Zeitschrift-Artikel: If

Zeitschrift: 119 (zur Zeitschrift)
Titel: If
Typ: Gedicht
Autor: Rudyard Kipling
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 1406

Titel

If

Vortext

Text

Wenn du beharrst, da alle um dich zagen
und legen ihren Kleinmut dir zur Last;
Vertraun bewahrst, da andre dir’s versagen,
doch auch Verständnis für ihr Zweifeln hast;
Wenn du zu warten weißt und bleibst gelassen,
betrogen, fern dich hältst von dem Betrug;
Wenn du, gehasst, dich hütest mitzuhassen
und doch zu gut nicht scheinst noch sprichst zu klug.

Wenn träumend du nicht sinkst im Traumes-Sumpfe
und denkend Denken nicht zum Ziel dir machst,
wenn du, begegnend Unglück und Triumphe,
die zwei Betrüger gleicherweis verlachst;
Wenn du die Wahrheit, die du sprachst, kannst hören
von Buben frech zum Narrenfang verdreht,
kannst zuschaun, wie sie, was du schufst, zerstören,
dich beugst und baust, bis es von neuem steht;

Wenn du vermagst, was du nur hast, zu raffen,
und legst auf eine Karte alles hin,
verlierst – und fängst von vorne an zu schaffen
und wirst dabei die Miene nicht verziehn;
Wenn du das Herz, die Nerven und die Sehnen
zum Dienst zwingst, da sie letzte Kraft verlässt,
dastehst mit hart zusamm’ gebissnen Zähnen,
wenn nichts, als nur der Wille sagt: Steh fest!

Wenn du dem Volke reinen Wein kannst schenken,
mit Königen in schlichtem Umgang stehn,
wenn weder Feind dich kann noch Freund dich kränken,
wenn alle nah, doch nicht zu nah dir gehn;
wenn jede Stund erfüllst mit ihrem Werte,
dass keine je vergeblich dir verann:
Dein ist mit allem, was sie trägt, die Erde.
und – mehr als das – mein Sohn, du bist ein Mann!

Nachtext

Quellenangaben