Zeitschrift-Artikel: Briefwechsel

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Titel: Briefwechsel
Typ: Artikel
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Titel

Briefwechsel

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Der folgende Briefwechsel greift die Themen "Ho­möopathie (Heft 30) und "Grundlagen moderner Sexual­auffassung" (Heft 32) auf.



Lieber Wolfgang,
gestatte bitte, daß ich Dir — ganz persönlich oder zum Abdruck, wie Du willst — einige Zeilen schreibe, um einen „leichten Druck" loszuwerden:

„Fest und Treu" habe ich stets mit echtem
Interesse gelesen, doch
speziell nach der letzten Ausgabe kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß so gewisse Säkularisierungstendenzen auf­kommen, und zwar ganz besonders nach dem Artikel von G. Alberts: „Grundlagen moderner Sexualauffassungen".

Auch wenn einige orthographische Fehler darin enthalten sind, hat der Aufsatz mit Zitaten und Quellenangaben schon fast wissen­schaftlichen Anstrich. Aufgrund entsprechender Arbeiten und meiner Diplom-Arbeit in meinem Fachgebiet darf ich mir wohl ein Urteil darüber anmaßen, was es bedeutet, 24 Zitate aus 12 verschiedenen Quellen zu verwerten, die ja zunächst einmal er­mittelt, beschafft, gelesen und klassifiziert werden müssen. Wie­viel „Unrat" mußte G. Alberts dabei wohl mit „verdauen", und wieviel Wochen (!) mag wohl allein diese Vorbereitung in Anspruch genommen haben? — Wenn G. Alberts dafür lieber im Sinne des Artikels „Der Glaube in der Heiligen Schrift" von G. Lüling ge­arbeitet hätte, wäre gewiß nicht nur der persönliche Gewinn größer gewesen, sondern bei entsprechender Publikation in „Fest u. Treu" auch der Nutzen aller Leser!

Dazu noch diese Frage: Mußtest Du solch einen Artikel mit sieben (!) Druckspalten an derart exponierter Stelle in „Fest u. Treu" absetzen, von denen eigentlich doch nur die beiden (I) letzten Zeilen lesenswert sind?

Es will mir scheinen, daß mehr — möglichst objektive — Kritik vor Drucklegung von „Fest u. Treu" von Nutzen wäre. Ich sage das auch unter Bezugnahme auf die in Heft 30 abgedruckte Buch­besprechung von K.-H. Däumer, die den „Normal-Leser" hinsicht­lich der Homöopathie zwangsläufig nur verwirren muß. Würdest Du bekanntgeben, daß Däumer — wie man hört — inzwischen eine Heilpraktiker-Praxis eröffnet hat, wären nach meiner Überzeu­gung nahezu 80% der Leser seines seinerzeitigen Artikels fassungs­los.

Ich dachte, Dir das schreiben zu dürfen, nachdem wir uns nunmehr viele Jahre kennen. Es sollte nur positive Kritik sein,

In herzlicher Verbundenheit
Dein Rolf Günter

 

Lieber Rolf Günter
habe herzlichen Dank für Deine Kritik! Wir sind froh, ein Echo
zu hören.
Gerrit Alberts war auch nicht glücklich über die letzte Ausgabe und hatte gewünscht, daß Sein Artikel an das Ende des Heftes gekommen wäre. Du hast völlig recht mit Deiner Feststellung, daß man vor dem Druck kritischer sein müßte.

Ich möchte mich nicht entschuldigen, sondern nur um Nachsicht bitten: wir hatten in diesem Sommer 7 Freizeiten bei uns und damit eine Menge Arbeit und Belastung. Deswegen ist „FuT“
etwas vernachlässigt worden. Ich hoffe, daß die nächste Ausgabe besser wird.

Komischerweise war die Resonanz sehr unterschiedlich. Der Leser­kreis ist so breit, daß es nicht einfach ist, für alle etwas zu finden. Bibelschüler, Studenten, Lehrer usw. sind natürlich dankbar für solche Untersuchungen.

Übrigens ist es dem Gerrit nicht so schwer gefallen, diesen Artikel zu schreiben, er hat Psychologie studiert und arbeitet jetzt an seiner Diplomarbeit.

Nun zu Deinem anderen Punkt. Heiner Däumer eröffnet tatsächlich am 1.9. eine Praxis. Allerdings wird er keine der üblichen umstrit­tenen Diagnosemethoden benutzen und auch keine homöopa­thischen Mittel verschreiben, sondern mit Pflanzenextrakten usw. arbeiten. Seine Praxis steht also in keinem Widerspruch zu seinem Artikel in „FuT". Darf ich einmal fragen, was an seinem Artikel verwirrend war?

Habe noch einmal herzlichen Dank für Deine Ratschläge. Wir wollen es besser machen und hoffen, daß der Herr uns dazu fähig macht.
Im Herrn verbunden

Dein Wolfgang


 

Lieber Wolfgang!

Vielen Dank für Deine promte Stellungnahme; ich will deswegen

auch sogleich auf Deine Frage im vorletzen Absatz antworten:

In meinem Brief vom 23.8.1980 habe ich von dem „Normal-Leser gesprochen! Ich mußte den Artikel z.B. drei­mal lesen sowie erneut mit einem gewissen inneren Abstand nach einiger Zeit in Verbindung mit der speziell zu diesem Zweck gekauften Schrift von Otto Markmann: „Die okkulte Heilweise der Homöopathie und Biochemie", die der zur Diskussion stehenden Buchbesprechung zugrunde liegt. Erst dann verstand ich — so hoffe ich — einigermaßen richtig.

2.       Ich erkannte dabei aber wieder einmal mehr, wie gefährlich und irreführend es ist, eine allumfassende Lehrmeinung postulieren zu wollen, wenn man es sich dabei so einfach macht wie Markmann, der auf Seite 4 des Heftchens selbst schreibt:

„Deshalb beschränken wir uns auch nur auf einen wesent­lichen Teilbereich der Homöopathie."

Ebenso nimmt aber K.H. Däumer - wenngleich auch teil­weise erfreulich objektiv-kritisch - nur in Aphorismen zu einem komplexen Themenkreis Stellung, die in sich selbst schon allein deswegen nicht befriedigen können. Der Artikel läßt zudem eine Mindest-Übersichtlichkeit durch eine adäquate Gliederung vermissen. Wer den Index 1 im 4. Absatz überliest, ist für den Rest bereits falsch programmiert

3.       Ob der „Normal-Leser" wohl die in der Homöopathie üblichen Potenzierungen, von denen unter „Anmerkungen" mit problemloser Selbstverständlichkeit die Rede ist, über­haupt kennt und durchschaut, sei dahingestellt. Im übrigen wird unser siebenjähriger Sohn u.a. mit dem aus Schlangen­gift hergestellten Medikament Lachesis in der Potenzierung D 12, die K.H, Däumer ignoriert, zu unserer dankbaren Freude sehr positiv behandelt.

4.       Insofern muß ich auch Fazit Nr. 2 per se und Fazit Nr. 3 wie folgt ablehnen:

Zu a) s. meine Ausführungen unter Punkt 3

Zu b) Das ist wohl bei einem siebenjährigen Kind unmöglich, das eher eine Antipathie als eine Sympa­thie entwickelt, wenn ein Medikament „einge­flößt" wird.

Zu c) entfällt, da der verordnende homöopathische Arzt mir als bibelgläubiger Christ bekannt ist und

Zu d) entfällt mit der gleichen Begründung wie zu c.

Über die übrigen angesprochenen Dinge, d.h. die spiritua­listischen Auffassungen, den Okkultismus, Mesmerismus und was es sonst noch geben mag, brauchen wir nicht zu diskutieren. In der Aufzählung fehlt - wenn ich es richtig in Erinnerung habe - sowohl bei Markmann als auch bei K. H, Däumer - die klare Ansprache der ebenso verwerf­lichen Hypnose.

Wenn K. H. Däumer die Schrift von Otto Markmann "Die okkulte Heilweise der Homöopathie und Biochemie" - aus meiner Sicht: leider - wie er schreibt „ ... also weiterem­pfehlen möchte", wird wiederum bei dem „Normal-Leser" die Verwirrung nur perfekt; denn Markmann kommt zu einer völligen Ablehnung der Homöopathie. Das wäre grotesk.

Zu diesem Zweck zieht er sogar die Ursprünge dieser alternativen Medizin an und beschäftigt sich u. a. mit dem Lebenswandel des Entdeckers. Ich frage mich, ob sich irgend jemand schon einmal mit dem Lebenswandel der Alchi­misten vertraut gemacht hat und daraufhin die heutige Schul­medizin ablehnen würde. Dabei brauchte man gar nicht so weit zurückzugreifen, denn gefühlsmäßig möchte ich behaupten, daß 99,9% der heutigen Schulmediziner die Evolutionslehre vertreten, und wenn das kein Grund ist, die Schulmedizin abzulehnen, dann sollte Otto Markmann zumindest in dieser Hinsicht auch Samuel Hahnemann „nicht bemühen ...".

Wenn Du persönlich darüber hinaus diesen Artikel noch kommentierst, indem Du pauschal schreibst: „ ... der Ver­fasser hat die Heilweise und Hintergründe der Homöopathie objektiv überprüft ...", dann muß ich mich also fragen, was Objektivität in diesem Zusammenhang bedeutet. Es liegt mir absolut fern, K. H. Däumer für sich persönlich an den Ergebnissen, zu denen er gekommen ist, zu hindern — nur sind sie damit nichtzwangsläufig bereits objektiv, sondern meines Erachtens außerordentlich subjektiv.

Lieber Wolfgang, so lang sollte dieser Brief gar nicht werden —pardon! Aber Du hast mich gefragt — ich habe geantwortet.

In nach wie vor herzlicher Verbundenheit grüßt Dich Dein Rolf Günter

 

Lieber Rolf-Günter!

Verzeihe bitte, daß ich erst jetzt auf Deinen ausführlichen Brief antworte. Habe ganz herzlichen Dank dafür!

 

Es ist sicher nicht sinnvoll, wenn wir das Thema „Homöopathie" endlos diskutieren, zumal wir beide keine Fachleute sind.

Leider ist es zudem unter Christen sehr schwer, sich über dieses Gebiet sachlich zu unterhalten. Fast habe ich den Eindruck, daß dieses Thema ähnlich wie Nikotin, Alkohol, Geld, Popmusik usw. zu den „Heiligen Kühen" in Deutschland gehört, die man nicht anrühren kann ohne einer Volkszorn auf sich zu ziehen.

 

Erlaube aber bitte noch einige abschließende Sätze:

Ich möchte zu der Lachesis D 12 Behandlung aus der „Fibel der Homöopathie" von Dr. med. E. Rehm (ein homöopathischer Arzt) folgendes zitieren:

„… Das chemisch-materielle Mittel wirkt auf den chemisch-materiellen Teil des Menschen, auf seinen Körper. Das nicht-mehr materielle Mittel (und jedes Homöopathische Mittel ist etwa ab D 6 praktisch ohne Materie, ist also nur noch Kraft) wirkt auf den nicht-materiellen Teil des Menschen, auf seine Seele, auf seine den Körper leitenden Kräfte und auf diese Kräfte leitenden vegetativen Nerven . "

Vor diesen zweifelhaften Kräften, die auf die Seele Einfluß haben, möchte ich mich bewahren lassen.

In den nächsten Wochen erscheint ein ausführliches Buch zu diesem Thema von einem gläubigen Arzt Dr. S. Pfeifer: „ Gesundheit um jeden Preis?"; vielleicht bringt diese Untersuchung etwas Licht in diese umstrittene Sache.

 

In unserem Herrn verbunden grüßt Dich herzlich Dein Wolfgang

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