Zeitschrift-Artikel: Philippus — das Vorbild eines Predigers 1. Teil

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Titel: Philippus — das Vorbild eines Predigers 1. Teil
Typ: Artikel
Autor: J-Ph. Fijnvandraat
Autor (Anmerkung): Übersetzt aus "Bode van het heil in Christus" von A. Peratoner.

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Titel

Philippus — das Vorbild eines Predigers 1. Teil

Vortext

Text

I. Eine Person, die unserer Aufmerksamkeit wert ist

1.           Ein vielbesprochenes Kapitel aus der Bibel

Apostelgeschichte 8 gehört zu den Kapi­teln aus der Bibel, die oft behandelt wer­den. In vielen Evangelisationsveranstaltun­gen und -verkündigungen sowie bei fast al­len Taufhandlungen wird dieses Kapitel der Bibel herangezogen.

Meistens fällt dann das volle Licht auf den Kämmerer der Kandace aus Äthiopien, der nach Jerusalem gereist war, um den Tempel zu besuchen und sich auf der Heim­reise hinsetzte und laut aus einer Rolle des Propheten Jesaja las. Es ist ein herrlicher Bericht! Aber gerade darin besteht eine Ge­fahr, daß wir den Besonderheiten des Auf­tretens des Evangelisten eine etwas geringe­re Aufmerksamkeit widmen. Die Besonder­heiten sind, sozusagen, "hier und dort ver­streut" in Apostelgeschichte 8 zu finden. Sie sind besonders wertvoll für jeden, der etwas für den Herrn im allgemeinen tun möchte - und für jeden, der das Evangelium in besonderer Weise predigen möchte.

2.           Ein Mann mit einem Auftrag in der Gemeinde

Philippus wird in der Bibel zuerst in Apostelgeschichte 6,5 genannt. Dort zeigt es sich, daß diese Christen einen Dienst in der Gemeinde zu Jerusalem empfingen. Sein Name deutet darauf hin, daß er ein Jude war, der nicht in Palästina, sondern in der griechischen Kulturwelt geboren war.
Es ist also ziemlich sicher, daß er nicht nur Aramäisch gekannt hat, sondern auch die griechische Sprache beherrschte. Die Kenntnis der griechischen Sprache darf auch bei dem Minister der Königin von Äthiopien vorausgesetzt werden. Nach der Abweichung in Vers 33 unseres aus dem Hebräischen übersetzten Textes in Jesaja 53,7 hat der Äthiopier aus der griechischen Übersetzung des Alten Testamentes der sogenannten "Septuaginta" gelesen. Das Gespräch wird al­so wohl in griechischer Sprache geführt wor­den sein.

3.            Ein Mann, der das Vertrauen aller genoß

Wir sehen in Apostelgeschichte 6,1-6, daß Uneinigkeit herrschte zwischen zwei Gruppen in der Gemeinde zu Jerusalem, nämlich zwischen den einheimischen Chri­sten, die aus dem Land Kanaan stammten, und den aus dem Ausland gebürtigen Chri­sten, insbesondere aus der griechischen Welt. Obwohl diese beiden Gruppen zur sel­ben Rasse gehörten - beide waren Juden -bestanden gehörige Kulturunterschiede zwi­schen diesen beiden Gruppen. Aber allzuoft haben auch in späteren Jahrhunderten Kul­turunterschiede zwischen Gläubigen Anlaß zu Mißtrauen und Uneinigkeit gegeben.
Wir sind nämlich leicht geneigt, unsere eigene Kultur für die beste und christlichste zu halten.
Der Unterschied zwischen einem Städ­ter und einem Landbewohner kann manch­mal schon Anlaß zu Mißverständnissen unter Gläubigen sein. Bestimmte Dinge - manch­mal unbedeutende Äußerlichkeitenf.- werden als Symptome gesehen, und Mißtrauen ist die Folge. Dieses Mißtrauen wird dann zur Wurzel bestimmter Schwierigkeiten. Und wenn die entstehen, hat der Teufel sein Ziel erreicht.

In diesem Fall bestand Mißtrauen bei den aus dem Ausland stammenden Gläubi­gen; sie waren der Meinung, bei den einhei­mischen Christen hintenangesetzt worden zu sein. Mit großer Weisheit wurde diese Ange­legenheit unter der Leitung des Geistes Got­tes gelöst. Es wurden sieben Männer ausge­wählt. Die Gesinnung der einheimischen Gläubigen wird darin deutlich, daß sie, wie die Namensliste erkennen läßt, ausschließ­lich griechisch sprechende Brüder vorgescho­ben haben! Aber daraus folgt auch hinsicht­lich des Philippus eine wichtige Schlußfolge­rung: dieser Mann muß das allgemeine Ver­trauen genossen haben, und zwar sowohl der Einheimischen als auch der griechisch Spre­chenden.

Für jemanden, der dem Herrn in einer besonderen Aufgabe dienen möchte, ist es von großer Wichtigkeit, das Vertrauen der Gläubigen am Ort zu genießen.

 

II. Ein Streiter für den Herrn

1.Die Folgen der Feindschaft

Anfänglich stand die gerade erst ent­standene Gemeinde zu Jerusalem in der Gunst vieler. Aber Volksgunst ist eine unbe­ständige Sache!
Bald machten sich die Mächte der geist­lichen Unterwelt auf, um dieses junge Zeug­nis des auferstandenen Herrn zunichte zu machen. Es entstand eine ernste Verfolgung. Einer der Mit-Diakone des Philippus wurde gesteinigt.
Ein junger Fanatiker, Saulus von Tarsus, zerstörte die Gemeinde und schleppte Män­ner und Frauen ins Gefängnis. Ihres Hauses und Herdes beraubt, mußten die Christen aus Jerusalem flüchten.
Sie flohen in alle Richtungen; die Bibel sagt: "Die Zerstreuten nun gingen umher....'  (Apg. 8,4).

 

2.         Kein Miesmacher

Aber bedeutete dies nun das Ende des christlichen Zeugnisses in der Welt?
Nicht im Geringsten und im Gegenteil! Anstatt sich zur Ruhe zu setzen und untätig zu sein, taten diese Gläubigen etwas ande­res: sie zogen durch das Land und verkündig­ten das Evangelium.

Unter ihnen war auch Philippus. Obwohl er nun auch seinen Dienst in Jerusalem hat­te aufgeben müssen und er erfahren mußte, daß ein Mitarbeiter in diesem Werk im Kampf für den Glauben umgebracht wurde, verhielt er sich nicht still.
Im Gegenteil: er stellte sich auf die Sei­
te derjenigen, die die Zerstreuung benutzten als Anlaß, um dem Auftrag zur Verkündi­gung des Evangeliums Folge zu leisten.

Philippus zeigt den kämpferischen Geist, der jeden Christen kennzeichnen muß und der unentbehrlich ist für jeden, der sich für die Sache des Herrn einsetzen will.

III. Kein Traditionalist

Es steht so einfach geschrieben: "Philip­pus aber ging hinab in eine Stadt Samarias"  (Apg. 8,5) - aber ist uns bewußt, was das be­deutet? "Die Juden verkehren nicht mit den  Samaritern" sagt uns Joh. 4,9, und in Joh. 8,48 bringen die Juden ihre tiefe Verach­tung gegenüber dem Herrn Jesus zum Aus­druck, daß Ihm das Ärgste zugefügt wurde, was für sie in religiöser Hinsicht denkbar war: "Sagen wir nicht recht, daß du ein Sa­mariter bist und einen Dämon hast?" Es ist lehrreich zu sehen, daß Philippus sich nicht durch Traditionen hindern ließ, wenn es um die Ausbreitung des Wortes Gottes ging!

Traditionen sind oft große Hindernisse für die Verbreitung des Evangeliums! Hätte Philippus nach seinem jüdischen Gewissen gehandelt, hätte er keinen Schritt in das Land von Samaria setzen dürfen. Aber wer das Evangelium verbreiten will, wird sich oft vor den Auftrag gestellt sehen, Dinge zu tun, die schnurgerade gegen die Regel verstoßen: "So etwas tut man nicht."

William Booth war Leiter der Methodi­sten-Kirche in London. Das Entstehen der durch ihn gegründeten "Heilsarmee" ist hauptsächlich der Tatsache zu verdanken, daß er radikal brach mit der herablassenden Wohltätigkeit seiner Gemeinde-Geschwister und er in gut zugerüsteter Weise das Evan­gelium in den Elendsvierteln Londons ver­kündigte. Seine Methoden waren nie traditio­nell und wurden nie durch die Mittelstands­kirche, in der er Mitglied war, gewürdigt.

IV. Ein Mann mit Initiative

Philippus war schließlich auch ein Mann mit Initiative. Was andere nicht taten -wahrscheinlich weil sie durch ihre auf Tradi­tionen gestützten Gefühle gehindert wurden - das tat Philippus. Er ergriff die Initia­tive, in das samaritische Gebiet zu gehen.
Wer nach der Regel "wie es immer ge­wesen ist, ist es gut" - "wir haben es doch immer so getan" usw. lebt, kommt selten zu einer originellen Initiative.

Vor einiger Zeit wurde ein Evangelist irgendwo im Ausland aufgefordert, eine Evangelisation zu halten. Die Zusammen­kunft war geplant auf Sonntagabend um 18.30 Uhr. Er fragte die Brüder, wie spät die Kino-Veranstaltungen am Sonntag begän­nen. Die Antwort lautete: "Das wissen wir nicht." Sie schauten sehr erstaunt drein, als der Evangelist bemerkte, daß jemand, der Unbekehrten das Evangelium bringen möch­te, diese Zeit wissen sollte! Schließlich stell­te sich nach einigem Nachfragen heraus, daß sowohl die Kino-Veranstaltungen, die Tanzveranstaltungen als auch das Theater in dieser Stadt um 20.00 Uhr zu beginnen pflegten. Und zwar wohl, weil die meisten Menschen gewohnt waren, um 18.00 Uhr zu essen!

Anscheinend hat sich in 19 Jahrhunder­ten bei den Gläubigen noch nichts geändert: "Die Kinder dieser Welt sind in ihrem Ge­schlecht weiser als die Kinder des Lichts".

In der Welt kennt man den nüchternen Grundsatz: "Du mußt fischen, wo der Fisch sitzt".

Der Einwand der Gläubigen aber
lautete: "Aber der Herr hat diese Stunde damals gesegnet.“
Nach vielem Überlegen kam man dann schließlich doch überein, es zu einer anderen Stunde zu probieren. Zum ersten Mal seit Jahren kam eine Anzahl "Fremde" in den Saal und es bekehrte sich jemand!

Auf die Frage, wie lang es denn her war, daß sich an dieser Evangelisationsversammlungen in dieser an Traditionen gebundenen Stadt jemand bekehrt hatte, stellte sich heraus, daß es zwanzig Jahre her war.

Was Gott gebrauchen möchte sind Menschen mit Initiative! Menschen, die den Mut haben, etwas zu unternehmen oder etwas zu verändern.

 

Philippus war solch ein Mann!

Nachtext

Quellenangaben