Zeitschrift: 36 (zur Zeitschrift) Titel: Stimmen der Väter: Paul Humburg Typ: Artikel Autor: Paul Humburg Autor (Anmerkung): online gelesen: 1824 |
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Stimmen der Väter: Paul Humburg |
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Stimmen der Väter Paul Humburg (1878 — 1945) Feldprediger während des ersten Weltkrieges, danach Generalsekretär der Christi. Studentenvereinigung, Bundeswart des Westd. CVJM, schließlich Pastor der bekannten Reformierten Germarker Gemeinde in Barmen und Präses der Bekenntnissynode während des Kirchenkampfes. Mutig und kompromißlos widerstand er in den Jahren des Dritten Reiches den Irrlehren der „Deutschen Christen". Die Vereidigung der Kinder auf Adolf Hitler geißelte Humburg in aller Öffentlichkeit als „Knospenfrevel" und zog damit einmal mehr die Wut der Nazis auf sich, die sich nun mit Parolen rächten wie: „Was Humburg predigt ist Humbug!". „Nicht wie das Land Ägypten" 5. Mose 11,8-17 Das Volk Israel stand an einem neuen Anfang. Mose legte es ihm vor, daß das Leben im Lande der Verheißung nicht nach denselben Regeln gehen werde wie in dem Land Ägypten. Dort hatten sie in den Niederungen des Nil ihr Land bewässern müssen wie einen Kohlgarten, indem sie ihre Schöpfräder traten und das fruchtbare Naß auf ihre Ländereien leiteten. Daraus war ihnen immer ihr Lebensunterhalt zugewachsen. Vor einer ganz ähnlichen Entscheidung stehen wir alle, ihr lieben Brüder, früher oder später einmal in unserer Wirksamkeit. Es gibt so viele Arbeiter im Reiche Gottes, die treiben ihr Werk „wie in dem Land Ägypten". Sie halten den Betrieb im Gang, indem sie wie ein Pferd im Göpel laufen. Sie eilen durch die Reihen ihrer Vereinsmitglieder, ermahnen hier diesen und strafen dort jenen und bieten das Bild eines Menschen, der treu in seinem Schöpfrad läuft und alles tut, damit doch ja die Frucht seiner Mühe ihm nicht ausbleibe. Und ein gewisser Erfolg ist ihm sicher: die Achtung der Menschen, denn er ist fleißig, „ein treuer Haushalter", wie manche sagen; es geschieht ja auch allerlei im Verein. Auch die Jugend hängt ihm an, ja verehrt ihn. Ein Vereinsarbeiter mit dem Erfolg, den natürliches, fleißiges Arbeiten einbringt - nur ohne Frucht, nach Gottes Maß gemessen.
Kann man nichts tun, um die Fruchtbarkeit der Felder von sich aus zu steigern? Nein, mußte Mose antworten. Ist denn dann unsere Existenz nicht in Frage gestellt? Nein, sie ist auf Gott gestellt! Denn „der Herr, dein Gott, hat acht auf dies Land, und die Augen des Herrn sehen immerdar darauf von Anfang des Jahres bis an das Ende“ Es ist ein gewaltiges Wagnis, das uns da zugemutet wird. Wir werden ganz nach oben gezogen. Unser Blick ruht dann nicht mehr auf unserem Ackerland, nicht mehr auf der Berechnung der Erträgnisse unseres „Selbermüssens", unseres Schöpfrades, sondern unser Glaubensauge ruht auf der Treue unseres Gottes, auf dem Wort seiner Verheißung. Und bleibt einmal der sichtbare Erfolg aus, dann sind diese Leute doppelt arm und doppelt reich. Sie können nicht durch erhöhten Arbeitseifer, durch um so beweglicheres Umhertoben in ihrem Schöpfrad die Leere ihres Werkes ausfüllen, über den toten Punkt sich hinweg zu täuschen versuchen wie die andern, die man in solchen Fällen immer mehr und gewaltiger sich anspannen und ermüden sieht, nein: dann sind sie doppelt arm. Man sieht nichts von ihrer Frucht, sie können auch dem Auge nichts darbieten von vermehrter Anstrengung, da sie dies und das „selber müssen". Für andere bieten sie in solchen Zeiten einen fast kläglichen Anblick, und für sich selbst sind sie das furchtbarste Problem. Sollen sie doch wieder zurück ans Schöpfrad, „wie in dem Land Ägypten"? Nein, sie halten durch im Glauben! Auch wo nichts zu sehen ist für den natürlichen Blick, sehen sie das Auge ihres Gottes, das acht hat auf ihr Land. Auch wo von anderen nichts bemerkt wird, hören sie schon das Rauschen seines Regens, den er, früh und spät, senden wird. Aber freilich, es sind Zeiten der äußersten Spannung, Zeiten der Versuchung, ins alte Wesen des „Selber-müssens" wieder zurück zu sinken. Sie sind vor den Augen der Menschen doppelt arm. Gottes Frucht ist nicht zu sehen und nicht einmal der laut klappernde Betrieb der Schöpfräder zu vernehmen, den ihre Genossen im anderen Verein fleißig im Gang halten. Aber vor Gott sind sie doppelt reich. Sie harren auf den Herrn. In solchen Zeiten, da es sie immer aufs neue täglich, stündlich ins Gebet und auf die Kniee treibt, werden sie mit ihrem Gott vertraut, da saugt sich ihr Blick an Gottes Verheißungen fest, da baut sich der Glaube sein Nest in seinem Wort der Zusage und hofft, da für das natürliche Auge nichts zu hoffen ist. Sie werden je länger je mehr Menschen, die auf das Unsichtbare sehen, die mit all ihrem Denken, Rechnen und Hoffen in der unsichtbaren Welt leben. Wieviel leichter wäre es dem alten Menschen, im Schöpfrad unter dem Beifall des Vorstandes, unter dem Zulauf der Jugend sich müde zu arbeiten. Wieviel schwerer ist dieser innerste Kampf des Glaubens, der treu seine Arbeit im Verein verrichtet, aber innerlich nicht nach unten auf das eigene Wirken, sondern nach oben auf Gottes Geben schaut. Und doch, wie arm ist jener andere Mann, der im Trott des Schöpfrades sich müde gelaufen hat, wenn er in der Stille des Abends oder in der Ernüchterung eines Urlaubs, in dem er sein Werk auf einen gewissen Abstand beschaut, inne wird, daß er zwar vieles „selber mußte", aber nichts dabei herauskam von Frucht für Gottes ewige Scheune. Es ist ein Wagnis, das uns zugemutet wird, noch in einer anderen Hinsicht. Solch eine Glaubensstellung, solche Abhängigkeit von Gott führt uns in die strenge Zucht seines Geistes (V.16 u.17). Man kann im Schöpfrad des Betriebes sehr eifrig im Verein umherlaufen und es dabei nicht genau nehmen mit der Sünde und der innersten Zucht des Herrn ausweichen. Ja, viele laufen deshalb am Räderwerk der Vereinsmaschine und haben ihre liebe Not, es im Gang zu halten, weil sie der inneren Stimme des Herrn sich entziehen und sie übertäuben wollen. Sie hatten vielleicht auch einmal den Weg des Glaubens gewählt, aber dann kam eine Sünde, und damit standen sie vor der Entscheidung. Das Leben des Glaubens, der in der unsichtbaren Welt, in der Treue des Herzens Gottes seine Sicherheiten und sein Fundament sucht, verträgt sich nicht mit der Sünde. Eins von beiden muß weichen. Wer am Herrn hängen will, wird willig sich beugen und seine Sünde schonungslos aufdecken, um so ernster, je entschlossener all sein Leben an Gottes Gnade hängt. Will aber einer die Sünde festhalten, der kann nicht mehr im Glauben allein auf den Herrn schauen, der eilt zum Schöpfrad. Der Herr, der bisher seine Zuversicht war in der Not, ist ihm schrecklich (Jer. 17, 17), entzieht sich ihm, ist ihm ein Born, der nicht mehr quellen will (Jer. 15, 18). Dann ist der Himmel wie Eisen und die Erde wie Erz (3. Mose 26, 19), dann sieht man ihn bald wieder am Schöpfrad laufen, ein fleißiger Mann, aber sein „Fleiß" ist nichts anderes als der Deckmantel seiner inneren Friedlosigkeit und Gottesferne. Er war des Königs Freund und ist ein Knecht geworden, der wieder „selber muß". Ein armes Leben.
Wollt ihr das Wagnis nicht wagen, meine,Brüder? Es ist eire Wagnis. Wir kommen hinein in ernste Zucht des Geistes Gottes. Wir geben uns wirklich mit unserem ganzen Leben in Gottes Hand. Aber es ist das Leben des Friedens. Das verheißene Land ist ja das Land der Ruhe. Das ist gewißlich wahr. Je völliger wir den Rücken kehren dem „Lande Ägypten", da wir „selber mußten", um so mehr werden wir erfahren: „wir, die wir glauben, gehen in die Ruhe" (Hebr. 4,3), in um so tiefere Ruhe hinein, je mehr wir unser ganzes Leben im Glauben leben, und wir werden unsere Frucht haben, „ nicht wie in dem Land Ägypten", sondern als Leute, auf deren Land die Augen des Herrn sehen von Anfang des Jahres bis ans Ende. |
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Nachtext |
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Quellenangaben |
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