Zeitschrift-Artikel: JAHRE DES GEHEIMVERLAGES CHRISTIANIN

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Titel: JAHRE DES GEHEIMVERLAGES CHRISTIANIN
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Titel

JAHRE DES GEHEIMVERLAGES CHRISTIANIN

Vortext

Text

Das ist vom Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unserenAugen.

Ps. 118, 23

Wenn die hier abgebildete Druckmaschine reden könnte, würden viele über ihre Herkunft, ihren Einsatz und ihr Dasein staunen. Vor zwanzig Jahren hat kaum jemand in der UdSSR — dem größten atheistischen Land der Welt — an die Existenz einer geheimen Druckerei für geistliche Literatur zu glauben gewagt. Die Christen haben noch viel weniger daran gedacht, daß es möglich sein würde, eine Druckmaschine, die noch im Geheimen unter sehr schwierigen Umständen gebastelt werden sollte, jemals dem freien Westen vorzuführen.

Jetzt aber ist sie hier als ein Wunder vor unseren Augen!

Viele fragen: "Wie war das möglich?" Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort: "Das ist vom Herrn geschehen!"

Die Zukunft wird vielleicht enthüllen, welche Wege Gott gebraucht hat, um die Druckmaschine nach Deutschland zu bringen. Es wird vielleicht auch möglich werden, über andere Einzelheiten aus der Tätigkeit des Verlages zu berichten. Jetzt aber soll es uns genügen, daß sie da ist.

Wir können hier nur einen kleinen Einblick in die Entwicklung des Verlages "Christianin" geben und von dem aufopfernden Dienst derer berichten, die daran beteiligt waren. Das ist möglich, weil es kein Geheimnis mehr ist. 1963 - Beschluß der verantwortlichen Brüder, einen geheimen Verlag zu gründen. Gründung eines Versuchslabors.

1966 - Probeabdruck einer Seite aus dem Neuen     

Testament.

1968 - erste kleine Auflage des Neue

Testamentes. Die Maschine wurde mit der    

Hand angetrieben.

1971 - offizielle Bekanntgabe des Kirchenrates

über die Gründung des Verlages "Christianin".

Viele Geschwister arbeiteten jahrelang an der Entwicklung der Maschine. Sie mußten alles neu erfinden. Kein Teil stammt aus irgendeiner anderen Druckmaschine. Der Elektromotor z.B. wurde einer alten Waschmaschine entnommen. Die Antriebsketten "lieferten" Fahr- und Motorräder. Sogar die Druckerfarbe wurde in eigener Produktion hergestellt, und als die ersten Schriften des Verlages den sowjetischen Chemikern in die Hände kamen, mußten diese gestehen, daß es ihres Wissens in der ganzen Welt keine ähn­liche Druckerfarbe gibt. Sie hatten recht.

Die erste Druckmaschine war 1,25 m hoch und konnte von zwei starken Männern getragen werden.

Sehr wichtig war auch, daß schon die erste Maschine das Papier gleichzei­tig auf beiden Seiten bedruckte. Der Verlag "Christianin" hat heute meh­rere Druckereien, und jede wird von einer besonderen Gruppe der Ge­heimarbeiter betreut. Die Arbeit des Verlages ist mit vielen Schwierigkei­ten verbunden. Hier einige davon:

1.  Die Mitarbeiter müssen ihre Arbeit jahrelang völlig geheim verrichten, sie dürfen von niemandem gesehen werden.

2.  Sie müssen unbemerkt mit Lebens- und Arzneimitteln versorgt werden.

3.  Die Druckereien müssen geheim mit Papier, Farbe, Ersatzteilen und Che­mikalien versorgt werden.

4.  Die Abfuhr von gedruckten Büchern darf niemandem auffallen.

5.  Geräusche und Farbengeruch müssen gedämi5ft werden. Mangelhafte Lüftung der Räume führt zur Vergiftung der Mitarbeiter.

6.  Der Verlag ist, was die Finanzierung betrifft, ein riesiges Werk, das nur durch Spenden vieler Gemeinden getragen wird. Die Brüder schätzen die Zahl der bisher in etwa sieben Sprachen gedruckten Bibeln, Neuen Testamenten, Liederbücher u. a. Schriften auf 500 000.

 

Es gab in dieser Arbeit auch Verluste.

24.10.74 - Entdeckung der Druckerei in Lettland. 9 Geschwister wurden verhaftet und verurteilt.

Materieller Verlust: eine Druckmaschine, 15000 N. T., eine
große Menge von unbedrucktem Papier, andere Gegenstände.

06.10.76 - Entdeckung eines Labors des Verlages bei Rostow. Das Zube­hör des Labors wurde beschlagnahmt. Schwester Ida Korotun wurde vorübergehend festgehalten.

21.03.77 - Entdeckung der Druckerei in Iwan-Gorod. Vier Mitarbeiter wur­den verhaftet und verurteilt. Alles Zubehör wurde beschlag­nahmt.

11.04.79 - Entdeckung einer Bücher-Binderei in Strascheny (Moldau).Be­schlagnahmt wurden alle dazugehörenden Geräte und eine An­zahl chr. Bücher.

05.11.79 - Verhaftung des Bi-. Baturin und der Schwester Olga Pikalowa in Smela, während sie Korrekturen für die Zeitschrift "Westnik istiny " lasen.

19.01.80 - Verhaftung von 4 Mitarbeitern des Verlages in Staryje Kadaki bei Dnepropetrowsk. Die Geschwister waren mit dem Setzen der neuen Ausgabe des "Westnik istiny" beschäftigt.

Zu verschiedenen Zeiten: Verhaftung einiger Brüder beim Transport von schon gedruckter Literatur oder unbeschriebenem Papier.

Insgesamt wurden über 30 Brüder und Schwestern im Zusammenhang mit der Arbeit des Verlages "Christianin" verhaftet.

Unwillkührlich drängt sich dann die Frage auf: sind diese grollen Verluste überhaupt zu rechtfertigen? Die Geschwister drüben haben erkannt, daß der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von einem jeglichen Wort, das aus dem Mund Gottes kommt (Mat.4, 4). Und dieses Wort kommt ja zu den einzelnen Menschen durch das gedruckte Wort. Deshalb' sind die Christen in der UdSSR zu solchem Einsatz bereit.

Wir möchten unseren Bericht mit den Worten des Bruders Johann Lewen, eines Druckereimitarbeiters, schließen.

Seine Geheimgruppe versammelte sich, als die Entdeckung der Druckerei in Lettland am 24. Oktober 1974 und die Verhaftung der sich dort befind­lichen Druckereimitarbeiter bekannt wurde. Bruder Lewen nahm ein neuge­drucktes Testament in die Hand und sagte mit Tränen in den Augen: "Diese Arbeit ist viel zu wichtig, als daß sie von bösen Menschen zerstört werden dürfte, und wer um dieser Tätigkeit willen leiden muß, geht mit ganz beson­deren Gefühlen ins Gefängnis."

Er selbst wurde später, am 21. März 1977, bei der Entdeckung der Drucke­rei in Iwan-Gorod mit anderen Geschwistern zusammen verhaftet und ist jetzt in Gefangenschaft.

Wir möchten Bruder Johann Lewen, den Mitarbeitern des Verlages "Chris­tianin" und allen Christen in der UdSSR gern mitteilen, daß das Bibeldru­cken in Rußland den westlichen Christen genau so wichtig geworden ist, wie ihnen.Herausgeber:

Missionswerk "Friedensstimme" e.V.
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Nachtext

Quellenangaben