Zeitschrift-Artikel: Wilberforce - Der Mann, der die Sklaverei abschaffte (Eric Metaxas)

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Titel: Wilberforce - Der Mann, der die Sklaverei abschaffte (Eric Metaxas)
Typ: Buchbesprechung
Autor: Wolfgang Bühne
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Titel

Wilberforce - Der Mann, der die Sklaverei abschaffte (Eric Metaxas)

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Eric Metaxas, dessen großartige Bonhoeffer-Biografie 2011 erschien, hatte bereits vier Jahre zuvor diese nun in deutscher Sprache vorliegende Lebensgeschichte über William Wilberforce (1759-1833) zu Papier gebracht. Dieser beeindruckende Engländer ist leider – im Gegensatz zu Bonhoeffer – in Deutschland bestenfalls als Reformer und Politiker flüchtig bekannt, der irgendwie an der Schwelle des 19. Jahrhunderts eine Rolle in Verbindung mit der Abschaffung der Sklaverei spielte. Der Autor zeigt in dieser meisterhaft geschriebenen Biografie, dass die Antriebsfeder dieses kleinen, kränklichen, aber von Ideen und Aktivitäten übersprühenden Mannes in seiner tiefen, schlichten und aufrichtigen Frömmigkeit zu finden ist. Im Umfeld der von George Whitefield, John Wesley und John Newton ausgelösten „Großen Erweckung“ hatte der 28jährige Wilberforce als talentierter, wohlhabender, gut situierter, aber auch leichtlebiger Überflieger seine „Nikodemus-Stunde“, seine „Große Wandlung“ erlebt. Zum Entsetzen seiner Familie, seiner noblen und betuchten Bekannten und auch seines engsten Freundes, des jungen Premierminister William Pitt, hatte er daraufhin zunächst den Hut gezogen und damit allen verlockenden Karriere-Aussichten als Politiker und beliebter, unterhaltsamer Gesellschafter eine lange Nase gezeigt, um sich dem Studium der Bibel und dem Gebet zu widmen. Doch sowohl Gott, als auch sein väterlicher Freund – „der alte afrikanische Lästerer“ John Newton – machten ihm bald klar, dass er mit seiner Begabung, seinem anvertrauten immensen Reichtum und mit der ihm geschenkten Wiedergeburt der damals im Gin ertrinkenden, unvorstellbar korrupten und moralisch abartigen Gesellschaft etwas schuldig sei. Am 28.10.1787 schrieb er deshalb in sein Tagebuch: „Der allmächtige Gott hat mir zwei Ziele vor Augen gestellt: die Bekämpfung des Sklavenhandels und die Reformation der Sitten.“ Wie Wilberforce nun mit seinen gleichgesinnten und teilweise skurrilen Freunden über 20 Jahre lang einen erbitterten Kampf gegen die verlogenen, macht- und geldgierigen, skrupellosen Politiker und Sklaverei-Lobbyisten führte, das hat Metaxas so unterhaltsam, geistreich und mit feinem, manchmal trockenem Humor geschildert, dass die Lektüre ein literarischer wie geistiger Genuss und gleichzeitig eine geistliche Herausforderung bedeutet. Es würde auch allen Politikern und Abgeordneten unseres Landes – egal welcher Couleur – sehr heilsam sein und die Schamröte ins Gesicht treiben, wenn sie das Leben dieses unbestechlichen, unbeugsamen und doch liebenswürdigen und demütigen Mannes auf sich einwirken lassen würden. Sein Lebensinhalt war es, Gott zu lieben, für seine Ehre zu kämpfen und gleichzeitig das zeitliche und ewige Wohl seiner Mitmenschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu suchen.

Nachtext

Quellenangaben

SCM Hänssler, geb., 414 S., € 24,95