Zeitschrift-Artikel: Hat die Wissenschaft Gott begraben? Eine kritische Analyse moderner Denkvoraussetzungen (John Lennox)

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Titel: Hat die Wissenschaft Gott begraben? Eine kritische Analyse moderner Denkvoraussetzungen (John Lennox)
Typ: Buchbesprechung
Autor: Michael Bühne
Autor (Anmerkung):

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Hat die Wissenschaft Gott begraben? Eine kritische Analyse moderner Denkvoraussetzungen (John Lennox)

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Text

Nach wie vor ist den meisten westlichen Zeitgenossen nicht bewusst, dass die Evolution nicht so bewiesen ist, wie es meist dargestellt wird. Und wer es wagt, sie zu hinterfragen, der wird angesehen wie einer, der die Physik selbst in Frage stellt. Wie jemand, der in der Kontroverse von Glaube und Wissenschaft auf der falschen Seite steht. Denn Glaube an Gott und Wissenschaft schließen sich aus. Und die Naturwissenschaft hat schon lange Gott begraben. Aber ist es wirklich so? Besteht der Konflikt nicht eher zwischen Theismus und Materialismus? Auf welcher Seite steht denn überhaupt die Naturwissenschaft? Sind viele der Aussagen über Herkunft und Sinn des Menschen und über die Evolution als Kraft nicht eher weltanschaulich als wissenschaftlich begründet? Kann man Gott mit naturwissenschaftlichen Methoden überhaupt „begraben“? Gibt es vielleicht sogar naturwissenschaftliche Indizien, die zwingend auf eine höhere Intelligenz schließen lassen? Und wie sieht es mit der Evolution aus? Um welche Art von Evolution geht es bei der Kontroverse überhaupt? Wie fest und aus welchem Grund glauben ihre führenden Vertreter an sie? Warum gibt es ungläubige Wissenschaftler, die die Evolution hinterfragen? Wie sieht der Forschungsstand aus, und welche grundlegenden Probleme gibt es? Auf eine feine, gründliche und nachvollziehbare Weise geht Professor Lennox vielen solchen Fragen auf den Grund. Er bezieht die Aussagen vieler führender Wissenschaftler mit ein, beleuchtet die weltanschaulichen Hintergründe, und geht auch auf naturwissenschaftliche Fragestellungen ein (z. B. Feinabstimmung des Alls, Begreifbarkeit des Alls, informationstechnische Überlegungen, nicht-reduzierbare Systeme in der Evolution u.v.a.). Dabei geht er nicht dogmatisch vor, sondern hinterfragt intel- lektuell redlich einige typische Anschauungen, stellt Fragen, gibt viele treffende Beispiele, und stellt glaubwürdige Alternativen vor, die dem Leser aber nicht aufgezwungen werden. Auf diese Weise wird auch für intellektuell anspruchsvolle und kritische Leser eine Möglichkeit aufgezeigt, wie man seinen Verstand nicht aufgeben muss, um an Gott glauben zu können. Und schließlich deutet Lennox noch an, dass die Möglichkeit der Existenz Gottes bedingt, dass es durchaus Sinn macht, nach ihm und seinen „Fußspuren“ in der Geschichte zu suchen! Ein wertvolles Buch, dass tiefgehend, aber verständlich geschrieben ist. Besonders für Studenten und intellektuell geprägte Menschen kann es eine gute Hilfe sein, alte Denkmuster und Weltanschauungen zu hinterfragen und die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass Gott in alle Überlegungen unserer Existenz mit einbezogen werden muss. Auch für Christen, die mit materialistisch denkenden Menschen zu tun haben, bietet das Buch sehr gute Gedanken und Argumente, womit sie ihre Gegenüber zum Nachdenken bringen können.

Nachtext

Quellenangaben

Brockhaus, Pb.; 143 S.; Euro 9,90;