Zeitschrift-Artikel: Zu Besuch bei dem bei dem Zimmermann aus Nazareth - EINE REISE DURCH ISRAEL UND JORDANIEN

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Titel: Zu Besuch bei dem bei dem Zimmermann aus Nazareth - EINE REISE DURCH ISRAEL UND JORDANIEN
Typ: Artikel
Autor: Andreas Lindner
Autor (Anmerkung):

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Titel

Zu Besuch bei dem bei dem Zimmermann aus Nazareth - EINE REISE DURCH ISRAEL UND JORDANIEN

Vortext

Text

„Heute möchte ich über einen Mann sprechen, der wie ihr verfolgt wurde. Seine Eltern flüchteten um ihr Leben, als er zwei Jahre alt war. Später wollten sie in die Heimat zurück, aber es war zu gefährlich...“ So begann meine evangelistische Predigt vor Flüchtlingen aus dem Irak. Würden sie sich vom Herrn Jesus verstanden fühlen – und Sehnsucht nach Ihm bekommen? Wahrscheinlich verbreitet sich das Evangelium in Jordanien zur Zeit am stärksten unter Flüchtlingen (z. B. aus dem Irak) oder unter Gastarbeitern (z. B. aus Ägypten). Das ist natürlich mit viel Arbeit verbunden, aber der Herr hat die Bemü- hungen der Geschwister gesegnet. Die Veranstaltung war im gemieteten Haus einer Gemeinde in Amman, Jordanien. Als Übersetzer fungierte George Khali, ein Zimmermann aus Nazareth. George hatte Pasquale Koukos aus München und mich mit den Brüdergemeinden in Jordanien und Israel bekannt gemacht. Wir begleiteten ihn eine Woche in Jordanien und eine Woche in Israel. Unser Gastgeber (Ältester einer Brüdergemeinde in Amman) vermittelte uns einen Überblick über die Situation der Christen in Jordanien. Immer wieder ermutigte er uns zur Verbreitung des Wortes Gottes unter Moslems: „Ein Bruder stellte ein Schild mit Mt 11,28 in sein Schaufenster: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid ... Ich will euch Ruhe geben. Ein bärtiger Moslem (d. h. ein sehr überzeugter) kam in den Laden gestürzt: ‘Ist der noch da, der die Ruhe gibt?’ – ‘Ja, er ist noch da’. Ein gutes Gespräch entwickelte sich. Ein andrer Bruder traf beim Einkaufen seinen moslemi- schen Nachbarn (mit Bart – ihr wisst schon, was das bedeutet) und entschuldigte sich, dass es am Abend und am Sonntag immer so laut sei. ‘Ich hoffe, wir stören Sie nicht?’ – ‘Nein’, sagte der Nachbar, ‘im Gegenteil. Wir freuen uns schon auf die Lieder, die Sie singen und am Sonntag bei der Predigt machen wir die Fenster auf. Es ist sehr interessant.’“ Täglich besuchten wir mehrere Treffen in Amman: Frauenstunde, Ältes- tentreffen, Jugendkreis, Bibelstunden, Verkündigung. Für mich waren die evangelistischen Bibelstunden ein Höhepunkt. Eine davon fand im Haus eines Zahn- arztes statt. Unser Gastgeber meinte: „Vor zehn Jahren saß der Zahnarzt bei uns im Wohnzimmer, als Teilnehmer unserer Bibelrunde. Jetzt ist er bekehrt und hat eine eigene. Wollt ihr mitkommen?“ Und ob wir wollten! Der Zahnarzt hatte gerade neu gebaut. Im Neubau war ein Raum für die Bibelrunde eingeplant. Der Raum – so groß wie unsere ganze Wohnung – war mit bequemen Polstersesseln vollgestellt. Darauf hatte schon ein Teil der Oberschicht von Amman Platz genommen und wartete auf Gottes Wort. Pasquale gab Zeugnis. Nach der Bibelrunde wurden die Geschwister mit Fragen überschüttet. Ich sprach mit einer Dame namens Rim, die wirklich suchend war. Drei Wochen zuvor hatte dieser Zahnarzt auch mit Sonntagsgottesdiensten begonnen. Einige Geschwister sind sehr geschickt im Umgang mit ihren moslemischen Arbeitskollegen und Nachbarn. Sie leben den Herrn Jesus vor und bringen die Leute durch wohlüberlegte Aussagen oder Fragen zum Nachdenken. Andere verwickeln sich nur in unfruchtbare Streitereien, wieder andere haben es aufgegeben, aktiv zu evangelisieren. Schade, dabei will der Herr sie doch zu Menschenfischern machen! Nach Jordanien kommen jeden Sommer unzählige Touristen aus vielen arabischen Ländern, die hier mit dem Wort Gottes erreicht werden können. Dazu haben die Geschwister sich viele Möglichkeiten einfallen lassen. George hat einige Geschwister motiviert, eine Filiale für die Fernkurse einzurichten. In Jordanien würden Araber aus aller Welt Kurse bestellen, in Israel nicht. Mit viel Geschick hat George das Team geformt und motiviert. Sobald er sicher ist, dass der Herr in eine Richtung leitet, geht er vorwärts. Das war natürlich für die anderen neu. „Woher sollen für den Druck und Versand der Kurse und für Büroräume die Finanzen kommen?“ „Fangt mal zu Hause in eurem Wohnzimmer an. Wenn der Herr will, dass es weitergeht, wird er sich schon um die Finanzen kümmern. Das habe ich in den letzten Jahren erlebt...“ George, der Zimmermann, ist ein in Nazareth geborener Araber. Mit seinem Herrn hat er nicht nur Beruf und Wohnort gemeinsam, sondern auch das Anliegen der Mission. Wo wir auch hinkamen: George hatte immer Ideen, was man machen könne, um das Evangelium zu verbreiten oder die Geschwister zu ermutigen. Das Erstaunliche dabei ist: George hat viele von diesen Ideen in der Vergangenheit umgesetzt, und dabei viele Geschwister einbezogen. Ich kenne George seit elf Jahren. Er hat – wie ich – das Trainingsprogramm von Bill MacDonald und Jean Gibson in Kalifornien besucht. Seit 1981 hat er seinen Beruf aufgegeben, um mehr Zeit für den direkten Dienst im Reich Gottes zu haben. Wenn es finanziell mal nicht reicht, nimmt er eine Arbeit an. In Israel ist die Evangelisation von Arabern (Moslems+Namenschristen) gut möglich. George arbeitet mit Fernbibelkursen und geht jeden Donnerstag mit einem kleinen Team von Geschwistern in Nazareth von Haus zu Haus, knüpft Freundschaften, pflegt Beziehungen. Manchmal sind auch Praktikanten da, die ihn unterstützen. Durch ihn lernten wir Geschwister aus verschiedenen Gemeinden in Israel kennen. Zwei kulturelle Höhepunkte unserer Reise waren die Besichtigung vom GARTENGRAB in Jerusalem (s. Abb.) und das NAZARETH VILLAGE in Nazareth. Das sollte man sich nicht entgehen lassen! An beiden Orten wurde auf das Geschäft verzichtet und ein sehr realer und geschichtlicher Eindruck vermittelt. Dabei wurde die Botschaft der Bibel eingeflochten. Für uns beide war es packend, den Hügel Golgatha zu sehen: Er sieht tatsächlich wie ein Totenschädel aus. Etwa hier wurde Isaak auf den Altar gelegt und viel später unser Herr gekreuzigt. Nicht weit davon befindet sich das Grab eines reichen Mannes in einem großen Garten. In diesem oder einem ähnlichen Grab lag unser Herr! Die Ereignisse auf diesem Berg haben die Welt verändert – und unser Leben. Das NAZARETH VILLAGE ist eine Art Freilichtmuseum in Nazareth. Hier kann man miterleben, wie der Alltag zur Zeit Jesu aussah. Nach telefonischer Absprache kann man eine Führung in Deutsch erhalten. Im Moment sind kaum Touristen da, aber dafür nehmen viele Schulklassen eine Führung in Anspruch. Auf diese Weise lernen die moslemischen Kinder etwas über den Herrn und Vorurteile werden abgebaut. Im Besucherzentrum erfährt man einiges über die Geschichte Nazareths. Eine steinerne Brücke führt zu Äckern und Terrassengärten mit Ölbäumen und Weinreben. Die Gleichnisse Jesu werden hier plastisch: man sieht, wie die Erfahrungen der Menschen in seinen Lehren anklingt. Der Pfad führt weiter zu Wohnhäusern und der Synagoge des Dorfes. Die Dorfbewohner leben und arbeiten wie im ersten Jahrhundert, und bewirten ihre Gäste auch entsprechend. George hat auch die Idee, an das Freilichtmuseum eine Bibelausstellung anzuschließen. Das würde die Präsentation prima ergänzen und wäre für die vielen Schüler eine missionarische Möglichkeit. Die Geschwister, die im Westjordanland leben, sind von der Umwelt ziemlich abgeschnitten. Seit ungefähr eineinhalb Jahren sind viele der Städte abgeriegelt. Nur ab und zu gelingt es George, etwas Geld zum Lebensunterhalt zu senden. Es muss hart sein, wenn man monatelang in der eigenen Stadt eingesperrt ist und nicht zur Arbeit kann. Es gibt zwar Lebensmittel in den Läden, aber nur wenig Geld, um sie zu kaufen. Da die Postwege seit längerem behindert sind, suchte George nach jemand, der im Palästinensergebiet wohnt und die Kurse und den Versand von dort aus machen kann. Nach längerem Gebet hat sich nun ein Mann gefunden. Es besteht evtl. die Möglichkeit, dass ein Team von hier mal hinfährt und mithilft, Literatur zu verbreiten. Man kann in den moslemischen Dörfern und Städten in Israel von Haus zu Haus gehen, Traktate und Bücher verschenken und auf die Emmauskurse hinweisen. In der Vergangenheit ergaben sich viele Kontakte durch so eine Aktion. Betet mit uns um konkrete Führung für dieses Vorhaben. Wir sind sehr ermutigt durch die Reise. Das wichtigste Anliegen für George ist meiner Einsicht nach, dass er einen einheimischen Mitarbeiter bekommt, mit dem er „auf gleicher Wellenlänge“ liegt und mit dem er sich austauschen kann. Gegenseitige Unterstützung und Anregung ist für uns so selbstverständlich. Nicht so bei George – er braucht sie dringend. Außerdem beten wir natürlich für die Verbreitung des Evangeliums dort.

Nachtext

Quellenangaben