Zeitschrift-Artikel: Beiseite genommen

Zeitschrift: 82 (zur Zeitschrift)
Titel: Beiseite genommen
Typ: Artikel
Autor: Jakob Kröker
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 177

Titel

Beiseite genommen

Vortext

Text

"SECHS TAGE..." (MARKUS 9,2)

Um die Jünger in denselben Geist göttlicher Sendung und in die Art eines wahren Messiasdienstes hineinzuziehen, führte Er sie oft in das Alleinsein mit sich selbst.

Ihr Ohr hatte so viele andere Stimmen vernommen, nun sollte es wieder Ihn hören. Ihr Auge hatte so große und herrliche Dinge in dem angebrochenen Reich Gottes geschaut, nun sollte es wieder Gelegenheit finden, die weltüberwindende Seelengröße und Herrlichkeit dessen zu sehen, der sie gesandt hatte. Ihr Herz war so voll von dem, was Jesus durch sie getan hatte, nun sollte es wieder voll werden von dem, was Jesus ihnen sein wollte. Sie hatten so viel Gelegenheit gehabt, die Wunden ihres Volkes zu sehen, nun sollten sie aufs Neue den Arzt ihres Volkes und das Geheimnis seiner Kraft sehen. Hatten sie anderen gedient, nun wollte der Meister ihnen dienen und ihnen völlig neue Seiten der Herrlichkeit seines Wesens und seiner Mission erschließen. Sie sollten in ihrem Dienen mit Ihm auf eine weit höhere Stufe gestellt werden, als jene war, auf der die herrschende Frömmigkeit derzeit stand.

Wie sein Wirken aus dem inneren Kontakt mit dem Vater floß und sich allein der geistigen Mittel bediente, um göttliche Ziele zu erreichen, so sollten auch sie erfassen, wes Geistes Kinder sie geworden waren. Nicht Feuer vom Himmel fallen lassen sollten sie, wenn man sie nicht aufnehmen wollte, sondern mit dem Menschensohn der Menschen Seelen gewinnen und erretten. Daher führte Er sie beiseite, um mit ihnen allein zu sein.

Selig jedoch jene Knechte und Mägde auch in unseren Tagen, die dann Zeit haben, wenn sie von ihrem himmlischen Meister gerufen werden! Im Alleinsein mit Gott werden sie jene Segnungen und Offenbarungen erleben, die ihrem Dienen neue Vollmacht und dauernde Frische geben. Denn das Geheimnis eines gesegneten Dienstes liegt nicht in den geistlichen Reserven, die man besitzt, sondern in den Inspirationen, die man erlebt. Um zu Gott zu führen, muß man von Gott her kommen. Die Gewinnung neuer Perspektiven, die Sammlung höherer Kräfte, die Lösung ungelöster Fragen liegen auch für uns allein im verborgenen Umgang mit Gott. Dauernd zu dienen vermag nur, wer dauernd mit Gott verkehrt. Wir gewinnen nur insoweit Seelen, als unsere Seele von Gott gewonnen ist.

Es haben daher zu allen Zeiten die Berufenen und Auserwählten ihre tiefsten Segnungen in jenen Stunden gefunden, wo sie mit Gott allein waren. So fand einst Abraham die Erfüllung jener Gottesverheißung, ein Segen für die Völker zu werden, allein auf dem Wege, daß er Vaterland, Freundschaft und Vaterhaus in seiner urchaldäischen Heimat verließ und mit Gott allein in jenes Land zog, das Gott ihm zeigte. Um der Welt mit Höherem dienen zu können, mußte er zuvor Höheres in Gott gefunden haben. Wenn Er sie mit ewigen Gütern segnen wollte, durfte er nicht mehr an ihre Segnungen gebunden sein. Zu solch einem Separatismus des Glaubens wurde Abraham jedoch erst fähig, als er der Stimme der göttlichen Berufung folgte, um ein Fremdling und Pilger auf Erden zu sein.

 

Nachtext

Quellenangaben

Aus: JAKOB KROEKER, ALLEIN MEt DEM MEISTER, CLV-CLASSIC, S. 27F.P.