Zeitschrift-Artikel: Wolfram Kopfermann: Abschied von einer Illusion - Volkskirche ohne Zukunft

Zeitschrift: 58 (zur Zeitschrift)
Titel: Wolfram Kopfermann: Abschied von einer Illusion - Volkskirche ohne Zukunft
Typ: Buchbesprechung
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 344

Titel

Wolfram Kopfermann: Abschied von einer Illusion - Volkskirche ohne Zukunft

Vortext

Text

Der ehemalige, vor zwei Jahren aus der Evang. Kirche ausgetretene Hamburger Pastor, der die "Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der Ev. Kirche" jahrelang entscheidend geprägt und für eine Veränderung der Volkskirche gekämpft hat, nennt in diesem Buch die Gründe, warum es ihm nun unmöglich ist, an dem Bau der Volkskirche mitzuarbeiten. Er setzt sich intensiv - und das ist besonders interessant - mit den Gründen auseinander, die von volkskirchlichen Ideologen, aber auch von Vertretern der Bekenntnisbewegung und des Gnadauer Verbandes angeführt werden, um das Bleiben in der Volkskirche zu rechtfertigen. In diesem Zusammenhang hat Kopfermann Erkenntnisse und Beobachtungen formuliert, die ich für sehr beachtlich halte und dick unterstreichen kann: "Das Interesse am Erhalt der Volkskirche ist natürlich größer als die Leidenschaft für die Wahrheit."(S. 23) "Wer einmal mit seinen geistlichen Augen die neutestamentliche Gemeindewirklichkeit geschaut hat...wird nie mehr mit partiellen Verbesserungen des kirchlichen Lebens zufrieden sein. Er wird seine Kraft in den Dienst einer Rückgewinnung der urchristlichen Wirklichkeit von Kirche stellen, koste es, was es wolle."(S. 203) "Die Volkskirche ist nicht einfach schwach und kraftlos, sondern sie verschlingt Menschen und bindet Kräfte, die dem Reich Gottes gehören. Dieses System verblendet auch hingegebene Christen, weil seine Strukturen dem NT entgegenstehen, auch wenn Gott, wie ich genau weiß, immer noch Menschen in der Volkskirche zum Glauben kommen läßt."(S. 217) Der Autor sieht den Versuch der Charismatischen Bewegung, das System der Volkskirche zu verändern, als gescheitert an (S. 204) und wirft dem Gnadauer Verband "Ungehorsam gegen die Schrift" (S. 195) und "ekklesiologische Halb-herzigkeit' (S. 196) vor. Über diese freimütigen Aussagen kann man sich nur freuen und es bleibt die Hoffnung, daß die "Gnadauer" Gemeinschaftskreise usw. sich dieser Herausforderung stellen und endlich eine biblische Position beziehen, bevor sie noch mehr Leute an charismatische Gruppen verlieren, die bei allen Irrtümern doch wenigstens in dieser Frage biblische Grundsätze verstanden haben und praktizieren möchten. Was ich - neben dem viel zu hohen Preis des Buches - sehr bedaure, ist, daß Kopfermann nach wie vor die Taufe für das "heiligende und reinigende Wasserbad" hält (S. 153), hier und da noch Zugeständnisse an die bibelkritische Theologie macht (5. 153) und nach wie vor den Aufbau "unabhängiger charismatischer Gemeinden" (S. 204) für die richtige Alternative hält. Aber vielleicht - und das wäre sehr wünschenswert - erscheint demnächst ein weiteres Buch von Kopfermann, in dem er Abschied auch von dieser Illusion nimmt. 

Nachtext

Quellenangaben

Praxis Verlag, Gb., 228 S., DM 32.