet war!
Man sollte meinen, dem Hiskia sei über der gewaltigen Gefahr der Belagerung durch die Assyrer und dann über der Not der Todesnähe ein tiefer Eindruck gekommen von der Vergänglichkeit alles irdischen Gutes.
Und doch - wie sehr erinnert er uns an unsere eigenen Fehltritte! - hat ihn eine Zeitlang der Glanz des Goldes berauscht. "Gott gab ihm sehr großes Gut" (2. Chron. 32,29), aber es geriet ihm zum Schaden. Er blieb an seinen Schätzen hängen. Vielleicht waren sie ihm sonst gar nicht so überaus wichtig, aber als die Gesandten des mächtigen Babyloniers kamen, suchte er diesen gegenüber mit seinen Schätzen zu bestehen. Nicht die ewigen Worte der Gottesdienste Jehovas und der Psalmen Davids waren es, die er seinen Gästen wichtig machte und in die er sie einzuführen suchte. Nein, er sank herab und stellte sich ganz auf den Boden dieser Welt, in der Gold und Silber regieren. Ob es harmlos und naiv war oder ein Sich-Brüsten, er berichtet dem Propheten Jesaja: "Es ist nichts, das ich ihnen nicht hätte gezeigt in meinen Schätzen" (Jes. 39,4).
Es steckt eine dämonische Macht im Geld, und der Geist dieser Zeit, in der der Fürst der Finsternis herrscht, wo man alles und jeden danach beurteilt, ob es Geld bringt und ob er Geld hat, rührt so leicht auch die Herzen der Kinder Gottes an. "Wem zu eigen Geld, dem gehört die Welt." Ob wir dieses Sprichwort auch nicht anerkennen, wie oft handeln wir danach! Wie oft beurteilen wir unwillkürlich einen Menschen nach seinem äußeren Vermögen! Und wie viele von denen, die in heiliger Stunde ihr Leben Gott geweiht haben, sind hernach abgebogen auf die Straße, wo alles ums Geldverdienen geht!
Freilich, zu diesem Rundgang durch die Schatzkammern hätte die ernste Gestalt des Propheten Jesaja nicht gepaßt. Sein Auge, das aus der anderen Welt zu leuchten schien, hätte den Hiskia fragend und verwundert angeschaut und ihm all seine Freude an seinen Kleinodien verdorben.
Wie selten und wie wunderbar schön ist ein Mensch, dem das Geld nichts anhaben kann, der weder die Menschen nach ihrem Geld einschätzt noch seinen Blick auf Gott sich trüben läßt durch lockende Gewinne auf den Erntefeldern dieser Welt!
Wie ist dem Hiskia sein Geld zum Unsegen geworden! Gott hatte es ihm geschenkt, und es sollte ihm ein Pfand der Güte des Herrn sein, wenn er es nur mit Danksagung und mit dem Blick auf Gott genießen wollte. Aber es wurde ihm eine Blende vor seinen Augen, daß er über dem Glanz des Goldes den Thron des ewigen Gottes vergaß und mit seinen Gästen von nichts, wie es scheint, buchstäblich von nichts zu reden wußte als von seinem Silber und Gold und seinen Spezereien und Salben und Zeughäusern. Es waren der Dinge viel, die sein Herz erfüllten. Da hatte der Name seines Gottes keinen Platz mehr.
Wie stehen wir diesem Hiskia oft so nahe, und trotz aller unserer Lieder, daß dieses Lebens Güter "eine Hand voller Sand, Kummer der Gemüter" seien, werden wir doch so leicht benommen durch die unheimliche Macht des Geldes! Ob es Millionen sind oder wenige Taler, Geld ist Geld und kann ein Menschenherz verschließen gegen alle edleren Gedanken und ihm den Blick verdunkeln, daß es seinen Gott nicht mehr sieht.
Nachtext
Laßt uns nie vergessen, daß es das Geld war, mit dem der Satan dem Heiland einen aus der Schar der Zwölf geraubt hat. "Du Narr!" sagt Jesus zu dem, der unter dem Zauber und dem Bann des äußeren Besitzes seine Seele verliert. Laßt uns wohl daran denken: wir nehmen nichts mit von dieser Welt! Im Totenhemd sind keine Taschen. Der geschäftliche Ertrag eines Lebens, ob beim Bettler oder beim Millionär, ist in jedem Falle gleich Null. Auf den inneren Gewinn kommt es an und darauf, daß Gott uns auch unser Geld und Gut unter himmlische Beleuchtung rückt.
Quellenangaben
Mit freundlicher Genehmigung aus: "Paul Humburg: Aus der Quelle des Wortes", Verlag der Liebenzeller Mission