Zeitschrift-Artikel: Stephan Holthaus: Trends 2000 - Der Zeitgeist und die Christen

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Titel: Stephan Holthaus: Trends 2000 - Der Zeitgeist und die Christen
Typ: Buchbesprechung
Autor: Ralf Müller
Autor (Anmerkung):

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Titel

Stephan Holthaus: Trends 2000 - Der Zeitgeist und die Christen

Vortext

Text

Es scheint noch mehr Christen zu geben, denen das Fehlen aktueller Zeitgeistanalysen durch christliche Autoren auffällt und die dann auch das Notwendige anpacken. Mit dieser Arbeit legt Holthaus - Dekan und Dozent für Kirchengeschichte und Konfessionskunde an der FTA in Gießen -eine kenntnisreiche und umfassende Zeitgeistanalyse für die Bereiche vor, mit denen wir es normalerweise als Christen zu tun haben. Dabei stützt er sich auf umfassende Trend-Analysen wie die von Matthias Horx und bereitet sie in einem postmodern scheinenden Plauderton schlaglichtartig so gut lesbar auf, daß man dieses Buch fast nicht aus der Hand legen kann. Die angeführten Details, welche die jeweiligen Analysen untermauern sollen, sind enorm umfangreich und zutreffend - und angreifend, denn man merkt sehr bald, wie stark man selbst vom Zeitgeist angesteckt und vielleicht gar geschluckt ist.

Der Hauptteil des Buches ist in neun Abschnitte aufgeteilt, die verschiedene angenommene Problemkreise aufzeigen sollen. Die dabei oft auftretende Überlappung zeigt auf, daß die gewählte analytische Unterscheidung der patchworkartigen Lebensweise des postmodernen Menschen nicht gerecht werden kann. Gleichwohl vermag der Verfasser in den jeweiligen Kapiteln Schwerpunkte herauszuarbeiten. Hilfreich ist, daß jedes der neun Kapitel wieder unterteilt ist in (a) eine Analyse der gesellschaftlichen Trends, (b) der gemeindlichen Trends und (c) in eine Hilfestellung, wie man es in und von der Gemeinde aus auf der Basis der Bibel besser machen und vor allem mit den Mitteln und Formen unserer Zeit deutliche Akzente setzen kann.

Deutlich wird gerade in diesem Teil, daß die Gemeinde sich bei keinem der Themen wie Pluralismus, Relativismus, Individualismus, Individualethik, Materialismus, Genuß, Technisierung, Sanftheit und Harmoniesucht, Glück- und Erlebnissucht, Privatreligion und Synkretismus rein erhalten, sondern sie sehr oft sogar unter christlichem Mantel salonfähig gemacht hat. Besonders wenn er die allgemeinen gesellschaftlichen Trends deutlich macht und danach schildert, welche Ausprägung diese in der Gemeinde haben, wird man betroffen. Hilfreich sind die jeweiligen Abschnitte, in denen er ausgewogen aufzeigt, was von dem geschilderten Trend in der Gemeinde nicht möglich sein darf und wo man nicht das Kind mit dem Bade ausschütten soll. Gerade dieser Teil mag manchem nicht weit genug gehen. Mir erscheint er aber ausreichend, weil er genügend sensibel angesichts der vollständig geänderten Situation der Gemeinde in der Postmoderne zu der in der Moderne ist.

Am besten hat mir der Epilog "Aufruf zur Gegenkultur" gefallen, der von dem Inhaltsverzeichnis her wie ein unnötiges Anhängsel scheint. Es handelt sich dabei um ein engagiertes und angreifendes Plädoyer für einen Weg, mit dem man der heutigen Situation gerecht werden könnte. DreiWege sind mögliche Reaktionen auf das im Buch Geschilderte: Absonderung, destruktive Ablehnung und konstruktive Ablehnung. Alle drei Wege lehnen letztendlich das System der Welt ab, wobei aber nur der letztgenannte wirklich der allgemeinen Situation und den Menschen um uns her gerecht wird. Weiterhin fordert Holthaus dazu auf, wieder neu christliche Verhaltensweisen einzuüben, die immer zentral waren, aber im Blick auf unsere Mitmenschen spezielle Ausprägungen erhalten müssen: Ruhe und Geduld, Gelassenheit und Glaubensvertrauen, Liebe als Antwort auf Angst. Als wichtige Voraussetzung wird - natürlich - das Gebet vorgestellt. Er plädiert entschieden dafür, daß man über die bisherige Haltung zur Umwelt nachdenkt, ein unbiblisches Nischendasein aufgibt und dafür biblische Heiligkeit (Hingabe an Gott) lebt und sichtbar macht.

Es wird deutlich, daß wir Christen eine neue Reformation brauchen, aus der eine christliche Gegenkultur erwächst, die in wohltuendem Kontrast zur heutigen Gesichtslosigkeit steht.. Einziger Schwachpunkt des Buches scheint mir zu sein, daß Holthaus die Begriffe "modern" und "postmodern" nicht immer sauber voneinander abgegrenzt verwendet. Das nimmt aber von der unbedingten Empfehlung dieses Buches nichts weg. Wer etwas von der aktuellen Zeit verstehen möchte, ist gut beraten, es zu kaufen und betend zu lesen, denn als geschichtliche Rückschau ist diese Arbeit nicht gedacht.        

Nachtext

Quellenangaben

 Brunnen, Pb., 255 S., 26,80 DM