Zeitschrift-Artikel: Alleingelassen

Zeitschrift: 158 (zur Zeitschrift)
Titel: Alleingelassen
Typ: Gedicht
Autor: Alexander Strunk
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 142

Titel

Alleingelassen

Vortext

Text

Mit Sehnsucht verlangt er ein Mahl in der Nacht. (Lk 22,15) Noch einmal vereint mit den Seinen, (Joh 17,22) versinkt er zu Boden und greift statt nach Macht, (Joh 13,2–5) zu Schale und Wasser und Leinen. (Joh 13,4) Bewusst der Bedeutung, tränkt er einen Bissen, (Joh 13,26) von fragenden Blicken bewacht. (Joh 13,22–28) Ein letzter Appell an des Freundes Gewissen. Die Tür fällt ins Schloss. Es ist Nacht. (Joh 13,29) Bedrückt und beängstigt, zu Tode betrübt, (Mk 14,34) im Garten mit engsten Gefährten. (Mk 14,32) Die Elf, die er bis an sein Ende geliebt, (Joh 13,1) sich der Müdigkeit wegen beschwerten. (Lk 22,46) Laut ruft er zum Vater „Dein Wille gescheh’!“ (Lk 22,42) Sie schlafen und nehmen nicht wahr, erwachen, (Mk 14,40) bedrängt von des Feindes Armee, (Mk 14,43) und flieh’n, denn die Stunde ist da. (Mk 14,41+50) Von Heuchlern verhört, als Betrüger verklagt, (Lk 22,66) entstellt durch Schläge und Speichel. (Lk 22,63) Von Kajaphas unter Beschwörung gefragt, (Mt 26,63) warum er trotz alledem schweige ... (Mt 26,62) Das Urteil gefällt und zu Hofe geführt, (Lk 22,61) sieht Petrus, ans Feuer gestellt. (Lk 22,56) Ein letzter vergebender Blick der berührt. (Lk 22,61) Ein Hahnenschrei klingt. Es wird hell. (Mt 26,74) Pilatus erkennt ihren Neid, ihren Hass, (Mt 27,18) doch er giert nach der Gunst dieser Leute, (Mk 15,15) toleriert ihren Wunsch, er befreit Barabbas. (Mk 15,15) Gottes Sohn überlässt er der Meute. (Joh 19,6) Die Juden – mit Herzen voll Zorn und voll Wut – ihren feindlichen Herrscher beknien. Sie toben und schnauben und fordern sein Blut, schrei’n kreuzige, kreuzige Ihn! Der Kleider entledigt, den Spöttern zur Schau, (Lk 23,34) mit dornigen Zweigen gekrönet. (Joh 19,2) Ans Kreuze geschlagen, das splitternd und rau, (Joh 19,17f) von hunderten Sündern verhöhnet. (Mk 15,29) Der Himmel verblasst, es wird finster und kalt. (Lk 23,44) Das Licht verliert seinen Schein. (Lk 23,44) Ein letzter einsamer Ruf, der verhallt. (Mt 27,46) Denn sein Gott – ER lässt ihn allein. (Mk 15,34)

Nachtext

Quellenangaben