Zeitschrift-Artikel: . . . und ihr werdet meine Zeugen sein (Apg. 1.8)

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Titel: . . . und ihr werdet meine Zeugen sein (Apg. 1.8)
Typ: Artikel
Autor: Martin Heide
Autor (Anmerkung):

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Titel

. . . und ihr werdet meine Zeugen sein (Apg. 1.8)

Vortext

Text

Gibst du gerne ein Zeugnis von deinem Herrn und Meister?

Wissen deine Kameraden, daß du Christ bist?

Oder tappen sie. noch im Dunkeln, wissen nicht so recht, warum du bei ihrem Treiben nicht mit­machst, weshalb du sonntags immer verschwunden bist, weil du ihnen nie "Farbe bekannt" hast?

Bist' du einer von denen, die, sobald es darum geht, ein Narr um Christi willen zu sein, am lieb­sten verduften? - Nur kein Aufsehen erregen, nur niemand in Verlegenheit bringen. Wenn dann später das Gewissen schlägt, hast du gleich die Ausreden parat: „Dazu habe ich nicht die Bega­bung" - oder „Es reicht doch, wenn ich durch mein praktisches Verhalten ein Zeugnis bin" - vielleicht auch „Man soll die Perlen nicht vor die Säue werfen".

„Dieser findet seinen eigenen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefun­den (was verdolmetscht ist Christus). Und er führte ihn zu Jesu."

Und wieder:

„Des folgenden Tages wollte er aufbrechen nach Galiläa, und er findet Philippus; und Jesus spricht zu ihm: Folge mir nach ....

Philippus findet den Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von welchem Moses in dem Gesetz geschrieben

Und Nathanael spricht zu ihm: Kann aus Naza­reth etwas Gutes kommen?

Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh!"

Das ist eine Form der Evangelisation, nach der man heute suchen kann: das individuelle En­gagement; das Aufsuchen des Nächsten und Hin­bringen zu Jesus. Ich befürchte, daß so etwas bei uns kaum vorhanden ist."

Beim Stichwort „Evangelisation" denkst du unwillkürlich an großes Arrangement, Menschen­ansammlungen, Vortragsreihen. Natürlich sind Evangelisten der Gemeinde als besondere Gaben gegeben (Eph. 4,11), aber es gibt auch in der Bibel Hinweise, daß ein segensreiches Weiter­sagen und Zeugnisgeben von solchen praktiziert wurde, von denen nirgendswo gesagt wird, daß sie dazu die spezielle Gabe hätten oder dazu beauftragt waren.

Z.B. in Johannes 1,36-45 (bitte lesen) !

C.H. Mackintosh, der übrigens selber Evangelist war, schreibt dazu:
„Johannes war begeistert und erfüllt von dem Herrn, er gibt ein kraftvolles Zeugnis „Siehe das Lamm Gottes ..." und das Resultat?
„Und es hörten ihn die zwei Jünger reden und folgten Jesus nach."
Was dann?
„Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer von den beiden, die es von Jesus gehört hatten und ihm nachgefolgt waren."
Was aber unternimmt er?

Weiter sagt er:

„Ich bin fest davon überzeugt, daß mit einem Christen, der nicht irgendwie versucht, Seelen für Christus zu gewinnen, etwas nicht in Ordnung ist. Das gleiche gilt für die Gemeinde, die, wenn sie nicht evangelistisch orientiert, in einer schlech­ten Verfassung ist…

Aber wenn wir uns damit zufriedengeben, Woche für Woche, Monat für Monat Jahr für Jahr ver­streichen zu lassen, ohne daß sich ein einziges Leben ändert, ohne eine einzige Bekehrung, muß unser Zustand wahrlich bejammernswert sein ..."

und „Schwer zu glauben, daß das Wort des Christus reichlich in uns wohnt, wenn nicht jeder einzelne irgendwelche Bemühungen macht, dieses Wort an seinen Nächsten weiterzugeben."

Soweit C.H. Mackintosh.

Gerade das fröhliche, natürliche Weitersagen der Frohen Botschaft fällt uns am schwersten und das liegt ja wohl an uns selbst.

Oft sind wir uns gar nicht bewußt, welchen Wert der Mensch - obwohl Sünder - vor Gott hat. ER hat seinen Sohn für alle Menschen geopfert, und wenn wir das vor der Welt verschweigen, laden wir Schuld auf uns!

Viele Möglichkeiten bieten sich, evangelistische Gespräche zu führen, wenn man nur die Gelegen­heit „beim Schopf packt"; kommen wir doch oft in Situationen, wo die Notwendigkeit eines persönlichen Zeugnisses dringlich ist.

 

LIEBE ZU VERLORENEN ?

Gehen wir einmal durch die Straßen unserer Stadt. Am besten nach einer Stillen Zeit mit unserem Gott. Legt es sich uns noch als Last auf die Seele, daß Menschen ohne Bußruf und Erfassung des Heils zur Hölle fahren? Oder was empfinden wir bei dem Anblick der vielen Men­schen, die ziellos, sinnlos, durch die Sünde ver­sklavt, vielleicht sogar in okkulten Bindungen gefangen, ihr Dasein fristen oder sich sogar sehr wohl darin fühlen; Menschen, die sich schon mit dem Tod abgefunden haben und der Hölle entgegengehen ?

Merken wir etwas von der starken Spannung, die zwischen dem Leben mit dem Auferstandenen und der gähnenden Leere ohne Gott besteht, und haben wir noch ein göttliches Erbarmen für unsere dem Tod verfallenen Mitmenschen?

Oder empfinden wir nur Gleichgültigkeit? -„Das muß ja so kommen" oder „Ein Glück, daß ich nicht so bin wie die" - vielleicht auch „Die armen sündigen Menschen; wenn die nur zum Glauben kämen, dann wäre die Welt ja noch in Ordnung"??

Wenn wir so denken, ist es höchste Zeit, um-zu­denken; sonst plätschern wir weiter dahin und sind kein Zeugnis.

Lasten, die sich bei der Begegnung mit Verlorenen auf unsere Herzen legen, sind ein Barometer dafür, inwieweit wir noch intensiven Umgang mit unserem Herrn pflegen.

Propheten im Alten Testament, die in ähnlicher Zeit wie wir heute lebten, drückten das im Extrem­fall so aus: „Der Prophet wird närrisch, der Mann des Geistes wahnsinnig, wegen der Größe deiner Ungerechtigkeit ..." (Hosea 9,7)

Um dieser Last, der Verfinsterung und Unbuß­fertigkeit einerseits und der Liebe, Verlorene zu retten andrerseits, gerecht zu werden, muß das Gewissen der Menschen mit dem heiligen und gerechten Gott in Verbindung gebracht werden, so daß sie sich selbst als total bankrott, tot in Sünden und schuldig vor Ihm bekennen und Zuflucht zum Herrn Jesus nehmen.

WESHALB VERSAGEN WIR DANN SO OFT ?

Zunächst einmal müssen die Voraussetzungen für ein wirksames Zeugnis bei uns gegeben sein. Wie steht es da mit unserer persönlichen Gemein­schaft mit dem Herrn?

Wie soll denn einer etwas für andere Anziehendes, Verlockendes, Schönes weitersagen, wenn er nicht selber in der Nähe Jesu, der Quelle alles Guten, lebt!

Ist das nicht der Fall, so artet alle Gesprächsfüh­rung bald in trockene, fruchtlose, verstandes­mäßige Argumentation aus, die höchstens lehr­mäßig dem anderen das „Evangelium" nahebringen kann.

Aber die Frohe Botschaft will nicht intellektuell überzeugen, sondern die Herzen durchdringen - sonst bringt sie keine Frucht (vgl. 2. Kor. 4,6 u. Apg. 2.37).

Der stille Umgang mit dem Herrn schließt u.a. folgendes ein:

Selbstgericht - sich selbst in Frage stellen, Sünden bekennen (1. Joh. 1,6-10, Math. 5,22-24).

Wachstum in der Erkenntnis Gottes durch das Wort und damit die Veränderung unseres gesamten Lebens.

Gebet - für andere! Konkretes Beten, gerade auch für die Verbreitung des Evangeliums, ist priesterlicher Dienst für eine sterbende Welt.

Ebenso ist eine lebendige Gemeinschaft unter Christen dringend notwendig, eine Gemeinschaft, in der jeder dem Herrn lebt und in der ein jeder ein spürbarer Segen für den anderen ist.

Nur wenn sich unser Leben im Spannungsbogen zwischen diesen beiden Polen bewegt, nämlich Geborgenheit und inniges Verbundensein mit dem geliebten Herrn einerseits und der ständigen Begegnung mit verlorenen Menschen einer ge­richtsreifen, dämonisierten Welt andererseits, will und kann uns Gott gebrauchen als Salz der Erde und Licht der Welt.

Mehr über die eigentliche Gesprächsführung dann

im nächsten Heft.

Nachtext

Quellenangaben