Zeitschrift-Artikel: Jesus Christus kommt wieder!

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Titel: Jesus Christus kommt wieder!
Typ: Artikel
Autor: Gerard Kramer
Autor (Anmerkung):

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Titel

Jesus Christus kommt wieder!

Vortext

Text

Daß Jesus Christus irgendwann wiederkommen wird, haben wir schon so oft gehört. Wird dieser Artikel auf jenes Ereignis noch neues Licht werfen können? Nein, das nicht. Wir sollten uns aber vielleicht fragen, wie es kommt, daß wir nicht etwas aufgeregter sind über die Wiederkehr Jesu Christi.

Die Reaktion der Ungläubigen

Es kann für uns nützlich sein, wenn wir uns vorzustellen versuchen, wie Nicht-Christen auf die Nachricht, daß Christus wiederkommen wird, reagieren. Möglicherweise ist schon wieder viel Zeit vergangen, seitdem wir zuletzt mit einem Nicht-Christen über das Wiederkommen des Herrn gesprochen haben. Wir werden uns deshalb vielleicht noch kaum an die Reaktion eines Ungläubigen erinnern können. Und dabei waren wir bestimmt jederzeit bereit zur Verantwortung über die Hoffnung, die in uns ist. (1Petr 3,15)! Wir können doch nichts dafür, daß niemand in den vergangenen Tagen (Wochen, Monaten ...) von uns Rechenschaft über die Hoffnung gefordert hat? Sollte jemand uns wirklich danach gefragt haben, hätten wir sofort auf Mt 24,3.30, Joh 14, 1-3, 1Kor 15,51 ff. und 1Thes 4,13 hingewiesen; die Stellen kennen wir auswendig, also haben wir mit Sicherheit etwas zu sagen, und das Thema auszulegen ist ja auch kein Problem!

Ist das tatsächlich die ganze Geschichte? Können wir wirklich nichts dafür, daß man nur selten Rechenschaft von uns fordert über die Hoffnung, die wir haben? Ich befürchte, daß wir beschämt feststellen müssen, daß viele Menschen in unserer Umgebung noch nicht mal wissen, daß diese Hoffnung in uns lebt, und daß sie deswegen nicht auf den Gedanken kommen, uns danach zu fragen! Dabei ist die Hoffnung so sehr mit Ihm, dem wir unsere Erlösung verdanken, verbunden, daß Er - Jesus Christus selbst - unsere Hoffnung genannt wird (Kol 1,27; 1Tim 1,1).

Wenn Nichtchristen uns fragen nach der Hoffnung, aus der heraus wir leben, oder wenn wir unsererseits davon anfangen (was auch möglich ist!), kann es sie besonders befremden, wenn wir zu irgendeinem Zeitpunkt sagen: "... und deshalb glaube ich, daß mein Retter, Jesus Christus, wiederkommen wird, um hier auf der Erde gerecht zu richten und dann auch über die ganze Schöpfung zu herrschen." Es wird ihnen in etwa genauso seltsam in den Ohren klingen wie wenn wir etwas Ähnliches über Hammurabi, König Herodes oder Willi Brandt mitteilen würden. Bei all diesen Menschen steht hundertprozentig fest, daß sie gestorben sind; höchstens gedenkt man ihrer regelmäßig, mit Grauen oder voller Bewunderung, aber allerdings im vollen Bewußtsein, daß es sie einst gegeben hat. Und dann hören die Menschen uns erzählen von der Rückkehr einer Person, die ungefähr im Jahr 30 gestorben ist! Sie werden uns mitleidig lächelnd, besorgt oder spöttelnd ansehen oder ... neidisch?

Unsere Reaktion als Christ

Und jetzt sind wir dran. Wie reagieren Christen auf die Nachricht, daß Christus wiederkommen wird? Reagieren? Erwartet man denn von uns eine Reaktion? Aber freilich! Wenn wir nicht erst selber merken lassen, was uns diese Botschaft zu sagen hat, wie können wir sie denn überzeugend auf andere übertragen? Denken wir nur an das traurige Beispiel eines Lot. Als er seinen Schwiegersöhnen gegenüber vom Gericht anfing, das Gott über Sodom angekündigt hatte, und von der Möglichkeit sprach, verschont zu werden, meinten sie, er mache einen Witz: "...aber er war in den Augen seiner Schwiegersöhne wie einer, der Scherz treibt" (1Mo 19,14). Wie kam das? Offensichtlich hatte Lot nie deutlich gezeigt, daß er einen Abscheu vor der Lebensweise der Einwohner Sodoms hatte. Im Gegenteil, wir stellen fest, daß er sich immer näher an die gottlose Stadt heranwagte: anfangs schlug er Zelte auf bis nach Sodom (1Mo 13,12), danach wohnte er in Sodom (1Mo 14,12) und schließlich saß er in dieTore Sodoms (1Mo 19,1), das heißt, daß er im Stadtrat war. Im Nachhinein lesen wir, daß er "von dem ausschweifenden Wandel der Ruchlosen gequält wurde" und ein Gerechter genannt wird, der seine gerechte Seele quälte (2Petr 2,7f.). Diese Haltung hat er offenbar nicht überzeugend gezeigt. Im Gegenteil, er nannte die Einwohner Sodoms "meine Brüder", und das sogar zu einem Zeitpunkt, an dem sie Böses tun wollten mit denen, die sie für Männer hielten, und er selber ihnen den besonders sündigen Vorschlag machte, ihnen seine Töchter zur Verfügung zu stellen (1Mo 19,7f.). Kein Wunder, daß seine Schwiegersöhne ihn nicht ernstnahmen! Wie stehen wir zu der gewissen Wiederkunft des Herrn Jesus?

Oder reagieren wir nicht und ist es für uns nur ein Wissen? Sind wir uns bewußt, daß wir die Wiederkehr erwarten von Einem, der zwar gestorben ist, aber tot war und nunmehr lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit (Offb 1,18)? Spüren unsere Nächsten, daß wir uns mit jeder Faser mit ihm verbunden wissen? Sehen sie, daß wir daran glauben, daß Er kommen wird um die Seinen in einem Nu abzuholen, und - was für Ungläubige noch viel wichtiger ist - daß Er sichtbar für jeden in großer Macht und Herrlichkeit kommen wird um zu richten? Oder meinen sie etwa, daß wir Witze erzählen, wenn wir ihnen sagen, wen wir erwarten und warum dies auch für sie so wichtig ist?

Eine Hoffnung

Paulus bezeichnet in 1Thes 4,13 die Ungläubigen als "die übrigen, die keine Hoffnung haben" (vgl. Eph 2,12). Gläubige aber haben eine Hoffnung, und zwar auf den Herrn Jesus Christus (1Thes 1,3; 1Jo 3,3), auf Gott (Apg 24,15; vgl. Röm 15,4; 2Kor 1,10; 3,12; 1Tim 4,10; 6,17;1Petr 1,21), der sogar der Gott der Hoffnung genannt wird (Röm 15,13); sie rühmen sich in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes (Röm 5,2). Ihre Hoffnung ist eine lebendige Hoffnung (1Petr 1,3). Auf diese Hoffnung ist ihre Errettung ausgerichtet (Röm 8,20); sie werden daher aufgerufen, sich in dieser Hoffnung zu freuen (Röm 12,12).

Lebt diese Hoffnung wirklich in uns? Eigentlich sollten wir jeden Morgen beim Aufwachen daran denken: "Vielleicht heute!", und bevor wir uns schlafen legen: "Vielleicht heute nacht!" Denken wir tagsüber vielleicht mal daran, daß der Herr uns plötzlich abrufen könnte, Ihm entgegen in die Luft? Sehnen wir uns danach, oder besser: Sehnen wir uns nach Ihm? Oder wirkt das alles ein wenig übertrieben, verkrampft, vielleicht sogar ein wenig neurotisch?

Die tägliche Erwartung der Wiederkunft des Herrn Jesus sollte Normalzustand bei jedem Christen sein. Würden wir in einer solchen Weise von dieser Hoffnung gekennzeichnet, so würde man zweifellos öfter Rechenschaft von uns fordern hinsichtlich der Hoffnung, die in uns ist. Wie könnte man uns anmerken, daß wir tatsächlich aus dieser Hoffnung heraus leben, in der Erwartung Christi Wiederkehr? Ungläubige könnten auf den Gedanken kommen, uns danach zu fragen, wenn sie merken, daß wir beispielsweise:

"        nicht nur auf menschliche Vorkehrungen vertrauen,

"        nicht an erster Stelle für unsere(n) Vorgesetzte(n) arbeiten,

"        nicht all unsere Energie für die Gegenwart aufwenden,

"        Konflikte nicht eskalieren lassen,

"        ohne Eigennutzen Zeit für unsere Mitmenschen investieren

"        unsere Mitchristen lieben,

"        hören lassen, wie Gott über Sünde denkt,

"        hören lassen, daß Er Sünder vom Gericht erretten will,

"        zeigen, daß der Herr Jesus uns alles bedeutet.

Damit meine ich aber nicht, daß wir unser Leben nunmehr nach einer solchen Liste führen sollen. Diese Haltungen sind vielmehr eine automatische Folge unserer Erwartung der Wiederkunft Christi.

Welcher Tag wird es sein?

Welcher Tag wird es sein, wenn der Herr Jesus wiederkommt? Nein, ich denke nicht an das Lied: "Welch ein Tag, welch ein Tag wird es sein!" Es wird ein Tag sein, der einfach die Bezeichnung trägt, die wir bei den Wochentagen kennen.

"        Wird es am Sonntag sein?

Manchmal stelle ich mir so vor, daß der Herr uns direkt nach dem Brotbrechen zu sich holt. Wir verkünden ja seinen Tod, bis Er kommt (1Kor 11,26). Wird die letzte Abendmahlsfeier, die wir erleben werden, ganz anders ablaufen als die anderen Male, die wir gehabt haben? Wird es mehr Dank und Anbetung für Ihn geben als bisher? Werden wir besser auf Sein Werk ausgerichtet sein? Wird es eine schöne, abwechslungsreiche Zusammenkunft sein, oder wird es eher lahm zugehen? Werden wir dieses letzte Mal ein ausgeprägteres Bewußtsein dafür haben, daß die Abendmahlsfeier ein für allemal der Vergangenheit angehören wird? Worauf ich hinaus möchte:

Wir sollten an jedem ersten Tag der Woche ganz bewußt damit rechnen, daß wir vielleicht die letzte Abendmahlsfeier unseres Lebens erleben und dem entgegensehen, der uns zu sich nimmt, um Ihn zu sehen als das Lamm, stehend wie geschlachtet (Offb 5,6).

"        Wird es am Montag sein? An einem ganz normalen Werktag?

Während Pause ist und wir gemeinsam mit unseren Kollegen meckern über den Arbeitsdruck, oder über unseren Vorgesetzten oder über die Regierung motzen? Oder während wir fleißig an der Arbeit sind und an nichts anderes als nur unsere Beschäftigung denken? Das Erste wird der Herr uns wahrscheinlich übelnehmen, das Letzte nicht. Oder werden wir bei der Arbeit gerade kurz an Ihn gedacht haben? Man denke nur an die sehr kurze Zeit zwischen der Frage und der Antwort in Neh 2,4. Das wird der Herr bestimmt zu schätzen wissen!

"        Wird der Herr am Samstag (oder an einem anderen arbeitsfreien Tag) wiederkommen? Oder an einem Abend in der Woche, wo wir gerade unsere Familie anschnauzen oder über unsere Geschwister klatschen?

Was möchten Sie gerne tun zu dem Zeitpunkt, wo der Herr wiederkommt? Es ist gut, sich diese Frage zu stellen. Sie erwarten vielleicht eine >geistliche< Antwort wie zum Beispiel >Bibelstudium< oder >Evangelisationsarbeit< oder (warum auch nicht?) >einen Vortrag halten< oder >eine Konferenz besuchen‹. Alles nützlich zu seiner Zeit. Aber wann haben wir zum letzten Mal einen Tag (oder Abend ...) bewußt unserer Frau und/oder unseren Kindern zur Verfügung gestellt? Oder uns erholt in einer Weise, über die der Herr sich freuen kann? Alles zu Seiner Zeit! Wir setzen, so befürchte ich, leider oft genug nicht die richtigen Prioritäten.

Laßt uns als unbescholtene Kinder Gottes leben inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter dem wir scheinen wie Lichter in der Welt, indem wir das Wort des Lebens darstellen (Phil 2,15), als Söhne des Lichts und des Tages (1Thes 5,5). Schließlich erwarten wir den Herrn aus den Himmeln (Phil 3,20-21), und möchten das gerne zeigen.

Ist dies der Fall, wird die Finsternis vielleicht öfter nach dem Ursprung unseres Lichts fragen, und werden mehr Menschen zum Licht finden!

Nachtext

Quellenangaben

Aus: Bode van het heil in Christus, Heft 2/98, S. 12ff.; Übersetzung: Marcel Verwaal