Zeitschrift-Artikel: Eine Predigt wie ein Peitschenhieb - EIN KUTSCHER ERZÄHLT SEINE BEKEHRUNGSGESCHICHTE

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Titel: Eine Predigt wie ein Peitschenhieb - EIN KUTSCHER ERZÄHLT SEINE BEKEHRUNGSGESCHICHTE
Typ: Artikel
Autor: C. H. Spurgeon
Autor (Anmerkung):

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Titel

Eine Predigt wie ein Peitschenhieb - EIN KUTSCHER ERZÄHLT SEINE BEKEHRUNGSGESCHICHTE

Vortext

Text

Ich arbeitete als Fuhrmann und war noch nie auf die Idee gekommen, zur Kirche zu gehen. Ich glaube nicht, dass mir jemand je etwas über Gott oder Christus gesagt hatte, bis ich eines Tages über die London Bridge fuhr und plötzlich jemand hinten auf mein Fuhrwerk sprang. Ich packte meine Peitsche, um ihn wegzujagen, aber er sagte: „Lass das sein, Kollege, ich habe eine Botschaft für dich.“ Das klang mir seltsam, und ich fragte: „Was denn für eine?“ „Ich will sie dir schon sagen, aber das geht besser, wenn ich vorn sitze.“ Er setzte sich neben mich. Ich fragte ihn: „Was ist deine Botschaft?“ „Es ist eine Botschaft Gottes für deine Seele.“ Ich schimpfte und fluchte fürchterlich, aber das machte ihm offensichtlich nichts. Er sagte: „Du bist genau der Mann, den ich suchte. Ich wußte, dass du schwörst und fluchst, denn dadurch hast du mich zuerst auf dich aufmerksam gemacht. Ich bin sicher, die Botschaft ist für dich.“ Da sagte ich zu ihm: „Sag, was du zu sagen hast, aber mach's kurz.“ Er machte es kurz, aber sehr klar und direkt. Er sagte mir, was aus meiner Seele werden würde, wenn ich so mit meinen Sünden sterben sollte. Dann sprach er über die zukünftige Welt. Er sagte mir, dass es einen Erlöser für die Sünder gäbe, und wenn ich ihm vertraute, könnte ich gerettet werden. Bevor er mich verließ, nahm er mir das Versprechen ab, Spurgeon predigen zu hören. Das habe ich versprochen, und weil ich mich immer so gerühmt hatte, mein Wort zu halten, kam ich in seine Predigt, obwohl es mir herzlich leid tat, dass ich das Versprechen gegeben hatte. Noch nie war ich am Sonntag so früh aufgestanden. Als der Mann mich an der Tür sah, nahm er mich mit, bot mir seinen Platz an und stand während des ganzen Gottesdienstes, was ich als sehr freundlich von ihm empfand. Nach der Predigt fragte er mich: „Hat es dir gefallen?“ Ich antwortete: „Nein, das sind Sachen, die mir nichts bedeuten. Ich glaube nicht an die Religion.“ „Gut. Aber du wirst glauben“, sagte der Mann. Draußen verabschiedeten wir uns, und ich hoffte, ihn nie wieder zu sehen. Einige Wochen begegneten wir uns nicht. Aber als ich eines Tages die Blackfriars Road hinunterging, sah ich ihn entgegenkommen. Ich verschwand um die nächste Ecke, aber kurz darauf hörte ich jemand hinter mir herrennen. Er holte mich ein und sagte: „Hallo, Kollege, wie geht es dir?“ „Ganz gut.“ „So? Geht es dir denn jetzt besser?“ fragte er. Da ich nicht antwortete, sagte er, er sei fest überzeugt, dass ich eines Tages Christ würde und dass er mich nicht eher in Ruhe lassen werde, bis das geschehen sei. Ich fürchtete, er würde mit mir in mein Haus gehen wollen. Aber meine Frau und ich waren Trinker, wir hatten kaum Möbel im Haus, und ich wollte nicht, dass er das sähe. Um ihn loszuwerden, versprach ich ihm, am näch- sten Sonntag wieder Spurgeon predigen zu hören. Ich hielt mein Versprechen. Und jetzt bin ich froh, dass mich niemand mehr dazu bringen muß, in das „Tabernakel“ (Spurgeons Versammlungssaal in London) zu gehen. Ich komme seit sechs Monaten regelmäßig, ich habe den Heiland gefunden, und vier von meinen Kollegen bringe ich mit, dass sie das Evangelium hören.

Nachtext

Quellenangaben

aus: C.H. Spurgeon: Alles zur Ehre Gottes, S. 278f; CLV