Zeitschrift-Artikel: Samuel Pearce Carey: William Carey - Der Vater der modernen Mission

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Titel: Samuel Pearce Carey: William Carey - Der Vater der modernen Mission
Typ: Buchbesprechung
Autor: Hans-Werner Deppe
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Titel

Samuel Pearce Carey: William Carey - Der Vater der modernen Mission

Vortext

Text

"Wenn Christen die Verlorenen so liebten wie die Händler das Geld, dann könnte keine Wildheit von Völkern uns daran hindern, sie aufzusuchen. Wir können es nicht verantworten, die verkommensten Völker ohne Christus zu lassen. Sogar wenn der Tod der Preis sein sollte, darf ihn kein Christ als zu hoch ansehen. Ein Knecht Christi ist bereit, Leiden auf sich zu nehmen, große Gemeinden und liebe Freunde, ein zivilisiertes Land mit menschlicher Gesetzgebung und Wohlfahrt einzutauschen gegen Ablehnung, Haß, verräterische Freunde, Gefängnisse, Folter, rauhe Sitten, ungehobelte Sprache, jämmerliche Behausung, harte Arbeit und wenig Ermutigung. Händler lernen fremde Sprachen, das können wir auch. Ein Jahr oder höchstens zwei sollten uns befähigen, auch wenn wir keine außergewöhnliche Begabung haben, mit einem beliebigen fremden Volk zu kommunizieren."

So der Originalton von William Carey (besonders im englischen Sprachraum als Vater der modernen Mission bekannt) in einer Schrift aus dem Jahr 1792 - kurze Zeit vor seinem Aufbruch nach Indien. Getrieben von einem ungeteilten Herzen und brennenden Anliegen für die unerreichten Völker wandte er sich damit an die vom Hyper-Calvinismus eingeschläferten Protestanten. Obwohl damals bereits viele >christliche< Europäer in Indien lebten, fehlte diesen Kolonisten und Händlern offenbar der Geist und die Liebe, von denen Menschen wie Paulus getrieben waren, denn keiner von ihnen wirkte dort als Herold des Evangeliums. Aus dieser Not heraus gründeten eine Handvoll Baptisten in England eine kleine Missionsgesellschaft und sandten Carey nach Ostindien aus. Das war damals ein allseits auf völliges Unverständnis stoßendes Unterfangen, dem jedoch die wohl beachtlichsten 40 Jahre in den Annalen der Missionsgeschichte folgten. Careys Beispiel weckte viele weitere Christen auf und "als Carey im Jahre 1834 seinen Lebenslauf beendete, gab es vierzehn britische Missionsgesellschaften, daneben waren etliche im übrigen Europa und in Nordamerika entstanden. >Das Licht, das Carey entfacht hatte, pflanzte sich wie Höhenfeuer von Berg zu Berg fort; die Christen nahmen an allen Orten das Signal wahr und folgten dem Ruf.

Neben ihrem einzigartigen Charakter als Geschichtsschreibung über die Anfänge der Außenmission bietet diese Biographie aber auch tiefen Einblick in die innersten Gedanken und Gefühle dieses Mannes Gottes. Viele Tagebucheinträge, persönliche Briefe usw. zeigen auf, was diesen Jünger Christi im Herzen bewegte. Beeindruckend ist dabei vor allem, daß unzählige Widerstände und Katastrophen jeglicher Art ihn nicht niederzuringen vermochten. Vielmehr erwies Carey sich als "mehr als Überwinder", der aus scheinbaren Niederlagen größten geistlichen Gewinn zog. So wurde beispielsweise ein verheerender Brand der eigenen Druckerei -- im Glauben aus Gottes Hand angenommen im Nachhinein zu einem Motor im Dienst der Missionare.

Unübertroffen ist Careys Leistung in der Übersetzung und Drucklegung von Bibeln. In unermüdlicher Arbeit erstellte er mit seinem Team Bibelübersetzungen in nicht weniger als 40 Sprachen; darüber hinaus waren seine Errungenschaften für die indische Linguistik auch im säkularen Bereich unübertroffen. Trotz dieser intensiven geistigen Arbeitsleistung war Carey niemand, der sich in einen Elfenbeinturm zurückzog, sondern als einfacher Schuhmacher vom Lande und Jünger des Gekreuzigten entsprach es seiner Gesinnung, sich zu den Niedrigen zu halten und unmittelbar an armen, verlorenen Menschen zu arbeiten.

Dieses spannende Lebensbild ist außerdem aus etlichen weiteren Gründen äußerst interessant und empfehlenswert. Tiefgründiges kirchengeschichtliches und historisches Wissen wird anschaulich vermittelt, ferner wird die brutale Finsternis des Heldentums, insbesondere des Hinduismus, deutlich (z.B. die Verbrennung von Witwen) sowie die Notwendigkeit für Bekehrte, mit der abgöttischen Vergangenheit radikal zu brechen. Von daher eignet sich diese Biographie auch sehr gut zur Weitergabe an solche, die eine Vermischung des christlichen Glaubens mit östlicher Religiosität befürworten oder auch an Zeitgenossen, denen ein klares Verständnis von Bekehrung oder der Blick für die Mission fehlt.

Alles in allem ein Lebensbild, das es verdient hat" zum Klassiker unter den Missions-Biographien zu werden.

Nachtext

Quellenangaben

CLV, geb., 256 S., DM 18,80