Zeitschrift-Artikel: Salomo und die Frauen - Vielzahl

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Titel: Salomo und die Frauen - Vielzahl
Typ: Artikel
Autor: Peter Lüling
Autor (Anmerkung):

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Titel

Salomo und die Frauen - Vielzahl

Vortext

Text

Vielzahl umschreibt vielleicht gut das Leben Salomos. In seinem Leben war von sehr Vielem vieles vorhanden. Seine Weisheit war unermesslich, sein Reichtum ebenso. Frauen, Pferde, Sprüche und Lieder – sie alle waren fast unübersehbar. Nie wieder gab es einen Mann, der in jeder Hinsicht so gesegnet und bevorzugt war wie Salomo (Abgesehen natürlich vom Sohn Gottes, der alles und alle in Ewigkeit übertrifft).Die Geschichte seiner Eltern hatte keinen guten Start. David, der Hirte, der König, der Geduldige im Warten auf Gottes Zeitplan, der Kriegsmann und Eroberer hatte sich Bathseba illegal genommen. Tief war er gefallen, obwohl er doch der Mann nach dem Herzen Gottes war. Das erste Kind aus seiner Beziehung mit Bathseba starb. Nathan, der Prophet, hatte ihm angekündigt, dass vier seiner Kinder sterben würden. Nach diesem schweren Fehltritt war David nicht mehr der alte. Er hat weiter wunderbare Lieder und Psalmen geschrieben, doch in seiner Familie hing der Segen schief. Seine Kinder haben ihm große Probleme bereitet und ihm fehlte die moralische Kraft, auf ihre Fehler angemessen zu reagieren. Doch nach dem Tod seines ersten Kindes wurde Bath- seba wieder schwanger. Und der Herr bekannte sich wei- ter zu ihm: „David gab ihm den Namen Salomo (=der Friedliche). Und der HERR liebte ihn. Und er sandte durch Nathan, den Propheten, und gab ihm den Namen Jedidjah (=Geliebter des Herrn), um des HERRN willen.“ (2Sam 12,24–25) Diese beiden Namen standen über Salomos Leben. Seine Regentschaft als König Israels (der letzte der 12 Stämme) war von Frieden geprägt. Und Gott liebte ihn! Zudem hatte ihm David ein gut bestelltes Feld hinterlassen. Die äußeren Grenzen waren gut gesichert, und auch innerhalb des Volkes sah es gut aus. Zum Tempelbau war alles vorbereitet. David hatte alles zusammengetragen, wissend, dass er nicht bauen durfte, was doch sein Her- zensanliegen gewesen war. David hatte die Bundeslade nach über 70 Jahren in der Fremde wieder zur Hauptsache in der Hauptstadt gemacht. Nur das Gebäude fehlte noch. Sogar den Ort hatte er gefunden, wenn auch durch eine schlimme Sünde! Gott war Salomo zu Beginn seiner Herrschaft erschie- nen mit den Worten: „Bitte, was ich dir geben soll.“ (1Kö 3,5) Und Salomo hatte die richtige Antwort darauf gegeben: „So gib denn deinem Knecht ein verständiges Herz, um dein Volk zu richten, zu unterscheiden zwischen Gutem und Bösem.“ (1Kö 3,6–9) Gott gewährte ihm diese Bitte gerne und gab ihm dazu auch das, worum er nicht gebeten hatte, Reichtum und Ehre. Salomo wurde unermesslich reich, er war der weiseste Mann und alle Welt kam zu ihm, seine Schaffenskraft und sein Reich zu bewundern. Er redete 3000 Sprüche und dichtete 1005 Lieder. Er durfte den Tempel bauen, ein nicht riesiges aber monumentales Bauwerk. In seinen Tagen machte er das Silber den Steinen gleich! Drei Bücher von ihm hat Gott in den Kanon der Bibel aufgenommen: „Die Sprüche“, „Das Hohelied“ und „Der Prediger“. Ewig ist darin seine Weisheit festgehalten. Außerdem verfasste er Psalm 72 und 127. Doch welche eine Tragik, er wiederholte die Sünde seines Vaters! „Und der König Salomo liebte viele fremde Frauen. Er hatte 700 Fürstinnen und 300 Nebenfrauen; und seine Frauen neigten sein Herz. Und es geschah zur Zeit, als Salomo alt war, da neigten seine Frauen sein Herz anderen Göttern nach.“ (1Kö 11,1–8) Welch eine Dramatik! Der Geliebte Gottes, der Friedliche, strauchelt im Alter und fällt. Und sein Fall, seine Sünde ist deutlich schlimmer als bei David. 1000 Frauen ist fast unvorstellbar. Dazu war die Mehrzahl der Frauen aus heidnischen Völkern, mit denen sich ein Jude nicht einlassen und verbinden durfte. Sie behielten ihren Göt- zendienst bei. Bei angenommenen Unterhaltskosten von 10 Euro pro Frau und Tag hatte Salomo dadurch zusätzlich Jahresausgaben von 3,65 Millionen Euro, die aus der Staatskasse nanziert werden mussten. Das Gesetz hatte dazu eindeutig festgestellt: „... So sollst du nur den König über dich setzen, den der HERR, dein Gott, erwählen wird. ... Nur soll er sich nicht viele Pferde anschaffen, ... Und er soll nicht viele Frauen haben, dass sein Herz sich nicht abwende; und Silber und Gold soll er sich nicht übermäßig anschaffen, ... er soll sich eine Abschrift dieses Gesetzes in ein Buch schreiben. ... Und es soll bei ihm sein, und er soll alle Tage seines Lebens darin lesen.“ (5Mo 17,14–20) Es gab also fünf Dinge, die jeder König einhalten sollte: Nicht viele Pferde. Nicht viele Frauen. Nicht viel Silber und Gold. Eine Abschrift des Gesetzes. Tägliches Lesen. › Sorgfältig bleiben Was wir daraus lernen können ist, dass Salomos Fall wahrscheinlich früh an ng. Trotz aller Weisheit, die ihm von Gott geschenkt wurde, hat er sich früh über diese fünf Anweisungen hinweggesetzt. Wir lesen nicht von ihm, dass er eine Abschrift des Gesetzes für sich gemacht und darin geforscht hätte. Das Leben Davids war geprägt vom Wort Gottes, es war seine Speise, er hat darüber nachge- sonnen bei Tag und Nacht. Das sucht man bei Salomo fast vergebens. Alles, was „nicht viel“ sein sollte bei einem König, war bei Salomo gegenteilig. Pferde, Gold und Frauen waren überreichlich vorhanden. Sie sind immer eine Gefahr, unser Herz zu neigen. Gott hatte ihm den Reichtum zusätzlich zur Weisheit geschenkt, aber der weise Umgang damit musste in Abhängigkeit zu Gott geübt werden. Bemer- kenswert ist doch, dass sein Haus größer wurde als der Tempel. Wo war die Bescheidenheit geblieben? Davids Lebensmittelpunkt bei allen Fehlern blieb Gott und seine Ehre. Was war Salomos langfristiges Streben? Was war und blieb sein Mittelpunkt? Wenn man dann auf dem Zenit seiner Karriere, Macht und Führung ist, wird es gefährlich, genau wie bei seinem Vater David. Salomo wurde alt, und die Spannkraft lies nach. Sie wurde wahrscheinlich nicht mehr gespeist vom täglichen Umgang mit seinem Gott. Er verlor ihn aus den Augen, vielleicht durch seine ganze Geschäftigkeit. Es selbst schrieb: „Besser das Ende einer Sache als ihr Anfang“. (Pred 7,8) Der Anfang war sehr gut, beeindruckend, nachah- menswert. Und es ist gut, das Gute seines Lebens als gut in Erinnerung zu behalten. Aber Gott schont Salomo nicht, und nennt das Böse seines Lebens böse. Zurück bleibt somit ein Beigeschmack, der unangenehm ist. Sicher ist es weise, beides als Vorbild zu nehmen, damit wir sorgfältig wandeln. Was hat Salomo schließlich in die Krise geführt? Warum haben alle guten Gaben Gottes ihn nicht davor geschützt? David hatte immer Feinde, er musste immer auf der Hut sein. Salomo hatte kaum noch Feinde und Kriege. Deshalb bestand bei ihm vor allem die Gefahr der Selbst- zufriedenheit und ein Nachlassen in der Sorgfalt. Wir wollen lernen, dauerhaft und beständig, täglich unseren Umgang mit dem Herrn Jesus zu pflegen. Ein permanen- tes Leben im Selbstgericht ist dazu sehr wichtig. „Dein Herz beneide nicht die Sünder, sondern beeifere sich jeden Tag um die Furcht des HERRN.“ (Spr 23,17) Sein Vater hatte geschrieben: „Lehre mich, HERR, dei- nen Weg: Ich werde wandeln in deiner Wahrheit; einige mein Herz zur Furcht deines Namens.“ (Ps 86,11) Wenn die Gottesfurcht, der Respekt vor dem Ewigen, weicht, nützen alle Erkenntnisse darüber nichts mehr. Darum ist es gut, das Gebet Davids täglich zu beten: Einige mein Herz zur Furcht deines Namens. Alles, was Salomo über die Furcht des Herrn erkannt und geschrieben hat, hat er bei seinen Frauen vergessen. „Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis.“ (Spr 1,7) „Die Furcht des HERRN ist: das Böse hassen.“ (Spr 8,13) „Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang; und die Erkenntnis des Heiligen ist Verstand.“ (Spr 9,10) „In der Furcht des HERRN ist ein starkes Vertrauen, und seine Kinder haben eine Zu ucht.“ (Spr 14,26) „Dein Herz beneide nicht die Sünder, sondern beeifere sich jeden Tag um die Furcht des HERRN.“ (Spr 23,17) „Menschenfurcht legt einen Fallstrick; wer aber auf den HERRN vertraut, wird in Sicherheit gesetzt.“ (Spr 29,25) Seine Kinder hatten keine Zu ucht mehr. Und sein ganzes Lebenswerk war für ihn dahin. Es ist so traurig, dass zu beobachten. Sogar sein Reich zer el nach ihm. Er hat in den Sprüchen so oft „mein Sohn“ gesagt, aber die- ser hat fast alles verloren, was sein Vater aufgebaut hatte. Salomos Ende ist tragisch und eine sehr ernste Warnung an uns! › Wachsam bleiben Salomo hat Gigantisches geleistet. Er hat Israel zu einer Blüte geführt, wie sie nie gekannt war und nach ihm erst wieder unter dem Friedefürsten und Messias sein wird.Ströme von Staatsoberhäuptern kamen nach Jerusalem, um seine Macht und Hoheit zu sehen und seine Weisheit auf die Probe zu stellen. Unter solchen Umständen klein und demütig zu bleiben, dazu reichen alle Bega- bungen nicht aus. Dazu benötigt man eine sehr nahe und intensive Beziehung zu seinem Gott. Die andauernden Lobeshymnen und Wertschätzungen, die gewaltige Macht und der weltweite Ruhm bedeuten eine große Gefahr. Sie verleiten nahezu fast jeden Menschen, selbstherrlich und arrogant zu werden. Vielleicht hat Salomo sich einlullen lassen. Vielleicht ist er taub geworden für die leise Stimme seines Gewissens. Im Buch Prediger gibt er uns einen Einblick in die Sinnlosigkeit alles Erreichten, wenn Gott keine Rolle spielt. Daher wollen wir von ihm lernen, wachsam zu bleiben. Sich auszuruhen auf Erfahrungen ist gefährlich, beson- ders wenn man älter wird. Salomo hatte alles erreicht, mehr ging nicht. Aufsteigen ist eine Sache, oben bleiben eine ganz andere. Deshalb sagt uns Paulus: „Deshalb nehmt die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag zu widerstehen und, nachdem ihr alles ausgerichtet habt, zu stehen vermögt.“ (Eph 6,13) Wir wollen beten, dass der Herr Jesus uns vor Sattheit bewahrt. Wir müssen immer weiterkämpfen und dürfen nicht müde werden. Mose wurde müde, aber er hatte Freunde. Das Geheimnis von Kaleb, der mit 85 Jahren noch so frisch war wie mit 40 Jahren, liegt auch im richtigen Umgang mit Sünde. Die Ratgeber und die Menschen, die uns korrigieren, werden weniger, je älter wir werden. Gerade dafür hat Gott Verheirateten Ehepartner geschenkt, damit wir uns bis zum Schluss helfen, auf dem Weg Gottes weiter zu gehen. Damit die Kinder und Enkel den Ausgang unseres Wandels anschauen und dann unseren Glauben nachei- fern können. › Teamplayer bleiben Kurz vor seinem Tod schreibt David auf, welche Menschen tiefe Spuren bei ihm hinterlassen haben. Er nennt sie größtenteils Helden. Das waren manchmal interessante Menschen, jedenfalls Persönlichkeiten. Diese Mitstreiter finden wir bei Salomo kaum. Trotz aller Größe und Weisheit scheint er ein einsamer Mann gewesen zu sein. Er hat bei 1000 Frauen nicht das gefunden, was er bei der Geliebten im Hohenlied beschreibt. Er kannte nicht die Freundschaft mit einem Jonathan, wir lesen in der Bibel nichts von Mitarbeitern an seiner Seite. Große Männer brauchen große Hilfe. Jeder Seelsorger braucht einen Seelsorger. Jeder Führer braucht Führung. Jesus hatte Freunde, sowohl in Bethanien bei den drei Geschwistern als auch bei seinen Jüngern. Wo war in Salo- mos Leben der Freund, der anhänglicher ist als ein Bruder? Der Bruder für die Drangsal tritt nicht in Erscheinung. Die Süßigkeit eines Freundes kommt aus dem Rat der Seele, aber davon lesen wir nichts in seinem Leben. Auch kein Nathan kommt vorbei um ihm deutlich ins Gewissen zu reden. Das ist sehr, sehr traurig. Eine gute Ehefrau, ein guter Ehemann – wie gut, wenn sie bzw. er der beste Freund ist. Aber man kann nicht 1000 beste Freunde haben. Wir wollen den Herrn bitten, uns gute, beste Freunde zu schenken. Männer und Frauen, die ehrlich und aufrichtig mit uns sind. Wirkliche „Brüder für die Drangsal“, deren Worte ermutigen und ins Herz dringen. Die uns nicht weh tun, um zu verletzten, sondern um zu helfen. › Geneigt bleiben Salomo ließ sich durch seine Ehefrauen das Herz zu fremden Göttern neigen. Als er jung war, schlug sein Herz für seinen Gott. Im Alter hatten „viele Tropfen den Stein gehöhlt“. Das ging nicht von heute auf morgen. Das war ein langer Prozess, von einem ungeteilten zu einem geteilten Herzen. Wir müssen in unseren Ehen sehr darauf achten, wie unser Herz geneigt wird. Eine Ehe kann sehr gut anfan- gen, beide Ehepartner sind hingegeben und wollen dem Herrn dienen. Gott schenkt Gnade und Kinder. Der Mann verdient vielleicht immer mehr Geld, der Lebensstil ändert sich, der Frau gefällt das. Langsam aber sicher wird das Herz geneigt. Es war anfangs nicht beab- sichtigt, aber im Laufe der Zeit werden Gemeinde-Angelegenheiten zugunsten von Überstunden aufgegeben. Überstunden zu leisten und einen guten Job zu haben ist alles andere als falsch. Doch wenn sie einen immer größer werdenden Raum in unserem Leben einnehmen, kann sich unsere Einstellung zu Gott verändern. Die Ehefrau kauft vieles online. Durch die Beschäftigung mit den neuen Medien verwendet sie immer mehr Zeit mit Dingen als mit Menschen. Der Prozess einer „Neigung“ kann eintreten, ohne dass sie es merkt. Es gibt ja so viele spannende Angebote und man kann dadurch so viel Geld sparen. Sie hüpft von Seite zu Seite und vertrödelt ihre Zeit. Bevor der Ehemann morgens die Bibel aufschlägt, werden im Smartphone, das ihn geweckt hat, erstmal die Mails gecheckt und der Kontostand abgerufen. Kurz noch in die Nachrichten geschaut. Wie hat der Lieblingsverein gestern Abend gespielt? Und schon fängt auch bei ihm die „Neigung“ an. Die Einfalt gegen den Christus geht langsam aber sicher verloren. Schlug anfangs noch das Gewissen, lässt es bald nach. Gott hat nicht mehr den ersten Platz.

Nachtext

Sowohl gute als auch schlechte Dinge können unser Herz neigen. Lasst uns daher sorgfältig, wachsam und ein guter Teamplayer bleiben.

Quellenangaben