Zeitschrift-Artikel: Die Bedeutung der Zeichen und Wunder in der Bibel 4. Teil

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Titel: Die Bedeutung der Zeichen und Wunder in der Bibel 4. Teil
Typ: Artikel
Autor: Benedikt Peters
Autor (Anmerkung):

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Titel

Die Bedeutung der Zeichen und Wunder in der Bibel 4. Teil

Vortext

Text


b. Zeichen als ein Gericht über den Unglauben

Das zeigte sich schon in der Betrachtung der Zeichen im Johannesevangelium. Doch denken wir an Pharao. Er kennt die göttliche Forderung: Laß Israel ziehen! Auf seine freche Frage: „Wer ist Jahwe, auf dessen Stim­me ich hören soll, Israel ziehen zu lassen?" antwortete der Herr mit den Zeichen der zehn Plagen. Beachten wir, daß Gott sagt: „Ich weiß wohl, daß der König von Ägyp­ten euch nicht ziehen lassen wird"
(12. Mo. 3,19). Er weiß, daß Pharao gar nicht glauben und gehorchen will, Ihm geschehen alle Zeichen nur zum Gericht. Aber was ist die Folge? „Deswegen habe ich dich bestehen lassen, um dir meine Kraft zu zeigen, und damit man meinen Namen verkündige auf der ganzen Erde" (2. Mo. 9,16). Der das Zeichen sieht, verhärtet sich und wird schließlich end­gültig im Roten Meer gerichtet; aber solche, die davon hören, fürchten Gott. Eine schöne Frucht dieser Kunde vom Gericht über den Pharao ist die Hure Rahab (Jos. 2,10-11). Ähnlich stellen wir im Johannesevangelium fest, daß den Juden die Zeichen nur zum Gericht dien­ten, andere aber durch die Kunde der geschehenen Zei­chen und des darausfolgenden Gerichts glauben und ge­rettet werden. (Rahab ist eine Heldin, und somit ein Bild auf die Gemeinde. Erstaunliche Parallele!) Es bestehen noch weitere Parallelen zwischen den Zeichen durch Mose und den Zeichen durch Jesus und die Apostel: In Exodus wird das Volk Gottes in Begleitung gewaltiger Zeichen von der Knechtschaft Ägyptens befreit, wobei jene, die das Volk Gottes aufhalten, gerichtet werden. In der Apo­stelgeschichte wird die Familie Gottes aus der Knecht­schaft des Gesetzes befreit, wobei wiederum gewaltige Zeichen geschehen, was aber jenen nur zum Gericht wird, welche die Familie Gottes zurückhalten wollen, den Juden. Wie von Pharao wußte Gott auch von klen Juden, daß sie verhärtet waren (Apg. 22,18). Ihre Herzen waren verstockt (Apg. 7,51). Daran konnten Zeichen nichts ändern. Gott war in Seiner großen Geduld auf die Forderung der Juden nach Zeichen eingegangen (vgl. 1. Kor. 1,22), wodurch eindeutig erwiesen war, daß Gott Seinerseits nichts unter­lassen hatte, Seinem Volk den Weg zu zeigen, sie aber allen Bemühungen Gottes zum trotz den Herrn verwarfen „damit du gerechtfertigt werdest in deinen Worten (wenn du nämlich die Juden schuldig sprichst) und überwindr,-.1, wenn du gerichtet wirst" (Röm. 3,4).

Elia und Elisa

bestätigen, was wir eben gefunden haben. Zunächst fin­den wir im Feuerzeichen, das Elia auf dem Karmel tat, die göttliche Bestätigung Seines Boten (1. Kön. 18,36). Ferner scheint dieses wirklich Buße und Glauben zu be­wirken, fallen doch die Israeliten aufs Angesicht und bekennen: „Jahwe ist Gott!" Allerdings war ihr Bekennt­nis nur oberflächlich. Es geschah unter dem unmittel­baren Eindruck des Zeichens. (Ähnlich hatten die Juden unter dem Eindruck des Speisungswunders bekannt: „Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll" und Jesus gar zum König machen wollten; Joh. 6, 14 - 15). Denn trotz des Dienstes Elias und Elisas lesen wir, daß Israel tat, „was böse war in den Augen Jahwes" und „hangen blieb an der Sünde Jerobeams… wodurch er Israel sündigen gemacht hatte" (2. Kön. 3,2-3). Trotz all der Zeichen geschieht keine echte Buße und Reinigung vom Götzendienst, weshalb das Gericht der assyrischen Gefangenschaft nicht abgewandt wird.

Aber wir sehen, wie der Dienst der Propheten andern zum Segen wird: der Witwe in Sarepta, einer Heidin, und Naeman, dem Syrer. Der Herr spricht davon in der Synagoge in Kapernaum (Luk. 4,25-28). Warum werden die Juden zornig, so daß sie Ihn gar umbringen wollen? Weil sie die Anspielung Jesu begriffen. Wie die Zeitge­nossen Elias und Elisas trotz der Zeichen verstockt blie­ben, so auch die Juden in den Tagen Jesu. Auch ihnen wurden die Zeichen nur zu einem Zeugnis ihres Unglau­bens und darum zum Gericht.

Wenn Israel uns zum Vorbild gesetzt ist, dann dürfen wir erwarten, daß Zeichen auch heute nur vermehrte Ver• stockung und somit vermehrte Schuld bewirken würden. Gott kennt doch die Herzen der Menschenkinder. Er weiß, warum Er heute keine Zeichen geschehen läßt.

V. Das Aufhören der Zeichen

a) Jesus hat das Aufhören der Zeichen für das Gemeinde­zeitalter vorausgesagt

In Joh. 14,12 steht die oft zitierte Verheißung des Herrn: „Wer an mich glaubt, wird die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe." Was bedeutet „größere als diese"? Noch mehr Tote auferwecken? Noch mehr Blinden die Augen aufzu­tun? Die Wunder, die der Herr tat, waren ohne Zahl. Zudem waren sie so eindrücklich und so eindeutig, daß kein Mensch daran zweifelte, daß hier Übernatürliches geschah. Das läßt sich nicht überbieten. Vielmehr sind die Heilungen und Totenauferweckungen, von denen heute berichtet wird, so merkwürdig, zweifelhaft und frag­würdig, Nein, der Herr muß etwas ganz anderes gemeint haben. Als Er Kranke heilte, befriedigte Er stets rein zeitliche Bedürfnisse. Die Toten wurden nur zu physischem und damit zu sterblichem Leben auferweckt. „Armer Lazarus! Es stimmt, daß Jesus ihn von den Toten aufer­weckte, sofort und gründlich, so daß er keine Wieder­gebesungszeit brauchte. Aber später starb er wieder! Möch­' .t du zweimal sterben? Wenn Christus eines Tages deinen Körper zum Leben erweckt, möchtest du dann wieder zu sterblichem Leben erstehen? Lazarus war mit seiner Auferweckung bestimmt kein großer Gefallen getan! Das war auch nicht die Absicht. Vielmehr war es ein rein zeitliches unbegrenztes Zeichen der Macht Christi, das größere Werk der Auferstehung zur Herrlichkeit am Tage des Herrn zu tun (Joh. 5,28-29). (Dr. John Whitcomb; Does God Want Christians to Perform Miracles Today? )
Die größeren Werke, die nun alle Jesusgläubigen tun dürfen, sind völlig anderer Natur. Sie vermögen die tiefsten Bedürfnisse des Menschen auf ewig zu befrie­digen. Das geschieht, wenn ein Christ einen Ungläubigen zum Herrn führt. Petrus durfte als erster nach Pfingsten „größere Werke" tun: Durch seine Predigt taten 3000 Menschen Buße, glaubten an den Herrn Jesus und emp­fingen ewiges Leben. Durch den Dienst der Apostel emp­fingen viel mehr Menschen ewiges Leben als durch den Dienst Jesu Christi selbst, als Er auf der Erde war. Er hatte durch Seinen Tod und Seine Auferstehung die Grund­lage geschaffen. Die entsprechenden Werke durften die an Ihn, Glaubenden tun. Dasselbe läßt sich von unzähligen Predigern, Evangelisten und Missionaren aus 2000 Jahren Kirchengeschichte sagen. Denken wir nur an Luther oder Zinzendorf, Wesley oder Moody. Sie haben „größere Werke" gewirkt. Wunder und Zeichen taten sie aber keine. Genau das hatte der Herr in Joh. 14,22 vorausgesagt.

b) Die Darstellung der heilsgeschichtlichen Entwicklung in den Evangelien läßt auf ein Aufhören der Zeichen schließen
Wir wollen hierzu kurz einen charakteristischen Über­gang im Matthäusevangelium betrachten:
In den Kapiteln 5 bis 12 erweist sich der Herr Jesus dem Volke Israel durch Lehre, Wandel und Tat als Sohn Gottes und Sohn Davids, Immanuel und Messias. Dabei stellen wir fest: Je deutlicher der Herr offenbart, wer Er ist, desto deutlicher offenbart sich das Herz des Volkes Ihm gegenüber. Je größer Seine Gnadenerweise, desto entschiedener ihre Ablehnung. Im Kapitel zwölf hat sich die Entwicklung so weit zugespitzt, daß die Obersten des Volkes Sein Wirken als das Wirken Satans abtun (V. 24). Das ist die Lästerung des Geistes, erklärt ihnen Jesus daraufhin (V. 31-32). Da erkühnen sie sich noch, von Jesus ein Zeichen zu fordern (vgl. Joh. 7,301! Damit ist das Maß ihrer Bosheit voll. Jesus kann diesem Volk nur noch das Gericht ankündigen: Es wird siebenmal schlimmer besesser sein als vorher (V. 43-45). Der Herr wendet sich von diesem Geschlecht ab. Das wird in dem darauffol­genden Ereignis nocheinmal dargestellt: (V. 46-50) Jesu Familienangehörige wollen Ihn sprechen. Sie meinen ihre Fleisch-Blut-Beziehung zu Ihm stelle sie in eine ge­wisse Vorrechtsstellung. Doch das ändert sich jetzt (vgl. Matth. 3,9-10; Joh. 8,32-36; Röm. 3,9 ). In solche Vor­rechtstellung kommt fortan, wer den Willen des Vaters im Himmel tut (vgl. Joh. 11,12-13). „Du mußt von neuem geboren werden", bedeutet das. Geistliche Beziehungen sind allein maßgebend. Wir haben hier den Wechsel in der Heilsgeschichte von den Juden zu den Heiden, von Israel zur Gemeinde, von Gesetz zu Gnade, vom Fleisch­lichen zum Geistlichen, vom Sichtbaren zum Unsicht­baren dargestellt. Ganz typisch sind darum die Mittei­lungen im Kap. 13:
„An jenem Tage ging Jesus aus dem Haus." Er ver­läßt das Haus Israel. Ihr Haus ist fortan leer (vgl. 23,38). Ihre Religion besteht aus lauter Äußerlichkeiten ohne geistlichen Inhalt (vgl. Kap. 15 u. 23). Dafür setzt sich Jesus „ans Meer"; d.h. Er wendet sich den Nationen zu. Das Meer ist das bekannte Bild für die Völkerwelt, die im Gegensatz zu Israel kein Gesetzt hatte und darum in steter Unruhe und Verwirrung lebte (vgl. Jes. 17,12-13; Ps. 65,7; Oft 17,1). Am Meer sitzend nun legt Jesus den Gang des Reiches Gottes in der Völkerwelt dar, das ist die Entwicklung der Christenheit von Anfang der Ver­kündigung des Evangeliums bis zum Tag des Herrn, der „Vollendung des Zeitalters" (V. 13, 39-49). Eröffnend macht der Herr im Gleichnis des Sämannes im vorn- herein klar, daß alles vom Annehmen oder Verwerfen des Wortes Gottes abhängen würde. Das spricht wiederum von rein geistlichen, unsichtbaren Beziehungen. Wei­terhin ist von größter Bedeutung, daß die Entwicklung des Himmelreiches ein „Geheimnis" (V. 11) ist. Es war von „Grundlegung der Welt an verborgen" gewesen (13,35), so daß viele Gerechte und Propheten es wohl gerne gesehen hätten, es aber nie gesehen haben (13,16-17). Das ganze Zeitalter der Gemeinde war den Propheten nicht bekannt gewesen. Gott hatte ihnen darüber keine Mitteilungen gegeben, was uns Paulus in Röm. 16,25; Eph. 3,5-6; Kol. 1,26, 27 bestätigt. Somit ist für die Gemeinde charak­teristisch das Wesen des Geheimnisses. Die Dinge Gottes spielen sich im Verborgenen ab, unsichtbar (1. Kor. 2,7; Kol. 3,1-3), von Fleischesauge unerkannt (1. Joh. 3,1-2). Darum spricht Gott nicht zu Seinen Kindern durch Zei­chen, Träume, Visionen und dergleichen mehr, was nur unsere fünf Sinne erreicht, sondern durch Sein Wort. Und zwar erreicht er unsere Herzen, indem wir dem Wort glauben. „Wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen", sagt Paulus in 2. Kor. 5,7. Alle sicht-hör- und spürbaren Manifestationen Gottes gehören nicht in die Gemeindezeit. „Wenn wir auch Christus nach dem Fleische gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr also" (2. Kor. 5,16).

Das erklärt uns auch, warum wir das Joelzitat in Apg. 2,17-21 nicht auf die Gemeinde, d.h. auf unser Zeit­alter beziehen dürfen. Gleich allen anderen Propheten weissagte Joel nicht über die Gemeinde, sondern über Israel, Darum spricht Petrus in seiner Rede ausdrücklich die „Männer von Judäa" und „Männer von Israel" an (Vv. 14,22). Pfingsten war eine erste Erfüllung der vielen Prophezeiungen einer kommenden Geistesausgießung über ganz Israel (Jes. 44,3; Hes. 39,28-29; Hos. 6,3; Joel 2,23; 28-32; Sach. 12,10). Gleich wie Elias nach der Verheißung kam (Mal. 4,5-6; Luk. 1,17), aber verworfen wurde (Matth. 11,14; 17,12), so daß er wieder kommen wird „vor der Wiederherstellung aller Dinge" (Matth. 17,11), um die Maleachiverheißung voll zu erfüllen, wird auch eine zu­künftige Geistesausgießung über Israel die Joelstelle voll erfüllen, nachdem Israel das erste Mal dem Zeugnis des Geistes Gottes widerstrebte (Apg. 7,51). Darum ist auch der „Spätregen" nicht der Gemeinde, sondern Israel ver­heißen.

c) Paulus erlebte noch in seiner Zeit das Aufhören der Zeichen und Wunder

Beim Lesen der Apostelgeschichte fällt auf, wie die Wunder nach anfänglicher Häufung zurückgingen. Nach­dem Jerusalem die Predigt der Apostel gehört und ver­worfen hat, gibt Gott den Juden keine Zeichen mehr. Paulus bleibt im Gefängnis sitzen (Apg. 22; 23). Kein Engel befreit ihn auf wunderbare Weise wie einige Jahre zuvor den Petrus. Auch befreit er ihn nicht durch ein Erd­beben, wie damals in Philippi. Über die Nachstellung der Juden wird er ganz gewöhnlich durch seinen Schwe­stersohn aufgeklärt; und keine Engel mit flammenden Schwertern, sondern eine ganz normale militärische Schutz­eskorte bringt ihn in Sicherheit (Apg. 23). Danach muß er jahrelang im Gefängnis sitzen. Die letzte Mitteilung von Wundern, die der Heidenapostel tat, finden wir in Apg. 28, 3-9. (Eine bemerkenswerte Erfüllung von Mark. 16,18!) Danach scheint der Herr dem Paulus die Wunder­kräfte entzogen zu haben. Denn im Philipperbrief erfahren wir, daß er im Gefängnis in Rom von Epaphroditus aus Philippi Besuch bekam. Dabei wurde dieser so krank, daß Paulus gar befürchtete, er werde sterben. Offensicht­lich konnte ihn Paulus nicht heilen (2,25-27). Paulus wird für einige Jahre wieder freigelassen und hat Gelegen­heit, die Christen in Kleinasien zu besuchen. Auf seiner Reise muß er einmal Trophimus krank in Milet zurück­lassen (2. Tim. 4,20). Auch ihn vermochte Paulus nicht zu heilen. Während seiner zweiten Gefangenschaft schreibt er an Timotheus: „Gebrauche ein wenig Wein um deines Magens und deines häufigen Unwohlseins willen" (1. Tim. 6,23). Warum kann er ihm keinen bevollmächtigten Glau­bensheiler empfehlen? Doch weil es keine mehr gab!

Als Paulus in Ephesus war (Apg. 19), besaß er noch Wunderkräfte, Von dort schreibt
er den ersten Korinther­
brief. Darum kann er in diesem Brief noch von der Gabe, Wunder zu wirken, sprechen. In keinem einzigen späteren Brief erwähnt er solches noch. Wir dürfen aber wirklich annehmen — umsomehr nach allem, was wir über die heilsgeschichtliche Rolle der Zeichen gehört haben —daß sie nicht mehr vorhanden waren. Sie hatten ihren nötigen Dienst getan. Gott hielt es in Seiner Weisheit für gut, sie zurückzuziehen. Worauf Paulus durch die Führung des Geistes statt­dessen immer mehr Gewicht legt, ist das Festhalten am Worte Gottes (Apg. 20,32; Kol. 3,16) und die Bewahrung der gesunden Lehre (was unmittelbar damit zusammen­hängt). Das wird besonders in seinen zwei letzten Briefen deutlich. Bezeichnenderweise kommt in den Timotheus­briefen das Wort Lehre 10 mal und lehren 6 mal vor! Und gerade im zweiten Brief spricht er vom Zerfall und von den sich ausbreitenden Irrlehren innerhalb der Chri­stenheit. Ist das zufällig? Wer das Wort Gottes nur ein wenig kennt, weiß, daß darin nichts zufällig ist. Ange­ sichts der drohenden Gefahr der Verführung weist Paulus (und der HI. Geist) mit besonderem Nachdruck zur Schrift. „Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst" (2. Tim. 3,14) ist die Antwort auf: „Böse Menschen aber und Gauckler (sprich Wundertäter) werden im Bösen fort­schreiten, indem sie verführen und verführt werden" (3,13). Vor Verführung vermag uns nichts zu bewahren als das Wort der Wahrheit. Hingegen um Verführung zu bewir­ken, ist kaum etwas so geeignet wie Zeichen und Wunder. Darum kommt ja der Verführer laut Verheißung am Ende mit mächtigen Zeichen und Wundern (2. Thess. 2), Und aus demselben Grund will der Hl. Geist die Gläubigen zum Wort hinführen, denn: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, auf daß der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke völlig geschickt" (2. Tim. 3,16-17).

Nirgends wird gesagt, daß Zeichen, Wunder oder übernatürliche Gaben den „Menschen Gottes" vollkommen machen, wohl aber der rechte Gebrauch des Wortes! „Wo­durch wird ein Jüngling seinen Weg in Reinheit gehen? " fragt der Psalmist. Indem Gott ihm Wunderkräfte verleiht? Nein, „indem er sich bewahrt durch dein Wort" (Ps. 119,9). Wodurch wird der Mensch Gottes zu „jedem guten Werke völlig geschickt"? Durch die Fähigkeit Zeichen zu tun? Wir wissen es: Durch Befolgen der Anweisungen der Schrift. Sagt hier Paulus nicht deutlich genug, daß die Schrift genügt, daß es nichts mehr braucht? Es muß doch auf­fallen, daß er in seinem letzten Brief kein Wort mehr von Zeichen erwähnt. Haben wir nicht genug Grund anzu­nehmen, daß sie wirklich verschwunden sind?

 

(Fortsetzung im nächsten Heft)

Nachtext

Quellenangaben