Zeitschrift-Artikel: Der Fund vom "Meeresgrund" EIN URLAUBSERLEBNIS WIRD ZUM GLEICHNIS

Zeitschrift: 98 (zur Zeitschrift)
Titel: Der Fund vom "Meeresgrund" EIN URLAUBSERLEBNIS WIRD ZUM GLEICHNIS
Typ: Artikel
Autor: Andreas Fett
Autor (Anmerkung):

online gelesen: 90

Titel

Der Fund vom "Meeresgrund" EIN URLAUBSERLEBNIS WIRD ZUM GLEICHNIS

Vortext

Text

Gebannt stehen meine drei Kinder um mich herum. Auch meine Frau schaut mit Spannung über meine Schulter, als ich das sorgsam verschnürte Päckchen aufwickle. Ich habe es eben erst im Schlamm entdeckt, weil mir die goldene Kordel auffiel. Was verbirgt sich nur in dem lehmigen Paket? Und wieso liegt es hier am Grund des Sees, 100 Meter vom Ufer entfernt? Eigentlich begann die Geschichte mit einer Enttäuschung. Wir wollten als Familie im Allgäu campen. Nicht weit von den Bergen und wenn möglich an einem See – dem Forggensee im schönen Schwangau. So hatten wir es uns ausgemalt. Ernüchtert mussten wir feststellen, dass der Forggensee aussah wie der Große Salzsee in Utah! Statt eines kräuselnden Wasserspiegels gähnte uns eine trostlose Mondlandschaft entgegen. Woher sollten wir auch ahnen, dass er als Stausee jedes Frühjahr völlig abgelassen wird? Immerhin eignet sich das riesige Seebecken als Abenteuerspielplatz für Kinder. Überall liegt neugiererweckendes Strandgut verstreut. Weit und breit keine Menschenseele; und schon gar keine Fahrzeuge! Wenn man will, kann man an einigen Stellen bis zu den Knien Moorbäder nehmen. Nach einem solchen ausgelassenen Schlammbad – wir sind gerade dabei unsere Sandalen wieder anzuziehen – fällt mir das länglich gefaltete und verschnürte Päckchen ins Auge. Nachdem ich es Lage für Lage sorgsam auseinanderschlage, kommt ein eng gefalteter Brief zum Vorschein. Zwar nass, aber völlig unversehrt und leserlich tritt eine handschriftliche Aufzeichnung zu Tage. „Oooooch, nur ein Zettel!“ „Papa, was steht da?“ „Mensch, Andreas, lies doch mal vor; mach’ es nicht so spannend!“ Schatzkarte oder Testament? Wir lassen unserer Phantasie die Zügel schießen: „Das Testament eines Ertrunkenen?“ „Ein verschmähter Liebesbrief?“ „Die Karte zum Nibelungenschatz?“ Von wegen! Nichts von alledem. Statt dessen eine kurz gefasste Lebensbeichte: „Ich verpacke alle meine negativen Erlebnisse, meine Belastungen, meine schlechten Gedanken, mein Fehlverhalten, mein böses Gewissen, (...) was mich begleitet hat und schmeiße alles in die Tiefe des Wassers. Die Strömung soll es tragen. Ich will es nicht mehr tragen! Ich will frei davon sein. Ich will unbelastet sein. Der See trage es für mich.“ N. G. aus Speyer Das Unvorstellbare ist geschehen – wir haben es wieder hervorgeholt! Ganz unbeabsichtigt, als ‘Kommissar Zufall’, zerrten wir es wieder ans Tageslicht. Pardon, das war nicht beabsichtigt – das hätte N. G. wohl N.icht G.edacht! Ihr ging es bestimmt wie uns: Sie wusste auch nichts von dem Stausee – dem „Ablass“ im völlig umgekehrten Sinn. Ja, so kann es gehn. Während wir zum Campingplatz zurück schlendern, überlege ich, welche Lektion uns Gott damit erteilen will. Sorgen-Seebestattung Da ruderte also offensichtlich jemand auf dem See, der sich die Sünden selbst vergeben wollte! Ein Entlastungs-Versuch, ein Erleichterungs-Ritual, eine Sorgen-Seebestattung sozusagen. Na, das muss ja fehlschlagen. Aber sagen wir nicht oft auch: „Entschuldigung!“ als wäre mit diesem Ausspruch die Reinwaschung unseres Vergehens bereits abgeschlossen. Müssten wir nicht eigentlich: „Entschuldigst du mich bitte?“ fragen, um dann von unserem Gegenüber die Antwort/Vergebung zu empfangen? Der Vorfall erinnert mich an den Vers: „Er wird sich wieder über uns erbarmen, wird unsere Schuld niedertreten. Und du wirst alle ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“ (Micha 7,19) Nun ist der Forggensee höchstens 11 Meter tief. Aber Gott versenkt in die tiefsten Tiefen der Unerreichbarkeit und des Vergessens! Natürlich ist das nur ein bildlicher Vergleich. Aber ich frage mich: Wieviel ist das in Metern? Ich suche nach Angaben über die tiefsten Meeresbecken: Keine Deponie-Garantie Ich bin so froh, dass Gott nicht mitteilt: „Ich werde eure Sünden auf den Mond schießen!“ Dorthin brechen mittlerweile Weltraum-Touristen zu Mond-Expeditionen auf! Gäbe es da Deponie-Garantie für meine Schuld? Ich bin ebenso sehr beruhigt, dass meine Sünde nicht am Grund des Forggensees (11 m) oder des Marianengrabens (11 km) schlummert, denn... Die 'Trieste' in der Tristess der Tiefe Der Marianengraben im Westpazifik ist der tiefste Abgrund der Erde. Dennoch tauchten Jacques Piccard und Don Walsh am 23.01.1960 auf den Grund des Marianengrabens zur sog. ‘Challengertiefe’. Sie benutzten dazu eine Tauchkugel aus 12,7 cm dickem Stahl die dem gewaltigen Wasserdruck von 1,1 t/cm2 standhalten konnte. Um diese Kräfte so gering wie möglich zu halten, war die Kapsel für zwei Personen äußerst klein (Außendurchmesser: 2,16 m). Die Stahlkugel ‘Trieste’ konnte nur mittels tonnenschwerem Ballast aus Eisenschrott in diese Tiefe vorstoßen. Nach 20 Minuten Aufenthalt am Meeresboden (-10.916 m) wurde der Ballast abgeworfen (wie Sandsäcke beim Heißluftballon) um den Aufstieg zu ermöglichen. Es wäre auch ganz unmöglich, in solcher Tiefe „auszusteigen“ um Bodenanalysen zu betreiben. Gerade eine Handvoll Unterwasserfahrzeuge sind bisher imstande, auch nur 6.000 m tief zu tauchen, und alle sinken mit Hilfe von Ballast. Als Höhepunkt eines ehrgeizigen japanischen Tauchprogramms soll bald die unbemannte(!) ‘Dolphin’ den Boden des Marianengraben erreichen und dort ferngesteuert Videoaufnahmen machen. Ob es im Abgrund 11 Kilometer unter dem Meeresspiegel Lohnendes zu entdecken gibt, ist unter Experten umstritten. Während einige Meeresbiologen die Entdeckung unbekannter Tiere erwarten, sind andere Forscher eher skeptisch. „Da unten“, mutmaßt der Tauchpionier Robert Ballard, der auch die ‘Titanic’ aufgespürt hat, „ist nichts als Schlamm!!“ Das Zeichen des Jona (Mt 12,40) Für uns „zur Sünde gemacht“ versank Gottes geliebter Sohn, Jesus Christus, in unermesslicheren Abgründen. Er wurde am Kreuz mit dem Ballast unsrer Schuld in die Tiefe der Gottverlassenheit verstoßen, um unsere Sünde dort endgültig zu beseitigen. Typologisch betrachtet erlebte der Prophet Jona physisch, was unser Herr geistlich durchleiden musste: Du hattest mich in die Tiefe geworfen, in das Herz der Meere, und Strömung umgab mich. Alle deine Wogen und Wellen gingen über mich dahin. Da sprach ich: Verstoßen bin ich von deinen Augenhinweg...Wasser umfingen mich bis an die Seele, die Tiefe umschloss mich, Seetang schlang sich um mein Haupt. Zu den Gründen der Berge sank ich hinab. Der Erde Riegel waren hinter mir auf ewig geschlossen. Da führtest du mein Leben aus der Grube herauf, HERR, mein Gott. (Jona 2,4-7) Oder wie es in den Psalmen angedeutet wird: Tiefe ruft der Tiefe beim Brausen deiner Wassergüsse; alle deine Wogen und deine Wellen sind über mich hingegangen. (Ps 42,4.7) Ich bin versunken in tiefen Schlamm, und kein fester Grund ist da; in Wassertiefen bin ich gekommen, und die Flut schwemmt mich fort. Ich bin müde von meinem Rufen, entzündet ist meine Kehle; meine Augen vergehen vom Harren auf meinen Gott. Mehr als die Haare meines Hauptes sind die, die mich ohne Ursache hassen; mächtig sind, die mich verderben wollen, meine Feinde sind sie ohne Grund; was ich nicht geraubt habe, das soll ich dann erstatten. Ziehe mich heraus aus dem Schlamm, dass ich nicht versinke! Lass mich errettet werden von denen, die mich hassen, und aus den Wassertiefen! Lass die Wasserflut mich nicht fortschwemmen und die Tiefe mich nicht verschlingen; lass die Grube ihren Mund nicht über mir verschließen! (Ps 69,3-5.15-16) Das kleine Erlebnis mit dem ‘aufgetauchten Schuldbrief’ hat mir noch einmal eindrücklich vor Augen geführt, was folgende Verheißung Gottes beinhaltet: „Denn ich werde gegenüber ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein, und ihrer Sünden werde ich nie mehr ge- denken. (Heb 8,12)

Nachtext

Quellenangaben