Zeitschrift-Artikel: Fragenbeantwortung

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Titel: Fragenbeantwortung
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

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Titel

Fragenbeantwortung

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Text

Frage:

Wie ist das mit der „doppelten Ehre" in 1. Tim. 5,17? Wenn es eine doppelte Ehre gibt, muß es doch auch eine einfache Ehre geben."

(Die Ältesten, welche wohl verstehen, laß doppelter Ehre würdig geachtet werden ...)                                                                    
Olaf S.

Lieber Olaf,
Deine Frage behandelt ein Thema, das in der heutigen Zeit besonders notvoll und wichtig ist: die Hal­tung der jüngeren den älteren Brüdern und „Ältesten" gegenüber.
In der Welt kann man im allgemeinen das beobachten, was Jeremia in Klagel. 5,12 beklagt:
… das
Angesicht der Alten wird nicht geehrt." Das Wissen und die Schaffenskraft der Jüngeren wird begehrt, jedoch die Weisheit, Erfahrung und Reife der Alten stehen nicht hoch im Kurs.
Es hat sich in der Geschichte des Volkes Gottes immer als verhängnisvoll erwiesen, wenn die Jugend von dem Geist dieser Welt angesteckt wurde, die Alten zu verachten oder gering zu schätzen.

„Bei Greisen ist Weisheit, und Einsicht bei hohem Alter", sagt Hiob (Hiob 12,12).


Auf der anderen Seite war es immer mit großem Segen verbunden, wenn die Jüngeren mit ihrem Schwung und Tatendrang und die Älteren mit ihrer Weisheit und Erfahrung einander dienten und mit­einander das Werk des Herrn betrieben.
Ein sehr schönes Beispiel dafür finden wir in 2. Kön. 6,1-7. Den Söhnen der Propheten wurde es beim Elisa zu „eng". Sie machten Elisa den Vorschlag, an den Jordan zu gehen, um dort Bäume zu fällen und einen Ort herzurichten, um dort zu wohnen.
Glücklicherweise war der Prophet Elisa ein weiser, reifer Mann. Er regt sich nicht auf über die mo­derne Jugend, die immer etwas Neues haben will, er klammert sich auch nicht an den alten Ort mit den Worten: „Was für uns gut genug war, ist für euch auch gut genug. Was wir früher nicht brauchten, braucht ihr auch nicht!" Elisa spricht das erstaunliche Wort: „Gehet hin."

Nun sollte man meinen, daß die jungen Brüder losrasen würden, glücklich über die große Freiheit, um nach eigenem Gutdünken einen Ort und ein Haus zu bauen. Nein, seltsamerweise wollen sie nicht ohne ihren alten Elisa ziehen. „Laß es dir doch gefallen und gehe mit deinen Knechten!"
Und Elisa geht mit. Er antwortet nicht: „Sehet zu wie ihr klarkommt, ohne mich!", sondern er zieht mit den jungen Leuten. Kann er auch nicht mehr die Axt schwingen wie die Jungen, so kann er aber etwas anderes, was die Jungen nicht können. Als ein eifriger Baumfäller aus Versehen sein Werk­zeug verliert, weiß der alte Elisa, wie man Verlorenes zurückgewinnen kann. Wie gut, daß Elisa dabei war!

Unwillkürlich wird man an die Worte des Psalmisten erinnert: „Siehe, wie gut und wie lieblich, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!" (Ps. 133,1)
Leider muß man in vielen Versammlungen
die Beobachtungen machen, daß die Jüngeren, in dem Bewußtsein, alles besser zu wissen und besser zu können, sich vergaloppiert haben und in die Irre ge­laufen sind, und das auf der anderen Seite manchmal die Älteren, indem sie die Jungen verachten oder sie unmündig hielten, die Versammlung zur Erstarrung und Fruchtlosigkeit geführt haben.

In 1. Tim. 5 gibt Paulus dem jungen Timotheus Anweisungen, wie er sich den Mitgeschwistern gegenüber verhalten soll. Auch wenn er möglicherweise wegen seiner Jugend verachtet werden würde, so sollte er doch keine Ehre und Anerkennung fordern, sondern sowohl Witwen (Kap. 5,3) als auch die Ältesten (5,17) ehren.

Das griechische Wort für Ehre bezeichnet die Anerkennung der mit dem Amt oder Stand verbun­denen Würde. Diese Anerkennung oder Wertschätzung zeigt sich nicht nur in der Haltung, sondern ist auch mit einer finanziellen Verpflichtung verbunden.

 

Wenn nun die Ältesten doppelter Ehre würdig geachtet werden sollen, dann kann das zweierlei bedeuten:

1.Sie sind einmal zu ehren, weil sie älter an Jahren sind und zusätzlich deswegen, weil sie ein ver­antwortungsvolles Amt, bzw. einen schweren Dienst haben.

2.Es kann aber auch sein, daß Paulus damit andeuten möchte, daß wir den Ältesten a) sittliche Ehre und b) materielle Ehre zukommen lassen sollen, damit ihr Dienst nicht eingeschränkt wird. Dieser Gedanke wird auch gestützt durch Vers 18, der davon redet, daß der Arbeiter seines Lohnes wert ist.

In 1. Thess. 5,13 werden auch die Thessalonicher ermahnt, diejenigen, die unter ihnen arbeiten und im Herrn vorstehen „über die Maßen in Liebe zu achten".
Möge der Herr Dir und mir schenken, daß wir gerade in dieser Zeit auch diese Vorschriften des NT beachten. Es wird zu unserem Segen, zum Segen der Gemeinde und zur Verherrlichung Gottes dienen.

Mit herzlichen Grüßen!

 

Dein Wolfgang 

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Quellenangaben