Zeitschrift-Artikel: Habt keine Angst! - Fürchtet euch!

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Titel: Habt keine Angst! - Fürchtet euch!
Typ: Artikel
Autor: Helmut Mehringer
Autor (Anmerkung): WIR FÜRCHTEN OFT, WAS WIR NICHT FÜRCHTEN SOLLTEN UND FÜRCHTEN NICHT, WAS WIR FÜRCHTEN SOLLTEN

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Titel

Habt keine Angst! - Fürchtet euch!

Vortext

Text

Seit 2001 leben wir in Indonesien, einwohnermäßig das größte moslemische Land der Erde. Aufgrund der aktuellen Ereignisse sind alle Ausländer mit weißer Hautfarbe hier ganz besonders gefährdet. Eine Evakuierung in Kürze ist nicht auszuschließen. (Anm. d. Red.: Mittlerweile geschehen!) Die unterschiedlichen Reaktionen darauf – gerade auch seitens anderer Missionare hier – hat mich veranlasst, etwas „praxisbezogener“ über das Thema „Furcht“ nachzudenken: Auch wenn ich wanderte im Tale des Todesschattens, fürchte ich nichts Übles, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich. Ps 23,4 Psalm 23 ist einer der bekanntesten Psalmen. Aber wie ernst wird er in der Praxis genommen? Selbst im „Tal des Todesschattens“ brauchen wir „nichts“ fürchten – also, wann überhaupt sollen wir Grund haben, uns zu fürchten? Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 2Tim 1,7 Wir haben allen Grund, voller Zuversicht unseren Weg zu gehen. Hier wird ein von Gott gegebenes Merkmal der Gläubigen genannt: unser Leben ist nicht mehr von Furcht, sondern von Kraft, Liebe und Besonnenheit gekennzeichnet. Können andere an uns erkennen, dass wir eine ganz andere Hoffnung haben, als die Welt sie zu bieten hat? Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken... Röm 8,28 Alle(!) Dinge sollen uns Erretteten zum Guten mitwirken – somit gibt es offensichtlich nichts, was wirklich zu unserem Schaden sein könnte. Eine Verheißung, die wir oft anderen leichtfertig zitieren, aber in erster Linie für uns selbst gedacht ist. Vertraue ich den Verheißungen unseres Gottes wirklich? Auch dann, wenn ich nicht verstehe, wie eine bestimmte Situation zum Guten dienen sollte? Josef konnte bestimmt nicht verstehen, warum er von seinen Brüdern als Sklave verkauft wurde. Aber dies war genau die Art und Weise, wie Gott – auf menschlich unverständliche Art – seinen wunderbaren Plan zur Rettung seines Volkes ausgeführt hat. Im Nachhinein ist es ganz klar und gereicht Ihm zur Ehre, aber der, der in einer hoffnungslosen oder unverständlichen Situation steckt, kann oft nur darauf vertrauen, dass Gott tatsächlich „alles“ zum Guten mitwirken lässt. Seine Zusagen sind immer absolut wahr – auch wenn unser Verstand dagegen protestieren mag. Aber warum zeigt der Herr mir nicht immer gleich das „Weshalb“ einer Situation? Das hat natürlich unterschiedliche Gründe. Es soll aber bestimmt immer bewirken, dass unser bedingungsloses Vertrauen in Seine Allgenügsamkeit und Treue, in seine Person und sein Wort gestärkt wird. Und manchmal mag es auch noch einen anderen Grund haben, der ebenso zu unserem Besten dienen soll: Wen der Herr liebt, den züchtigt er ... Alle Züchtigung aber scheint für die Gegenwart nicht ein Gegenstand der Freude, sondern der Traurigkeit zu sein; danach aber gibt sie die friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die durch sie geübt sind. Hebr 12,6.11 Unangenehme Situationen sollten immer auch zur Selbstprüfung führen: Ist in meinem Leben Sünde, die ich ablegen soll, um ein brauchbareres Gefäß für Ihn zu sein? Sünde muss nicht der Grund für eine unangenehme Situation sein und ist es oft auch nicht, aber es kann der Fall sein. Nur vom Standpunkt der Ewigkeit her könnten wir sehen, wie wunderbar unser Herr tatsächlich alles zum Guten geschehen lässt! Deshalb die Aufforderung: Lasst uns, ... mit Ausharren laufen den vor uns liegenden Wettlauf, hinschauend auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens. Hebr 12:1-2 Wie oft beurteilen wir Situationen nur mit unserem begrenzten Verstand, nur aufgrund der Umstände – anstatt allein auf unseren Herrn und Seine Ziele zu schauen. In Ihm ist volle Genüge, in Ihm hat alle Angst ein Ende, Er ist unser Leben und unsere Zukunft, Er ist unser alles! Freuet euch allezeit; betet unablässig; danksaget in allem, denn dieses ist der Wille Gottes ... für euch. 1Thes 5,16-18 Weil alles in unserem Leben als Gläubige zum Guten mitwirkt und weil wir keinen Anlass zur Furcht haben, sollen wir uns „allezeit“ freuen – d.h. immer, ohne Ausnahme, egal, was geschieht, auch wenn es menschlich unmöglich oder „verrückt“ erscheinen mag. Ist unser Blick auf den Herrn Jesus gerichtet, gibt es wirklich nur Grund zur Freude! Irdische Leiden erscheinen dann so klein. Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasset durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christo Jesu... Phil 4,5-7 Nochmals dieselbe Aufforderung an uns! „Allezeit“ auch hier, und sogar noch betont, indem dieses Gebot wiederholt wird. „In allem“ sollen wir im Gebet vor den Thron unseres Gottes kommen und Ihm unsere Anliegen übergeben – aber mit Danksagung! Das heißt, gleichzeitig mit dem Gebet danke ich meinem Gott dafür, wann und wie Er mein Gebet erhört – ganz im Bewusstsein, dass Er mein Gebet erhören wird oder nicht, je nachdem, was wirklich das Beste ist! Preis sei Ihm! Wenn ich in dieser Haltung des Gebetes und Flehens mit gleichzeitiger Danksagung die Situationen vor Gott bringe, dann wird uns wirklich Sein Friede erfüllen und in Besonnenheit bewahren. Ein solcher „Friede im Herzen“ ist dann nicht mehr mit menschlichem Verstand zu begreifen und manche um uns her schütteln bestimmt den Kopf darüber. Aber der von Gott gegebene Friede ist immer auch ein deutliches Zeugnis dafür, dass wir eine Hoffnung und einen Frieden haben, den die Welt nicht hat und niemals geben kann! Können andere diese übernatürliche Hoffnung und Ruhe in mir sehen? Denn das Leben ist für mich Christus, und das Sterben Gewinn. Phil 1,21 Sei es, dass wir leben, wir leben dem Herrn; sei es, dass wir sterben, wir sterben dem Herrn. Sei es nun, dass wir leben, sei es, dass wir sterben, wir sind des Herrn. Röm 14,8 Paulus ist ein Vorbild für uns, dem wir nacheifern sollen! Und wenn wir uns diese Zusagen und Aufforderungen des Wortes Gottes zu eigen machen, dann verstehen wir die Zusammenfassung des Paulus: Wir sind des Herrn Jesus, Sein Eigentum, Seine Erkauften. Solange wir leben, will Er uns zu Seiner Ehre verwenden. Und wenn wir sterben, ist es weit besser für uns! Also – was sollen wir Angst haben und uns fürchten vor dem, was die Welt uns antun könnte? Die Welt hat auch unseren Herrn Jesus umgebracht – und das diente uns zum Heil! Der China-Missionar Hudson Taylor hat diese Verse einmal etwas prägnanter ausgedrückt: „Der Christ ist solange unsterblich, bis sein Werk vollendet ist.“ Also – wovor sollen wir uns dann noch fürchten? Aber wir sollen fürchten – nur jemanden ganz anderen: Deshalb, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, lasst uns Gnade haben, durch welche wir Gott wohlgefällig dienen mögen mit Frömmigkeit und FURCHT. „Denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.“ Hebr 12,28-29 Ja, das vergessen wir oft, dass wir einen heiligen Gott als Vater haben, der nichts mit Sünde gemein hat und der uns aus lauter Gnade vor dem wohlverdienten Gericht gerettet hat. Denken wir öfters über Ihn und Sein Wesen nach und studieren Sein Wort diesbezüglich! Das hilft uns bestimmt, Ihn noch größer, wunderbarer, liebevoller und ehrfurchteinflößender zu sehen. Und es hilft, die täglichen Situationen in den richtigen Proportionen zu sehen! Dienet dem HERRN mit Furcht, und freuet euch mit Zittern! Ps 2,11 Soweit einige Gedanken, die nur zum weiteren Bibelstudium und zur Selbstprüfung anregen sollen. Ich denke jedenfalls derzeit jeden Tag darüber nach, weiß ich doch nicht, ob nicht vielleicht der morgige Tag schon diese Abhandlung auf die Probe stellen wird. Lasst uns nicht mehr das fürchten, was wir nicht zu fürchten brauchen – sondern vielmehr den, den wir mit Freude fürchten sollen!

Nachtext

Quellenangaben