Zeitschrift-Artikel: Heinzpeter Hempelmann: Glauben wir alle an denselben Gott? - Christlicher Glaube in einer nachchristlichen Gesellschaft

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Titel: Heinzpeter Hempelmann: Glauben wir alle an denselben Gott? - Christlicher Glaube in einer nachchristlichen Gesellschaft
Typ: Buchbesprechung
Autor: Ralf Müller
Autor (Anmerkung):

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Titel

Heinzpeter Hempelmann: Glauben wir alle an denselben Gott? - Christlicher Glaube in einer nachchristlichen Gesellschaft

Vortext

Text

Der Verfasser behandelt in diesem Buch die Bedeutung des christlichen Glaubens in der aktuellen multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft. Dabei zeigt er, wie sich das Verständnis von dem, was Wahrheit ist, in den letzten Jahren radikal zu einer pluralistischen Sichtweise hin verschoben hat. Die Folge ist, daß eine übergreifend gültige Wahrheit in der Regel nicht mehr gesehen bzw. anerkannt wird. Das ist einerseits eine Konsequenz aus der herrschenden Unsicherheit, andererseits aber auch davon, daß Wahrheitsanbieter oft sehr ausschließlich und (in der negativsten Bedeutung des Wortes) fundamentalistisch vorgegangen sind.

Hempelmann zeigt deutlich auf, daß nicht alle so bezeichneten Wahrheiten der Weltreligionen nebeneinander bestehen können, weil sie sich in wesentlichen Punkten widersprechen bzw. von ganz unterschiedlichen Gottesbildern ausgehen. Dabei werden die vorgestellten Religionen mit den wesentlichen Punkten des christlichen Glaubens verglichen und die Unvereinbarkeit aufgezeigt. Das Ergebnis dieses Vergleichs ist: Toleranz im Sinne eines gleichberechtigten Nebeneinanderstehens für einen redlich denkenden Menschen unmöglich.

Deshalb plädiert der Verfasser in der Folge für ein erneutes Streiten für die christliche Wahrheit, wobei man bei dem, was die Bibel sagt, keine Abstriche machen darf (= keine Sachtoleranz), aber mit der Person, welche die eigene Wahrheit nicht teilt, sehr weitgehende Geduld haben muß (= Personentoleranz). Er zeigt auf, daß ein Eintreten für die christliche Wahrheit bescheiden und tolerant macht, daß die Wahrheit befreit und daß sie vor allem nicht auf Beweise aus ist, sondern sich im Leben des Einzelnen bewähren muß.

Alles in allem ein guter Anstoß, sich mit dem Begriff der Wahrheit in unserer postmodern-nachchristlichen Zeit auseinanderzusetzen. Leider aber nicht viel mehr, denn gerade bei den Hilfestellungen erscheint mir der Ansatz von Hempelmann gelegentlich etwas zu oberflächlich, was allerdings auch durch den Umfang des Buches bedingt sein mag. Er unterscheidet beispielsweise nicht zwischen der objektiven Wahrheit der Bibel und dem subjektiven Wahrheitsverständnis (das bei jedem Menschen unterschiedlich sein kann), geht also zuerst davon aus, daß das, was jeder als Wahrheit bezeichnet, auch als persönliche Wahrheit zu sehen ist. Da wäre es vielleicht besser gewesen, sich in einer umfangreicheren Monographie ausführlicher mit dem Thema auseinanderzusetzen. Aber vielleicht ist das ja für die Zukunft vorgesehen.

Nachtext

Quellenangaben

TVG Brockhaus, Pb, 78 S., 12,80 DM