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Zeitschrift-Artikel: Medizin für ausgebrannte Christen

Zeitschrift: 146 (zur Zeitschrift)
Titel: Medizin für ausgebrannte Christen
Typ: Artikel
Autor: Warren W. Wiersbe
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 180

Titel

Medizin für ausgebrannte Christen

Vortext

Text

Die wichtigsten Merkmale eines erfolgreichen Christen von heute scheinen ein voller Terminkalender, ein übermüdeter Geist, ein erschöpfter Körper und eine allein gelassene Familie zu sein. Ohne uns dessen bewusst zu werden, haben wir das Eiltempo dieser Welt übernommen und hoffen insgeheim, den Preis dafür – gescheiterte Ehen, Nervenzusammenbrüche, Erschöpfungszustände, Depressionen und Versagensängste – nicht zahlen zu müssen. Man kann eigentlich immer nur staunen, wie gelassen unser Herr bei seinem Dienst hier auf der Erde geblieben ist. Nirgends lesen wir, dass er hektisch von Ort zu Ort eilte oder sich beklagte: „Wenn ich doch mehr Zeit hätte!“ Und was war der Grund dafür? Er lebte im Einklang mit dem Willen des Vaters, und sein ganzes Bestreben war es, ihm wohlgefällig zu sein. „Hat der Tag nicht zwölf Stunden?“, fragte er seine Jünger (Joh 11,9). An vielen Stellen erinnert uns Johannes in seinem Evangelium daran, dass Jesus sich an einen göttlichen Zeitplan hielt und oft „seine Stunde noch nicht gekommen war“ (s. Joh 2,4). Jesus nahm sich die Zeit, sich von der Menge zu entfernen, um Leib und Seele zu erquicken. Er begann seinen Tag mit Gebet, und aus dieser Gemeinschaft mit dem Vater gewann er die Kraft, die er für die Anforderungen der vor ihm liegenden Stunden brauchte. Er stand immer in Verbindung mit dem Vater, sodass alle seine Entscheidungen Ausdruck des göttlichen Willens waren. Er ging mit einer heiligen Gelassenheit durch den Tag, wobei er Liebe, Geduld und innere Stärke ausstrahlte. So ist es kein Wunder, dass er ausrufen konnte: „Kommt her zu mir ... und ich werde euch Ruhe geben“ (Mt 11,28). Ab und zu müssen wir unseren Terminkalender vergessen und einfach nur leben. Der Geiger weiß, dass er seinen Bogen nicht gespannt fortlegen darf, und deshalb löst er ihn nach jeder Vorstellung. Wen wundert es da, dass wir nicht gut klingen, wenn unser Leben Tag für Tag bis auf Äußerste gespannt ist? Wir Christen sind stolz darauf, nicht von der Welt zu sein. Wir verabscheuen Tabak und unreine Vergnügungen. Doch gleichzeitig lassen wir uns in den erbarmungslosen Existenzkampf dieser Welt mit hineinziehen. Wir wetteifern miteinander um jede Minute unserer kostbaren Zeit. Dabei vergessen wir, dass Gott uns allen nur 24 Stunden zur Verfügung stellt. Das ganze Universum kommt mit diesen 24 Stunden aus. Zeiten der Ruhe und des Verweilens sind Zeiten der Vorbereitung auf die Mühsal des Lebens. Wir verweilen in der Gegenwart des Herrn, um dann für ihn tätig werden zu können. Gott ist unsere Zu ucht im Verborgenen, damit er unsere Stärke auf dem Marktplatz sein kann. Wir sondern uns ab, um ihn zu suchen, nicht aber um dem Leben zu entfliehen. Denn bei ihm werden wir zugerüstet, um im Leben zu bestehen. Wenn wir alle ein bisschen kürzer treten und ein paar Verabredungen aus unserem Terminkalender streichen würden, wenn wir mehr Zeit hätten für das Gebet in Gottes Gegenwart, dann würden wir erleben, wie er für uns Wunder tut. Wir würden erleben, wie so manche zerbrochene Ehe heil wird, wie so manches aus dem Tritt geratene geistliche Werk wieder Fuß fasst und wie so mancher ausgebrannte Christ sich mit neuer Kraft für den Herrn einsetzt.

Nachtext

Quellenangaben

Aus: Warren W. Wiersbe: „Gott kennt keine Eile“, CV Dillenburg; mit freundlicher Genehmigung des Verlages – siehe auch Buchbesprechung auf S. 23