Zeitschrift-Artikel: Erlebnisbericht: Der 1. Tag an meinem Arbeitsplatz

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Titel: Erlebnisbericht: Der 1. Tag an meinem Arbeitsplatz
Typ: Artikel
Autor: Bernd Schlawer
Autor (Anmerkung):

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Titel

Erlebnisbericht: Der 1. Tag an meinem Arbeitsplatz

Vortext

Text

„Ein jeder nun, der mich vor den Menschen bekennen wird, den werde auch ich bekennen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist“ (Math.10,32)

„Wenn jemand mir nachkommen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach.“   (Math. 16,24)

Sicherlich hast auch du schon einmal eine der folgenden Situationen erlebt: Du kommst in eine andere Schule, in eine neue Klasse oder du beginnst eine Ausbildung nach der Schulzeit; du gehst zur Bundeswehr, leistest Ersatzdienst.

Wie aber hast du dich in der jeweiligen neuen Umgebung als Christ verhalten?

Gleichen wir dort nicht oft dem L o t in Sodom oder dem P e t r u s am Kohlenfeuer, weil wir - jedenfalls geht das mir so - nicht wie Daniel beständig den Vorsatz in unserem Her­zen haben, nur dem Herrn zu gefallen? (Daniel 1,8)

Im Folgenden möchte ich kurz schildern, was ich am 1. Tag an meinem Arbeitsplatz erlebte. Vielleicht kann es dir in einer ähnlichen Situation einmal eine Hilfe sein.

Einige Tage vor Arbeitsbeginn begann ich, für den 1. Arbeitstag zu beten, daß der Herr mir Kraft, Mut und eine Gelegenheit geben möchte, um gleich zu Beginn ein Hinweis auf Ihn sein zu dürfen. Ich wollte es nicht wie L o t in Sodom machen, der, wie die Bedeutung seines Namens angibt (Verhüllung, Schleier) sich kaum in seiner Umgebung als Gläubiger (2. Petr. 2,7.8) zu er­kennen gab; er war in erster Linie auf Reichtum (1. Mose 13,10-11) und Ansehen bedacht.

1.Mose 19,1: Er saß im „Tore Sodoms" und damit ist ein Bereich innerhalb des Stadttores ge­meint. Hier, und auf dem unmittelbar angrenzenden Platz wurden u.a. Gerichtsverhandlungen abgehalten und auch das geschäftliche Leben der Stadt spielte sich hier ab.


Nun zurück zu meiner Arbeitsstelle. Gleich am 1. Tag hatte ein Angestellter Geburtstag. Man überreichte ihm morgens ein Buch als Geschenk mit dem Untertitel: „Die Bewältigung vorher­sehbarer Krisen". Er las den Titel laut vor, so daß es jeder im Büro hören konnte. Als ich das Wort „Krise" hörte, fiel mir das Traktat „Der Weg aus der Krise" ein. „Das ist d i e Möglich­keit", dachte ich, „man könnte ihm das Traktat geben mit dem Hinweis, daß in dem überreich­ten Buch neben vielen Krisensituationen eine Krise vielleicht nicht behandelt wird, nämlich d i e Krise, aus der viele andere erst folgen: Das Getrenntsein des Menschen von Gott durch die Sünde."

Daß Gott so schnell mein Gebet erhörte, überraschte mich etwas, und in diesem Moment begann der Zweifel.

Ich sah auf die Schwierigkeiten und Nachteile, die für mich durch das Bekennen evtl. entstehen könnten. „Hoffentlich nimmt er das Traktat an - und wenn nicht - was dann?" Sollte ich jetzt einfach mit meinem Vorsatz Schluß machen und mich wie Petrus verhalten, der den Herrn Jesus verleugnete, sich an dem Kohlenfeuer der Welt wärmte und sich dadurch mit den Feinden des Herrn eins machte (Joh. 18,15-18)? Mir fiel die Verheißung von Joh. 15,20 ein. „Beifall von Kollegen würde ich wohl nicht bekommen, auf Spott musste ich mich ein­stellen" (2. Tim. 2,3).

Durch das lange Überlegen hatte ich nun den richtigen Zeitpunkt verpaßt. Inzwischen hatte der Angestellte das Buch aus der Hand gelegt und mit seiner Arbeit begonnen. Etwas enttäuscht von mir selbst, bekannte ich dem Herrn meinen Zweifel und bat Ihn, mir eine neue Möglichkeit zu geben. Dann wollte ich mich ganz auf Ihn und Seine Zusage verlassen (Math. 28,20; 1.Tim. 4,17), auch wenn der Satan daran Zweifel wecken würde.

Die innere Spannung stieg. Während meiner Arbeit hoffte ich auf einen weiteren Fingerzeig Gottes. - Es kam keiner, bis kurz vor Dienstschluß. - Der Angstellte wollte das Buch in seine Tasche stecken, hielt es aber noch in seiner Hand und unterhielt sich mit einem Kollegen da­rüber. Ich dachte: "Wenn es heute noch eine Möglichkeit geben sollte, dann ist es diese".

Etwas nervös bat ich den Herrn Jesus um Kraft und innere Ruhe und ging auf den Angestell­ten zu, das Traktat in der Hand. Die fragenden Blicke und Gedanken der anderen Kollegen im Büro waren mir nun egal. Ich gab ihm das Traktat mit etwa den Worten, die ich mir am Mor­gen überlegt hatte. Nun war es raus!

Wie reagierte er darauf? Er nahm das Traktat ohne zu zögern an, las es kurz durch und sagte: „Wenn ich so ein Blättchen auf der Straße bekommen hätte, wäre es gleich im nächsten Papier­korb gelandet."

Anschließend unterhielten wir uns über das Verhältnis des Menschen zu Gott. Ich freute mich darüber, wie der HErr mir merklich beistand, indem Er mir die Kraft und den Mut zum Zeugnis schenkte.

Die anderen im Büro hatten diesen „Zwischenfall" natürlich sofort registriert und wußten von nun an auch Bescheid. Leider stellte sich hierbei auch heraus, daß ich der einzige Christ im Büro bin, denn keiner der Anwesenden stellte sich auf meine Seite, auch nicht in der darauffolgenden Zeit.

Aus dieser Begebenheit lernte ich, wie wichtig es ist, gerade am Anfang in einer neuen Umge­bung klar den HErrn zu bekennen; denn Gespräche und Situationen, wo man aufgefordert wird, als Christ eine eindeutige Stellung zu beziehen, treten häufig auf. Die Tatsache, daß ich als Christ bekannt war, machte nun das Bekennen leichter. Doch eine gewisse Überwindung war bei jedem Bekenntnis erforderlich, besonders im Hinblick auf den Spott und das „nicht für voll ge­nommen werden" seitens der Kollegen.

 

Zwei Bibelstellen haben mir zum Bekennen oft Mut gegeben: Phil. 2,5-8 und besonders Hebr. 12,3: „Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich er­duldet hat, auf daß ihr nicht ermüdet, indem ihr in euren Seelen ermattet."

Nachtext

Quellenangaben