Zeitschrift-Artikel: Wenn die Empfangsfrequenz nicht stimm

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Titel: Wenn die Empfangsfrequenz nicht stimm
Typ: Artikel
Autor: Heiner Kernmann
Autor (Anmerkung):

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Titel

Wenn die Empfangsfrequenz nicht stimm

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Text

Was können wir aus Jeremia 42 lernen?

Wenn wir Jeremia 42 aufmerksam lesen, stellen wir fest, daß diese Juden damals ein Problem hatten, mit dem auch wir häufig zu kämpfen haben: Sie bemühten sich eifrig, den Willen Gottes zu erfahren, aber verwarfen ihn schließlich trotzdem. Woran lag das damals, und woran liegt das heute in meinem, unserem Leben? Es war doch nicht einfach so, daß sie den Willen Gottes eigentlich gar nicht wissen wollten! Immerhin war das ganze Volk einschließlich seiner Führer zu Jeremia gekommen und hatte fest geschworen, die Antwort Gottes unter allen Uniständen annehmen zu wollen.

Zehn wertvolle Fluchttage hatten sie schließlich gewartet, bis Jeremia ihnen Antwort brachte. Und dann diese tragische Reaktion! Nicht, daß sie gesagt hätten: "Okay Jeremia, du hast uns Gottes Willen bekannt gemacht, aber wir wollen doch lieber unseren eigenen tun!" Nein, sie erkannten tatsächlich nicht, daß Jeremias Botschaft von Gott selbst stammte. Wie konnte das passieren?

Mir drängt sich da ein Vergleich auf: Es ist so, als ob ich einen bestimmten Radiosender hören möchte. Das Gerät wird auf Empfang gestellt, aber es kommt nichts. Dann drehe ich am Lautstärkeknopf. Es rauscht etwas. Ich drehe weiter. Es rauscht stärker, es knackt, es dröhnt, es knattert... Meine Ohren tun mir schon weh, aber ich empfange trotzdem nichts. Aha, ganz bestimmt liegt es daran, daß gerade keine Sendezeit ist, nicht wahr? Vielleicht ist das dumme Ding auch defekt! Verärgert schalte ich ab. Nur eins habe ich Esel natürlich vergessen, nämlich die richtige Empfangsfrequenz einzustellen. Alles funktionierte: Antenne, Verstärker, Lautsprecher - und Sendepause war auch nicht. Nur habe ich den Empfang nicht mit der richtigen Einstellung gesucht und konnte deshalb auch nichts finden.

So war es auch bei den Juden. Die "Lautstärke" stimmte. Der alte Prophet, der schon mindestens 40 Jahre lang zutreffende Vorhersagen gemacht hatte, hatte auch jetzt laut und eindringlich genug gesprochen. Jeremias Antwort geht genau und ausführlich auf die Situation und die Sorge dieser Leute ein.

Drei Gründe, warum der Empfang versagte

1. Die Juden hatten "ihre Empfangsfrequenz" bereits selbst bestimmt. Sie waren nämlich schon losgezogen auf dem Weg nach Ägypten (Kap. 41,17). Dadurch hatten sie sich mehr oder weniger festgelegt. Das ist ein sehr häufiges Problem für uns Selbstbetrüger. Wir schränken für uns selbst den möglichen Bereich aller Antworten Gottes auf unsere Vorstellungen ein. Wir erwarten dann von Gott, daß er in unsere Pläne einwilligt. In solchen Situationen ist es hilfreich, daß wir uns zuerst einmal über unsere eigenen Wünsche und Vorstellungen klar werden. Wenn wir dann soweit sind, können wir - hoffentlich ehrlich - im Gebet vor Gott treten und ihm sagen: "Herr, so sehen meine Wünsche aus. Bitte mach mich bereit, sie deinem Willen unterzuordnen, wenn du es anders beschlossen hast. Mach mich bitte offen für deine Absichten mit meinem Leben!"

Manchmal suchen wir bei anderen erfahrenen Geschwistern Rat. Das ist nicht schlecht. Oft haben wir mit unseren trügerischen Herzen aber auch dabei die "Empfangsfrequenz" bereits selbst bestimmt. Wir suchen dann von vornherein den Rat bei solchen, von denen wir eine Übereinstimmung mit unseren eigenen Plänen erwarten. Wenn wir gelernt haben, diesen Selbstbetrug zu durchschauen und zu verurteilen, suchen wir vielleicht beim nächsten Mal jemand auf, bei dem wir auch mit einem für uns unangenehmen Rat rechnen können.

2.        Die Antwort Jeremias war wirklich nicht leicht zu verdauen für solche, die um ihr Leben bangten. Diese Antwort als Gottes Willen anzunehmen, setzte eine gehörige Portion von Vertrauen in Gottes bewahrende Macht voraus, und das fehlte ihnen. Sie hatten sich jahrelang darin geübt, ohne Gott zu rechnen und hatten deshalb keine Erfahrungen mit Gottes Hilfe gemacht. So ist es immer mit Gottes Führungen für unser Leben. Sie können nur auf der "Wellenlänge" eines festen Vertrauens in seine Allmacht und Güte empfangen werden. Der do-it-yourself-Lebensgestalter kann einfach nichts damit anfangen.

3. Sie hätten Gottes "Sendefrequenz" leichter finden können, wenn sie sich nur etwas besser in ihren Schriften ausgekannt hätten. Mose hatte ihnen deutlich genug erklärt (5Mo 17,16), daß es nie nach Gottes Willen wäre, wenn sein Volk nach Ägypten zurückzöge, in das Land der Selbsthilfe, wo man auf die Abhängigkeit von oben verzichten kann (vgl. 5Mo 11,10ff.). Auch das ist ein typisches Spiegelbild unserer heutigen Probleme: Wenn wir in unseren Bibeln mehr zu Hause wären, wüßten wir besser um die göttlichen Grundsätze - und viele Fragen würden so ihre Antwort finden, viele Entscheidungen richtig getroffen werden. Vielleicht würden wir dann schon von vornherein Pläne mit "ägyptischer Zielrichtung" verwerfen und uns lieber den mächtigen Armen unseres himmlischen Vaters anvertrauen.

Nachtext

Quellenangaben