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Zeitschrift-Artikel: Metamorphose

Zeitschrift: 71 (zur Zeitschrift)
Titel: Metamorphose
Typ: Artikel
Autor: Herbert Briem
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 177

Titel

Metamorphose

Vortext

Text

Was ist das, eine Metamorphose? Nun, das Wort kommt aus dem Griechischen und ist zusammengesetzt aus meta = verändern und morphe = Form. Es weist also auf eine Veränderung (Verwandlung) der Form oder Gestalt hin. Aus der Biologie ist die Metamorphose einiger Tierarten, z.B. von Insekten oder Lurchen, bekannt. Denken wir nur an die Entwicklung eines Schmetterlings. Da ist zunächst das unscheinbare Ei, daraus entwickelt sich dann die Larve (Raupe). Nach einer gewissen Zeit verpuppt sie sich und unter der häßlichen Schutzhülle wächst dann ein schöner Schmetterling heran. Was für eine Veränderung - welch ein Wunder der Schöpfung!

Auch die Bibel spricht von Metamorphose. Wir wollen einmal untersuchen, was dieser Begriff in der Bibel bedeutet und was wir daraus lernen können. Er kommt an vier Stellen im NT vor. Dabei deutet Metamorphose nicht nur auf eine äußere Verwandlung hin; sie kann sich ebensogut auf das Wesen einer Sache oder Person beziehen.

Eine Aufforderung zur Verwandlung

In den Briefen findet sich die erste Stelle in Röm 12,2:

"Und seid nicht gleichförmig dieser Welt (diesem aion = diesem Zeitlauf), sondern werdet verwandelt (metaniorphoo) durch die Erneuerung eures Sinnes, daß ihr prüfen mögt, was der gute, wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist."

Hier ist von einer wirklichen Veränderung, ja einer Verwandlung die Rede! Die haben wir auch als Christen so dringend nötig. Dabei geht es nicht nur um die Erneuerung unseres Sinnes (oder Gesinnung). Nein, unser ganzes Leben soll verwandelt werden! Dazu ist die Erneuerung unseres Sinnes, unseres Denkens das Mittel. Es beginnt also bei der Ausrichtung unseres Denkens und soll dann unser ganzes Leben ergreifen, es umgestalten, verwandeln, umkrempeln. Wenn nicht zuerst unser Denken erneuert wird, dann werden auch wir selbst und unser Leben nicht verwandelt werden. Wenn unsere Wertmaßstäbe, unsere Lebensziele, unsere Methoden sich nicht ändern, dann sind und bleiben wir weltförmig, den Maßstäben dieser Welt angepaßt.

"Werdet verwandelt...!" Oder: "Laßt euch verwandeln...!" Das ist eine klare Aufforderung von seiten Gottes und weist auf unsere Verantwortung bei diesem Veränderungsprozeß hin. Wie sieht es aus mit unserem Umgang mit den Mitmenschen, mit unserer Ehe, unserem Beruf, unserem Geld, unserer Zeit und unserer Arbeit für den Herrn? Nur wenn wir bereit sind, uns hier verändern zu lassen, kann Gott uns in seinem Dienst gebrauchen. Andererseits können wir die Verwandlung nicht aus uns selbst heraus schaffen, es ist ein Werk Gottes, das in unserem Leben geschieht, wenn wir uns Gott ganz zur Verfügung stellen, uns ihm als "Schlachtopfer" hingeben, wie Röm 12,1 sagt. Paulus schreibt den Philippern in Phil 2,13 etwas Ähnliches: "Denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken, nach seinem Wohlgefallen." Als Ergebnis dieses Verwandlungsprozesses werden wir immer mehr dazu fähig, zu prüfen, "was der gute, wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist" und ihn dann auch zu tun. So kann unser Leben und Dienst wirklich Frucht bringen für Gott.

Ein Weg zur Verwandlung

Eine zweite Stelle, wo in den Briefen eine Metamorphose, eine Verwandlung, beschrieben wird, findet sich in 2Kor 3,18:

"Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt (metarnorphoo) nach demselben Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist."

Während es in Röm 12 hauptsächlich um die Verwandlung unseres Lebens in Verbindung mit unserem Dienst für den Herrn geht, wird uns in 2.Kor 3 mehr die Verwandlung unseres Wesens, die Verwandlung in das Bild des Herrn beschrieben. Als Christen sollen wir auch ein Brief Christi sein (2Kor 3,3), das heißt, Menschen sollen an uns das Wesen Christi ablesen können. Wir sind nicht Diener eines Buchstaben-Gesetzes; vielmehr ist die Person des Herrn Jesus durch den Geist Gottes in unsere Herzen eingeschrieben. Wir haben keinen Umgang mit einem auf der Erde lebenden Jesus (wie die Jünger damals), sondern sind mit einem verherrlichten Herrn im Himmel verbunden. Diese Herrlichkeit soll an uns gesehen werden. Damit das Bild Christi in uns Gestalt gewinnen kann, muß unser Wesen verwandelt werden. Wie ist das möglich? 2Kor 3,18 gibt darauf die Antwort: das wird nur dann geschehen, wenn wir sein Bild auch aufmerksam betrachten (V. 12). Wenn wir in unserer Bibel stets fleißig die Herrlichkeiten des Herrn Jesus studieren, dann wird der Heilige Geist das wunderbare Bild seiner Person in unseren Herzen lebendig machen und wir "werden verwandelt werden nach demselben Bilde von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist." Dazu ist keine Anstrengung unsererseits in der Lage, sondern allein das Wirken des Geistes Gottes. Unsere eigene Freude im Herrn und unsere Gemeinschaft mit ihm werden sich dadurch ständig vertiefen. Aber auch die Menschen in unserer Nähe werden in unserem Wesen und unseren Handlungen Jesus sehen können.

Die Verwandlung in der Zukunft

In den Evangelien lesen wir noch an zwei Stellen von einer "Metamorphose". Dabei geht es um die Umgestaltung (oder Verwandlung) unseres Herrn selbst.

"Jesus ... führt sie auf einen hohen Berg besonders. Und er wurde vor ihnen umgestaltet (metamorphoo). Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie das Licht..." (Mt 17,1-2; vgl. auch die Parallelstelle in Mk 9,2-3)

Die Verwandlung Jesu auf dem Berg der "Verklärung" war ein ganz besonderes Ereignis. Die Jünger durften darüber erst sprechen, nachdem Jesus aus den Toten auferstanden war (Mt 17,9). Was hat diese Verwandlung Jesu nun für eine Bedeutung? Der Augenzeuge Petrus läßt uns darüber nicht im Unklaren: "Denn wir haben euch die Macht und Ankunft unseres Herrn Jesus Christus .. kundgetan ... als die da Augenzeugen seiner herrlichen Größe gewesen sind. Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit... Und diese Stimme hörten wir vom Himmel her erlassen, als wir mit ihm auf dem heiligen Berge waren." (2Petr 1,16-18)

Die Umgestaltung des Herrn und seine Herrlichkeit auf dem Berg waren nur vorrübergehend. Nach dem Zeugnis des Petrus hat sie etwas mit der erwarteten Ankunft Jesu zu tun. Die drei Jünger durften Zeugen seiner Verwandlung werden und verstanden später, daß sie damals schon für kurze Zeit die Macht und Herrlichkeit ihres Herrn in seinem zukünftigen 1000jährigen Friedensreich gesehen hatten. Somit beruht die Hoffnung auf einen wiederkommenden Herrn nicht auf Fabeln (Mythen), sondern auf Berichten von Augenzeugen, die das prophetische Wort des AT bestätigt haben (2Petr 1,1921). Nachdem er aus den Toten auferstanden wäre, würde er in Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels wiederkommen, auf den Ölberg herabsteigen, die Feinde besiegen und sein Reich in Herrlichkeit aufrichten (Mt 24,30; Apg 1,9-12; Sach 14,3-4; Ps 145,11-12; Jes 4,2; Jes 11,10 u.a.).

Als Christen wissen wir: Unser Herr ist auferstanden und sitzt als verherrlichter Mensch für immer zur Rechten Gottes (Hebr 10,12; 12,2). Wenn Jesus Christus jetzt einen Herrlichkeitsleib besitzt (auf dem Berg der Verklärung währte die Umgestaltung nur kurze Zeit), dann wird das einmal auch uns zuteil werden: "...von woher (aus dem Himmel) wir auch den Herrn Jesus Christus als Heiland erwarten, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit..." (Phil 3,20-21). Auch unser Leib wird einmal von der Verwandlung ergriffen werden: "...wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune;... und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden" (1Kor 15,51-52). Welch herrliche Zukunftsaussichten haben wir Christen!

Zusammenfassung

Wir haben gesehen, daß das Ziel der Wege Gottes mit uns, den Gläubigen und mit der ganzen Schöpfung die Verwandlung zu etwas Neuem ist; etwas, das dem Wesen und der Herrlichkeit unseres Herrn völlig entspricht.

Paulus drückt es so aus: "Denn welche er zuvorerkannt hat, die hat er auch zuvorbestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern" (Röm 8,29). Und Gott selbst sagt: "Siehe, ich mache alles neu" (Offb 21,5). Die Erfüllung dieser Worte ist zwar noch Zukunft, aber als Christen sind wir doch schon jetzt in Christus eine neue Schöpfung geworden (2Kor 5,17). Welch eine Herausforderung, uns schon jetzt so verwandeln zu lassen, daß unsere Mitmenschen bestätigen können: "Das Alte ist vergangen, siehe alles ist neu geworden!"

Nachtext

Quellenangaben