Zeitschrift-Artikel: Kleinode im Alten Testament 3. Folge

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Titel: Kleinode im Alten Testament 3. Folge
Typ: Artikel
Autor: Benedikt Peters
Autor (Anmerkung):

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Titel

Kleinode im Alten Testament 3. Folge

Vortext

Text

 

3. En-Gannim  Jos. 15,34

Cen-gannim bedeutet Gartenquelle. (Eigentlich "Quelle der Gärten"). Ein Garten ist ein Ort der Erquickung. Das empfindet man besonders in heißen Ländern wie in denen des Vorderen Orients. So hat uns der Herr als besondere Quelle der Erquickung in dieser Welt von Sünde und Sündern, Spott und Spöttern, die Gemeinschaft der Heiligen bereitet. Ja, der Herr ist sogar in den Tod gegangen, um diese wunderbare Gemeinschaft der Kinder Gottes zu ermöglichen (Joh. 11,52).

Vor einigen Jahren reiste ich mit dem Zug von Karachi nach Rawalpindi in Pakistan. Die Reise dauerte über 30 Stunden, und es war entsetzlich heiß. Dazu wehte ein heißer Wüstenwind Sand und Staub durch die offenen Zugfenster, so daß die Kleider in wenigen Stunden von Schmutz und Schweiß steif waren. Von Schlafen konnte in diesen 30 Stunden kaum die Rede sein; dazu war das Abteil viel zu überfüllt. Als ich in Rawalpindi ankam, war ich total erschöpft. Müde trottete ich zum Schulhaus, wo sich Brüder für einige Tage zusammengefunden hatten, um gemeinsam für die Anliegen der Gemeinden und des Werkes des Herrn zu beten.

Als ich nun die Brüder traf, wurde ich in kurzer Zeit so erquickt, daß ich meine ganze Müdigkeit vergaß. Das war die Gartenquelle. In 1. Kor. 16,17.18 spricht Paulus von Brüdern, die seinen Geist erquickt haben. Philemon erquickte das Herz der Heiligen (Philem. 7). Wie dankbar sollten wir für diese wunderbare Einrichtung der Gemeinschaft der Heiligen sein, wie eifrig sollten wir sie pflegen und wie sehr danach trachten, sie zu fördern!

Ein Garten besteht aus mehreren Bäumen, nicht aus einem. Darum ist das ein Hinweis auf Gemeinschaft. Zudem stehen da im Garten die verschiedensten Arten von Bäumen und Sträuchern, die da blühen und Frucht tragen.

So finden wir in der Gemeinde Gottes "Verschiedenheiten von Gnadengaben" und "Verschiedenhei-ten von Diensten" und "Verschiedenheiten von Wirkungen" (1. Kor. 12,4,5 u. 6); und der Herr "hat die einen gegeben als Apostel, und andere als Propheten, und andere als Evangelisten, und andere als Hirten und Lehrer" (Eph. 4,11).

Das hat der Herr so zu unserer Stärkung, Erquickung, Belebung eingerichtet: "Zur Vollendung der Heiligen: für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes Christi" (Eph. 4,12). Glückselig sind wir, wenn wir den Gärtner den Garten gestalten lassen. Welche Vielzahl an Gaben und Diensten kommen dann zur Entfaltung! Wie viel Leben würde dann von den örtlichen Gemeinden ausgehen. Leider scheint es so zu sein, daß wir die Monokulturen solchen Gärten vorziehen: anstatt, daß wir dem Herrn vertrauen, uns auf den Herrn werfen und uns in Seiner Abhängigkeit ein jeder zu seinem Dienst (1. Petr. 4,10) bereiten lassen, bilden wir gleich gruppen- um nicht zu sagen massenweise in Monokulturen Spezialisten heran.

Wird das geistliche Leben dabei nicht ärmer? Werden wir nicht herrlicher Segnungen, kostbarer Erfrischungen beraubt? Aber nicht nur wir leiden Schaden. Wir enthalten dem Gärtner seinen Garten vor. In Hohel. 4,12 wird das Volk Gottes mit einem Garten verglichen, der für den Geliebten bestimmt ist, der Ihn erfreuen, in dem Er Seine Wonne haben soll. Mit welch bewundernden Worten spricht doch der Geliebte von Seiner Geliebten.

Er kann gar nicht genug die Vielfalt der Köstlichkeiten rühmen, die Er in Seinem Garten findet:

"Ein (der Welt und ihren Einflüssen) verschlossener Garten ist meine Schwester, meine Braut, ein verschlossener Born, eine versiegelte Quelle. Was dir entsprosst, ist ein Lustgarten von Granaten nebst edlen Früchten, Zypernblumen nebst Narden, Narde und Safran, Würzrohr und Zimrret, nebst allerlei Weihrauchgehölz, Myrrhe und Aloe nebst allen vortrefflichen Gewürzen: eine Gartenquelle, ein Brunnen lebendigen Wassers . . . Wache auf Nordwind, und komm, Südwind; durchwehe meinen Garten, laß träufeln seine Wohlgerüche! Mein Geliebter komme in seinen Garten und esse die ihm köstliche Frucht."

Sollte uns das nicht ein Ansporn sein, dem Herrn zu gefallen, jeder einzeln wie auch als Gemeinschaft, daß Er sich an uns sättigen, daß Er von der Mühsal Seiner Seele Frucht an uns finden kann (Jes. 53,11)?

Darum wollen wir uns Ihm völlig geben, uns im Glauben von Ihm allein abhängig machen, damit uns Sein Geist wie der Nordwind und der Südwind durchwehen kann. Ja, laßt uns unsere Alabasterdosen zu Seinen Füßen zerbrechen, damit Wohlgerüche Sein Haus erfüllen! (Mk. 14,3; Joh. 13,3)

"Und sie gaben sich selbst zuerst dem HERRN und uns durch Gottes Willen" (2. Kor. 8,5).

"Denn wir sind Gott ein Wohlgeruch Christi" (2. Kor. 2,15).

4. Enam (rEnjm) Josua 15,34

Enam bedeutet Doppelquelle. Wir können hier an die doppelte Quelle Bibel und Gebet denken. In beidem, im Lesen des Wortes Gottes und im Gebet drücken wir unsere Abhängigkeit vom Herrn aus, und in dieser Abhängigkeit liegt unser ganzer Segen verborgen.

Umgekehrt können wir sagen, daß der ganze Fluch des Menschen in seiner Unabhängigkeit von Gott begründet ist. Was war es denn, das die Menschheit in das unsagbare Leid der Sünde und des Todes stürzte, wenn nicht die Unabhängigkeit.

Beim Sündenfall riß der Mensch das an sich, was ihm Gott nicht zugestanden hatte. Seit Adam ist jedes Menschenkind von diesem unseligen Drang beseelt, sein eigener Herr und Meister sein zu wollen.

Nur ein Mensch war anders als alle anderen: der Mensch JESUS CHRISTUS. Er riß nie etwas an sich, was Ihm nicht Sein Gott und Vater zugestand. Darum sehen wir in den Evangelien unseren anbetungswürdigen Herrn so oft im Gebet. Alle Stationen Seines Lebens waren von Gebet durchdrungen:

         Seine Taufe im Jordan (Luk. 3,21),

         die Berufung Seiner Apostel (Luk. 6,12.13),

         als Er Sich den Jüngern als der Christus Gottes zu erkennen gab (Luk.             9,18-20),

         die Verklärung auf dem Berg (Luk. 9,28),

         Seine Lehrtätigkeit unter dem Volk (Luk. 5,16.17),

         Seine Zeichen (Joh. 11,41-43),

         als Er Seine Jünger beten lehrte (Luk. 11,1),

         Gethsemane (Luk. 22,39-44),

         als Er von den Jüngern allein gelassen und verleugnet wurde
        (Luk.22,31.32)

         und zuletzt sogar am Kreuz (Luk. 23,34.46).

Wunder aller Wunder: ER, der Herr, nimmt die Stellung des Knechtes ein (Phil. 2,7); ER, der Gebieter, lernt Gehorsam (Hebr. 5,8). Wir sind gerufen, Seinen Fußstapfen zu folgen (1. Petr. 2,21); und sollten wir es denn nicht? Sind wir denn nicht in all unserem Tun restlos auf Gottes Hilfe, Gottes Gaben und Gottes Befähigung angewiesen? Sind wir ohne Ihn nicht unfähig, auch nur das Geringste zu tun? Dann laßt uns das auch bezeugen, indem wir allezeit beten (1. Thess, 5,17; Eph. 6,18).

Und ER, Der das Wort ist, stellte Er Sich als Mensch nicht völlig unter das geschriebene Wort? Ja, Er konnte von Sich sagen: "Dein Gesetz ist im Innern meines Herzens" (Ps. 40,8); und: "Durch das Wort deiner Lippen habe ich mich bewahrt vor den Wegen des Gewalttätigen" (Ps. 17,4). Als Er in der Wüste nach den vierzig Tagen Fasten vom "Gewalttätigen" versucht wurde, da antwortete Er auf alle Versuchungen mit "Es steht geschrieben". So ernst nahm Er das geschriebene Wort, so bewunderungswürdig demütigte Er Sich als Mensch unter die Aussprüche Gottes.

Und wir? Sind wir von Natur nicht so töricht, so verführbar, so wankelmütig, daß wir es uns einfach nicht leisten können, uns in Versuchungen und Anfechtungen auf unsere eigene Klugheit zu verlas-sen Wie schwer wir das kapieren! Der Herr erbarme Sich unser, daß wir es lernen, in allen Dingen die unfehlbaren Weisungen im Worte des allein weisen Gottes zu erfragen.

Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, dieser bringt viel Frucht, denn außer mir könnt ihr nichts tun.
(Joh. 15,5)

5. En-Gedi (ren-gedi) Jos. 15,62

c&I-gedibedeutet Zickleinquelle. In 1. Mose 38,17 wird das Wort gedi mit Ziegenböcklein übersetzt. Wir haben hier also einen Hinweis auf den Herrn Jesus als das Sündopfer, war doch die Ziege das Tier, das in besonderer Weise als Sündopfer dargebracht werden konnte. Der Herr Jesus hat durch Seinen stellvertretenden Tod für uns todgeweihte Sünder inmitten dieser Welt des Todes eine Quelle des Lebens hervorsprudeln lassen. Das zeigt sich ganz deutlich durch die Umgebung dieser Quelle: sie liegt am Toten Meer; in ihrer Nähe sind die Städte Ir-Hammälach (= Salzstadt) und Bet-Arabah (= Haus der Wüste). Israelreisende können bis heute bezeugen, daß diese herrliche Quelle in einer Umgebung absoluter Dürre und Fruchtlosigkeit ein kleines Paradies von Bäumen, Sträuchern, leuchtenden Blumen und fröhlich hüpfender Tiere leben und gedeihen läßt.

Der Tod des Herrn Jesus bringt aber nicht nur dem verlorenen Sünder das ewige Leben, sondern ist auch eine immer fließende Quelle der Erquickung für das gläubige Herz. Wie wurden die niedergeschlagenen Jünger an jenem ersten Tag der Woche erquickt, als sie den auferstandenen Herrn mit den Zeichen Seines Leidens und Seines Todes in Seinen Händen und in Seiner Seite sahen (Joh. 20,19.20). Ist es nicht der Anblick des Lammes, das wie geschlachtet inmitten des Thrones steht, das den Himmel in Bewunderung niedersinken und anbeten läßt (Off b. 5,6)?

Und wer kann mit Worten beschreiben, wie seit Jahrhunderten zahllose Heilige und Blutserkaufte an jedem ersten Tag der Woche beim Verkündigen des Todes des Herrn (1. Kor. 11,26) tief gesättigt und zutiefst bewegt worden sind? Der Psalmist sagte schon: "Wie köstlich sind mir deine Gedanken, o Gott! wie gewaltig sind ihre Summen!" (Ps. 139,17). Und wer kann das nicht von ganzem Herzen sagen, wenn nicht wir, die wir auf den Tod des Herrn Jesus zurückblicken dürfen, um dabei Ihn zu bewundern in Seiner Reinheit (1. Petr. 2,22), in Seinem Gehorsam (Phil. 2,8), in Seiner Liebe und Hingabe an Seinen Gott und Vater bis in den Tod (Hebr. 9,14), und wie Er dabei auch die Seinigen, die in der Welt waren, liebte bis ans Ende (Joh. 13,1). Wer sich vom Herrn geliebt weiß, kann auch wiederum lieben (1. Joh. 4,19). So konnte David bei der Quelle En-Gedi (1. Sam. 24,1.2) seinem Verfolger Saul Liebe entgegenbringen, anstatt mit gleicher Münze heimzuzahlen.

Es lehrt uns auch der Tod des Herrn Jesus für die Sünder, gleich Ihm, für die Errettung verlorener Menschen zu arbeiten. Wir sollen zu Menschenfischern werden; darum heißt es, daß man von En-Gedi -Netze ausbreitet zum Fangen von Fischen bis En-Eglaim (Hes. 47,10). En-Englaim bedeutet "Quelle der zwei Kälber", worin wir ebenfalls eine Erinnerung an den Opfertod des Herrn haben.

Noch zum Urteil der Welt über die Quelle En-Gedi: sie nennt sie Hazezon-Tamar (1. Mose 14,7; 2. Chr. 20,2), was ungefähr soviel bedeutet wie ein Ort, an dem man Palmen fällt. Das interessierte die Heiden an diesem Ort, nicht die Quelle. So wollen die Menschen in ihrer Blindheit oft genug die Gaben Gottes genießen, ohne aber den Geber zu suchen. Sie können freilich die Grundlage aller Segnungen Gottes, auch der zeitlichen, nicht erkennen.

Traurig ist es aber, wenn wir als Kinder Gottes nur noch Augen haben für das, was wir bekommen, wenn wir uns nur noch mit dem beschäftigen, was uns an Segnungen zufällt, so wichtig das alles an seinem Platz ist. Nein, die Quelle ewiger Glückseligkeit ist die herrliche Person des Herrn Jesus selbst. Das wußte auch Paulus als er sagte:

"Ich achte alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Jesu, meines Herrn" (Phil. 3,8).

Fortsetzung folgt

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