Zeitschrift-Artikel: Elisa – einer von Gottes Segensträgern Teil 7

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Titel: Elisa – einer von Gottes Segensträgern Teil 7
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
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Titel

Elisa – einer von Gottes Segensträgern Teil 7

Vortext

Und Josaphat sprach: Ist hier kein Prophet des Herrn, dass wir den Herrn durch ihn befragen könnten? Und einer von den Knechten des Königs von Israel antwortete und sprach: Hier ist Elisa, der Sohn Saphats, der Wasser goss auf die Hände Elias. Und Josaphat sprach: Das Wort des Herrn ist bei ihm. Und der König von Israel und Josaphat und der König von Edom gingen zu ihm hinab. Und Elisa sprach zum König von Israel: Was haben wir miteinander zu schaffen? Geh zu den Propheten deines Vaters und zu den Propheten deiner Mutter! Und der König von Israel sprach zu ihm: Nein, denn der Herr hat diese drei Könige gerufen, um sie in die Hand Moabs zu geben. Da sprach Elisa: So wahr der Herr der Heerscharen lebt, vor dessen Angesicht ich stehe, wenn ich nicht auf die Person Josaphats, des Königs von Juda, Rücksicht nähme, so würde ich dich nicht anblicken noch dich ansehen! Und nun holt mir einen Saitenspieler. Und es geschah, als der Saitenspieler spielte, da kam die Hand des Herrn über ihn. Und er sprach: So spricht der Herr: Macht in diesem Tal Grube an Grube. Denn so spricht der Herr: Ihr werdet keinen Wind sehen und keinen Regen sehen, und doch wird dieses Tal sich mit Wasser füllen, so dass ihr trinken werdet, ihr und eure Herden und euer Vieh (...) Und es geschah am Morgen, zur Zeit, da man das Speisopfer opfert, siehe, da kam Wasser den Weg von Edom her, und das Land füllte sich mit Wasser. (2Kö 3, 13–20)

Text

› Die Vorgeschichte Um Elisas Auftritt in dieser dramatischen und für uns sehr aktuellen Begebenheit einordnen zu können, müssen wir uns kurz die politische Vorgeschichte und die Umstände vor Augen halten: Josaphat, der gottesfürchtige König des Südreiches Juda, war einer der wenigen Könige des Volkes Gottes, der – trotz einer tragischen Charakterschwäche und damit verbundenen Irrwegen – eine leuchtende Segensspur hinterlassen hat. Die Bibel betont ausdrücklich, dass er sich nicht „nach dem Tun Israels“ richtete! Er wagte es also, unpopulär zu sein und gegen den Trend Entscheidungen zu treffen. Auch wenn ihm das möglicherweise den Ruf eines rückständigen, konservativen Einzelgängers einbrachte, der weder auf der Höhe der Zeit war, noch den Bedürfnissen der Allgemeinheit zu entsprechen schien. Offensichtlich orientierte er sich nicht an den „Meinungs-Umfragen“ und ließ sich auch nicht von „Trend-Analytikern“ bera- ten. „Sein Herz gewann Mut auf den Wegen des Herrn“ (2Chr 17,6). Ermutigt durch Gottes Beistand entfernte er allen Götzendienst aus Israel. Wieviel geistliche Kraft nötig ist, um Lieblingsgötzen des Volkes Gottes zu zerstören, wird jeder bestätigen, der in unserer Zeit den Mut hat, zumindest auf einige der vielen Modegötter heutiger Evangelikaler aufmerksam zu machen. › Josaphats Schwäche Dennoch lässt sich eine gravierende Schwäche in Josaphats Leben nicht übersehen, die vielen von uns aus eigener Erfahrung bekannt sein dürfte: Harmoniesucht und Allianzfreudigkeit! Charaktersünden resultieren häufig aus Charakterschwächen, die nicht erkannt sind oder nicht beachtet werden. Diese Charakterschwächen fallen meist durch Häu gkeit auf und jede negative Einzelheit, die über diesen vorbildlichen König mitgeteilt wird, hängt mit dieser seiner Charakterschwäche zusammen. Dreimal berichtet uns Gottes Wort, dass Josaphat eine Allianz mit treulosen Königen Israels einging, die Gott nicht segnen konnte und die jeweils zum Schaden Josaphats und seines Volkes war. Zuerst verschwägerte er sich mit dem gottlosen Ahab und war auf dessen Bitte bereit, mit ihm einen gemeinsamen Feldzug zu starten. Der endete für Ahab tödlich, während Josaphat mit einem „blauen Auge“ und einer Erfahrung mehr davonkam. Aber was lernen wir schon aus Erfahrungen! Nach dem Tod Ahabs verband er sich hier in unserer Geschichte mit dessen Sohn Joram und ließ sich von ihm überreden, in einer großen Koalition – die niemals unter Gottes Segen stehen konnte – mit dem heidnischen König von Edom gegen die Moabiter anzutreten. Dieser gemeinsame Feldzug, der in blinder Euphorie und ohne Gebet gestartet war, brachte sehr bald die drei Verbündeten und ihr Heer in akute Lebensgefahr: In der Wüste Edom war ihnen das Wasser ausgegangen und nun drohte das Heer, wie auch das nachfolgende Vieh, zu verdursten. Falsche Verhaltensweisen und Strategien von Führern im Volk Gottes haben immer fatale Folgen für diejenigen, die ihnen folgen. Gott segnet weder Kompromisse noch unbiblische Zusammenschlüsse! Die Hochstimmung war bereits nach wenigen Tagen verschwunden. Der gottlose König Joram hatte bereits jede Hoffnung auf Rettung aufgegeben, während Josaphat in dieser aussichtslosen Situation spät, aber nicht zu spät, nach Gottes Wegweisung fragt: „Ist hier kein Prophet des HERRN, dass wir den HERRN durch ihn befragen könnten?“ › Elisas Markenzeichen ... Plötzlich – wie aus der Versenkung – taucht hier Elisa auf. Ausgerechnet ein Knecht des gottlosen Jorams wusste um seine Anwesenheit und meldete den versammelten Königen folgende Nachricht mit einer kurzen, aber treffenden Charakterisierung des Propheten: „Hier ist Elisa, der Sohn Saphats, der Wasser goss auf die Hände Elias.“ Eigenartig: Es war kein Wasser mehr vorhanden – die Könige, ihr Heer und das Vieh drohten zu verdursten – und plötzlich erinnert man sich an Elisa, der etwas mit Wasser zu tun hatte und der aus irgendeinem Grund in der Nähe erreichbar war. In dieser Notsituation kommt der bescheidene und demütige Dienst des Elisa an dem großen Propheten Elia ins Bewusstsein. Es scheint, als wollte Gott die Könige damals und uns heute daran erinnern, dass geistliche Größe immer an Demut und Bescheidenheit erkannt wird. Und unwillkürlich werden wir an unseren Herrn Jesus erinnert, der Wasser auf die Füße seiner Jünger goss, um uns ein Vorbild für diesen demütigen und doch so wichtigen Dienst aneinander zu sein (Joh 13, 14). Während bei Joram wahrscheinlich höchst peinliche Erinnerungen durch die Erwähnung von Elia geweckt wurden – schließlich hatte sein Vater Ahab den Propheten Elia zum Staatsfeind Nummer eins erklärt – rief Josaphat spontan und wie mit neuer Hoffnung aus: „Das Wort Gottes ist bei ihm!“ Welche großartigen Prädikate werden dem Elisa hier von einem gewöhnlichen Untergebenen Jorams und dem König von Juda gegeben. Und wie selten und dringend nötig sind heute in unserer kraftlosen, orientierungslosen und oft auch geistlosen evangelikalen Christenheit Männer Gottes, von denen man sagen kann: „Das Wort Gottes ist bei ihm!“ › Am falschen Ort? Doch die Fragen drängen sich auf: Woher kam Elisa? Was hatte er hier in dieser unheiligen Allianz zu suchen? Wäre er nicht besser auf dem Berg Karmel geblieben, um für das Volk Gottes zu beten, als ihnen in die Wüste Edoms zu folgen? Vielleicht können wir hier eine wichtige Lektion für unsere Verhaltsweisen in der heutigen Situation lernen: Elisa war – wie der weitere Text sehr deutlich macht – in keiner Weise mit diesem Bündnis und Plan einverstanden. Aber er war erreichbar, wenn er gebraucht wurde. Er nahm Anteil an dem Geschehen, ohne selbst Kompromisse zu machen – in eindeutiger moralischer Distanz zu den Königen und ihrer Strategie. Und dennoch jederzeit bereit zu helfen und ein Wort Gottes zu sagen, wenn er gebraucht wurde. Welch ein Vorbild für uns auf dieser gefahrvollen Gratwanderung! › Ein demütigender Weg! Sehr durstig und wahrscheinlich nur mit größter Mühe Würde bewahrend, schleppten sich die Könige mit ihrer Begleitung „hinab“, um Elisa aufzusuchen. Dieser schlichte Mann Gottes fühlte sich aber offensichtlich durch diesen hohen Besuch nicht geehrt, sondern empfing sie mit harschen Worten, die wie ein kalte Dusche gewirkt haben müssen. Mit seiner Kurzpredigt erteilt Elisa dem König Joram eine deutliche Abfuhr und macht deutlich, dass es absolut keinen gemeinsamen Nenner zwischen ihnen gibt. Etwas ironisch – wie es scheint – empfiehlt er ihm Hilfe bei den falschen Propheten seiner gottlosen Eltern zu suchen, worauf Joram ziemlich kleinlaut eine Ausrede von sich gibt. Dann wird Elisa noch deutlicher: Er stellt sich selbst – übrigens zum ersten Mal! – mit einem feierlichen Hinweis auf den „HERRN der Heerscharen“ als jemand vor, der „vor dem Angesicht Gottes steht“. Und deshalb kriecht er nicht vor einem König, sondern hat den Mut ihm deutlich zu sagen, dass er ihn nicht einmal ansehen würde, wenn er nicht Rücksicht auf die Anwesenheit des frommen Königs Josaphat nähme. Den König von Edom scheint er mit Verachtung zu strafen – jedenfalls behandelt ihn Elisa so, als wäre er gar nicht anwesend! Diese Szene und der kurze Wortwechsel muss für die Könige und ihre Leibwächter mehr als peinlich und demütigend gewesen sein. Denn auch Josaphat wurde durch die entschiedenen Worte an Joram „... was habe ich mit dir zu schaffen“ dezent darauf hingewiesen, dass seine Beziehung zu Joram dann wohl auch unter Elisas und Gottes Urteil stand. Durch Elisas wenige, aber gezielte Sätze und sein eindeutiges Verhalten wurden alle Anwesenden in kurzer Zeit in das Licht Gottes gestellt. › Der „Saitenspieler“! Dass nach dieser deutlichen, unmissverständlichen Abfuhr und Zurechtweisung Elisa plötzlich nach einem „Saitenspieler“ ruft, muss die Könige und ihre Begleiter vollends verwirrt haben. Der Auftritt Elisas war ja nun für sie wirklich mehr als peinlich! Wollte er sie nun zusätzlich auch noch verspotten? Jedenfalls rennt einer der Anwesenden und sucht einen Seitenspieler unter den Soldaten, der sicherlich mit größtem Herzklopfen und Tausend Fragen mit seiner Leier oder Harfe angelaufen kommt und der versammelten sprachlosen Gesellschaft zitternd einige Seiten zupfen muss. Was hat Elisa vor? War das der rechte Augenblick und die passende Stimmung und Umgebung, um ein wenig Musik zu machen? Wasser wurde dringend gebraucht – aber jetzt doch keine Musik! Es war für Elisa scheinbar keine große Schwierigkeit, die Könige in aller Öffentlichkeit zurechtzuweisen und ihr sündhaftes Verhalten anzuprangern. Man kann sich die Empörung Elisas gut vorstellen und ebenso die hängenden Köpfe und die Verzweiflung der Anwesenden. Aber mit einer Strafpredigt allein – so nötig sie auch war – wurde weder den Königen, noch dem Heer und Vieh gedient. Gott musste einen Ausweg zeigen und Hilfe schaffen. Und um innerlich ruhig zu werden, die Stimme Gottes hören zu können und Wegweisung zu bekommen, war der Prophet Gottes auf jemand angewiesen, den keiner auf der Rechnung hatte: Ein Mann, der durch seine Musik die aufgeheizten Gemüter beruhigen sollte! Elisa kannte seine Grenzen und brauchte nun die Hilfe und Ergänzung eines Mannes mit einer Begabung, die wir vielleicht als minderwertig einstufen würden. Aber genau das macht Elisa so glaubwürdig und auch vorbildlich für uns: Er hatte nicht auf alles eine Antwort. Er bekennt sich in dieser Situation auch zu seiner Begrenztheit und versucht sie auch nicht mit frommen Worten zu verschleiern. Männer, die vor Gott stehen, können auch vor Menschen ehrlich und bescheiden sein. Hier finden wir eine schöne Illustration von der neutestamentlichen Aufforderung: „Je nachdem jeder eine Gnadengabe empfangen hat, dient einander damit als gute Verwalter der mannigfaltigen Gnade Gottes.“ (1Petr 4,10) Der „große“ Prophet benötigt jetzt die Hilfe und Ergänzung von einem „kleinen“ Saitenspieler! Und während dieser „kleine“ Mann sein Instrument zupft, wird das Gemüt des Elisa beruhigt und empfänglich für das Reden Gottes. Genau das ist die Aufgabe von geistlicher, zur Ehre Gottes gespielter oder gesungener Musik: Nicht aufheizen, puschen, narkotisieren, sondern die Seele beruhigend oder ermutigend auf das Hören des Wortes Gottes vorzubereiten. Luther soll gesagt haben: „Die Musika hat mich oft erweckt und bewegt, dass ich Lust zu predigen gewonnen habe.“ 1 Und in seinem Lied „Frau Musika“ hat er sogar unseren Bibeltext benutzt: „Zum göttlichen Wort und Wahrheit macht sie das Herz still und bereit. Solchs hat Elisäus bekannt, da er den Geist durchs Harfen fand.“ (Dazu könnte man jetzt noch eine Menge schreiben, aber inzwischen gibt es gute und hilfreiche Bücher wie auch Vorträge zu diesem aktuellen und umstrittenen Thema.2) › Die Verheißung Nun kann Gott durch Elisa reden und einen deutlichen Befehl und eine erstaunliche Verheißung aussprechen. Zunächst sollen die Soldaten in der Wüste Gruben graben. Eigentlich ein unverständlicher Befehl. Keine Wolken in Sicht, keinerlei Anzeichen für Regen und nun in der brennenden Sonne Gruben graben! Vielleicht haben manche dieser Männer darüber gespottet, ob sie nun ihre eigenen Gräber schaufeln müssen! Aber es gab die Verheißung Gottes: „Dieses Tal wird sich mit Wasser füllen!“ Gott wollte sie mit Wasser segnen: Das war die Verheißung. Aber Gruben graben, Vorsorge betreiben, damit das verheißende Wasser nicht nutzlos im Sand der Wüste versickert: Das war die Verantwortung des Volkes. Die geistliche Anwendung auf unser Leben liegt auf der Hand: Gott möchte auch unser dürres Leben mit Segen über uten. Aber wir müssen im Tal Gruben graben, weil „Wasser“ immer die tiefste Stelle sucht. Ohne Demütigung, fleißiges Bibelstudium und Gebet werden Gottes verheißene Segensströme an uns vorüberrauschen. Oberflächliche Christen werden auch nur oberflächlich berührt. › Das Opfer Genau zu der Zeit, als am Morgen das Speisopfer in Jerusalem geopfert wurde, kam das Wasser und füllte die Gruben. Das kleine Wort „siehe“ (V. 20) macht auf dieses Wunder aufmerksam. Wasser strömt – dem Volk Gottes zum Segen und den moabitischen Feinden zum Verderben, wie der weitere Bericht deutlich macht. Woraus wir lernen können: Aller geistlicher Segen kommt allein vom Kreuz, aus der Hingabe und dem Opfer unseres Herrn Jesus Christus. „Die Lebenswasser fangen an zu ießen, wo man das Opfer beachtet“ 3.

Nachtext

Quellenangaben

Quellenangaben: 1 Zit. in Wilhelm Busch, Elisa, Neukirchen-Vluyn: Aussaat 2006, S. 72 2 Siehe z.B.: Matthias Steup, Gute Musik! Böse Musik?, Oerlinghausen: Bethanien 2015; Georg Walter, Lobpreis – Anbetung – Worship, Die Bibel und die Musik, Wuppertal: Artos 2013; Roger Liebi, Faszination Musik, Fünf Vorträge auf MP3, Nehemia 2015 3 Wilhelm Busch, Elisa, a.a.O., S. 73