Zeitschrift-Artikel: Fragenbeantwortung

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Titel: Fragenbeantwortung
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Frage:

Immer wieder hört oder liest man es in Büchern, daß der Herr nach Seinem Tod im Hades gepredigt hat, und daß es für den unbekehrten Menschen nach dem Tod noch eine Bekehrungsmöglichkeit durch die Predigt im Hades gibt. Auch wird gelehrt, daß die Gläubigen im Hades eine Aufgabe der Evangelisation haben.

Als Bibelsteile wird 1. Petr. 3,18-20 zitiert. Kann dazu einmal Stellung genommen werden?                                      R.S.

Studien über 1.Petr. 3,18-20; 4,6
Die Auslegung dieser Verse führte im Protestantismus zu der Auffassung, daß der Herr Jesus zur Hölle niedergefahren sei.
Seit 1564 hat die römisch - katholische Kirche den Ausdruck "Niedergefahren zur Hölle" in den Catechismus Romanus aufge­nommen. Im Apostolicum (das sog. Aposto­lische Glaubensbekenntnis) findet sich, die obengenannte Formulierung ebenfalls. Ne­ben dem Nicäno Constantinopolitanum und dem Athanasianum gehört das Apostolische Bekenntnissen, denen sich die Protestanten verpflichtet fühlen. Auch in dem Augs­burger Bekenntnis von 1530 wird der Passus "Niedergefahren zur Hölle" von 1. Petr. 3 abgeleitet.
Man sollte sich schon einmal aufrichtig Gedanken über diese sehr wichtigen Verse machen und die Bekenntnisse entsprechend prüfen. Ein Ausleger des NT, William Barclay, hat in seinen Auslegungen des NT verschiedene Auslegungen vorgelegt, aber seine eigene befriedigt keineswegs.
Zunächst sei folgendes deutlich gesagt: Der Begriff "Hölle" ist in unserem Text nicht zu finden, genauso wenig wie "Hades". (Vgl. das Wort "geenna" in Matth.5,22.29.30; 10.28; 18.9; 23,15.33; Mark. 9.43.45.47; Luk. 12,5; Jak. 3,6; ist die Hölle, abgeleitet von dem hebr. Wort Ge-Hinnom.)

Was wollen uns nun die Verse sagen?

1.    Christus litt als Gerechter für die Unge­rechten mit dem Ziel, uns zu Gott zu füh­ren. Er hat e i n m    1 gelitten. Das wird
sich nicht wiederholen (vgl. Hebr. 9,26.28). Das Wort "Führen" (prosago) wird in Röm. 5,2; Eph. 2,18; 3,12 als Hauptwort mit "Zu­gang" übersetzt. Die Tragweite dieses herr­lichen Wortes ist für den Glauben unendlich wertvoll.

2.    Nach 1. Petr. 1,11 deutete der Geist Christi in den Propheten auf die Leiden, die auf Christum kommen sollten und die Herrlichkeiten danach, hin. Hier in Kap. 3,18 haben wir die Bestätigung.

- getötet nach dem Fleische (thanatotheis men sarki)

- aber lebendig gemacht nach dem Geiste (zoopoieetheis de pneumati) "men ...de" stellt den Gegensatz heraus; man könnte auch übersetzen: "zwar getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist".

Das erste bedeutet sein Sterben als Mensch, er war im Fleische gekommen (vgl.Joh. 4,2-3; 2. Joh. 7; 1. Tim. 3,16; Hebr. 2,14; 5,7; 2. Kor. 5,16; Röm. 8,3; 1,3; Phil. 2,7-8; 1. Petr. 4,1; u. a. St.) während das zweite auf das Auferstehungsleben des Herrn Jesus hinweist.
Röm. 1,4: ". . . als Sohn Gottes in Kraft erwiesen (dem) Geist der Heiligkeit nach durch Toten-Auferstehung".
Der Herr hat sein Leben durch den ewi­gen Geist Gott geopfert, aber er konnte das gleiche Leben selbst wiedernehmen.
Joh. 10,18: "Ich habe Gewalt es zu las­sen, und habe Gewalt es wiederzunehmen". Nach Joh. 5,21 macht der Sohn lebendig, welche er will, gleich dem Vater und dem Geist (Joh. 6.63). Er, der zweite Adam, war ein lebendig machender Geist" (1. Kor. 15.45). Sein Leib war ein "geistiger Leib" nach der Auferstehung, ein Leib aus Fleisch und Bein, aber ohne Blut. Er konnte be­tastet werden, die Wundenmale wurden ge­sehen, doch konnte er gleichzeitig durch verschlossene Türen gehen.
Im Gegensatz zu Seiner Menschheit vor dem Kreuz, welche in Verbindung mit Blut  stand, war Seine Menschheit jetzt mehr charakterisiert durch "G e i s t" (vgl. auch

1.Kor. 3,17).

"Men. . .de" weist also einerseits auf den Gegensatz von "Fleisch" und "Geist" hin, andererseits aber auch auf den Gegen­satz von "getötet" und "lebendiggemacht".

·       "in welchem er auch hinging und predig­te den Geistern, die im Gefängnis sind, welche einst ungehorsam waren, als die Langmut Gottes harrte in den Tagen Noahs
Frage: Waren die Geister (als Geister) einst ungehorsam in den Tagen Noahs?
Nein, sie waren als Menschen ungehor­sam, wie 1. Mose 6,3 ff; Luk. 17,26-27; 2. Petr. 2,5 bestätigt. Also nicht die Geister waren ungehorsam, sondern die Menschen. Die Geister dieser Menschen sind jetzt, in der Gegenwart, im Gefängnis.

Nun etwas Grammatik:

"hinging": poreutheis Aorist,

von "poreuomai"

"predigte": ekeeryxen = Aorist, von "keerysso"

"ungehorsam waren": apeitheesasin Aroist, von "apeitheo"

 

Der Aorist bezeichnet hier eine in der Vergangenheit geschehene und abgeschlos­sene Sache.

Das bedeutet: Christus ist in der Ver­gangenheit zu einem bestimmten Zeitpunkt im Geiste zu ungehorsamen Menschen gegan­gen, und zwar zur Zeit Noahs (wie der Zu­sammenhang deutlich macht), und er predigte zu diesem bestimmten Zeitpunkt den­jenigen Menschen, die jetzt als Geister im Gefängnis (Gewahrsam) sind.Nicht damals waren diese als Geister im Gefängnis, sondern sie sind heute im Ge­fängnis, weil sie zu jener Zeit, zur Zeit Noahs, die Botschaft ablehnten.

Predigte ihnen Christus direkt? Nein, Er predigte in dem Geiste. Dieser Geist war wirksam in Noah, dem Prediger der Gerech­tigkeit (2. Petr. 2,5). Sagt nicht 1. Petr. 1,11, daß der Geist Christi in den alttesta­mentlichen Propheten wirksam war?

4. "Denn dazu ist auch (den) Toten gute Bot­schaft verkündigt worden, auf daß sie ge­richtet werden möchten dem Menschen ge­mäß nach dem Fleische, aber leben möchten Gott gemäß nach dem Geiste."

a) Hier steht nicht, daß den Toten die gute Botschaft verkündigt wird, sondern To­ten ist gute Botschaft verkündigt worden (Aorist). In der Vergangenheit ist nicht etwa Toten gute Botschaft verkündigt worden -Tote können die gute Botschaft nicht hören, sondern den j e t z t Toten ist in der Vergangenheit zu einem bestimmten Zeitpunkt gute Botschaft verkündigt worden. Das ist eine in der Vergangenheit abgeschlossene Sache gewesen.

b) Hier finden wir wieder den Ausdruck "men...de", also einen Gegensatz.

 

Die einen (jetzt Toten) werden gerich­tet dem Menschen gemäß nach dem Fleische (sarki), d.h. sie werden gemäß dem gerichtet, was sie als Menschen im Fleische gewesen sind; die anderen (jetzt Toten) ha­ben in der Vergangenheit die gute Botschaft angenommen und leben gemäß dem, was Gott ihnen gegeben hat. Sie leben in Geist, d.h. in der Kraft des Heiligen Geistes (vgl. 2. Kor. 2,16). 5. Die Theorie von einer Höllenfahrt Jesu ist also nicht zu stützen. Der Herr Jesus hat dem Schächer am Kreuz gesagt: "Heute wirst du mit mir im Paradiese sein".
Christus war im Tod (Röm. 10,7), in den "unteren Teilen der Erde" (Eph. 4,9), ge­nannt im AT (Lxx) Hades (Apg. 2,27). Aber er war in dem "Bereich" des Totenreiches, das "Paradies" genannt wird. Weder redet die Schrift von einer Predigt in der "Hölle", noch von einer Predigt im "Hades", noch von einer Predigt im "Paradies". Aber ande­rerseits spricht die Bibel sehr ernst von ei­nem Gericht der Lebendigen und Toten (vgl. Apg. 10,42 ff; 17,31; Röm. 14,9; 2. Tirn. 4,1)

Nachtext

Quellenangaben