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Zeitschrift-Artikel: Francis A. Schaeffer: Die grosse Anpassung - Der Zeitgeist und die Evangelikalen

Zeitschrift: 83 (zur Zeitschrift)
Titel: Francis A. Schaeffer: Die grosse Anpassung - Der Zeitgeist und die Evangelikalen
Typ: Buchbesprechung
Autor: Ralf Müller
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 146

Titel

Francis A. Schaeffer: Die grosse Anpassung - Der Zeitgeist und die Evangelikalen

Vortext

Text

Dieses Buch, das die Situation und Entwicklung der evangelikalen Welt bis zur Mitte der achtziger Jahre aufzeigt, ist jetzt bei CLV in unveränderter zweiter deutscher Auflage (bis auf die Anpassung an die Rechtschreibreform) erschienen. Ausgehend von einem Artikel der Zeitschrift "Time" über die gesellschaftliche und geistige Entwicklung der letzten 60 Jahre vor Erscheinen des Buches zeigt Schaeffer deutlich auf, daß sich seit den zwanziger Jahren Wesentliches im evangelikalen Denken und Handeln verändert hat. Besonders deutlich wird, das der gesellschaftliche Konsens, der die Verbindlichkeit der Bibel einschließt, längst nicht mehr besteht, und deshalb das Zusammenleben allgemein auf dem Konsens dessen geschehen wird, was die Mehrheit als verbindlich ansieht. Dabei kann dann alles herauskommen. Beeindruckend ist dabei der Weitblick Schaeffers, der die Konsequenz der Entwicklungen bis heute hin richtig gedeutet hat.

War "evangelikal" früher ein Gütesiegel, so ist das heute nicht mehr zwingend so. Anhand des Beispiels der Wasserscheide in der Schweiz, von der aus das Wasser über die Flüsse Rhein und Rhöne in zwei unterschiedliche Meere fließt, zeigt er auf, daß zwar äußerlich eine Einheit vorhanden zu sein scheint, die Entwicklungen aber merklich auseinandergehen. Das Kriterium, anhand dessen die Trennlinie aufgezeigt wird, ist der Gehorsam gegenüber der Bibel. Zum einen sieht er den liberalen Flügel, der sich die Arbeitsweise der Bibelkritik zu eigen gemacht hat und deshalb die Bibel objektiv nicht mehr so stehen läßt, wie man es von ihrem Selbstzeugnis her tun soll, und letztendlich dem Relativismus anheimfallen wird. Übrig bliebe ein lediglich gefühlsmäßiger Zugang zu Gott und der Bibel. Der andere Flügel sind die Evangelikalen, die an der Unfehlbarkeit der Schrift festhalten, wobei dieses Festhalten die unbedingte Verbindlichkeit des Lebens in Übereinstimmung mit der Bibel einschließen muß.

Die Themenkreise: Festhalten an der Bibel, Abtreibung und Feminismus zeigen beispielhaft die Entwicklungen und Haltungen auf. In der Beziehung der "bibeltreuen Evangelikalen" zu denen, die sich dem Relativismus geöffnet haben, betont er nachdrücklich, daß dabei ein Gleichgewicht von Heiligkeit und Liebe gewahrt bleiben muß. Als Weg dahin sieht er die liebevolle Konfrontation, in der die Sachen beim Namen genannt werden, aber die Wertschätzung der Person, mit der man sich auseinandersetzt, deutlich erkennbar vorhanden und gewahrt bleiben muß.

Eindrucksvoll vertieft er das in dem Anhang "Das Kennzeichen des Christen", der einige Jahre vorher als eigenes Buch erschien. Gerade dieser Abschnitt ist erfrischend zeitlos und heute wie damals gleichermaßen aktuell, weshalb mir eine separate Veröffentlichung angebracht erscheint.

Eine Schwäche dieser deutschen Zweitauflage ist, daß die Beispiele aus der Mitte der achtziger Jahre heute so nicht mehr verwendet werden können. Die politischen Machtblöcke haben sich seit Anfang der neunziger Jahre aufgelöst, der Kommunismus hat für viele noch offenkundiger abgewirtschaftet, was auch der Zerfall der UdSSR und ihrer "Satelliten" zeigt (wobei natürlich die ständigen und auch aktuellen reaktionär-kommunistischen Bestrebungen nicht unbeachtet bleiben dürfen). Auch hat sich das geistige Klima und der Umgang mit vielen Themen so sehr geändert, daß Schaeffer, würde er noch leben, gewiß ein anderes, geeigneteres Buch geschrieben hätte, das die aktuellen Entwicklungen im geschichtlichen Zusammenhang aufzeigt. Eine weitere Schwäche ist, daß der vom Autor unbedingt gewünschte Abgleich und Zusammenhang mit seinen übrigen Büchern, die vielen Christen zum Verständnis der Zeit und der Geschichte verholfen haben, in der Regel nicht mehr erfolgen kann, da diese zum größten Teil bereits vergriffen sind.

 

Nachtext

Quellenangaben

CLV, Pb., 223 S., DM 19,80