Zeitschrift-Artikel: Georg Huntemann: Die Selbstzerstörung des Christentums überwinden

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Titel: Georg Huntemann: Die Selbstzerstörung des Christentums überwinden
Typ: Buchbesprechung
Autor: Wolfgang Bühne
Autor (Anmerkung):

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Titel

Georg Huntemann: Die Selbstzerstörung des Christentums überwinden

Vortext

Text

Georg Huntemann ist einer der wenigen Männer unter den Evangelikalen, die den Namen "Protestanten" zu Recht tragen. Auch mit diesem Buch wird sich der kämpferische Theologe wenig Freunde machen, denn in diesem Werk wird "nicht geklagt, sondern angeklagt" (5.9) und der bestehende Evangelikalismus in allen Schattierungen auf Bibeltreue und Glaubwürdigkeit abgeklopft. Georg Huntemann fordert eine radikale Rückkehr zum biblischen Christentum - als einzigen Weg, um die verlorengegangene Identität wiederzufinden. Mit provozierenden Sätzen prangert er die Verkirchlichung, sowie die theologische und auch die subjektivistisch-emotionale Überfremdung des Christentums an und fordert zum Kampf gegen die "Ego-Frömmigkeit" unserer Tage auf. "Idylliker und >keep-smiling<- Christen, die >everybody's darling<sein wollen" (S. 10) werden sicher recht sauer auf seine Analysen reagieren, von denen ich einige hier zitieren möchte:

"Evangelikale Erfolgsprediger erfüllen lieber die religiösen Bedürfnisse ihrer Zuhörer, als daß sie sich dem rauen Anspruch der Wirklichkeit und biblischen Wahrheit stellen." (5. 26)

"Theologie ist eine Erzfeindin des Glaubens, wenn sie Gott zum Gegenstand einer objektiv darstellbaren Lehre und damit zu einem Götzen macht...wenn sie das Netz ihrer Theorien über die Offenbarung Gottes wirft, um ihn darin für den Zeitgeschmack gefangenzunehmen." (S. 150)

"Der moderne Mensch will nicht so sehr hören, sondern fühlen. Viele moderne Evangelisten wären ohne ihren Apparat, ohne die Maschinerie ihres >musical teams< ...rein gar nichts. Rock-Pop-Musik wird ganz einfach zur RockPop-Religion. Man schreibe doch nur religiöse Jesustexte auf gängige Songs, dann kann man mit heiserer Stimme vom ‚Bruder Jesus< schreien, der müde Knochen wieder in Schwung bringen soll. Diese Art emotionaler ›Evangelisation< mit Klatschen, Aufstehen, Hinsetzen, Umarmen, rhythmischen Bewegungen, mit abgemessenen Zuteilungen von Urschrei und Aufschrei ist ein Musterbeispiel gruppendynamischer Manipulation. Der elektronische Himmel wird für einige Augenblicke auf die Erde geschmissen." (5. 169)

"Der Affe der christlichen Frömmigkeit ist die religiöse Selbstverwirklichung als Ausdruck des puren Willens zur Macht." (5. 172)

Auch wenn man hier und da den Standpunkt des Autors nicht ganz teilen kann, so bietet dieses Buch doch eine geistige und geistliche Erfrischung und Ausrichtung auf das Wesen des neutestamentlichen Christentums.

Nachtext

Quellenangaben

Hänssler, Pb., 274 S., DM 29,95