Zeitschrift-Artikel: Die Würde Gottes ist unantastbar!

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Titel: Die Würde Gottes ist unantastbar!
Typ: Artikel
Autor: Armin Lindenfelser
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Titel

Die Würde Gottes ist unantastbar!

Vortext

Text

Artikel 1 unseres Grundgesetzes einmal nicht auf uns Menschen, sondern auf Gott angewandt - mutet es uns seltsam an? Was ist das überhaupt - Würde?

Im Duden, dem deutschen Universalwörterbuch, ist Würde als "Achtung gebietender Wert, der einem menschlichen Wesen innewohnt", definiert.

Über die menschliche Würde wurden Bücher geschrieben, Debatten und Diskussionen gehalten. Einige kämpfen für die Würde der Tiere. Was aber ist mit der Würde Gottes geschehen? Wer erhebt seine Stimme zugunsten des Achtung gebietenden Wertes, der im göttlichen Wesen innewohnt?

Nun, es ist nicht verwunderlich, daß die Würde Gottes kein Thema für ungläubige Menschen im einstmals "christlichen Abendland" ist. Aber ist sie noch ein Thema für uns, die vorgeben, die ehrfurchtsgebietende Dreiheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist zu kennen? Ist die Würde des Ewigen unantastbares Glaubensgut in unserer Praxis und Lehre?

Die Lieder der Würde

Die Heiligen vergangener Tage, die Propheten und Helden des alten Bundes bezeugen durch ihr Denken und Leben die einzigartige Würde Gottes. Engel und verherrlichte Gläubige besingen seine Würde als einen wesentlichen Bestandteil seiner Herrlichkeit. In Offenbarung Kapitel 4 und 5 finden wir die dichterischen Vorbilder von unzählbaren Liedern, die seither die anbetenden Gläubigen in die Gegenwart Gottes führen.

Die Würde des Schöpfers

Sie besingen den Herrn, ihren Gott, den Schöpfer aller Dinge, dessen Wille Ursprung alles Seienden ist. (Offb 4, 11)

Gott ist in sich selbst der selige Gott. (1Tim 1,11)

Er hätte keinen Engel und keinen Menschen gebraucht um zufrieden und glücklich zu sein. Er braucht keinen Kommunikationspartner, keine Opfer von Menschen, er benötigt unseren Gehorsam nicht und auch nicht unsere Hingabe. Er hätte in alle Ewigkeit ohne einen Menschen existieren können. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind sich selbst genug. Liebender(Vater), Geliebter(Sohn), Ausdruck oder Kanal der Liebe(Geist). Es war der souveräne Wille Gottes, die Schöpfung ins Dasein zu rufen.

Gott ist Geist (Joh 4,24) - dennoch offenbart er sich in der Schöpfung durch Materie.

Gott ist Licht (1Jo 1,5) - Ohne göttliches Licht existiert kein Leben in dieser Schöpfung.

Gott ist Liebe (1Jo 4,16) - Er schuf das Universum um zu lieben = Liebe war das Motiv der Schöpfung.

Die göttliche Würde und der geschaffene Mensch

Ohne göttliche Würde gibt es keine menschliche Würde. Der Ursprung der Würde eines Mannes, einer Frau oder eines Kindes liegt in Gott begründet. Paulus greift in 1. Korinther 11 genau diesen Gedanken auf indem er aufzeigt, was die Anerkennung dieser Würde in Gottes Gegenwart bedeutet.

Wenn heute bedenkenlos Millionen von Kindern im Mutterleib getötet werden, Embryonen in wissenschaftlichen Laboratorien als "Material" für Experimente dienen - so ist das Sünde an der Würde nicht nur der Persönlichkeit des ungeborenen Wesens sondern an der Würde Gottes.

Wenn Frauen und Kinder durch Pornographie und Mißbrauch entwürdigt werden, so wird auch der Schöpfer des menschlichen Körpers darin verunehrt. Wenn Wissenschaftler, als die anerkannten Führer unserer Generation, darüber nachdenken, ob behinderte Kinder auch nach der Geburt getötet werden dürfen oder ob man bedenkenlos an alten, verwirrten Menschen oder geistig Behinderten forschen darf, so ist das Ausdruck eines Welt-und Wertebildes ohne Gott und ohne ethische Verantwortung einem Höheren gegenüber.

Drei Merkmale von Würde gab Gott am Anfang der Schöpfung den ersten Menschen und er gibt sie bis heute jedem Menschen, der in dieser Welt gezeugt und geboren wird.

1. Macht = Autorität (von Gott delegiertes Herrschen) (1Mo 1,26)

2. Ehre = einen einzigartigen Platz in der Schöpfung in Eden (1Mo 2)

3. Herrlichkeit = Gottes Ebenbild in der Schöpfung (1Mo 1,26)

Die Anerkennung der Würde des Schöpfers

Die anbetenden Ältesten in Offenbarung 4 geben genau diese drei Stücke Gott zurück: "Du bist würdig zu nehmen:

" die Herrlichkeit,

" die Ehre,

" die Macht."

Dabei legen sie voller Ehrfurcht ihre Kronen, die Frucht ihrer Würde, vor dem Thron des Allmächtigen nieder. Anerkennung der Schöpferwürde Gottes ist ein wesentlicher Bestandteil eines gesunden Denkens und Verhaltens Gott gegenüber.

Christen, die kein Empfinden für die Würde Gottes, für die Würde des Mannes, der Frau oder die eines Kindes haben, sind infiltriert mit dem Zeitgeist der Entwürdigung.

Wer ist würdig?

"Wer ist würdig?" fragt mit donnernder Stimme einer der Engel Gottes. Aber niemand im Himmel (kein Engel), keiner auf der Erde (Menschen) und keiner unter der Erde (Tote) war würdig aus der Hand des Erhabenen etwas zu empfangen und seinen Willen in Würde zu erfüllen. (Offb 5,2 ff)

Durch die Sünde hat die Würde, die Gott dem menschlichen Geschlecht gegeben hat, schrecklich gelitten und wurde bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Aus positiver Autorität wurde destruktive Gewalt, aus Ehre furchtbare Schande und aus der Herrlichkeit, mit der Gott Mann und Frau beschenkte, öde Eintönigkeit.

Nichts im ganzen Universum entwürdigt den Menschen so sehr wie die ruinierende Macht der Sünde. Hier ist die Wurzel aller Würdelosigkeit, die uns in unseren Tagen in der Gesellschaft aber auch in der Gemeinde zu schaffen macht.

Und hier liegt der Ursprung eines falschen Gottesbildes, das unsere pervertierte Vorstellungen über die Merkmale von Würde zum Maßstab unseres Denkens über Gott macht. Aber die Würde Gottes steht außerhalb unsres von der Sünde verdorbenen Vorstellungsvermögens.

Die Anerkennung göttlicher Würde

Ein wesentliches Merkmal des Abfalls vom biblischen Christentum in unseren Tagen ist der totale Verlust der Anerkennung göttlicher Würde im Leben und im Zusammenkommen der Christen.

Viele Gottesdienste in den Reihen der sogenannten Evangelikalen gleichen eher gut inszinierten bunten Abenden als einem Zusammenkommen von Gläubigen in der Gegenwart des dreimalheiligen Gottes, vor dem Engelfürsten ihre Angesichter in Ehrfurcht bedecken. Andere scheinen Würde mit Steifheit und Gesetzlichkeit zu verwechseln. Beide Erscheinungen führen letzlich zum Verlust des biblischen Gottesbildes und damit zum Verlust unserer geistlichen Identität und Kraft.

Die Würde des geschlachteten Lammes

Gott läßt uns nicht ohne Antwort auf der Suche nach Würdigkeit.

Er zeigt uns wie damals dem Jünger ein geschlachtetes Lamm als Träger vollkommener göttlicher und menschlicher Würde.

Von Ewigkeit her war der Sohn Gottes im Schoße des Vaters und mit ihm und dem Heiligen Geist voller allein in seinem Wesen begründeter Würde.

Wenn wir die Evangelien aufmerksam lesen und seinen Weg als menschgewordener Gottessohn betrachten, sehen wir die Merkmale göttlicher und menschlicher Würde in vollkommener Harmonie. Johannes der Täufer bekennt voller Demut: "Ich bin nicht würdig, ihm gebückt den Riemen seiner Sandalen zu lösen", als er das Lamm Gottes zur Bußtaufe kommen sah, die Christus als sündloser Mensch nicht nötig hatte. "Schaut es euch an, das würdige Lamm Gottes, welches die Sünde der Weit wegnimmt." (Joh 1,27ff)

Wer starb je einen schrecklicheren Tod als das "Lamm"?

Beladen mit unseren Sünden hing Jesus zwischen Himmel und Erde, nackt den gierigen Blicken derer ausgesetzt, die ihr Vergnügen an der Entwürdigung des Nazareners fanden. Voller Wunden und Striemen, auf seinem Haupt eine blutige Krone von Dornen. Mit ausgedorrter Zunge. Angenagelt, verhöhnt, verlacht, angespieen und verlästert.

Still ertrug er all diese entwürdigenden Demütigungen. Und gerade in seinen Leiden zeigt er uns vollkommene Würdigkeit durch seine Hingabe, durch sein Schweigen. Seine Entwürdigung brachte uns Menschen zur wahren Würde zurück. Er starb, damit wir mit königlicher und priesterlicher Würde angetan, Gott nahen und über die Erde herrschen können. (Offb 5,9.10)

Ein Christ ist ein Mensch, dem die Würde Christi über alles geht, und der die Würde seines Nächsten um Christi willen anerkennt.

Millionen von Menschen, die Würdigkeit in ihm fanden, fallen heute schon vor ihm nieder und anerkennen seine Autorität, Ehre und Herrlichkeit. Das neue Lied des Lammes erfüllt seit fast zweitausend Jahren die Herzen derer, die ihn lieben.

Bis heute wird die Würde Gottes und die Würde der Menschen mit Füßen getreten, aber es wird ein Tag kommen, wo selbst die frechsten Widersacher Gottes zitternd vor dem Thron des Ewigen knien und seine Würde anerkennen. (Offb 5,13)

Die Würde Gottes und die Würde des Menschen

Die Würde Gottes ist unantastbar! Wir Menschen können sie gar nicht beeinträchtigen, denn er bedarf unser nicht. Er wartet nicht darauf, daß wir sie akzeptieren. Denn er weiß, daß jeder Mensch sie einmal akzeptieren wird. Der im Himmel thront lacht über die vergeblichen Versu che des Menschen, ihn seiner Würde zu berauben oder sie zu ignorieren. Er trauert über die Mißachtung seiner Würde bei seinen Kindern. Aber beinträchtigen können wir seine Würdigkeit durch unser Versagen nicht. Seine Würde ist für uns Menschen unantastbar.

Die Würde des Menschen ist verletzlich. Nirgends wurde sie so destruktiv zerstört wie dort am Kreuz von Golgatha, als die Würde des Sohnes Gottes in den Staub getreten wurde.

Die Würde des Mannes, der Frau, des Kindes, geboren oder ungeboren - sie ist antastbar. Bei jeder Entwürdigung unseres Nächsten schlagen wir dem Schöpfer aller Wesen ins Angesicht. Entwürdigung ist Sünde und Christus mußte um der Sünde willen leiden.

Vater, öffne meine Augen und mein Herz, daß ich Deine Würdigkeit und die Würdigkeit Deines Sohnes, des geschlachteten Lammes, besinge.

Laß mich im Bewußtsein Deiner Allgegenwart staunend die Merkmale Deiner erhabenen Würde bewundern und laß mich schweigen, wo menschliche Worte fehlen.

"Dem, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme die Segnung und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit!" (Offb 5,13)

Nachtext

Quellenangaben