Zeitschrift-Artikel: Amram und Jochebed Ehepaare der Bibel

Zeitschrift: 158 (zur Zeitschrift)
Titel: Amram und Jochebed Ehepaare der Bibel
Typ: Artikel
Autor: Peter Lüling
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 182

Titel

Amram und Jochebed Ehepaare der Bibel

Vortext

Text

› Perspektiven der Ehe Wie schön ist es, wenn eine Ehe strahlend beginnt – was hoffentlich die meisten erlebt haben, die verheiratet sind. Monatelange Vorbereitungen und Planungen scheinen notwendig, Karten müssen gestaltet und verschickt werden, die Auswahl und Anzahl der Gäste wird diskutiert und tausend andere Dinge müssen erledigt werden. Das Hochzeitskleid wird mit der Mama oder der besten Freun- din ausgesucht – für den Anzug des Bräutigams sind selbstverständlich beide zuständig. Wesentlich schlichter ging es damals zu, als die Umstände für das Volk Israel alles andere als günstig waren. Es weilte schon hunderte Jahre in Ägypten und die Unterdrückung nahm permanent zu. Durch Josef waren sie damals wegen der Hungersnot als Großfamilie nach Ägypten geholt worden. Aus der Großfamilie war mitt- lerweile eine große Nation geworden. Um ihr Wachstum zu beschneiden, unterdrückte der Pharao das Volk durch übermenschliche Sklavenarbeit. Doch je mehr er sie unterdrückte, umso mehr wuchs das Volk. Die Maßnahmen wurden radikaler und schließlich griff der Pharao zu dem furchtbaren Mittel, alle männlichen Nachkommen nach der Geburt töten zu lassen, um das Wachstum des Volkes zu stoppen. In dieser Zeit heirateten Amram und Jochebed! Ihre Eheperspektive war nicht rosig. Den ganzen langen Tag musste Amram schuften und ihre Zweisamkeit war sehr eingeschränkt. Ihre Hoffnung konnte nur im Gott Jakobs liegen, der „Ich bin der ich bin“ hatte sich noch nicht geoffenbart. Sie kannten den Allmächtigen und die Verheißungen an die Vorväter, aber sie wussten vermutlich nicht, wann Gott sie endlich in die Freiheit und das verheißene Land führen würde. Sie mussten einfach ausharren, drunterbleiben und einem grausamen Herrscher dienen. Völlig an die Willkür dieser Menschen ausgeliefert, gingen sie trotzdem das Abenteuer Ehe ein. „Und ein Mann vom Haus Levi ging hin und nahm eine Tochter Levis.“ (2Mo 2,1) Amram ist initiativ. Er heiratet Jochebed, die aus dem gleichem Stamm ist. Mehr erzählt Gott nicht, es ist unspektakulär. Edward Dennett schreibt dazu: „So ist aber Gottes Art zu wirken: Lautlos legt Er die Grundlagen zur Ausführung seiner Ratschlüsse, und so bereitet Er seine Instrumente zu, bis der zuvorbestimmte Augenblick für die Tat gekommen ist, dann zeigt Er die Wirksamkeit seines Armes in der Offenbarung seiner Gegenwart und Kraft vor dem Angesicht der Welt.“1 Als die beiden heirateten, wussten sie nicht, was Gott aus ihrer Ehe machen würde. Würden sie Kinder bekommen? Wie würden ihre Kinder groß werden? Was könnten sie ihnen anderes bieten als nur Mühen und Nöte, Drangsal und Verfolgung? Gott verschweigt hier noch ihre Namen. Sie sind noch nicht wichtig. Aber Gott führt durch die beiden seine Rat- schlüsse aus. Das ist eine gewaltige Sicht. Auch unsere Ehen haben in seinen Ratschlüssen eine ewige Bedeutung. Wie auch immer unsere Aussichten sind, Gott kennt von Anfang an das Ende und will sein Volk durch unsere Treue im Kleinen segnen. › Das Glück der Ehe Die Beiden bekommen Kinder und müssen sie unter sehr erschwerten Bedingungen großziehen. Wie die Geburten von Aaron und Mirjam verlaufen sind, wissen wir nicht. Doch je größer der äußere Druck, umso mehr haben sie Augen des Glaubens. „Und die Frau wurde schwanger und gebar einen Sohn. Und sie sah, dass er schön war, und verbarg ihn drei Monate.“ (2Mo 2,2) Mose war schön, und die meisten Eltern würden das auch von ihren Kindern sagen. Aber sie sahen mehr in ihm als ein hübsches Kind. „Durch Glauben wurde Moses, als er geboren wurde, drei Monate von seinen Eltern verborgen, weil sie sahen, dass das Kindlein schön war; und sie fürchteten das Gebot des Königs nicht.“ (Hebr 11,23) „In dieser Zeit wurde Mose geboren, er war schön für Gott; und er wurde drei Monate aufgezogen im Haus des Vaters.“ (Apg 7,20) • Amram und Jochebed sahen Schönheit für Gott in ihrem Kind. Wenn Gott uns Kinder anvertraut, haben wir das Vorrecht und die Pflicht, sie für Gott zu erziehen. Die kleinen Persönlichkeiten sind Sünder, die Heil und Errettung brauchen. Gott schenkt uns Kinder nicht, damit sie verloren gehen. Sie sind durch uns „geheiligt“, und wir sollten ihnen alles über den Herrn Jesus erzählen. Aber sie müssen die Entscheidung treffen, Jesus als Herrn und Heiland anzunehmen. Wie gut ist es, wenn Mann und Frau diese Aufgabe gemeinsam meistern, gleiche Ausrichtungen haben und deshalb am gleichen Strang ziehen. Ein Levit heiratete eine Levitin! • Todesschatten lagen vom ersten Tag an über Mose. Doch elterliche Liebe machte sie er nderisch, fast waghalsig. Sie taten alles, um ihn zu schützen. Die Gefahr war real, aber sie glaubten, dass Gott ihr Kind beschüt- zen könnte und taten alles, was in ihrer Macht stand. Wie da wohl der Ehe- und Familienalltag aussah? Mirjam konnte schon gut mithelfen, sie stand völlig hinter dem Entschluss der Eltern und unterstützte sie. Der Vater auf der Arbeit betete sicherlich immer wieder darum, dass der kleine Wurm gut schlief und wenig schrie. Sicher betete er, dass Gott eine schützende Mauer um sein Haus bauen sollte, damit die Häscher ihren Sohn nicht fänden. Und doch musste er sich konzentrieren, um gute Arbeit unter der Peitsche der Sklaventreiber abzuliefern. Wie gespannt mag er abends nach der Arbeit zurück zu seiner Familie gegangen sein. War alles gut gegangen, hatte Mose gut gegessen und geschlafen? Wie ging es seiner geliebten Frau in dieser völligen Anspannung? Ich bin mir sicher, sie haben täglich, jeden Morgen und Abend die Knie gebeugt und zu Gott um Bewahrung gefleht. • Sie fürchteten das Gebot des Königs nicht, weil ihre Gottesfurcht größer war. Hier ist das Herzstück einer Ehe, aus der so großartige Kinder hervorgingen. Sie fürchteten Gott und konnten dadurch alle Repressalien ertragen. Sie hatten keine Bibel in den Händen, keine Thora, nichts. Die würde erst ihr Sohn schreiben. Aber sie hatten eine lebendige Beziehung zum Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, die Alltagsstärke beinhaltete. Sie hatten Zukunftshoffnung, die ihren düsteren Alltag erhellte. Sie sahen den Unsichtbaren und ließen ihre Kinder daran teilhaben. Sicher haben sie beide viel gezittert, hatten Angst, aber die Gottesfurcht war stärker. In der Krise zeigt sich besonders das Fundament unserer Ehe. Schweißt uns der Druck zusammen oder fangen wir gerade dann an, dem Anderen Vorwürfe zu machen, wo er uns doch am meisten braucht? Amram und Jochebed waren ein super Team, weil ihr Vertrauen und ihre Liebe zu Gott die Grundlage ihrer Ehe und Liebesbeziehung war. • Die prägende Zeit im Haus des Vaters Drei Monate konnten sie den kleinen Jungen im Haus des Vaters verbergen. Als dann alle Hoffnung verloren schien, gab Gott die unglaubliche Idee mit der kleinen „Arche“. Und als Konsequenz daraus einige „geschenkte“ Jahre im Haus des Vaters, da die Kinder zu dieser Zeit sehr lange gestillt wurden. In dieser Zeit wurde offensichtlich von Amram und Jochebed ein Fundament gelegt und eine Saat gesät, deren Auswirkungen auch eine lange Zeit am Hof des Königs nicht auslöschen konnten. Viele Ehen haben ihre Freude verloren, weil beide Ehepartner ihr eigenständiges Leben führten. Er auf der Arbeit, sie zu Hause – mit wenigen Schnittmengen. Das ist nicht in erster Linie eine Frage der gemeinsamen Zeit oder von Projekten, die wir zusammen erledigen dürfen. Es ist eine Frage der Einstellung, wie sehr wir alles gemeinsam erleben. Amram und Jochebed haben gemeinsam gelebt und gemeinsam entschieden, sie haben gemeinsam die Schönheit des Mose gesehen, sich gemeinsam gegen den König gestellt und sind gemeinsam zum Vorbild geworden. › Das Vorbild der Ehe Als die Kinder klein waren, hätten die Beiden nicht im Traum daran gedacht, dass diese drei später Führungspersönlichkeiten im Volk sein würden. Amram und Jochebed hatten in vielerlei Hinsicht keine Wahl – ihr Radius war sehr eingeschränkt, es gab kaum Perspektiven. Doch ihre Gottesfurcht – obwohl ihr Gottesbild deutlich eingeschränkter war als unseres heute – half ihnen, diese schlimme Zeit zu überstehen. Wenn Gott mit ihnen und ihrer Ehe zu einem solch wunderbaren Ziel kam, möchte ER das auch in unseren Ehen tun!

Nachtext

»Was immer deinen Verstand schwächt und die Zartheit deines Gewissens antastet, was dein Empfinden für Gottes Nähe verdunkelt, oder den Genuss an geistlichen Dingen fortnimmt, was die Herrschaft deines Körpers über deinen Geist verstärkt, eine solche Sache ist Sünde.« Susanna Wesley

Quellenangaben

Quellenangaben 1 Edward Dennett, Mose – der Retter wird geboren, SoundWords 2000–2017, S. 2