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Zeitschrift-Artikel: Wenn ich eine Kirche haette, wuerde ich die Glocken laeuten lassen

Zeitschrift: 121 (zur Zeitschrift)
Titel: Wenn ich eine Kirche haette, wuerde ich die Glocken laeuten lassen
Typ: Artikel
Autor: Gordon Winter
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 1444

Titel

Wenn ich eine Kirche haette, wuerde ich die Glocken laeuten lassen

Vortext

Text

Gestern, am 30.12.2007, wurde uns die Nachricht überbracht, dass Gott unseren geschätzten Bruder, Lehrer und unser Vorbild William MacDonald am 25.12. heimgerufen hat. Heute Morgen saßen wir mit einigen Brüdern zum Gebet zusammen und Harry dankte für William MacDonald und sagte dem Herrn, dass wir – menschlich geurteilt – ohne ihn geistlicher Weise nicht da wären, wo wir durch Gottes Gnade heute sind. Amen! Leider können Worte nicht ausdrücken, was sein Dienst und Vorbild uns bedeutet. Wenn ich eine Kirche hätte, würde ich die Glocken läuten lassen. Wenn ich einen Mast hätte, schwarzen Stoff aufhängen. Weil mich das Leben zurzeit heftig in der Mangel hat und ich einfach befürchte, diesen Verlust so schnell zu übergehen, habe ich mir den Kopf auf vier Millimeter Länge rasiert. Das soll mir helfen, in den nächsten Wochen nicht zu vergessen und darüber nachzudenken, welche Lehren mich geprägt haben und welchen Segen ich dadurch empfangen habe! Gerne würde ich zur Beerdigung nach Fairhaven fliegen. Aber dazu habe ich leider nicht die Möglichkeit. Ein Bruder sagte mir heute, ob es unserem Bruder William nicht mehr Ehre machen würde, wenn wir hier voll durchziehen und uns dann im Himmel sehen … Irgendwie schon. Aber ich denke an George Whitefield, der einmal etwas scherzhaft über John Wesley sagte, er würde ihn wohl kaum im Himmel treffen, denn John Wesley würde so nah am Throne Gottes sein … So ähnlich geht es mir.

Was Bücher bewirken

Ich war ein Baby-Christ, gerade aus dem Knast entlassen und in einer Gefährdetenhilfe gelandet, als ich meinen ersten NT – Kommentar von MacDonald bekam. Jetzt ist er so abgenutzt und beschädigt, dass ich einen neuen benutze. Irgendwie drückt der Zustand des Kommentars für mich aus, wie sehr ich dadurch gesegnet wurde. Später hat der Herr mich in seiner Gnade benutzt, um eine evangelistische Teestube und Freizeitarbeit zu gründen. Auch eine junge Gemeinde durfte entstehen. Nachdem ich selbst durch die Literatur von MacDonald in besonderer Weise gesegnet wurde, haben fast alle in unserem Freundeskreis den NT- Kommentar geschenkt bekommen. Es gehörte zu unserer Anfangszeit dazu, bei allen Veranstaltungen seine Literatur zu verteilen. Wenn wir über schwierige Bibelstellen diskutierten, wurde meist von irgend jemand gefragt: „Und was sagt William MacDonald dazu?“ Irgendwie war es seltsam – aber oft richtete sich unser Glaubensweg und unsere Glaubens- Entscheidungen an seiner Literatur aus. Als einige Brüder von uns den „Paulus- Verein“ gründeten – ein Spaß von Brüdern, die noch keine Frau hatten und so taten, als ob sie ledig bleiben wollten um dem Herrn zu dienen – machten sie William MacDonald zu ihrem Ehrenvorsitzenden … Als ich das damals neu erschienene Buch „Nimm mein Leben“ gelesen hatte, bin ich auf die Kniee gefallen und habe dem Herrn mein Leben erneut anvertraut. Kurze Zeit später benutzten wir das Buch in unserem Mitarbeiterkreis und dann wurde es für lange Zeit der Leitfaden einer ganzen Gemeinde-Jugend.

Der 8. September 2001

Der Höhepunkt war, als William MacDonald vor sieben Jahren nach Salzburg kam. Wir fuhren nachts los, um morgens bei der ersten Predigt dabei zu sein. Das war für mich ein ganz besonderes Erlebnis. Ich dachte auf der Fahrt viel darüber nach, was ich von ihm gelesen und gelernt hatte. Ich fragte mich, worüber MacDonald vor den etwa 1.000 Jugendlichen in Salzburg predigen würde. Etwas schwankend und dann doch überzeugt äußerte ich damals, er würde sicher über Römer 12,1-2 sprechen. In Salzburg angekommen erlebten wir, wie Bill – damals 83 Jahre alt – von Andreas Lindner gestützt die Stufen zur Kanzel hinauf stieg. Nachdem er dort auf dem Podium stand, schloss er die Augen und sagte: „Kommt mit mir nach Golgatha und seht den Mann dort am Kreuz, den in der Mitte …“ In der Halle war es still, 1000 Jugendliche schwiegen und hörten diesem alten Mann zu, wie er voller Liebe von seinem Herrn erzählte. Er predigte dann über Römer 12, 1-2. Wenn er aus der Bibel las, hielt er seinen Kopf so nah an das Buch, dass man sein Gesicht kaum noch sehen konnte.

Es geht um einen schlichten Glauben …

Damals hatte ich einige Entscheidungen zu treffen und weil ich bisher so viel aus den Büchern von Bill MacDonalds gelernt hatte, bat ich den Herrn, ihn als Wegweiser zu benutzen. Bill sollte mir einen Bibelvers in meine Bibel schreiben. Natürlich war mir damals bewusst, dass dies nicht unbedingt eine besonders geistliche Methode war. Aber ich vertraute dem Herrn und wartete gespannt auf den Vers, den dieser geschätzte Bruder in meine Bibel schreiben würde. Ich rechnete mit einem sehr außergewöhnlichen Vers aus Hesekiel oder dem Buch Hiob. Aber als er mir meine Bibel zurückgab, stand dort: Mt 6,33! Irgendwie hat Gott mir dadurch wieder eine Lektion erteilt: es geht um diesen einfachen Glauben! Es geht nicht um komplizierte Dinge, sondern schlicht und einfach darum, Gott in allen Dingen zu gehorchen und zu vertrauen. Als ein Freund ihn fragte, ob er einen Tipp hätte, wie man Jesus besser erkennen könne, antwortete er: Er sei nur ein einfacher Gläubiger und könnte ihm nichts besonderes sagen. Als ich ihn über George Verwer ausfragen wollte – ich hatte einiges Kritische über ihn gehört – meinte William: Er könne nicht alles nachvollziehen, was George mache, „but he is on fire for Jesus!“ Zu meiner Frage, was er zu den Charismatikern zu sagen hätte, meinte er: „Oh, sie haben einige gute Lieder, die wir singen!“ Diese weisen Antworten waren damals für mich eine wirkliche Hilfe, meine kritische Liebe zu diesen Geschwistern neu zu überdenken. Alles, was in den letzten Jahren unter uns passiert ist, hat still und ohne Spektakel begonnen in einem Kreis Jugendlicher, die gerade aus dem Teenie-Alter kamen. Stetig, still und ohne Spektakel – das hatten wir aus der Bibel gelernt und das hat uns William MacDonald gelehrt und vorgelebt. Dafür werden wir dem Herrn und ihm immer dankbar sein!

Nachtext

Quellenangaben