Zeitschrift-Artikel: Robinson Crusoe

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Titel: Robinson Crusoe
Typ: Artikel
Autor: Gerrit Alberts
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 399

Titel

Robinson Crusoe

Vortext

Text

Welcher Junge kennt nicht die weltberühmte Geschichte von Robinson Crusoe. Der Roman wurde vor mehr als 250 Jahren von Daniel Defoe geschrieben. Ungezählte Menschen in aller Welt, vor allem Jugendliche, haben das Schicksal des Romanhelden mit Spannung verfolgt.
Ich erinnere mich dunkel, wie ich als halbwüchsiger Bengel mit Robinson auf der einsamen Insel gelebt habe - in der Phantasie natürlich nur. Das Buch hat mich bis spät in die Nächte hinein ge­fesselt.
Robinson läuft von zu Hause fort. Die Warnungen seines Vaters schlägt er in den Wind. Er fährt zur See. Stürme und Todesängste können seinen Entschluß letztlich nicht rückgängig machen. Er wird von Piraten gefangen, kann jedoch durch eine dramatische Flucht entkommen. Auf einer Seefahrt geschieht dann das große Unglück: Das Schiff gerät in Seenot. Die Besatzung versucht, sich durch ein Rettungsboot in Sicherheit zu bringen; aber nur Robinson überlebt und wird auf eine unbewohnte Insel verschlagen.

Ich erinnere mich, wie seine Abenteuer mich damals fasziniert haben. In meiner kindlichen Be­geisterungsfähigkeit habe ich Freud und Leid mit ihm durchlebt. Ängstlich habe ich die Kanni­balen mit ihm beobachtet, mich mit Robinson an sie herangeschlichen - bis ein Geräusch mich aufschreckte. Im ersten Moment dachte ich: Das ist das Ende. Robinson ist entdeckt, die Kannibalen müssen es gehört haben. Aber nein, ich lag ja in Wirklichkeit im Bett und war nicht, wie meine Phantasie mich glauben machen wollte, mit Robinson auf der Insel. Es waren wohl meine Eltern, die mit der Tür geklappert hatten, weil die Zeit zum Schlafen gekommen war. Nun denn, schnell noch ein paar Seiten...
So habe ich seine Ängste empfunden, vielleicht 
mehr noch als Robinson selber es tat.
Robinson selber? Moment mal. Gab es den eigentlich wirklich? Das ist es, worüber ich schreiben möchte.

Angeregt durch einen Zeitschriftenartikel habe ich mich nach mehr als zehn Jahren erneut mit Robinson Crusoe befaßt. Diesmal freilich mit etwas nüchternerem Verstand. Dabei habe ich fest­gestellt, daß „Robinson Crusoe" mehr ist als nur eine Abenteuergeschichte. Daniel Defoe be­schreibt, wie Robinson nicht nur von zu Hause weggeht, sondern auch vor Gott flieht. All die Ereignisse seines Lebens können ihn nicht dazu veranlassen, Gott zu suchen. Bis er schließlich auf der einsamen Insel zur Besinnung kommt und in seiner Not Gott anruft. Ganz ähnlich wie der „Robinson" es getan hat, der wirklich lebte. Der hieß allerdings Alexander Selkirk.

Die Erlebnisse von Alexander Selkirk waren das Modell für Daniel Defoe, nach dem er seinen Roman geschrieben hat. Alexander lebte vor fast 300 Jahren in England. Seine Eltern waren gläubige, gottesfürchtige Leute. Sie versuchten, die Saat des Wortes Gottes in die Herzen ihrer Kinder zu säen. Alexander jedoch hatte andere Vorstellungen, als sich auf Gottes Wort einzu­lassen. Er muß wohl ein hitziger und unruhiger Bursche gewesen sein und brachte sich selbst mehrere Male in große Schwierigkeiten. Als ihm die Situation zu bunt wurde, brannte er von zu Hause durch und flüchtete auf ein Schiff, um Seefahrer zu werden.
1704 war er an Bord bei
Kapitän Dampier, einem unerschrockenen Entdeckungsreisenden und Seeräuber. Alexander stand ihm an Draufgängertum nicht nach und wurde der zweite Boß an Bord. Jedoch war es mit der Freundschaft zwischen den beiden nicht weit her: Nach einer ernsten Meinungsverschie­denheit beschloß Dampier, seinen Stellvertreter für vier Jahre in die Verbannung zu schicken. Er setzte ihn kurzerhand auf der unbewohnten Insel Juan Fernandez ab. Nach vier Jahren kam er tatsächlich wieder, um Selkirk abzuholen.

Während seines Aufenthaltes auf der Insel wurde Selkirk schwer krank.
In seiner Verzweiflung
und Einsamkeit begann er Zuflucht zu nehmen zu einer Bibel, die sich unter seinen wenigen Habseligkeiten befand. (In dem Roman von Defoe wird das ebenfalls mit einigen Ausschmük­kungen beschrieben (1).)

Ohne eine menschliche Hilfe lernte Alexander Selkirk den Gott der Bibel kennen. Hier folgt ein Auszug aus seinem eigenen Bericht: (2)

„Ich erinnere mich nicht, daß ich während der ganzen Zeit (acht Jahre auf See) einen Gedanken an Gott hatte oder wegen meiner eigenen Wege zur Besinnung gekommen wäre. Aber dann, als ich krank wurde und in der Stille eine Vorstellung von dem Schrecken des Todes in mir auf­tauchte, wurde mein Geist beunruhigt. Mein Gewissen, das solange geschlafen hatte, begann auf­zuwachen. Da rief ich aus: „Herr, sei mein Helfer, denn ich bin in Not." Dies war das erste Ge­bet - wenn ich es so nennen darf - das ich seit Jahren sprach.
Ich nahm die Bibel und begann zu lesen. Als ich das Buch einfach aufschlug, ohne eine bestimm­te Stelle zu suchen, waren dies die ersten Worte, die ich las: „Rufe mich an am Tage der Not, und ich will dich erretten, und du sollst mich ehren" (Psalm 50,15). Rasend schnell dachte ich nach über dieses Schriftwort: „Ich will dich erretten." Das traf mein Herz. Unmittelbar kniete ich nieder, und laut dankte ich Gott.

Am folgenden Morgen nahm ich die Bibel und, beginnend beim Neuen Testament, faßte ich den Vorsatz, jeden Morgen und Abend zu lesen. Dabei band ich mich nicht daran, jedesmal eine be­stimmte Anzahl von Kapiteln zu lesen, sondern las solange, wie meine Gedanken durch das Wort gefesselt wurden. Ich erfuhr, wie mein Herz mit all der Bosheit meines bisherigen Lebens immer tiefer getroffen wurde. Ich flehte ernstlich zu Gott, mir Buße zu schenken.
In dieser Situation kam ich beim Lesen der Bibel zu den Worten: „Diesen hat Gott durch seine Rechte zum Führer und Heiland erhöht, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben." (Apg. 5,31) Da ließ ich das Buch zu Boden fallen. Mein Herz ebenso wie meine Hände zum Himmel erhoben, rief ich laut mit überströmender Freude: ,Jesus, Jesus, du erhöhter Füh­rer und Heiland!"

Nach vier Jahren wurde Alexander, wie bereits erwähnt, von der Insel abgeholt. Als veränderter Mensch allerdings. Anstatt als Pirat über die Weltmeere zu fahren, ging er nach Hause zurück, um das wieder gut zu machen, was er vor 12 Jahren, bevor er zur See floh, verbrochen hatte.

Das also ist der wahre Kern der Geschichte von „Robinson Crusoe" bzw. Alexander Selkirk. Der Herr Jesus ging ihm nach, bis er in der größten Not endlich bereit war, Seine Hilfe und Rettung anzunehmen. Oftmals hatte Alexander Ihn vorher abgewiesen. Aber der Herr ließ sich nicht erbittern.

Vielleicht hast du den Herrn Jesus schon oft gehört, Ihn aber immer wieder zurückgewiesen. Dann muß Er dich vielleicht auch in große Schwierigkeiten bringen, damit du Ihn anrufst und nicht verloren gehst.

„Die Toren leiden wegen ihres gottlosen Weges und wegen ihrer Ungerechtigkeiten. . . . Sie kommen bis an die Pforten des Todes.

Dann schreien sie zum HERRN in ihrer Not, und aus ihren Drangsalen errettet er sie. Er sendet sein Wort und heilt sie, und er errettet sie aus ihren Gruben.

Mögen sie dem HERRN danken für seine Gnade und für seine Wunder taten an den Menschen­kindern."

 

Psalm 107, 17-21

Nachtext

Quellenangaben

Anmerkungen:

(1)Daniel Defoe: Leben und Abenteuer des echten Robinson Crusoe. Stuttgart 1949 2. Auflage, S. 94 ff.

 

(2)Das Zitat wird angeführt in: Bijbel en Wetenschap, 4.jaargang nr. 24, maart 1979 Ammersfort, Nederland, S. 35. Dort leider ohne weitere Quellenangabe.