Zeitschrift-Artikel: Larry Parker: Wir ließen unseren Sohn sterben

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Titel: Larry Parker: Wir ließen unseren Sohn sterben
Typ: Buchbesprechung
Autor: Günter Vogel
Autor (Anmerkung):

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Titel

Larry Parker: Wir ließen unseren Sohn sterben

Vortext

Text

In diesem Buch schildert ein Ehepaar den Tod des elfjährigen, zuckerkranken Sohnes. Die Parkers wünschen die Heilung ihres Sohnes Wesley von seiner Krankheit. Viele Heilungsgottesdienste in ihrer Gemeinde hatten ihrem Sohn nicht helfen können.

An diesem Sonntag ist ein Gastredner in der Gemeinde. Nach der Predigt lädt er seine Zuhörer ein: Jeder, der ein Wunder in seinem Leben braucht - besonders die Heilung des Körpers, aber auch des Gemüts, wer finan­zielle Sorgen hat, gestörte Beziehungen zu den Mitmen­schen, alles, was er im Gebet Gott sagen möchte - sollte jetzt kommen.

Die Parkers kommen, bringen ihren kranken Sohn, lassen ihm die Hände auflegen und über ihm beten. Nichts nach außen hin Sichtbares oder Besonderes geschieht. Ist Wesley von seiner Diabetes geheilt? Sollen die Eltern an eine erfolgte Heilung glauben? Auf der Heimfahrt entschließen sich die Parkers, an die Heilung zu glauben. Aber ist Wesley wirklich geheilt? Können die Eltern die Medikamente bei Wesley absetzen?

Parker schildert am nächsten Morgen: „Es war Zeit seinen Urin auf Zucker zu untersuchen. Der Kampf der letzten Nacht begann von neuem: Was ist, wenn Wesleys Test zeigt, daß er Insulin braucht? Soll ich ihm eine… Nein… ich werde standhaft auf Gottes Wort vertrauen. Er muß ja zu seinem Wort stehen. Wenn der Test positiv ist, so ist es eine Lüge Satans, deshalb werde ich mich nicht auf äußere Anzeichen verlassen."

Die nächsten Tage sind furchtbar. Wesleys Medika­mente werden von den Eltern weggeworfen, die Spritzen unbrauchbar gemacht, er selbst zeigt zunehmend die Symptome seiner Krankheit. Hoher Zuckergehalt im Urin, Kopfschmerzen usw. Die Eltern, die übrigen Ge­meindemitglieder, der Pastor beten weiter, halten die Symptome für Lügen Satans - Wesley wird immer elen­der. Selbst dem Gemeindepastor wird es schließlich un­heimlich. Er rät, Wesley wieder in ärztliche Behandlung zu geben. Aber die Parkers sind verblendet von dem Gedanken, daß Gott die Heilung ihres Sohnes wolle, daß eine weitere Verwendung von Medikamenten Unglaube sei, der das Wirken Gottes verhindern würde. So stirbt Wesley.

Die Eltern werden polizeilich vernommen, die Presse schlachtet das Geschehnis gründlich aus. Doch die Par­kers geben nicht auf, sie rechnen mit der Auferstehung ihres Sohnes. Es soll keine Trauerfeier geben, sondern einen Auferstehungsgottesdienst. Als Sprecher wird auf der Anzeige angegeben: Der Heilige Geist. Nun, Parker spricht selbst, er befiehlt seinem Sohn „im Namen Jesu" aufzuerstehen. Auch andere versuchen vergeblich, zu einem positiven Ausgang beizutragen. Es entsetzt den Leser, immer wieder den Namen des Herrn Jesu mit er­folglosen Heilungsversuchen und Auferweckungsversuchen in Verbindung gebracht zu sehen. Erneut findet die Presse reichlich Stoff, um über das Christentum herzuziehen.

In den nächsten Tagen im Gefängnis, in zermürben­den Gerichtsverhandlungen kommen die Parkers langsam zu der Einsicht, daß ihr Handeln nicht auf echtem Glau­ben, sondern auf Anmaßung beruhte. Sie schreiben: „Un­sere Erfahrung hat gelehrt, daß Gott aus eigener Entschei­dungsfreiheit heilt, wen er will. Jede echte Glaubenshei­lung kann medizinisch überprüft werden. Ob die Heilung infolge des Gebets eintritt, ist Gottes Sache. Jede Hei­lung kommt von Gott. Dazu kann er sich der Medizin, der Natur oder des Gebets bedienen. Es ist aber anmaßend zu glauben, eine Heilung habe stattgefunden, solange die Symptome nicht verschwunden sind."

Unter bestimmten Gesichtspunkten ist der Glaube der Parkers bewundernswürdig. Wie kann man seinen Glauben besser bezeugen als dadurch, daß man bereit ist, auf die Spritze zu verzichten, ja sogar dann auf Medika­mente zu verzichten, wenn der Sohn, den man liebt, von Schmerzen zu Tode gequält wird? Aber hier kommen wir zu der entscheidenden Frage: Worauf gründet sich der Glaube? Selbst der größte menschliche Glaube ist frucht­los, wenn er sich nicht auf das Wort Gottes, sondern auf eigene Wunschvorstellungen oder falsche Lehren — wie hier die Pfingstlehre — gründet. Leider ist das Ehepaar Parker, mit dem wir durchaus mitfühlen können, trotz des entsetzlichen Verhängnisses, das sie betroffen hat, nicht von den falschen Lehren über Glaubenheilungen frei geworden.

Das Ehepaar blieb gefangen in den Lehren ihrer Glau­bensrichtung, die schon manches Opfer, im direkten wie im übertragenen Sinn gefordert haben. Die Führungen und Eingebungen in diesem Buch sind nicht vom Heiligen Geist, sondern von einem falschen Geist. Man betet, indem man sich gegenseitig an den Händen faßt, legt vorschnell die Hände auf, ruft und betet zum Heiligen Geist und lebt in dem Wahn, Kinder Gottes brauchten niemals krank zu sein, wenn sie nur richtig glaubten.

In diesem Buch wird nicht einmal die Frage gestellt, warum Gott die Krankheit geschickt hat. Vor und nach dem Bericht vom Tod Wesleys wird zwar die Bibel häufig zitiert, aber in der Regel werden die Stellen aus dem Zu­sammenhang gerissen und in die pfingstlich-charisma­tische Richtung umgedeutet. Daß Gottes Wort von den zeichenhaften Gaben sagt, daß sie als ein Zeichen für die Ungläubigen und nicht für die Gläubigen gegeben sind; daß im Neuen Testament kein einziges Beispiel berichtet wird, wo Gläubige geheilt worden sind; daß im Gegenteil Paulus „seinen Dorn im Fleisch" behielt; daß er Trophi­mus in Milet krank zurücklassen mußte; daß er Timotheus riet, ein wenig Wein zu gebrauchen „wegen seines häufi­gen Unwohlseins"; das alles wird von diesem Buch und von Vielen in der Pfingstbewegung zu unserem großen Schmerz nicht zur Kenntnis genommen. Wir wollen nicht richten und sind beschämt darüber, daß die Christenheit nur noch ein Zerrbild ist gegenüber ihrem Erscheinungs­bild in der Apostelgeschichte, aber wir kommen nicht umhin, eine Lehre und Strömung, die buchstäblich Tod anstatt Leben bringt, zu hassen (vgl. dazu Offb. 2,6).

Das ganze Buch ist ein höchst trauriges Dokument für die derzeitige Verwirrung in den Gemeinden. Der ab­grundtiefe Betrug, der hinter der ganzen Pfingstlehre steckt, wird nicht aufgezeigt. Das würde auch nicht in unser Zeitalter der geistlichen Entspannungspolitik passen, wo klare Worte selten, falsche Lehren aber immer mehr geduldet werden.

 Die Veröffentlichung dieses Buches können wir daher nur bedauern. Der sensationelle Titel mag zu guten Er­trägen führen. Aber es ist tragisch, daß man versucht, mit Dingen, die eine Schande für die Christenheit sind, Geld zu machen.

Nachtext

Quellenangaben

Schulte + Gerth, 176 S., Pb., DM 16.-