Zeitschrift-Artikel: Ananias und Sapphira - Ehepaare der Bibel

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Titel: Ananias und Sapphira - Ehepaare der Bibel
Typ: Artikel
Autor: Peter Lüling
Autor (Anmerkung):

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Titel

Ananias und Sapphira - Ehepaare der Bibel

Vortext

Text

D

ie junge Gemeinde in Jerusalem blühte. Eine große Geschäftigkeit bestimmte den Alltag genauso wie das göttliche Glück der Gemeinschaft. Hunderte Geschwister trafen sich täglich in den Häusern und dankten Gott, der sie aus der Finsternis in sein wunderbares Licht geführt hatte. Das Heil Gottes bestimmte nun ihr Leben. Die Apostel waren unermüdlich am Predigen und Prägen.
Diese neue Einheit durch den Heiligen Geist wurde in Frieden bewahrt. Jeder half dem anderen, denn Geben war für sie seliger als Nehmen. Gebetsstunden wurden allerorts gut besucht. Der äußere Druck durch die strengen Pharisäer riss nicht ab, besonders die Führer wurden hart angegangen. (Apg 4,32–37)
Eine herrliche Zeit, ungetrübt und bewegend. Eine solche Erweckung hatte es wohl kaum zuvor gegeben. Geld und Besitz war nicht mehr Eigentum, sondern Allgemeinwohl. Der Herr wirkte mit und Ströme lebendigen und lebensspendenden Wassers flossen. Der Same, der über hunderte Jahre von den Propheten ausgestreut worden war und besonders das eine „Samenkorn“, das in die Erde gefallen war, brachte jetzt endlich eine große Frucht zur Ehre Gottes.
Doch wie immer, wenn Gott wirkt, ist der Widersacher nicht untätig. Seine Methoden sind unverändert. Wenn er durch äußeren Druck nicht das bezwecken kann, was er will, greift er von innen an. So auch bald nach Pfingsten. Der kurze Gefängnisaufenthalt von Petrus und Johannes hatte die Bewegung nur bestärkt. Nun versuchte er es mit Geldliebe, Heuchelei und Lüge.

 

Verschworen

Ananias und Sapphira hatten Grundbesitz – wie viele andere auch. Doch sie waren beide nicht aufrichtig.

„Ein gewisser Mann aber, mit Namen Ananias, mit Sapphira, seiner Frau, verkaufte ein Grundstück und schaffte von dem Erlös etwas beiseite, wovon auch die Frau wusste; und er brachte einen gewissen Teil und legte ihn zu den Füßen der Apostel nieder.“ (Apg 5,1–2)

„Was in diesem Fall hinter der Lüge steckte, war das böse ‚Zwillingspaar‘ Habsucht und Scheinheiligkeit. Ananias wollte sowohl einen Teil des Geldes für sich behalten als auch das Ansehen genießen, als habe er, wie Barnabas, alles dem Herrn hingegeben.“1

Warum die beiden übereingekommen sind, wissen wir nicht. Die Bibel betont aber, dass die Frau davon wusste. Sie hatten sich in ihrem Vorhaben abgesprochen, so wie getan vorzugehen. Wofür sie einen Teil beiseitegelegt hatten, wird auch nicht berichtet. Vielleicht dachten sie an ihre Rente, oder an eine gute Unterstützung für ihre Kinder, sollten diese heiraten. Wir wissen es nicht …

Gott möchte, dass Eheleute gemeinsam, Schulter an Schulter, das Leben meistern. Er hat beiden unterschiedliche Verantwortungen mitgegeben. Der Mann soll die Frau führen, ihr Haupt sein und sie lieben, wie Christus die Gemeinde geliebt hat. Die Frau andererseits soll ihren Mann wertschätzen und ehren, sich ihm unterordnen und als gottgegebene Hilfe das ausfüllen, was der Mann nicht hat. Diese Hilfe beinhaltet Unterstützung der Aufgaben und Dienste des Mannes und sie wird darum bemüht sein, ihm den Rücken freizuhalten. Diese Hilfe bedeutet aber auch, dem sachorientierten Mann mit ihrer emotionalen und personenorientierten Art zu helfen.

Hilfe sein bedeutet aber niemals, Sünden im Leben des Anderen zu decken. Sicher, die Liebe bedeckt eine Menge von Sünden, aber erst, wenn sie aufgedeckt und bekannt wurden. Es ist auch nicht die Aufgabe der Ehefrau (und umgekehrt auch nicht die des Ehemanns), an jedem kleinsten Fehler rumzumäkeln. Aber niemals dürfen wir Sünde bei dem, den wir am meisten lieben, gutheißen, dulden und sogar beschönigen. Dann laden wir Gericht auf uns und müssen mit den Konsequenzen rechnen.

C.S. Lewis schreibt in seinem Buch „Über den Schmerz“ dazu folgendes: „Die Kirche ist die Braut des Herrn, die er so sehr liebt, dass er keinen Flecken und keine Runzeln an ihr erträgt. (Eph 5,27)

Die Wahrheit, zu deren Verdeutlichung diese Analogie dient, ist, dass die Liebe kraft ihres eigenen Wesens nach der Vervollkommnung des Geliebten verlangt; dass die bloße ‚Gutherzigkeit‘, die alles duldet, nur nicht, dass der Geliebte leide, in diesem Betracht das Gegenteil von ‚Liebe‘ ist. Wenn wir eine Frau lieben – hören wir etwa dann auf, uns darum zu kümmern, ob sie sauber oder schmutzig, schön oder hässlich ist? Beginnen wir nicht gerade dann erst, uns darum zu kümmern? Betrachtet irgendeine Frau es als ein Zeichen der Liebe des Mannes, dass er weder weiß noch sich darum kümmert, wie sie aussieht? Liebe vermag sehr wohl die Geliebte zu lieben, wenngleich ihre Schönheit dahin ist; aber nicht, weil sie dahin ist. Liebe kann alle Schwächen vergeben und ihnen zum Trotz lieben, aber Liebe kann nicht aufhören zu wünschen, dass diese Schwächen verschwinden. Liebe ist empfindlicher als selbst der Hass gegen jeden Makel an dem Geliebten; ihr ‚Gefühl ist feiner und empfindsamer als die zarten Fühler sich windender Schnecken‘. Von allen Mächten verzeiht die Liebe am meisten, aber sie entschuldigt am wenigsten; sie erfreut sich an wenig, aber sie verlangt alles.“2

„Wer verlangt, Gottes Liebe solle sich mit uns, wie wir sind, begnügen, der verlangt, Gott solle aufhören, Gott zu sein.“3

In dieser Hinsicht hat Sapphira ihren Mann nicht geliebt. Sie hätte sich nicht darauf einlassen dürfen, die Lüge ihres Mannes mitzumachen.

„Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen. Du sollst deinen Nächsten ernstlich zurechtweisen, und sollst Sünde auf ihm nicht ertragen.“ (3Mo 19,17)

Dieser Punkt ist im Alltagsleben sehr kritisch. Immer wieder müssen wir mit den Sünden unseres Ehepartners umgehen. In der Regel sind es keine gravierenden, doch leider kommen sie immer wieder vor. Sara kam bei der zweimaligen Lüge ihres Mannes in die gleiche Lage. Wie sollte sie damit umgehen, um nicht Sünde auf sich zu laden? Aus der alttestamentlichen Beschreibung ist klar, dass sie die Halbschwester Abrahams war; doch eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge. Petrus sagt uns aber, dass sie geschwiegen und ihr letztes Vertrauen auf Gott gesetzt hat. Sie hat die Lüge ihres Mannes nicht bestätigt oder beschönigt. Im Gegensatz zu Sapphira.

Wäre Sapphira diesen Weg gegangen, hätte es sicher zu Hause eine klare Auseinandersetzung mit ihrem Mann gegeben. Bestimmt hätte sie aber vor Petrus die Wahrheit gesagt. Doch sie hatten sich als Ehepaar verschworen, einen Teil beiseite zu legen, um vor der Gemeinde als solche dazustehen, die auch ihren Besitz völlig in das Werk Gottes steckten.

 

„Doch wo es echte geistliche Kraft gibt, werden Betrug und Heuchelei schnell erkannt.“

 

Verdorben

Es kommt auch vor, dass der eine Ehepartner den anderen geistlich und/oder emotional unter Druck setzt. Wenn der Ehepartner sündigt, ist es in der Regel schwer, damit richtig umzugehen. Der Druck in einer solchen Beziehung ist riesig. Viele Frauen haben aufgegeben, weil sonst die Außenerscheinung gelitten hätte. Zu wem soll die Ehefrau/Schwester gehen? Sind die Leiter und Seelsorger dafür offen? Wie geht dann Seelsorge? Hat der Ehepartner ein weiches Herz, um diese Sünde zuzugeben und zu lassen? Oder wird er sich verhärten? Über manche Dinge wird in Ehen nicht mehr gesprochen, weil die Resignation im Lauf der Zeit vollständig wurde. Was ist dann zu tun?

Co-Abhängigkeit ist schlimm, wenn sie auch gut gemeint ist. Co-Abhängige müssen erkennen, dass sie dem anderen durch ihr Schweigen oder Anprangern nicht helfen, sondern schaden. Für Ananias wäre es besser gewesen, seine Frau hätte sehr deutlich gesagt, dass dieses Verhalten Sünde ist.

Diese ersten Monate der Gemeinde in Jerusalem waren geprägt von Gottesfurcht und Heiligkeit. In diesen Zeiten ist es schwierig, wenn eigene Beweggründe unsauber sind. Das Gewissen schlägt lauter und will Reinheit. „Doch wo es echte geistliche Kraft gibt, werden Betrug und Heuchelei schnell erkannt.“4 So gnädig und freundlich der Herr ist, so heilig ist er auch an gleicher Stelle. Die Bibel berichtet von Ananias:

„Ananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen und von dem Erlös des Feldes beiseite geschafft hast? … Nicht Menschen hast du belogen, sondern Gott.“ (Apg 5,3–4)

 

Verstorben

Der Satan hatte sein Herz erfüllt, den Heiligen Geist zu belügen und zu heucheln. Wir bekommen wie Petrus keine Antwort darauf, warum er das getan hat. Doch zu befürchten ist, dass ein Herz nicht von heute auf morgen von Satan erfüllt wird. Die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen, und jede Sünde hat ihren Anfang. Vor anderen gut dastehen und auch als geistlich und hingegeben angesehen zu werden möchte wohl jeder, der nicht mehr vor dem Angesicht Gottes wandelt. Die Tragik dieses ersten sterbenden Ehepaares ist, dass sie sich gemeinsam zur Lüge und Heuchelei abgesprochen hatten.

Wahrscheinlich gibt es auch in unseren Gemeinden Ehepaare, die nicht mehr im Licht leben, die einen Weg der äußeren Fassade eingeschlagen haben. Doch dahinter verbirgt sich so oft Herzeleid, eine riesige Not, die gestillt werden muss. Der vielleicht Medien-süchtige Mann betet sonntags fromm und die tratschende Ehefrau leitet die Frauenstunde. Das geht, Gott greift nicht immer so drastisch ein, wie damals. Wahrscheinlich wären unsere Gemeinden dann kleiner oder auch gottesfürchtiger. Aber dass Gott nicht eingreift, ist kein Beleg für das Nichtvorhandensein dieser Problematik.

Daher wären diese Schritte bestimmt gut, um als Ehepaar treu zu bleiben in der Nachfolge:

1.    Bleib im Licht – nur die Wahrheit macht frei!

2.    Bleib treu dem Wort und bleib im Wort!

3.    Bleib in Gemeinschaft und pflege gute Kontakte!

4.    Bleib eindeutig – wäge immer gut ab zwischen Treue zu Gott und zu Menschen und deiner Treue zu den Geboten Gottes und den Wünschen des Ehepartners!

5.    Bleib liebevoll, auch wenn dazu göttliche Liebe notwendig ist!

Bleib authentisch, Gottes Zustimmung ist das Wichtigste! 

Nachtext

Quellenangaben

1    http://www.bibelkommentare.de/index.php?page=comment& comment_id=237&structure_id=402&part_id=1814

2    C.S. Lewis, Über den Schmerz, Brunnen Verlag Gießen 1988, S. 44 3 C.S. Lewis, Über den Schmerz, Brunnen Verlag Gießen 1988, S. 46

 

4 W. MacDonald, Kommentar zum Neuen Testament