Zeitschrift-Artikel: Das Feld ist weiß zur Ernte! - GOTTES WIRKEN IN HONDURAS UND NICARAGUA

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Titel: Das Feld ist weiß zur Ernte! - GOTTES WIRKEN IN HONDURAS UND NICARAGUA
Typ: Artikel
Autor: Wolfgang Bühne
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Titel

Das Feld ist weiß zur Ernte! - GOTTES WIRKEN IN HONDURAS UND NICARAGUA

Vortext

Text

Im Februar dieses Jahres durften wir wieder einmal in Richtung Lateinamerika starten. Unser erstes Ziel war Honduras – fast schon so etwas wie eine zweite Heimat für uns Seit 1994 konnten wir jedes Jahr dieses arme, aber uns lieb gewordene Land besuchen, um dort Gemeinden und Freunde zu ermutigen und Konferenzen und Seminare abzuhalten. Es war eine große Freude für uns, die positiven Veränderungen in den Gemeinden zu sehen. Das Wort Gottes und auch die gute Literatur, die in den vergangenen Jahren ins Land gebracht und verbreitet werden konnte, haben deutliche Spu- ren hinterlassen. Besonders die vielen jungen Geschwister zeigen ein starkes Interesse am Bibel- studium und geistlichen Wachstum. Sehr ermutigend ist auch die Tatsache, dass manche Gemeinden die Notwendigkeit der Evangelisation und Mission erkannt haben und für diese Aufgabe junge Geschwister schulen und betreuen, um sie für die großen Aufgaben im eigenen Land und in den umliegenden Ländern zuzurüsten. Auch wenn die ältere Generation – teilweise durch Lebenssorgen und Traditionen stark geprägt - den geistlichen Aufbruch jüngerer Ge- schwister zwar nicht bremst, aber auch nicht fördert, gibt es doch inzwischen eine Anzahl reifer und geistlicher Brüder in den Versammlungen, die ein Herz für Gottes Anliegen und Pläne mit seiner Gemeinde haben und die dafür ihre Zeit und Energie einsetzen. Im Vertrauen auf den Herrn leben sie - teilweise in beschämender Bescheidenheit oder sogar Armut – ohne zu klagen. Auch die Jüngerschaftsschule in Tela – ein mehr- monatiger Kurs für junge Geschwister – und das Trainingsprogramm „Módulos Bíblicos“ in der Hauptstadt Tegucigalpa, zu dem gezielt etwa 16 treue und begabte Brüder aus den Versammlungen über einen Zeitraum von zwei Jahren jeweils vier Mal im Jahr für eine Woche zum intensiven Bibelstudium eingeladen werden, haben Segensspuren hinterlassen. Vermehrung durch Teilung Unsere erste Station war Choloma. Die Gemeinde dort ist in den letzten Jahren so gewachsen, dass sie sich inzwischen vier mal geteilt hat, um in den verschiedenen Stadtteilen ein Zeugnis zu sein. Dadurch wurden viele junge Brüder herausgefordert, ihre Gaben und Aufgaben zu erkennen, was für ihr geistliches Wachstum sehr gesund war. Eine dieser Gemeinden hat inzwischen eine Sonntagschularbeit mit 400 Kindern. Tagsüber führten wir in der „Muttergemeinde“ eine Konferenz durch, an der etwa 100 bis 150 engagierte Geschwister der Gemeinden teilnahmen. Abends besuchten wir reihum die verschiedenen Versammlungen der Stadt, wo jeweils zwischen 150 und 300 Geschwister dankbare Zuhörer waren. Eine geistliche Frucht dieser Gemeinden ist Juan Carlos Amaya mit seiner Frau, den wir eine Woche später im „Módulos Bíblicos“ trafen und der uns auf unseren Wunsch seine bewegende Geschichte erzählte: „Meine Kindheit und Jugend waren sehr traurig. Ich habe sieben Geschwister und als ich 5 Jahre alt war, ging meine Mutter fremd und verließ schließlich unsere Familie. So wurden wir allein von unserem Vater erzogen, der sich dabei viel Mühe gab und dafür sorgte, dass ich eine Schul- bildung bekam und später eine Kaufmannslehre machen konnte. Im Alter von 18 Jahren kam ich zum Glauben an den Herrn Jesus und ich bin sehr dankbar, dass Santos und David – zwei der Ältesten der Gemeinde in Choloma – mir sehr geholfen haben, den Herrn und sein Wort liebzugewinnen. Mein Wunsch war, dem Herrn zu dienen, der mich gerettet und mein Leben verändert hat. 1998 konnte ich für ein Jahr die Jüngerschaftsschule in Tela besuchen und im Jahr 1999 durfte ich eine Schwester heiraten, die ich dort kennengelernt hatte und die meinen Wunsch teilte, zur Ehre des Herrn zu leben. In der folgenden Zeit haben wir dann mit einer Gruppe junger Geschwister Einsätze in San Pedro de Copán durchgeführt. In diesem größeren Dorf leben etwa 5.000 Einwohner, alles strenge Katholiken. Es gibt dort keine evangelikale Gemeinde. Der Herr legte es mir und meiner Frau aufs Herz an diesen Ort zu ziehen, um dort zu wohnen und das Evangelium zu verkündigen, damit durch Gottes Hilfe hier eine Gemeinde entstehen würde. Wir wurden von unserer Gemeinde in Choloma zu diesem Dienst entlassen, allerdings machte man uns deutlich, dass wir auf eigenes Risiko diesen Weg gehen müssten und nicht mit finanzieller Unterstützung rechnen könnten. Es war schwer eine Wohnung zu finden. Wir besaßen kein Geld und so mussten wir in den ersten sechs Monaten vier Mal umziehen. Schließlich konnten wir eine armselige „Wohnung“ aus Lehm beziehen. Es war eine verfallene, ehemalige katholische Kapelle, in der es keine Toilette und kein fließend Wasser gab, in der kein Nagel in der Wand hielt und Fledermäuse ihr Zuhause hatten. Als wir in diese Wohnung zogen, konnten wir nur weinen... Hier wurde wenige Wochen später unser erster Sohn geboren. Um unseren Lebensunterhalt bestreiten zu können, habe ich zunächst auf dem Land als Hilfsarbeiter gearbeitet. Später trennte ich einen Teil unserer Wohnung ab, um dort als Friseur etwas Geld zu verdienen und Kontakt mit den Männern des Ortes zu bekommen. Inzwischen sind wir in unserem Ort neunmal von Haus zu Haus gegangen, um den Menschen das Evangelium zu verkündigen. Der Herr schenkte es, dass einige Leute zum Glauben kamen und wir im Februar 2000 zum ersten Mal als Gemeinde zusammenkommen konnten. Inzwischen gehören 11 Geschwister verbindlich zur Gemeinde, weitere 12 Personen sind zum Glauben gekommen, aber noch nicht getauft. Eine schöne Gebetserhörung habe ich letzten Samstag erlebt. Ich wollte sehr gerne an dem Bibelseminar in Tegucigalpa teilnehmen, zu dem Alois Wagner und Wolfgang aus Deutschland kommen wollten. Doch ich hatte kein Geld für die Busreise und legte meine Not und Bitte dem Herrn dar. An diesem Tag erlebte ich etwas, was mir in den vergangenen Jahren noch nie passiert war: am Samstag kamen 20 Männer zu mir zum Haareschneiden und ich konnte dadurch 300 Lempiras (ca 20 Euro) einnehmen und damit die Reise bezahlen. Wenn wir sehen, wie unsere Heimatgemeinde in Choloma wächst und dort neue Gemeinden entstehen, sind wir manchmal entmutigt, dass unsere Gemeinde so langsam wächst. Betet für uns, dass wir den Mut und die Freude nicht verlieren und wir weitere Mitarbeiter bekommen.“ Erste Früchte in Nicaragua Im Anschluss an das Bibelseminar in Tegucigalpa machten wir uns auf den Weg, um zum ersten Mal Nicaragua zu besuchen - das Land, welches in den vergangenen Jahrzehnten unter Bürgerkriegen und Naturkatastrophen gelitten hat. Vor einigen Jahren hatten einige honduranische Brüder unter der Leitung unseres Freundes Omar Ortíz Einsätze in Nicaragua begonnen. Daraufhin kamen in Estelí einige Leute zum Glauben und Oscar Cubas mit seine Frau Nolvia waren bereit, im Vertrauen auf den Herrn Honduras zu verlassen und nach Estelí zu ziehen. Dort entstand bald eine kleine Gemeinde und Oscar zog weiter nach Tauquil und Jalapa, wo im Lauf der letzten 2 Jahre weitere Gemeinden entstanden. Wir waren nun unterwegs, um Oscar und seine Familie zu besuchen und die jungen Versammlungen kennenzulernen, die eine Frucht der Arbeit unserer honduranischen Freunde sind. Die Reise nach Jalapa übertraf alle Befürchtungen: Stundenlanges Fahren auf ungeteerten Buckelpisten, Staubwolken, die durch alle Ritzen drangen und das Atmen erschwerten... Aber immerhin kamen wir nach fünf Stunden in Jalapa an, wo Oscar und seine Familie in beschämend bescheidenen Verhältnissen wohnen, um dort das Evangelium zu verbreiten. Leider haben die honduranischen Gemeinden bisher noch nicht gelernt, für ihre Missionare zu sorgen, weder finanziell noch durch ermunternde Besuche. Nur ein einziges Mal haben sie in den vergangenen Jahren den Kurzbesuch eines Bruders ihrer Heimatgemeinde erlebt. Sie lernen dort, in jeder Beziehung allein auf den Herrn zu vertrauen. Aber die Frucht ihres Dienstes ist überaus ermutigend: Als wir abends zur Gemeinde nach Tauquil fuhren – auf der Ladefläche des mit ca. 20 Leuten beladenen Pick-up brauchten wir für die etwa 15 km Slalomfahrt ca. 45 Minuten – erlebten wir dort die Gemeinschaft mit etwa 50 – 60 schlichten Geschwistern, die alle jung im Glauben waren, aber trotz aller materiellen Armut fröhlich und freudig den Herrn lobten. Hinter dem selbstgebauten Versammlungsraum befand sich eine kleine Hühnerfarm, wo einige Dutzend Hühner die Geschwister mit Eier versorgen. Bei der großen Arbeitslosigkeit in der Gegend immerhin eine kleine Überlebenshilfe. Zwei Tage später fuhren wir nach Estelí, wo inzwischen der amerikanische Missionar David Reeve und seine Frau Betsy und ein weiteres junges Ehepaar aus Honduras, Israel und Florinda Ramos, als Missionare arbeiten. Ähnlich wie Juan Carlos hatte Israel auch die Jüngerschaftsschule besucht, anschließend geheiratet und mit seiner Frau den Herrn gefragt, wo sie ihm dienen könnten. Da sie viel für Nicaragua gebetet hatten und bekannt war, dass Omar Ortíz dort Einsätze machte, besuchte er eines Tages Omar, um ihn zu fragen, ob er ihn nach Nicaragua begleiten könne. Als er an Omars Tür klopfte, lag dieser gerade auf seinen Knien und betete um ein Ehepaar für Nicaragua! Nachdem Israel vier Einsätze mitgemacht hatte, bekam er den Eindruck, dass der Herr ihn und seine Frau nach Nicaragua rief. Sie legten ihr Anliegen den Ältesten der Gemeinde vor und fanden kein Verständnis. „Wovon wollt ihr leben? Wenn ihr unbedingt gehen wollt, dann geht, aber auf Eure Rechnung!“ Darauf verkauften sie alles, was sie besaßen und zogen nach Estelí, um dort in der kleinen Gemeinde in der Evangelisation, Weiterführung und Gefängnisarbeit mitzuhelfen. „Kann ich auch ein Traktat haben?“ Einen Tag vor unserer Abreise machten wir einen evangelistischen Einsatz in León. León ist die zweitgrößte Stadt Nicaraguas mit vielen Universitäten und der größten Kathedrale Mittelamerikas. Omar Ortíz und seine Freunde beten viel für diese Stadt und reisen von Honduras aus jeden Monat nach León, um mit Menschen zu reden, Kontakte zu knüpfen und das Evangelium zu verkündigen. Die Reise von Tela (Honduras) nach León dauert mit dem Bus fast zwei Tage. Wir waren sehr beschämt, als wir den Einsatz dieser Brüder sahen, die diese enormen Strapazen auf sich nehmen, um die wenigen Kontakte in dieser Stadt zu pflegen mit dem Ziel, dass dort eine Gemeinde entsteht. Zunächst suchten wir die Kontaktpersonen auf, um Bibelkurse, Bibeln usw. weiterzugeben und dann starteten wir eine etwa zweistündige Freiversammlung vor der Kathedrale. Alois, David und Israel hielten abwechselnd Kurzpredigten, worauf sich eine große Anzahl Menschen einfanden, die aufmerksam zuhörten. Wenn nach der Predigt einige Traktate hochgehalten und angeboten wurden, kamen viele nach vorne, um sich ein Traktat zu holen. Für uns Mitteleuropäer, die wir uns freuen, wenn überhaupt einmal jemand bereit ist, ein Traktat anzunehmen, war das eine ungewohnte Erfahrung. Ein junger Student neben mir schrieb sich alles auf, was gesagt wurde, war sichtlich bewegt und las nach einem kurzen Gespräch mit einem der Brüder in der Bibel. Viele baten darum, dass man bald wiederkommen möchte und so wurde der nächste Einsatz am 5. März angekündigt. Diese Stadt mit den vielen Straßenkindern, Arbeitslosen und Bettlern scheint „reif zur Ernte“ zu sein. Man sagt, dass etwa 70 % aller Mütter in Nicaragua alleinerziehend sind und man kann sich das soziale und geistliche Elend vorstellen, das sich aus dieser Tatsache ergibt. Bisher gibt es nur wenige bibeltreue Gemeinden in diesem katholischen Land. Die pfingstlich und charismatisch geprägten Gemeinden fallen meist dadurch auf, das man schon von weitem das durch Lautsprecher verstärkte Geschrei der Prediger und Gemeindeglieder hört. Aber diese Gemeinden haben wegen der häufigen Unmoral der Prediger in der Bevölkerung keinen guten Ruf. Wir sind dankbar zu wissen, dass in Honduras weitere junge Ehepaare bereit sind, nach Nicaragua zu ziehen, wenn der Herr sie ruft und die Wege ebnet. Bitte betet für sie und für die Missionare, die bereits in diesem Land arbeiten und für die Heimatgemeinden, dass Gott sie bereit macht, ihre Verantwortung für ihre Missionare zu erkennen und zu praktizieren. ?

Nachtext

Quellenangaben