Zeitschrift-Artikel: Ein Aufruf zum Risiko für Christen Warum sich aus dem Wegfall des ewigen Risikos der Aufruf zum zeitlichen ergibt

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Titel: Ein Aufruf zum Risiko für Christen Warum sich aus dem Wegfall des ewigen Risikos der Aufruf zum zeitlichen ergibt
Typ: Artikel
Autor: John Piper
Autor (Anmerkung):

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Titel

Ein Aufruf zum Risiko für Christen Warum sich aus dem Wegfall des ewigen Risikos der Aufruf zum zeitlichen ergibt

Vortext

Text

Indem Christus das Ewigkeitsrisiko wegnimmt, ruft er sein Volk dazu auf, immer wieder irdische Risiken einzugehen. Das letzte Risiko ist für die Nachfolger Jesu nicht mehr vorhanden. „Also ist jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind“ (Röm 8,1). „Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben ... uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ (Röm 8,38.39). „Und sie werden einige von euch zu Tode bringen ... Und kein Haar von eurem Haupt wird verloren gehen“ (Lk 21,16.18). „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ (Joh 11,25). Wenn die Bedrohung des Todes eine Tür zum Paradies wird, ist die letzte Barriere für zeitliche Risiken zerbrochen. Wenn ein Christ von Herzen sagt: „Das Leben ist ... Christus, und das Sterben Gewinn“, ist er frei, ohne Rücksicht auf irdische Risiken zu lieben. Einige Formen des radikalen Islam mögen zwar Selbstmordattentäter mit ähnlichen Träumen in ihren Bann ziehen, aber die Hoffnung von Christen ist die Tatsache, dass sie befähigt werden, andere zu lieben, nicht zu töten. Christliche Hoffnung bringt Menschen hervor, die Wegweiser zum Leben sind und nicht anderen das Leben nehmen. Der gekreuzigte und auferstandene Christus ruft seine Nachfolger dazu auf, gemäß seinem Vorbild für ihre Feinde zu leben und bereit zu sein, um des Glaubens willen zu sterben. Die einzigen Risiken, die Christus zulässt, sind die Gefährdungen, die sich aus einem von Liebe geprägten Leben ergeben. „Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet die, die euch fluchen; betet für die, die euch beleidigen“ (Lk 6,27.28). Mit überwältigenden Verheißungen ewiger Freude hat Jesus eine machtvolle Bewegung radikaler und liebevoller Menschen ins Leben gerufen, die Wagnisse eingehen. „Ihr werdet aber sogar von Eltern ... überliefert werden, und sie werden einige von euch zu Tode bringen“ (Lk 21,16). Nur einige. Das bedeutet, es könnte Sie treffen oder auch nicht. Risiko bedeutet genau das. Es ist kein Risiko, wenn Sie sich eine Kugel in den Kopf schießen. Der Ausgang ist sicher. Aber es ist riskant, Christus in einem Kriegsgebiet zu dienen. Sie könnten erschossen werden. Oder auch nicht. Christus ruft uns auf, für das Reich Gottes Risiken einzugehen. Fast jede Botschaft des Konsumdenkens in der westlichen Welt sagt das Gegenteil: Sichern Sie sich den höchsten Komfort und die größte Sicherheit – jetzt, nicht im Himmel. Christus stimmt in diesen Chor nicht ein. Jedem ängstlichen Gläubigen, der unsicher an der Schwelle eines großen Wagnisses für das Evangelium steht, ruft er zu: Hab keine Angst, du kannst nur getötet werden (vgl. Lk 12,4). Ja, sichern Sie sich die größte Freude – koste es, was es wolle! Wie? Gehen Sie das Wagnis ein, beschimpft, verfolgt und belogen zu werden um der Liebe willen, „denn euer Lohn ist groß in den Himmeln“ (Mt 5,11.12). In der Bibel findet sich das große Vermächtnis von Menschen, die von Liebe erfüllt waren und Glaubenswagnisse eingingen. Joab sagte zu seinem Bruder Abisai, als er den Syrern auf der einen Seite und den Ammonitern auf der anderen Seite entgegentrat: „Sei stark und lass uns stark sein für unser Volk und für die Städte unseres Gottes! Und der HERR wird tun, was gut ist in seinen Augen“ (2Sam 10,12). Esther brach das königliche Gesetz, um ihr Volk zu retten, und sagte: „Und wenn ich umkomme, so komme ich um!“ (Est 4,16). Schadrach und seine Kameraden weigerten sich, vor dem Götzenbild des Königs niederzufallen, und sagten: „Wenn es so sein soll – unser Gott, dem wir dienen, kann uns ... erretten ... Und auch wenn es nicht so sein soll, so wisse, o König, dass wir deinen Göttern nicht dienen“ (Dan 3,17.18). Und als der Heilige Geist Paulus sagte, dass in jeder Stadt Gefängnis und Bedrängnisse ihn erwarteten, sagte er: „Ich achte mein Leben nicht der Rede wert, damit ich meinen Lauf vollende“ (Apg 20,24). „Jeder Christ“, schrieb Stephen Neill über die Kirche in frühchristlicher Zeit, „wusste, dass er früher oder später für den Glauben Zeugnis 1 ablegen musste, vielleicht um den Preis seines Lebens.“ Das war normal. Christ zu werden bedeutete, sein Leben zu riskieren. Zehntausende taten es. Warum? Weil es bedeutete, Christus zu gewinnen. Wer kein Christ wurde, verlor seine Seele. „Denn wer irgend sein Leben erretten will, wird es verlieren; wer aber irgend sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden“ (Mt 16,25). In den USA und in der ganzen übrigen Welt steigen die Kosten wahren Christseins. „In dieser bösen Zeit“ lernen wir immer besser den Normalzustand kennen. Immer mehr wird sich 2. Timotheus 3,12 bewahrheiten: „Alle aber auch, die gottselig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.“ Wer freiwillig das Wagnis eingeht, ein Leben nach den Grundsätzen des Evangeliums zu führen, wird darauf vorbereitet sein, wenn wir keine andere Wahl mehr haben werden. So ermahne ich jeden Gläubigen mit folgenden Worten aus urchristlicher Zeit: „Deshalb lasst uns zu ihm [Christus] hinausgehen, außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Hebr 13,13.14). Als Gott jedes Risiko droben im Himmel entfernte, verband er das mit der Möglichkeit, dass wir auf Erden tausend Risiken der Liebe ausgesetzt sein können.

Nachtext

Auszug aus der Neuerscheinung: John Piper: Schmeckt und seht – Gottes Überlegenheit in allen Lebenslagen genießen, CLV 2015, S. 435f

Quellenangaben

1 A History of Christian Missions, Penguin, 1964, S. 43