Zeitschrift-Artikel: Eine andere Welt - Manga-Fans auf der Buchmesse Leipzig

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Titel: Eine andere Welt - Manga-Fans auf der Buchmesse Leipzig
Typ: Artikel
Autor: Anne Caspari
Autor (Anmerkung):

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Titel

Eine andere Welt - Manga-Fans auf der Buchmesse Leipzig

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Text

Auf Buchmessen gibt es nicht nur die verschiedensten Bücher, man begegnet auch den unterschiedlichsten Menschen. Es kommen Leute aus ganz Deutschland nach Leipzig, um sich nach Neuheiten in der Bücherwelt umzusehen. Die Verwunderung ist dann groß, was blaue Haare, Katzenaugen-Kontaktlinsen und riesige Schwerter mit Büchern zu tun haben. Wohin man auch sieht, es wimmelt nur so von Menschen die aussehen, als wären sie einem Fantasie-Film entsprungen. Während es in fast allen Hallen der Leipziger Buchmesse um niedergeschriebene Worte geht, findet man in einer Halle hauptsächlich Bilder und Kostüme. Es handelt sich um die Manga-Comic-Con (Con für Convention=Veranstaltung), eine der größten Manga-Conventions in Deutschland.

› Was sind „Mangas“?

Mangas sind mittlerweile eine sehr verbreitete Art von Comics, die ursprünglich aus Japan kommen. Der klassi- sche Comic kommt aus Amerika. Im Unterschied zu die- sem wird der Manga im japanischen Stiel (kindlich große Augen, überbetonte Emotionen) gemalt und von rechts nach links und von hinten nach vorne gelesen. Neben den Manga-Comics gibt es auch Filme in diesem Stil, diese nennt man Anime. Auch Computerspiele im Mangastil werden immer populärer. Hinter den vielen verkleideten Leuten steckt eine weitere ganz eigene Szene – das Cos- play (Kostüm Spiel). In der Mangawelt gibt es keine Grenzen. Es gibt zwar Vorbilder und Richtlinien. Aber daran muss sich nicht unbedingt gehalten werden. Auch beim Cosplay kann die Kreativität in jegliche Richtung ausbrechen. Und so begegnet man in Leipzig Fabel-Wesen, Disney-Charakteren und Kriegern mit futuristischen Zügen bis hin zu sehr gruseligen und düsteren Gestalten. Da diese Menschen unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben, wollten wir mehr über die Manga-Szene erfahren um herauszu nden, wie wir sie mit dem Evange- lium erreichen könnten. So sind ein paar von uns losgezogen und haben sie interviewt.

› Fasziniert von der Vielfalt der Welt...

Dadurch bekamen wir den Eindruck, dass diese Leute trotz ihres (für uns) sonderbaren Verhaltens ziemlich normal ticken. Zunächst haben wir nach der Entstehung der Manga-Szene gefragt und wie der Kontakt entstanden ist. Die meisten waren vor allem von der Vielfalt und dem Außergewöhnlichen dieser Welt fasziniert. Viele nden die Charaktere „einfach schön“. Aber auch die Storys der Comics oder Animes sind für sie begeisternd. Die meisten Manga-Fans sind durch Serien wie „Sailer moon“, „PoKé- MoN“ oder „Dragonball“ auf RTL II in diese Szene eingetaucht. Oder Freunde haben Freunde mit dem „Manga- Fieber“ infiziert. Als nächstes sind wir mehr auf die Cosplayer zugegangen. Wir haben Fragen gestellt über ihr Kostüm, was sie darstellen und warum, wie oft sie in diese Rolle schlüpfen, wie viel sie dafür bezahlen und ob sie diesen Charakter auch gerne im echten Leben haben würden. Für die meisten ist das Cosplay ein großes Hobby. Wir haben mit Leuten gesprochen, die für ihr Kostüm bis zu 600€ ausgeben und viel Zeit investieren, um möglichst genau so auszusehen, wie der Charakter, den sie darstellen wollen. Beim Cosplay werden generell Figuren aus Mangas, Animes oder Computerspielen nachgeahmt. Die meisten Charaktere werden auch nur einmal verkörpert und für die nächste Convention wird mit großer Begeisterung eine neues Kostüm gebastelt. Neben der Manga- Comic-Con in Leipzig gibt es in ganz Deutschland verteilt weitere große Conventions. Außerhalb dieser Conventions würde man die meisten Cosplayer nicht als solche erkennen.

› Realitätsflucht?

Man könnte meinen, dass Menschen, die sich so extrem verkleiden, ein Problem mit sich selbst haben, Aufmerksamkeit wünschen oder der Wirklichkeit ent iehen wollen. Doch diesen Eindruck hatte ich nicht. Erstaunlich war, dass fast keiner der Manga-Fans seinen Charakter auch in der Realität leben wollte. Beim Cosplay scheint es viel mehr um Kreativität zu gehen. Es ist wie eine Art Kunst, die dann auch präsentiert werden soll. Mit der eigenen Persönlichkeit hat das anscheinend sehr wenig zu tun. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass sie in einer eigenen Welt leben und die Realität ignorieren. Mag sein, dass es einzelne gibt, die sich in der Mangawelt verlieren. Aber als wir danach fragten, wie ihre Welt aussehen würde, wenn sie an Gottes Stelle wären, haben wir gemerkt, dass die meisten nicht viel ändern würden. Ihre Welt wäre nicht im Mangastil, wie ich es vermutet hätte. Eigentlich fanden sie diese Welt ganz gut so. Lediglich die Kriege würde man abschaffen. Interessant fand ich, dass etliche sogar gesagt haben, dass sie kein guter Gott wären. Es wäre chaotisch bzw. sie wären dieser Aufgabe nicht gewachsen. Ein Mädchen wollte erst mal die meisten Menschen beseitigen, weil sie nicht so viele Menschen mag. Wie gut dass wir wissen, dass der Allmächtige nicht so willkürlich handelt.

› Mit Gott können sie nicht viel anfangen

Aber an den Gott der Bibel glaubte leider keiner der Leute, mit denen wir geredet haben. Einige sagten klar, dass es für sie keinen Gott gäbe. Die meisten konnten sich nicht so richtig festlegen. Möglicherweise könnte es ein höheres Wesen geben – aber was oder wer genau, darauf konnten sie sich nicht festlegen. Sowieso scheint mir die ganze Manga-Szene sehr ungebunden. Nach dem Motto „Alles ist möglich!“ wird einfach alles toleriert. Der Glaube an nur einen Gott und absolute Wahrheit ist für sie also sehr schwer zu akzeptieren. Daher hat die Bibel auch keinen sonderlich hohen Wert unter den Manga-Fans. Auf die Frage nach der Botschaft der Bibel gab es neben „keine Ahnung“ und „weis ich nicht“ viel Kritik. Einige meinten aber auch, dass die Bibel gute Richtlinien enthält und den Menschen sagt, wie sie sich verhalten sollten. Auf die Frage „Was kommt nach dem Tod“ bekamen wir die unterschiedlichsten Antworten. Neben Re-Inkarnation und dem klar de nierten „Nichts“ hörten wir Aussagen wie „Hoffentlich irgendetwas, sonst wärs ja doof“ oder „Wenn’s vorbei is, is es halt so.“ Als Herausforderung aus diesen Begegnungen ergab sich der Wunsch, für die nächsten Buchmessen einen Flyer, ein Miniheft im Mangastil, das Zeugnis eines Manga-Fans oder etwas ähnliches in der Hand zu haben. Auch diese Leute sollen die gute Botschaft hören – aber auch um die Konsequenzen wissen, wenn sie abgelehnt wird.

› Sex und Drogen

Auf die Frage „Nimmt man Drogen in der Manga-Szene“ ernteten wir verwirrte Blicke, verbunden mit einem klaren „Nein!“ Man müsste sich schließlich konzentrieren, wenn man sich beispielsweise einen Anime anschaut. Auf Con- ventions seien Drogen verboten. Bei der Frage nach dem Stellenwert von Sex in der Manga-Szene sah das anders aus. Die meisten Antworten hatten einen verteidigenden Charakter. Wenn man durch die Manga-Halle läuft, ist es einem eigentlich unmöglich, nicht nackte Haut oder anzügliche Zeichnungen zu sehen. Deshalb wollten wir dieses Thema ansprechen. Denn obwohl auch sehr viele Minderjährige auf der Messe sind, haben nahezu alle Manga-Figuren sexistische Züge. Auch bei den Cosplayern ist diese Tendenz nicht zu übersehen. Diese Tatsache haben interessanterweise nur sehr wenige der Befragten zugegeben. Unter dem Argument „Sex sells“ und „bei Hollywood ist das nicht anders“ wird das Thema als „ist halt so“ abgetan. Manche sagten, dass die Japanische Kultur einen großen Ein uss darauf hat. Zudem gäbe es Mangas für jede Alters- und Neigungsgruppe. Es würde auch Mangas geben, die ganz harmlos seien.

Nachtext

Quellenangaben