Zeitschrift-Artikel: Streiflichter aus Lateinamerika

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Titel: Streiflichter aus Lateinamerika
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

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Titel

Streiflichter aus Lateinamerika

Vortext

Text

Ende Februar dieses Jahres waren Alois Wagner und ich mal wieder unterwegs nach Lateinamerika. Es ging zunächst über Kuba nach Costa Rica, wo wir jeweils nur einige Tage blieben, um Gemeinden zu besuchen, eine Konferenz durchzuführen und viele Gespräche mit den Brüdern zu führen, die uns inzwischen zu Freunden geworden sind.

Da uns für Kuba von einigen Gemeinden und auch von "fest und treu"- Lesern Gaben anvertraut wurden, möchte ich zuerst kurz von unseren Erfahrungen und den neuesten Entwicklungen in diesem Land berichten.

Kuba nach dem Papstbesuch

Allen Meldungen der Presse zum Trotz gab es keine Probleme bei der Einreise und wir hatten fast bereut, nicht noch mehr Medikamente mitgenommen zu haben. Da mein Gepäck überhaupt nicht kontrolliert wurde, kamen auch die Bücher durch.

Am Flughafen gab es ein freudiges Wiedersehen mit Geschwistern aus den Versammlungen, die uns dort abholten.
Da wir vor einigen Monaten die Erlaubnis für die Einfuhr von 1.500 Kommentaren über das NT von William MacDonald in spanischer Sprache bekommen hatten, waren wir besonders gespannt, ob diese Bücher eingetroffen und wie sie unter das Volk gekommen sind.

So besuchten wir die zuständige Stelle und bekamen einen ausführlichen Bericht, daß die Bücher bereits an alle ca. 15 größeren Denomina tionen verteilt worden sind (selbst an katholische Seminare!) und die Kommentare mit einer solchen Begeisterung aufgenommen wurden, daß nicht alle Wünsche erfüllt werden konnten. Deshalb hatte man auch den Versammlungen, mit denen wir uns besonders verbunden fühlen, "nur" 100 statt der zugesagten 300 Exemplare ausgehändigt und bat uns um Verständnis dafür. Die große Bitte war, ob wir nicht noch einmal 1.500 Exemplare senden könnten.

Dieser Kommentar ist der erste seit 30 Jahren, der ins Land gekommen ist und man kann sich kaum eine Vorstellung machen, was diese Bücher für die Christen in diesem Land bedeuten! Deshalb haben wir auch zugesagt, für eine weitere Sendung zu sorgen und gleichzeitig beantragt, zwei evangelistische Bücher in großen Mengen schicken zu dürfen. Auf die Genehmigung für diese Bücher warten wir noch.

Besonders gespannt waren wir natürlich zu hören, wie sich der Papstbesuch im Januar in Kuba ausgewirkt hat. Eine Reaktion war jedenfalls die 7,5stündige (in Worten: siebeneinhalb!) Rede von Fiedel Castro vor dem Parlament, der damit seinen bisherigen Rede-Rekord gebrochen hat. Die bisherige Politik wurde darin verteidigt, einige Ohrfeigen an die USA und den Westen verteilt und auch die scharfen Worte des Papstes bezüglich Abtreibung und Scheidung in Kuba zurückgewiesen.

"Aus dem Fresser kam Fraß..."

Erfreulich und erstaunlich war, daß mit dem Papst 100.000 Bibeln (leider mit Apokryphen!) nach Kuba kamen, die von der Vereinigten Bibelgesellschaft zur Verfügung gestellt wurden. Jede Bibel war mit einem Aufkleber versehen: "Obsequio del papa visita a Cuba." Man kann nur hoffen, daß diese Bibeln wirklich in der katholischen Kirche gelesen werden und nicht als Zigaretten- oder Toilettenpapier (beides gibt es nicht in Kuba) benutzt werden.

Ebenso erstaunlich war, daß der Parlamentspräsident die Bibelgesellschaft fragte, ob sie nicht für jeden Abgeordneten des Parlaments eine Bibel zur Verfügung stellen könnte. Diese Bitte wurde natürlich gerne erfüllt und so hatte jedes Parlamentsmitglied bei der nächsten Sitzung eine Bibel vor sich liegen, worüber sich die überzeugten Funktionäre gar nicht freuen konnten, sondern monierten: "Wohin sind wir in Kuba gekommen. Erst mutet man uns den Papstbesuch zu und jetzt hält auch noch die Bibel Einzug ins Parlament!"

Daß ansonsten der Papstbesuch von den Geschwistern in Kuba sehr kritisch beurteilt wird, brauche ich sicher nicht zu erläutern. In Lateinamerika ist der Katholizismus viel offensichtlicher mit dem Okkultismus verbunden als im Westen. Deshalb haben bibeltreue Christen mehr Sorge vor dem wachsenden Einfluß des Katholizismus, als vor der Politik der Kommunisten oder Sozialisten.

Ein weiteres Wunder für die Christen im Land ist die Tatsache, daß Bibeln und Kinderbibeln jetzt offiziell in Buchhandlungen verkauft werden dürfen. Diese Bibeln werden von westlichen Bibelgesellschaften kostenlos zur Verfügung gestellt und für eine Schutzgebühr von umgerechnet 1.- DM öffentlich angeboten. Auf diese Weise sollen im letzten Jahr 250.000 Bibeln verbreitet worden sein!

Eine besondere Freude war es mitzuerleben, daß junge Brüder sich für das Evangelium einsetzen und neue Gemeinden im Land entstehen. Unvergeßlich wird uns eine Abendversammlung in einer solchen neuen Gemeinde bleiben. Statt der erwarteten 12 Geschwister quoll der kleine Raum an der Hauptstraße eines Dorfes über, denn mehr als 40 Kinder kamen zusätzlich zur Abendstunde, so daß viele Erwachsene keinen Platz fanden und von der Straße aus zuhören mußten.

Weitere Pläne

Für den Sommer wird eine große nationale Konferenz geplant, wozu Alois Wagner (mit einigen Brüdern aus Deutschland und Honduras) kommen wird. Anschließend soll ein Intensivkurs für Mitarbeiter gehalten werden.

Leider konnte die geplante Blindenfreizeit in diesem Jahr noch nicht durchgeführt werden, weil die Mittel dazu fehlten. Für diese Arbeit möchten wir gerne Geld zur Verfügung stellen. Außerdem werden zur Zeit 3.000 Cassetten mit Botschaften für die Blinden in Kuba und Lateinamerika kopiert, die von der Mission "Nueva Luz" von Madrid aus verbreitet werden.

So sind wir gespannt, was der Herr weiter in Kuba wirken wird.

"Bienvenido en Hondoras!"

Über Costa Rica flogen wir dann nach Honduras, wo in dem Freizeitgelände "Elim" eine fünftägige Konferenz mit etwa 60 Ältesten aus dem Nord-Osten des Landes auf uns wartete. Täglich hatten wir dort 5 Vorträge zu halten und abends für eine Fragestunde zur Verfügung zu stehen.

Es war eine sehr gesegnete Gemeinschaft und die Freude, mit diesen einfachen, aber hingegebenen Brüdern Gottes Wort zu studieren, kann man schwer beschreiben.

Sehr erfreut waren wir auch über die gute Entwicklung der Literaturarbeit in diesem Land. Inzwischen ist ein junger Bruder in seiner freien Zeit als Kolporteur unterwegs, um in den Versammlungen gute Literatur zu äußerst günstigen Preisen anzubieten, was von vielen Geschwistern sehr dankbar in Anspruch genommen wird, die Lesefreudigkeit "ankurbelt" und das geistliche Leben befruchtet.

Im Anschluß an die Konferenz in Elim waren wir noch einige Tage in der malerischen Hafenstadt Tela, wo sich eine der ersten und größten Versammlungen des Landes befindet, die wir bisher jedes Jahr besucht haben und in der wir schon fast zu Hause sind. Jeden Tag versammelten sich dort 250 - 350 Geschwister, um Gottes Wort zu hören.

Neues von den Garifunas

Zu dieser Gemeinde in Tela gehört auch Omar Ortiz, von dessen Bekehrung und Arbeit unter den Garifunas wir in den letzten Jahren berichtet haben und dessen Dienst auch von einigen "fest und treu"-Lesern mit Gebet und finanzieller Unterstützung begleitet wird. Für Omar war es eine enorme Ermunterung und Freude zu hören, daß sogar in Ungarn Geschwister regelmäßig für ihn beten und auch eine Gabe mitgegeben hatten.

Er erzählte uns von dem Stand seiner Arbeit und ich versuche, seinen Bericht so ursprünglich wie möglich wiederzugeben:

"In den vergangenen Monaten habe ich vor allem unter den Garifunas in Punta Piedra gearbeitet. Dort versammeln wir uns inzwischen mit 27 Christen, von denen wir bisher 18 getauft haben. Die Schwestern unter ihnen sind geistlich besser gewachsen, weil die Männer je nach Jahreszeit manchmal zwei bis drei Monate zum Fischen unterwegs sind und in dieser Zeit sehr von Drogen, Alkohol und sexuellen Sünden versucht werden.

Sonntags kommen die Geschwister in einer 15-20qm großen Hütte zum Abendmahl und zur Wortverkündigung zusammen, zusätzlich Mittwochs und Samstags zur Bibel- und Gebetsstunde. Wenn ich dort zu Besuch bin, haben wir jeden Tag von 14.30 - 15.30 Uhr Bibelstudium und abends eine evangelistische Verkündigung.

Von den Gaben, die uns in den letzten Jahren aus Deutschland gebracht wurden, konnten wir Kommentare, weiterführende Bücher und Medikamente für unsere Geschwister kaufen und Holz, Steine und Wellblech für unser geplantes Gemeindehaus anschaffen. Jetzt fehlt nur noch Zement und Eisen und dann können wir mit dem Bau beginnen.

Im letzten Jahr haben mich Horche, Roberto und Nahum auf meinen Reisen begleitet, was für mich eine große Ermutigung und Entlastung war.

Ali - ein ehemaliger Satanist

Ich möchte Euch von zwei Männern berichten, deren Lebenswende ein großes Zeugnis unter den Garifunas ist.

Da ist zunächst Ali. Er gehörte einer charismatischen Baptistengemeinde an und lernte uns kennen, als wir die Taufe von Elomi, einer jungen Schwester, durchführten. Elomi hatte sich trotz aller furchtbaren Drohungen und Schläge ihres Vaters taufen lassen und ihre entschiedene Haltung hatte Ali so beeindruckt, daß er mich bat, mit ihm Zeit zum Bibelstudium zu verbringen.

Während dieses Studiums öffnete Gott ihm die Augen für manche Irrtümer und er erlebte eine 180-Grad-Wendung.

Vor seiner Bekehrung war Ali dreimal in den Satanismus getauft worden, jeweils in eine höhere Stufe. Er hat entsprechende Erfahrungen auf diesem Gebiet gemacht und ist uns jetzt eine große Hilfe in der Arbeit unter den okkult verseuchten Garifunas. Er selbst spricht die Sprache der Garifunas und seine Frau ist eine Garifuna. Sie wohnen etwa 4 Stunden von Punta Piedra entfernt und besaßen zwar drei Pferde, aber nur einen Sattel. Wir konnten ihnen noch einen besorgen und jetzt fällt es ihnen leichter, die Versammlungen zu besuchen. Weil Ali sehr klare biblische Überzeugungen hat und ein Vorbild ist, hat er gute Voraussetzungen, Ältester in dieser jungen Gemeinde zu werden. Betet bitte für ihn!

Die Bekehrung eines Mörders

Eduardo ist vor 4 Wochen zum Glauben gekommen. Er ist ein mehrfacher Mörder, der sich in den Bergen vor seinen Feinden versteckt hielt. Als ich einmal das Evangelium verkündigte, hörte Eduardo zu und je länger, je intensiver brannte ihm seine Pistole in der Tasche. Er wollte sich bekehren, aber die Blutrache hielt ihn zunächst davon ab. Doch dann bekehrte sich seine Konkubine und schließlich wagte auch er diesen Schritt. Nach vielen Gesprächen und inneren Kämpfen betete er um Kraft und verkaufte seine Pistole. Weil er von Bluträchern verfolgt wurde, war das für ihn ein großes Opfer.

Als nächstes wurde ihm klar, daß er seine Konkubine heiraten sollte, aber dazu waren die Papiere nötig, die ausgerechnet in der Stadt besorgt werden mußten, wo seine meisten und größten Feinde lebten. Im Vertrauen auf Gottes Beistand wagte er sich ohne Waffe in diese Stadt, bekam dort alle Papiere und konnte bald darauf seine Hochzeit feiern. Denkt auch an dieses Ehepaar im Gebet.

Punta Piedra

Roberto aus Tela, der vor einigen Wochen plötzlich seine gute Arbeitsstelle bei Chiquita verloren hat, erwägt nun vor dem Herrn, ob er mit seiner Familie nach Punta Piedra ziehen soll, um dort unter den jungen Christen zu arbeiten. Es ist ein Wunder, wie Roberto in den drei Jahren nach seiner Bekehrung gewachsen und zu einem wertvollen Mitarbeiter herangereift ist.

Bitte betet für mich um Bewahrung auf den Reisen. Oft bin ich auf Anhalter angewiesen, die mich ein Stück mitnehmen, aber diese Anhalter sind meist als Drogentransporteure unterwegs und eine Polizeikontrolle könnte auch mich ins Gefängnis bringen. Auch meine Stauballergie macht mir auf den Reisen zu schaffen, und so bin ich in jeder Beziehung auf Gottes Bewahrung und Hilfe angewiesen."

Omar möchte im Sommer - so Gott will - für einige Wochen mit weiteren Brüdern aus Honduras nach Kuba reisen, um dort die Gemeinden zu besuchen und die Geschwister zu ermutigen.

Sehr dankbar für alle Bewahrung auf den Reisen und für alle Begegnungen und Erfahrungen, die Gott uns geschenkt hat, saßen wir dann bald wieder im Flugzeug in Richtung Heimat.

Gebetsanliegen:

Genehmigung für evangelistische Bücher nach Kuba

Transport weiterer Kommentare für Kuba

Weiterführung der Blindenarbeit Geplante Konferenz und Bibelkurs Ausbau der Literaturarbeit in Honduras (Kolporteur "Walter")

Arbeit unter den Garifunas, Bewahrung und Gesundheit für Omar Ortiz, Führung für Roberto und Familie. Geistliches Wachstum der vielen jungen Geschwister in Honduras, die in Lateinamerika zum großen Segen werden können.

Nachtext

Quellenangaben