Zeitschrift-Artikel: Tobias Faix: Die WA(H)RE Jugend - Jugendliche besser verstehen

Zeitschrift: 80 (zur Zeitschrift)
Titel: Tobias Faix: Die WA(H)RE Jugend - Jugendliche besser verstehen
Typ: Buchbesprechung
Autor: Ralf Müller
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 164

Titel

Tobias Faix: Die WA(H)RE Jugend - Jugendliche besser verstehen

Vortext

Text

Wenn man dieses Buch in die Hand nimmt, denkt man vom Layout her zunächst an den Roman "Generation X" von Douglas Coupland. Obwohl von der Aufmachung her sehr ähnlich doch ein ganz anderes Buch: Der Versuch einer so umfassend wie möglichen Analyse der Situation der heutigen Jugend - wenn man denn überhaupt von der Jugend mit einem einheitlichen Erscheinungsbild sprechen kann. Faix versucht anhand der gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten 50 Jahre die Abfolge verschiedener Denkströmungen und Jugendkulte bis hin zur aktuellen, sehr breiten Auffächerung des Individualismus aufzuzeigen, der sich eine eigene Mixtur verschiedener "Lifestyles" zulegt. Interessant ist die Beobachtung der Gesetzmäßigkeit der jeweils um einige Jahre zeitverzögerten Übernahme amerikanischer Trends zuerst allgemein nach Europa und dann später durch die Christen - nach einer Phase von zunächst fanatischer Ablehnung. Hilfreich sind dabei die breite Quellenanalyse zeitgenössischer Literatur und auch die betont sachlichen Einblicke in Trendszenen wie die des "Grunge", der seine Heimat in Seattle hatte und fast nur in kommerzialisierter Form nach Europa kam. Faix geht dabei auf die Ursache für den Erfolg von Thrill-Sportarten ebenso ein, wie auf das Phänomen des "Techno", der "Girlie-Bands", des Pluralismus sowie der Sinnkrise, die in direktem Zusammenhang mit dem Versagen bisheriger Sinnträger wie Kirchen und ähnlicher formaler Institutionen steht. Ein in das Buch aufgenommenes Gespräch mit Martin Dreyer, über das man unterschiedlicher Ansicht sein kann, illustriert dies. Zusammenfassend sagt Faix: "Die Jugendbewegung, sowohl in Amerika als auch in Europa, ist viel zu vielschichtig, als daß man sie einfach unter eine Etikette ablegen und abstempeln könnte." (S. 219)

Auf diese Analyse bauen dann auch seine Hinweise für eine Jugendarbeit auf, die eine Mahnung zu glaubwürdigem Leben als Christen in Wort und Tat sind. Wesentliche Punkte sind dabei für ihn: Echt sein (Persönlichkeit leben), radikal sein (konsequent leben) und orientiert sein (Maßstäbe leben). Angesichts der Tatsache, daß viele Jugendliche zur Zeit orientierungslos sind und eher zur Passivität neigen, ist das eine gewaltige Aufgabe. Vor Mißbrauch schützt, daß die Jugendlichen bei aller Orientierungslosigkeit aber nicht ziellos sind. Sie wollen nicht mehr die Lösungsansätze von Traditionalismus und Progressivismus, der Ideologien, die sich selbst an den Rand gestellt haben. Da helfen - so der Schluß des Buches - nicht Parolen, sondern ein authentisches Ausleben von Gottes Wesenszügen und eine Identität in Wort und Tat. Das scheint mir nicht weniger als gerechtfertigt zu sein, hat doch der Herr Jesus Christus selbst dafür Anregung gegeben (vgl. Joh 8,25). Ein Buch, das nicht in jedem Bücherschrank stehen muß. Aber eins, das wirklich jeder gelesen haben sollte, der sich mit Jugendarbeit beschäftigt.

Nachtext

Quellenangaben

 Hänssler, Tb., 242 S., DM 19,95